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Kommunikationswissenschaft
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12-Aug-2003/14-Jan-07
Übersicht
Als Kommunikationswissenschaft bezeichnet man zumeist eine
sozialwissenschaftliche Disziplin, die sich mit Massenkommunikation,
d.h. der einseitigen Kommunikation weniger an viele über Medien befasst.
Gegenstände und Einteilung
Klassisch wird die Kommunikationswissenschaft eingeteilt in die
Untersuchung darüber, wer kommuniziert, was kommuniziert wird, wen dies
erreicht und welche Effekte dies zeigt. Diese Trennung kann jedoch etwa
mit Verweis auf die Theorie sozialer Systeme angefochten werden.
Die Erforschung der Effekte bezieht sich dabei einerseits auf das
Individuum, die Psyche mit Kognitionen und Emotionen. Andererseits
werden auch Wirkungen auf die Gesellschaft oder Teile der Gesellschaft
untersucht. Hier ist v.a. der Begriff der öffentlichen Meinung relevant.
Die Unterteilung der Kommunikationswissenschaft in verschiedene
Forschungsgebiete wird häufig mit Hilfe der Lasswell-Formel
verdeutlicht.
Kleine Theoriegeschichte der Wirkungsforschung
Der Beginn der Wirkungsforschung liegt u.a. in der Untersuchung von
Persuasion durch Propaganda, bedeutend insbesondere die Forschung in den
USA im Umfeld der Zweiten Weltkrieges. Im Fach wird diskutiert, ob in
diesen Frühzeiten Reiz-Reaktions-Modelle der Kommunikation überwiegen.
Ferner stellt die Zeitungswissenschaft ein Ausgangspunkt der Entwicklung
des Faches im deutschsprachigen Raum dar.
Im Laufe der Fachgeschichte werden naturgemäß einfache durch komplexere
Modelle und Theorien abgelöst. So entwickelt sich die Theoriegeschichte
weg von Vorstellungen, wonach Informationen und Meinungen durch
Kommunikation übertragen werden hin zu Modellen, wie Rezipienten mit
Medieninhalten interagieren, sich aus ihnen Weltbilder konstruieren und
mittels veschiedener Wege daraus Einstellungen und Entscheidungen
ableiten. Endgültig ausgetragen ist der Streit darüber, inwieweit
Medieninhalte und Weltbilder der Rezipienten Realitätsbeschreibung sein
können, jedoch nicht. Gemeinhin wird der Gegensatz im Begriffspaar
"Realismus" und "Konstruktivismus" ausgedrückt.
Zeitweise spitzt sich die Abkehr von starken, auf Einstellungen
bezogenen Wirkungen, zur These zu, Medien könnten wenn überhaupt nur
bestimmen, welche Themen die Rezipienten als relevant wahrnehmen, nicht
aber, welche Haltung sie dazu einnehmen. Hierfür wird das Bild der
"Agenda" verwendet, also die Liste dessen, was gerade als wichtig
behandelt wird. Entsprechend heißt das Konzept zu dieser
Forschungstradition "agenda setting".
"Durch die Hintertüre" schleichen sich jedoch Meinungen wieder ein,
indem man zur Einsicht gelangt, dass ein Thema keine allzu harte Einheit
darstellt, sondern verschiedene Aspekte hat. Hinzu kommt die Erkenntnis,
dass die menschliche Informationsverarbeitung nicht unbedingt unabhängig
davon funktioniert, in welcher Reihenfolge und mit welcher Betonung
Aspekte dargebracht werden, sondern vielmehr die Verfügbarkeit von
Informationen die Schlussfolgerungen mehr oder weniger mitbestimmt.
Somit wird den Medien wieder die Fähigkeit zugeschrieben, durch Betonen,
Herunterspielen, Weglassen (sei es absichtsvoll oder nicht) Urteile
mitzubestimmen.
Die neuere Forschung hält eine Vielzahl von Theorieangeboten und
Gegenständen bereit, von der Untersuchung des augenblickhaften
Unterhaltungserlebens bis hin zur langfristigen Kultivation von Ängsten
und Misstrauen durch tausendfache Rezeption von Angeboten, in denen
Gefahr und Gewalt dargestellt werden, von der Untersuchung politischer
Meinungsbildung über den Einfluss von PR auf Berichterstattung bis zur
Rezeption von Fußballspielen, von Verweisen auf die Kritische Theorie
bis zu systemtheoretischen Ansätzen. Außerdem muss sich die
Kommunikationswissenschaft mit der Tatsache auseinandersetzen, dass
teilweise Massen- und Individualkommunikation schwerer zu trennen sind,
etwa in den verschiedenen Anwendungen des Internet.
Zur Inhalts-, Kommunikator- und Publikumsforschung sowie weiteren Gebieten
Die Inhaltsforschung befasst sich mit den Inhalten, d.h. Aussagen und
Darstellungsweisen dessen, was die Medien übermitteln. Sie differenziert
sich einerseits anhand der Kontroverse darüber, was objektiv
feststellbarer Inhalt ist, andererseits nach dem Erkenntnisinteresse,
etwa der Einschätzung journalisitscher Qualität, dem Abgleich von
Realität und Berichterstattung (wenn man einen solchen Vergleich für
möglich hält), Existenz und Eigenschaften einer eigenen "Medienrealität"
sowie der Frage, was warum berichetet wird und warum anderes nicht, den
Inszenierungsstrategien von Medienschaffenden und in den Medien
präsenten Akteuren, der Ausdifferenzierung von Genres usw.
Die Kommunikatorforschung befasst sich mit Medienschaffenden und ihrer
Einbindung in bestimmte Organisationen: Welche Einstellungen,
Motivation, Interessen, Ausbildung usw. haben Journalisten, PR-Fachleute
usw. Welchen Zwängen unterliegen sie, worin sind sie frei, wie arbeiten
sie, wie entscheiden sie sich für Themen und Darstellungsweisen. Die
Publikumsforschung beschreibt schließlich die Zusammensetzung der
Rezipientenschaft sowie die Motive, das Ausmaß, die Eigenschaften und
Muster der Mediennutzung: Welche soziodemografischen und
psychigrafischen Beschreibungen lassen sich von Lesern, Zuschauern und
Zuhörern anfertigen? Welches Zeitbudget und welche Aufmerksamkeit widmen
sie der Mediennnutzung?
Neben diesen Gebieten befasst sich die Kommunikationswissenschaft mehr
oder weniger intensiv mit Fragen des Mediensystems (Ökonomisierung,
Konzentration, Medienwirtschaft, Medienrecht, Medienpolitik), der
Medienethik etc.
Verhältnis zur Medienwissenschaft
Das Verhältnis der Kommunikationswissenschaft zur
Medienwissenschaft zeigt
sich komplex: Kommunikationswissenschaftler bezeichnen sich gelegentlich
als Medienwissenschaftler, weil dieser Begriff Laien eher zugänglich
erscheint. Andere wiederum lehnen diese Vermischung ab und bestehen auf
einer Unterscheidung, welche auf verschiedenen Forschungslogiken dieser
Gebiete beruht. Mitunter wird versucht, die Unterscheidung an der
unterschiedlichen Praxisrelevanz festzumachen, jedoch mit verschiedenen
Ergebnissen.
Methoden
Lange Zeit, vielleicht mit Ausnahme einiger Vorläufer, war die
Kommunikationswissenschaft durch quantitative Methoden (standardisierte
Befragung, Beobachtung und Inhaltsanalyse) geprägt, die der Logik des
kritischen Rationalismus (vgl. Wiener Kreis, Karl Popper,
Positivismusstreit) folgten.
Im Fach wird insbesondere die quantitative Inhaltsanalyse als
methodisches Alleinstellungsmerkmal angesehen. Bei dieser Vorgehensweise
wird eine größere Zahl von Medieninhalten (Zeitungsartikel,
Fernsehbeiträge etc.) nach einem vorher festgelegten Raster
(Kategoriensystem) untersucht, wobei festgehalten wird, ob im Raster
beschriebene Aussagen (Beschreibung von bestimmten Handlungen, Erwähnung
bestimmter Themen und Personen, bestimmte wertende Aussagen) in den
Texten (im weiteren Sinne, also auch in Bildform) getroffen werden. Die
so gewonnen Daten werden dann einer statistischen Analyse zugeführt, so
dass am Ende Feststellungen stehen wie "Medium X trifft mehr positive
Aussagen über die Person A als Medium Y" oder "über das Thema X wird
häufiger unter dem Aspekt A berichtet als unter dem Aspekt B, dies steht
im Zusammenhang mit der Erwähnung von C..." usw.
Diese quantisierende, erklärende, variablenorientierte, deduktive
Herangehensweise wird jedoch (viele Beobachter meinen: in zunehmendem
Maße, hin zu einer Gleichbehandlung) von qualitativen, verstehenden,
induktiven, hermeneutischen Ansätzen ergänzt oder ersetzt. Dies drückt
sich in Methoden wie offenen Interviews und qualitativen Inhaltsanalysen
aus.
Siehe auch
- Kommunikation und Information
- Kommunikationstheorie
- Kommunikationsmodell
- Proxemik
Quelle und Lizenz
Ein Teil dieses Textes basiert auf einem Artikel aus
Wikipedia, der
freien Enzyklopädie
veröffentlicht.
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Stand: 12:31, 7. Feb 2005.
Lizenz:
GNU Free Documentation License (GNU FDL).
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