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Sony BMG Music Entertainment

Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Medium, November 2005.

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Erstellt/bearbeitet: 23-Nov-2005/14-Jan-07
Systemzeit: Samstag, 22.11.2008, 23:50:44.

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Übersicht

Sony BMG entstand im Juli 2004 mit Zustimmung der EU-Wettbewerbskommissare durch Fusion von BMG (Bertelsmann) und Sony als Konkurrent zum bisher führenden »Major«-Label Universal. Es handelt sich bei dem fusionierten Unternehmen um den zweitgrößten Musikkonzern der Welt.

Bereits zuvor hatten die Majors EMI und Warner Music eine Fusion erwogen, die ihnen jedoch von der Europäischen Kommission augrund kartellrechtlicher Erwägungen untersagt worden war. Bereits seit Jahren unternahm Bertelsmann immer wieder Vorstöße zur Bildung kartellrechtswidriger Strukturen, die jedoch – bis Mitte 2004 – immer wieder durch die Europäische Kommission untersagt worden waren:

  • 1994: Gründung der Media Service Gesellschaft (MSG), Gemeinschaftsunternehmen von Bertelsmann, Kirch und der Deutschen Telekom; untersagt durch die Europäische Kommission durch die Entscheidung vom 9. November 1994 (ABl. EG Nr. 364 vom 31.12.1994, 1 ff.)
  • 1998: Fusionsvorhaben von Bertelsmann, Kirch und Premiere; untersagt durch die Europäische Kommission durch die Entscheidung vom 27. Mai 1998, KOM (1998) 14439 endg.

Bertelsmann kann also durchaus als gerichtsnotorisch in versuchten Kartellrechtsverstößen betrachtet werden.

Ethische Fehltritte

Für einen globalen Konzern, der beständig für den Schutz sog. geistigen Eigentums eintritt und in diesem Zusammenhang an tausenden von Klagen gegen Privatpersonen beteiligt ist, ist es um die Unternehmensethik des Konzerns Sony-BMG überraschend schlecht bestellt – der Konzern ist seit Jahren in eine nicht abreißende Folge von Skandalen verstrickt.

Verbreitung von Rootkit-Viren

Ende Oktober dokumentierte des Windows-Spezialist Mark Russinovich von Sysinternals in seinem Blog ein bisher unbekanntes Rootkit, dass ausgerechnet von Sony BMG in die Welt gesetzt worden war; Russinovich entdeckte es bei einem Testlauf seiner Software RootkitRevealer (RKR). In die Welt gesetzt worden soll dieses Rootkit nicht etwa versehentlich oder irrtümlich, sondern absichtlich – von First 4 Internet unter der Bezeichnung XCP (XCP1 Burn Protect) für Sony entwickelt und wohl als Vorgeschmack auf den bevorstehenden DRM-Irrsinn gedacht. Das XCP nimmt umfangreiche Änderungen am Windows-Betriebssystem vor und installiert dabei u.a. einen Rootkit-Treiber (aries.sys), der sich nur mit großem Aufwand entfernen läßt und bei Säuberungsversuchen das CD-Laufwerk unzugänglich macht. Doch damit nicht genug, Russinovich bezeichnete das Rootkit darüber hinaus als »unsauber programmiert«, was zu einem instabilen Betriebssystem und Datenverlust führen könne.

Wenige Stunden später bestätigte Mikko vom F-Secure Antivirus Research Team den Rootkit-Charakter des Sony-DRM-Systems wiesen auf gravierende Sicherheitsimplikationen des DRM-Verfahrens hin; F-Secure habe unabhängig von Mark Russinovich recherchiert und festgestellt, dass Sony das Rootkit bereits seit März 2005 verbreiten ließe; nachweisen habe sich das lassen durch Testkäufe bei Amazon.com. F-Secure stellte darauf eine technische Beschreibung und den Rootkit-Scanner F-Secure BlackLight Rootkit Eliminator zur Verfügung; F-Secure warnt jedoch davor, das Rootkit mit dem hauseigenen Tool zu entfernen, da dies das CD-Laufwerk unzugänglich machen könne.

Nach einer Pressemitteilung von SlySoft (der Firma, auf deren Homepage man in Deutschland keine Links setzen darf) soll ausgerechnet das Slysoft-Programm AnyDVD (dessen Verkauf in Deutschland unzulässig ist) Windows-PCs vor Sonys DRM-Rootkit-Virus schützen. Glaubt man den Angaben von Slysoft, würde die bizarre Situation entstehen, dass der Weltkonzern Sony mutwillig Rootkit-Viren in Umlauf setzt und ausgerechnet ein in Deutschland illegales »Umgehungstool« den Rechner vor diesem Rootkit schützt. Verkehrter und verwirrender kann es wohl kaum noch werden.

Nachdem Anfang November 2005 bekannt geworden war, dass Sony BMG auf Audio-CDs einen Rootkit-Virus verbreitet, das sich im Betriebssystem verbirgt, die Systemkonfiguration weitgehend manipuliert und Datenverluste verursachen kann; jetzt hat Mark Russinovich von Sysinternals dokumentiert, was das Sonny-Rootkit noch macht: Es telefoniert nach Hause und überträgt dabei Daten wie Uhrzeit, IP-Adresse und Album-ID.

In seinem Blog-Eintrag Dangerous Decloaking Patch, EULAs and Phoning Home berichtet Mark von den Schwierigkeiten, das Rootkit durch "Updates" von Sony loszuwerden, vom Auftauchen einer obskuren "MediaJam"-Software und von einer unwahren Sony-EULA, die der Anwender abnicken muß, und in der keine Rede ist von einem Datenaustausch mit Sony-Servern.

Durch Mitschneiden des Datenverkehrs mit Ethereal hat Mark herausgefunden, dass die Rootkit-Software Verbindung aufnimmt mit connected.sonymusic.com. Heise Online greift diesen Fund in der Meldung Sony BMGs CD-Player-Software telefoniert nach Hause auf und weist darauf hin, dass Sony BMG dadurch die Möglichkeit erhalte, Nutzungsprofile zu erstellen.

In späteren Untersuchungen wurden Indizien gefunden, dass die Sony-BMG-Software möglicherweise Verstöße gegen die GNU GPL und andere Lizenzen enthalte; es wurden Fragmente von urheberrechtlich geschütztem Code entdeckt, u.a. von dem freien Media-Player VLC. Im November erhob schließlich der texanische Staatsanwalt und die Electronic Frontier Foundation (EFF) Klage gegen den Konzern.

Eigentlich ergibt sich ein recht schlüssiges Bild über die Unternehmensethik von Sony: Sony klaut für die Studie Deutschland Online 2 urheberrechtlich geschütztes Material aus der Wikipedia und weigert sich, die Lizenzauflagen der GNU FDL einzuhalten; Sony erfindet für das hauseigene Filmlabel einen Filmkritiker, der munter in der Werbung zitiert wird; Sony-BMG verbreitet ein DRM-Rootkit und Sony schafft die Möglichkeit zur Erstellung von individualisierbaren Benutzerprofilen.

Was soll das sonst sein als Marktforschung für kommende Pay-per-use-Systeme? Aus den gewonnen Nutzungsprofilen kann Sony folgern, welche Audio-CDs wann und wie oft abgespielt wurden; daraus kann Sony den Schaden berechnen, der entstünde, wenn Pay-per-use-Systeme nicht genutzt würden. Nach einem ähnlich hirnkranken verfahren werden ja auch die angeblichen Verluste durch so genannte "Raubkopien" berechnet...

Erfindung eines begeisterten Filmkritikers

Ein weiteres »Glanzlicht« von Sonys Unternehmensethik zeigt sich in der Erfindung eines begeisterten Filmkritikers, der munter in der Werbung für Sony-Filme zitiert wurde. Als der Betrug bekannt wurde, gelobte Sony Besserung.

Payola-Skandal

Sony BMG bekannte sich Ende Juli 2005 vor einem New Yorker Gericht in dem so genannten Payola-Skandal für schuldig [2]: Der Major hatte Radiosender mit Geld und Luxusreisen bestochen, damit diese bestimmte Songs spielten. Wie der zuständige New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer mitteilte, habe der Musikkonzern eine Zahlung von zehn Millionen Dollar zur Beilegung der so genannten »Pay-for-Play«-Affäre zugestimmt. Außerdem habe der Konzern zugesagt, einen Beauftragten einzustellen, der die Werbetätigkeiten des Unternehmens zukünftg überwachen soll. Darüber hinaus werde man eine Erklärung veröffentlichen, in der ein unzulässiges Verhalten eingestanden wird [1].

Weitere Ermittlungsverfahren zu entsprechenden Korruptionsvorwürfen laufen noch gegen Vivendi Universal, EMI und Warner Music; letzterer bekannte sich im November 2005 ebenfalls für Schuldig und erklärte, zukünftig keine Radiosender mehr bestechen zu wollen.

Verschleppung von Zahlungen an Urheber

Die Süddeutsche Zeitung berichtete im Januar 2005 noch von einem weiteren Grund, warum Medienmultis wie Sony BMG gegenüber ein gesundes Mißtrauen angebracht sein könnte:

  • Detlef Esslinger: »Willst Du Money, Honey? Seit 25 Jahren warten die "Bay City Rollers" auf ihre Tantiemen, nun verschickt der Musikkonzern SonyBMG den ersten Scheck«. In: Süddeutsche Zeitung, 28.01.2005 20:21.
    www.sueddeutsche.de/,trt4m1/panorama/artikel/925/46879.

Glashaus und Steine

Im Oktober 2000 gaben die P2P-Tauschbörse Napster und Bertelsmann (genauer: Bertelsmann eCommerce Group, BeCG) in New York eine strategische Allianz sowie die zukünftige Zusammenarbeit bekannt. Wichtig sei, so erklärte BeCG-Chef Andreas Schmidt damals in einem  Interview, dass das »Napster-Prinzip« des File-Sharings bestehen bleibe.

Sowohl  BMG Records GmbH als auch  BMG Berlin Musik GmbH und  Sony Music Entertainment (Germany) GmbH & Co. KG gehören zu den insgesamt acht Mandanten der Münchner Kanzlei Waldorf, die zwischen Herbst 2003 und Ende 2004 zumindest hunderte von privaten Websitebetreibern urheberrechtlich mit Streitwerten von bis zu 250.000 Euro abgemahnt haben. Dabei geht es nicht um »Raubkopien«, sondern in vielen Fällen nur um Verweise auf externe Websites, über die so genannte »Umgehungsvorrichtungen« zugänglich sein könnten, die seit der Novelle des deutschen Urheberrechts im Herbst 2003 nicht mehr gehandelt oder kommerziell genutzt werden dürfen.

Gleichzeitig gehörte Sony BMG neben der T-Online International AG und dem Euro Lab for Electronic Commerce & Internet Economics zu den Auftragebern der Studie  Deutschland-Online 2, die ein  Glossar enthält, das ohne Lizenzangabe der deutschsprachigen  Wikipedia »entliehen« wurde.

Dieser freche Textklau im Auftrag von Sony BMG wirft ein bezeichnendes Licht auf die urheberrechtlichen Abmahnaktivitäten durch die Kanzlei Waldorf, zu deren Auftraggebern sowohl BMG Records als auch Sony Music Entertainment gehören: Rolf Schmidt-Holz, Chef von Sony BMG, wird als einer der drei Autoren der Studie genannt und wäre damit der Adressat einer urheberechtlichen Abmahnung Wikipedia ./. Sony BMG.

Siehe auch

Netmarks

BMG Records GmbH.

BMG Berlin Musik GmbH.

Sony Music Entertainment (Germany) GmbH & Co. KG.

Heise Online: »Kein Ende bei Kopierschutz-Abmahnwelle in Sicht« (News), 21.12.2004 17:47,
www.heise.de/newsticker/meldung/54515.

Heise Online: »Musikindustrie mahnt heise online wegen Bericht über Kopiersoftware ab« (News), 28.01.2005 12:23,
www.heise.de/newsticker/meldung/55676.

Downhill Battle: Music Activism - »Downhill Battle is a non-profit organization working to end the major label monopoly and build a better, fairer music industry«,
www.downhillbattle.org.

Chaos Computer Club e.V.: Kampagne zum Boykott der Musikindustrie - »Freedom of Information Is No Crime«,
www.ccc.de/campaigns/boycott-musicindustry.

Laut.de: Sony/BMG-Fusion: "Herz der Musik" in Gefahr? (05. November 2004)
www.laut.de/vorlaut/news/2004/11/05/10702

Payola-Skandal

Office of the New York State Attorney General Eliot Spitzer: »SONY SETTLES PAYOLA INVESTIGATION. Company Acknowledges Problems; Agrees to Sweeping Reforms« (Press Release), July 25, 2005,
www.oag.state.ny.us/press/2005/jul/jul25a_05.html.

Heise Online: »Musikshops von Microsoft und Apple zahlen mehr an Independent-Labels« (News), 27.07.2005 18:07,
www.heise.de/newsticker/meldung/62187.

HousePool.com: Payola: Staatsanwalt ermittelt gegen Musikindustrie,
magazine.housepool.com/.../modules.php?name=News&file=article&sid=440.

HousePool.com: Skandal-Bestechung bei VIVA aufgeflogen,
magazine.housepool.com/.../modules.php?name=News&file=article&sid=141.

HousePool.com: Payola: Sony BMG erklärt sich der Korruption schuldig,
housepool.com/magazine/.../modules.php?name=News&file=article&sid=603.

Netzeitung: Sony BMG räumt Bestechnung von Sendern ein,
www.netzeitung.de/wirtschaft/unternehmen/350054.html.

Musikmarkt Online: Sony BMG zahlt angeblich Payola-Strafe,
www.musikmarkt.de/.../news/news_2.php3?bid=15183&th=15183&afb=0.

Musikmarkt Online: Radiopromoter verlässt Sony BMG International,
www.musikmarkt.de/.../news/news_2.php3?bid=15195&th=15195.

Laut.de: SonyBMG: Majorlabel besticht Radiosender,
www.laut.de/vorlaut/news/2005/07/26/12785.

Sueddeutsche.de: Bestechende Musik-Promotion,
www.sueddeutsche.de/,trt3m1/kultur/artikel/443/57386.

Rootkit-Virus

Mark's Syinternal Blog: Sony, Rootkits and Digital Rights Management Gone Too Far (Monday, October 31, 2005),
www.sysinternals.com/blog/2005/10/sony-rootkits-and-digital-rights.html.

Heise Online: Sony BMGs Kopierschutz mit Rootkit-Funktionen (01.11.2005 11:34),
www.heise.de/newsticker/meldung/65602.

Golem.de: Sonys DRM-System nistet sich wie Schadsoftware in PCs ein. DRM-Software nimmt umfangreiche Änderungen am System vor (01.11.2005 / 12:03),
www.golem.de/0511/41350.html.

Golem.de: Deinstaller für das versteckte DRM-System von Sony BMG. Update vom DRM-Entwickler First 4 Internet macht Software zudem sichtbar (03.11.2005 / 10:47),
www.golem.de/0511/41393.html.

Anmerkungen

Forum: Canidae (Hundeartige) Allgemein (Anmerkungen in diesem Forum: 0)

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