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Juni 2002
Das GNU/Linux-Tagebuch von
Agon S. Buchholz.
Tagebuch :
2002 : 06 :
Übersicht
01-Jan-2002/09-Jan-07
Übersicht
Gnome 2.0
erscheint!

Für Juni steht wohl oder übel mein erster reinrassiger Linux-PC auf
der Agenda. Vermutlich wird das ein Multiprozessor-Board (Tyan Tiger
oder Tyan Thunder) mit zwei AMD Athlon MPs. Bisher bin ich mir aber noch
nicht schlüssig, ob ich mir ein SCSI-System leisten möchte, oder doch
ein IDE-RAID antun will.
Die Entscheidung fällt letztlich für ein Hybridsystem, sowohl mit
IDE- als auch SCSI-Geräten; ein SCSI-basiertes Festplatten-Subsysten ist
unanständig teuer; eine einzige Platte mit etwa 36 GB kostet deutlich
über EUR 300,-; das Äquivalent im IDE-Bereich: zwei gute Platten à 80 GB
oder drei Low-Cost-Platten à 60 GB. Durch IDE erhalte ich also u.a.
folgende Möglichkeiten:
- Das doppelte Speichervolumen (ca. 80 GB) mit Mirroring (RAID
Level 1), also ziemlich viel Massenspeicher mit Fehlertoleranz.
- Das gut dreifache Speichervolumen (ca. 120 GB) mit Striping
(RAID Level 3), also noch mehr Massenspeicher mit Paritätsdaten auf
einer Platte.
- Das etwa 4,5- bis 5-fache Speichervolumen mit RID Level 0, also
sehr viel Massenspeicher ohne Fehlertoleranz.
So sehr ich auch SCSI schätze, angesichts dieser einfachen
Kalkulation erscheint jeder SCSI-Massenspeicher für eine Workstation
ungeeignet. Hinzu kommt, dass aktuelle 60er- und 80er-IDE-Platten mit
5.400 oder 7.200 RPM drehen, SCSI-Platten jedoch nur noch mit 10.000 bis
15.000 RPM verfügbar sind. IDE-Platten haben eine geringere
Leistungsaufnahme (ca. 6 bis 7 Watt), sind leiser und erzeugen kaum
Abwärme. Der einzige möglicherweise positive Effekte einer SCSI-Platte
scheinen gewisse Geschwindigkeitsvorteile zu sein (Average seek time
z.B. 4,9 ms statt 8,5 ms bei IDE), obwohl "Real World"-Benchmarks der
c't sogar dies relativieren.
Die weiteren Komponenten:
- Mainboard: Tyan Tiger S2460 MP.
Ein einfaches SMP-Mainboard ohne die diversen On-Board-Komponenten
des Tyan Thunder; ich entscheide mich für die ältere MP-Variante, da
diverse Berichte im Usenet vermuten lassen, dass die neuere
MPX-Version noch nicht stabil ist.
- CPU: AMD Athlon 1900 MP.
Die Multiprozessor-Variante ("MP") des AMD Athlon XP, Taktfrequenz
von 1600 MHz, scheint das beste Preis-Leistungsverhältnis zu haben
und ist laut Tyan auch für das Mainboard geeignet.
- RAM: DDR SDRAM ECC registered, PC2100, Infineon oder
Kingston.
- PSU: Enermax EG 651P-VE, 550 Watt ATX.
Das leistungsstärkste und noch handelsübliche Netzteil, das zu
bekommen ist; zwei Lüfter, Fan Control, soll einen "guten" Strom
liefern.
- GPU: Matrox Marvel G450 eTV.
Eine ältere AGP-Grafikkarte mit 32 MB DDR-RAM und 360 MHz RAMDAC,
liefert u.a. Auflösungen wie 1600x1200 16 Mio 100 Hz und 1920x1440
16 Mio 85 Hz und braucht keinen Lüfter. Ein kleines Schmankerl ist
der integrierte TV-Tuner mit S-Video- und Composite-Eingang/
Ausgang. Theoretisch gibt es ein Projekt, das den Videopart dieser
Karte auch unter Linux unterstützt, und ich bin sehr gespannt...
- SCSI-Adapter: Dawicontrol DC-2980U2W.
Ein Ultra-2 SCSI-Hostadapter, den ich für die vorhandene
SCSI-Hardware brauche. Dawi liefert den Adapter als Kit mit
verschiedenen Kabeln, selbst die Bulk-Variante des entsprechenden
Adaptec (19160N Single) ist deutlich teurer. Der Hersteller liefert
zwar keine Linux-Treiber mit, der Adapter soll aber gut unterstützt
werden.
- DVD-ROM: Pioneer 305S.
SCSI-Version des Slot-in DVD-Laufwerks von Pioneer; ob
Slot-in-Laufwerke so langelebig sind wie Caddy- oder Tray-Laufwerke
weiss ich nicht (ich habe da so meine Zweifel), sie sind jedenfalls
definitiv komfortabel und sehr sexy. Nachteile: lauter als
Tray-Laufwerke, etwas teurer, weniger Auswahl, Mini- oder Shape-CDs
sind nicht benutzbar.
Mandrake Version 8.2, weiterhin auf drei CDs als ISO.
Eine sehr komfortable Distribution, optimal vorkonfiguriert für den
Desktop-Anwender, insbesondere für Freunde von
KDE besser geeignet als
Red Hat
Linux. Mandrake soll zwar weiterhin kompatibel bleiben zu Red Hat,
sich aber von
Red Hat 7.2 bzw.
Red
Hat 7.3 recht stark gelöst haben. Ich werde bei Gelegenheit einen
zweiten Blick auf diese jetzt anscheinend eigenständige Distribution
werfen, generell bevorzuge ich aber weiterhin
Red Hat
Linux mit Gnome und
Ximian.
Antesten der vorkonfigurierten Firewalls
Smoothwall und
IPCop.
Der Setup ist zwar sehr einfach und unproblematisch, aber die
Firewall-Regeln können nur minimal modifiziert werden, beide
Distributionen basieren noch auf ipchains und dem 2.2er-Kernel und
bieten daher keine Stateful Inspection; IPCop lässt sich in der
aktuellen Version nicht updaten, obwohl Fixes bequem eingespielt
werden können. Ich halte die beiden Systeme für meine Zwecke wenig
geeignet, da sie kaum Vorteile gegenüber
Coyote Linux
oder FLI4L
bieten. Hauptnachteil: Smoothwall und IPCop müssen auf Festplatte
installiert werden, Coyote und FLI4L laufen von Floppy; in einem Coyote-
oder FLI4L-Router muss also weder ein CD-ROM-Laufwerk noch eine
Festplatte vor sich hin rödeln, ein nacktes System aus Mainboard, zwei
Netzwerkkarten und Floppy-Laufwerk reicht aus; Puristen können das noch
weiter abspecken und die Terminalausgaben auf eine serielle Konsole
umlenken (spart Tastatur und Maus sowie Grafikkarte).
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