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April 1997

Tagebuch : 1997 : 04 : Übersicht
01-Jan-1997/09-Jan-07


Übersicht

 

01-Apr-97

Auf meinem Heimcomputer schmeiße ich mal wieder die Linux-Platte an. Nach etlichen Dingen, die *nicht* funktionieren, gelingt es mir, mit dem Emacs einen Postscript-Buffer auszudrucken; immerhin etwas, zuvor war es mir noch nie gelungen, irgendetwas unter Linux auf einem Drucker auszugeben (der PCL-Mode meines HP LaserJet 4 MP funktioniert natürlich auch weiterhin nicht). Es gelingt mir, einen Text auszudrucken und ich freue mich... unter Linux wird man anscheinend bescheiden und freut sich auch über die trivialsten Banalitäten.

15-Apr-97

Ich installiere Red Hat Linux 4.1 von CD auf einem Rechner, der über eine Netzwerkkarte direkt im Internet hängt; als Betriebssystem wird Standardmäßig Windows 95 eingesetzt, der Rechner dient als WWW- und FTP-Server. Falls es funktionieren sollte, könnte ich eventuell meinen Chef dazu überreden, statt Windows 95 Linux einzusetzen.

Der Rechner hat ein Asus-Mainbaord mit Pentium-66-CPU und 64 MB RAM; die 4 GB-Platte wird über einen Adaptec AHA-2940 angesprochen; neben einem SCSI-CD-Laufwerk (Toshiba XM-3501) befinde sich keine nennenswerten Geräte in dem PC.

Die Festplatte ist in fünf Partitionen aufgeteilt, eine Bottpartition für Windows 95, eine (noch leere) Linux-Partition, die wohl demnächst Windows NT 4.0 Server beherbergen wird sowie verschiedene Datenpartitionen; zusätzlich ist der OS/2-Bootmanager installiert, über den das jeweilig zu bootende Betriebssystem ausgewählt werden soll (so mache is das jedenfalls seit Jahren zu Hause).

Nach der Installation des Red Hat Linux 4.1 klappt natürlich das Booten nicht; der OS/2-Bootmanager schmeißt korrekt den LILO an (*nicht* im MBR installiert!), dann kommt nur noch:

            boot: linux

            Block move error 0x01

Wie unter Linux üblich beginnt jetzt die große Sucherei; in der „Linux Bible“ werde ich im Kapitel „LILO User’s Guide“, Abschnitt 5.2 „Disk error codes“, fündig:

            0x01            „Illegal command“. This shouldn’t happen, but if does,

it may indicate an attempt to access a disk which is not

supported by the BIOS.

Diese Aussage hilt natürlich überhaupt nicht weiter, da es sich ja um eine SCSI-Festplatte handelt, die mit dem BIOS überhaupt nichts zu tun hat, und die außerdem unter MS-DOS 7.0 bzw. Windows 95 völlig problemlos arbeitet.

Wieder einmal schicke ich eine E-Mail-Anfrage an <support@redhat.com>, die sinngemäß beantwortet wird mit „Keine Ahnung was los ist“. Ziemlich ärgerlich, wenn man einen Rechner aus verbreiteten Standarkomponenten mit Linux nichtmal zum booten bekommt. Ich nix Ahnung, Red Hat Support nix Ahnung, ergo wir nix betreiben Linux. Unser WWW- und FTP-Server läuft also weiterhin unter Windows 95, das funktioniert immerhin.

16-Apr-97

Heute nehme ich mein Notebook mit an die Uni. Nach Feierabend setze ich mich in Ruhe daran, Linux auf das Ding draufzubekommen. Das Notebook (Noname, 486-100, 20 MB RAM, 500 MB-Festplatte, kein CD-Laufwerk). Nach einigem Herumprobieren wird klar, daß ich entweder die Partitionierung völlig verändern muß (momentan sind es zwei Partitionen, eine komprimierte 100-MB-Bootpartition und eine 400-MB-Datenpartition); ich entschließe mich also, ein FTP-Install zu probieren.

Also PCMCIA-Netzwerkadapter ins Notebook (ich verwende ein 3Com EtherLink III 3C589B-Combo), Ethernetkabel angeschlossen und mit den beiden Red Hat-Bootdisketten gebootet. Im Gegensatz zum alten S.u.S.E.-Linux vom November 1995 geht das Booten von Diskette bei Red Hat sehr flott; hier hat sich jedenfalls etwas zum Positiven verbessert (modularisierter Kernel?); die Installationsroutine fragt nach, ob ich Unterstützung für PCMCIA-Karten benötige: Ja! Es piepst zweimal, als die beiden Slots initialisiert werden, scheint also zu klappen. Dann sind  noch ein paar Eintragungen für TCP/IP und den Installations-FTP-Server notwendig und schon beginnt die Installation; die PCMCIA-Netzwerkkarte ist spürbar langsamer als eine normale PCI- oder ISA-Netzwerkkarte, aber Grund zum Klagen habe ich sicherlich nicht. In den Abendstunden dürften die gut 140 MB das Campunetz auch nicht über Gebühr belasten, hoffe ich jedenfalls. Noch einer knappen halben Stunde ist die Installation abgeschlossen; die Installationsroutine fragt noch einige Daten ab, darunter die Grafikkarte für X-Windows.

Hm, wieder so ein Problem... bei der Installation von Windows 95 hat sich Windows um solche technischen Feinheiten gekümmert, woher soll ich wissen, welcher Chipsatz in meinem Notebook verkaut worden ist? Da keine Option für Notebooks vorgesehen ist und ich ohnehin nur ein 640x480-Monochromdisplay habe, wähle ich den „Monochrom-Server“. LILO wird diesmal im MBR gespeichert, wenn es nicht klappt, ist das auch egal (ich brauche das Notebook im Moment nicht dringend). Ein Reboot und – voila! -- auf meinem Notebook läuft Linux!

Leider ist die Kommandozeile auch alles, was ich bekommen kann; ‘startx’ würgt eine Unmenge an Fehlermeldungen aus und terminiert. Ich versuche einen anderen X-Server einzurichten, scheitere jedoch daran, daß keiner installiert ist. Anscheinend kann Red Hat nur genau einmal auf den FTP-Server zur Installation zugreifen, die Nachinstallation der schönen RPM-Packages ist anscheinend nicht vorgesehen. Testweise hole ich mir mit ‘lynx’ den Netscape Navigator für Linux von unserem FTP-Server, auch das funktioniert. Lynx gefällt mir als flotter WWW-Client sogar ausnehmend gut; bisher kannte ich nur die Win32-Portierung, und die ist Oberkacke (= vollkommen unbrauchbar). Was zeichenorientierte Applikatiönchen angeht scheint Linux erstmals Vorteile gegenüber der Windows-Welt aufzuweisen, so einen WWW-Browser hätte ich jedenfalls gerne unter Windows.

Wenn ich jetzt noch wüßte, welchen X-Server ich für mein Notebook benötige, dann könnte ich den vielleicht sogar per FTP finden und nachinstallieren; nach zwei Fehlversuchen (Standard-VGA, Cirrus Logic) gebe ich aber auf, ich habe keine Lust, sämtliche X-Server durchzuprobieren.

An der Kommandozeile (pardon, in der Shell :-) starte ich den GNU Emacs; trotz IDE-Platte lädt das Ding ziemlich genau zwölfmal schneller als die GNU Emacs-Portierung für Windows NT. Weil ich es nicht glauben kann, starte ich Linux ein paarmal neu (ich will ja nicht die Cache-Performance testen), das Resultat bleibt aber gleich: der GNU Emacs lädt unter Linux von IDE-Platte auf einem Notebook in einer Sekunde (!), auf einem Arbeitsplatzrechner unter Windows 95 mit einer 7200-Umdrehungen-SCSI-Platte (Quantum Atlas II) dauert es zwölf Sekunden. Ich sehe irgendwie keinen Grund, unter Linux den Emacs in den Hintergrund zu stellen, wie das ja angeblich üblich ist; schneller sind die Ascii-Editoren unter Windows 95 auch nicht geladen (z.B. der 32-Bit PFE von Alan Philips). Nach etwas Herumspielerei mit dem GNU Emacs gefällt mir das Ding erstmals; im Gegensatz zur Windows-Portierung kann man in der Linux-Version anständig scrollen, ob das Syntax-Highlighting besser funnktioniert, kann ich auf meinem Monochromdisplay nicht ausprobieren. Schade aber, daß X-Windows nicht läuft; eigentlich hätte ich ja gerne mal den Xemacs 20 ausprobiert :-(

Nun, wenn mein Notebook unser Netzwerkserver gewesen wäre, dann würden wir jetzt vielleicht HTTP- und FTP-Server unter Linux betreiben; da Linux auf dieser Kiste nicht booten will, schreibe ich diesen Text wieder auf meinem Notebook – unter Word; irgendwie ist Linux vollkommen ohne GUI nicht besonders prickelnd, mir fällt einfach nichts ein, was ich damit machen könnte (TeX/LaTeX ohne Preview-Möglichkeit?)

Mal überlegen, ob mir doch noch etwas einfällt, zu irgendetwas muß man ein Linux-Notebook doch sinnvoll verwenden können...?

19-Apr-97

Strahlend blauer Himmel in Berlin. Eine Freundin überredet mich zu einem Ausflug ins Umland, wird wohl ein computerfreier Tag werden. Am späten Abend stelle ich leicht irritiert fest, daß man ohne die flimmernden Kisten auch ziemlich gut leben kann. Überlege, ob man Computer nicht vielleicht doch nur dazu benutzen sollte, die Probleme zu lösen, die man wirklich hat. Die Vermutung, daß Linux vielleicht nur erfunden wurde, um Probleme wiederauferstehen zu lassen, die in anderen Betriebssystemen längst gelöst wurden („Zombie-Probleme“) ist mir einen Tagebucheintrag wert.

22-Apr-97

Habe eine Stunde lang Zeit, zwei Antworten der Red Hat-Supportmenschen auszuprobieren; man muß anerkennen, daß der Red Hat-Support zumindest antwortet, wenn er auch den Support auf die pure Installation beschränkt (dazu gehört beispielsweise nicht die Konfiguration von UUCP); auf der Verpackung ist allerdings die Rede von „30 days of email technical support“, eine Einschränkung auf die Installation geht daraus nicht hervor; wird wohl ein „Versehen“ der Marketingabteilung sein.

Eine Antwort bezieht sich auf meine Frage, wie ich denn RPMs nachinstallieren könne, wenn Red Hat bei der Installation meine SCSI-Laufwerke (Toshiba XM-3501) nicht korrekt bzw. überhaupt gar nicht einbindet (obwohl ich ja von CD installiert habe).

Der Support-Ingenieur empfiehlt, in /etc/fstab einen Eintrag zu ergänzen:

            /dev/cdrom     /mnt/cdrom     iso9669  ro,noauto 0 0

Das klingt plausibel, also ergänze ich den Eintrag und speichere die datei als ‘root’.

Dann soll ich noch einen Link erzeugen für das CD-Laufwerk:

            ln -s /dev/scd0 /dev/cdrom

Auch das tue ich, anschließend wird neu gebootet (shutdown -r now). Ich logge mich wieder als root ein und tippe:

            [root@asb /etc]# mount /mnt/cdrom

Ergebnis:

            mount: mount point /mnt/cdrom does not exist

Tja, das hilft uns nun wenig weiter, Prblem bleibt also ungelöst.

Die zweite Antwort bezieht sich auf das Programm „Network Configuration“ im „Control Panel“ unter X-Windows; nachdem ich das Tool einmal gestartet hatte, konnte ich es nie wieder aufrufen.

Der Support-Ingenieur bestätigt, daß dies immer dann vorkomme, wenn man die Netzwerkkonfigurationsdate ...

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