Mein Interesse an UNIX erwacht, als ich in einer
Buchhandlung über Gulbins/ Obermayrs Standardwerk "UNIX: System V.4.
Begriffe, Konzepte, Kommandos, Schnittstellen" stolpere. Vieles in
dem 800-Seiten-Wälzer erinnert mich an die lange vergangene Amiga-Zeit,
mir fehlt jedoch eine Möglichkeit, zu Hause mit einem UNIX-Derivat
herumzuspielen -- bis ich Linux als Alternative zum unsäglichen Minix
entdecke.
Meine ersten Linux-Erfahrungen machte ich mit
S.u.S.E.-Linux im November 1995. Das Paket enthielt bereits damals drei
CD-ROMs, darunter eine mit Live-Filesystem; als Kernel wurde 1.2.13
verwendet. Dank eines relativ gelungenen Installationstools ("Yast",
Yet Another Setup Tool) klappte die
Installation ziemlich reibungslos. Das Booten war allerdings eine Qual,
da der monolithische Kernel aufgrund zahlloser Tests etliche Minuten zum
Booten benötigte.
Für Linux mußte damals eine alte 300-MB-SCSI-Platte
herhalten, die ich in ein externes Gehäuse einbaute. Von der SCSI ID #2
konnte ich dank OS/2-Bootmanager und Lilo zuverlässig booten, sobald ich
die externe Platte einschaltete. Natürlich waren 300 MB nicht gerade
viel Lebensraum für die speicherfressenden Anwendungen a la TeX und
Emacs. Die ganz besonders speicherhungrigen Entwicklungswerkzeuge
interessierten mich allerdings nie, weil ich mich damals als typischen
anspruchsvollen Windows-User betrachtete, nicht als Entwickler.
Viel tue ich nicht mit Linux, es gibt einfach keine
Applikationen, die auch nur Ansatzweise intuitiv bedienbar wären.
Meistens ist bereits die Installation eine Tortur.
Letztlich erlahmt mein Interesse, als es trotz einiger
Hilfeversuche aus dem Usenet nicht möglich ist, mein
ISDN-Terminaladapter für UUCP zu dressieren (btw: Minicom arbeitet
tadellos). Linux stellt sich für mich als Zeitfalle ohne Limit heraus;
ich kann Tage vor der Büchse verbringen, ohne etwas auch nur ansatzweise
produktives zu leisten.
Monatelang fasse ich Linux nicht mehr an, beobachte
jedoch mit vorsichtiger Aufmerksamkeit die weitere Entwicklung, von der
Ankündigung des Caldera Network Desktop, über Star Office 3.1
für Linux, erste CDE-Portierungen bis hin zur Kernelversion 2.0.
Die Linux Bible (3rd Edition), ein Wälzer mit über 1.500
Seiten, nervt mich durch veraltete HOWTOs.