Ein funktionierendes RPM-Paket für LyX unter
Red Hat Linux 7.3 konnte ich nicht auftreiben, die Quellen aus
lyx-1.2.1.tar.gz liessen sich jedoch problemlos compilieren und
mit src/lyx starten.

Screenshot: Neues Dokument in LyX.
Als Testaufgabe erstellte ich ein kleines Programmheft für einen
Konzertabend; das Heft bestand aus 12 Seiten im Format A4 und enthielt
überwiegend zweisprachige Liedtexte. Über die Funktion "Minipage" lässt
sich das zweispaltige Layout auch rasch umsetzen.

Screenshot: WYSIWYM-Darstellung von LyX.
Die WYSIWYM-Darstellung ist zwar nicht schön, LyX bietet jedoch eine
Reihe von Tastatur-Shorcuts, so dass man trotz des lästigen Pseudo-GUI
relativ rasch arbeiten kann.
Da LyX anscheinend keine Daten aus anderen Applikationen über das
Clipboard übernehmen kann, importierte ich die Ascii-Texte über eine
Textdatei; dabei wurden einige Sonderzeichen aus den
französischsprachigen Texten anders dargestellt, als beabsichtigt.
LyX unterstützt eine Preview-Funktion mit diversen Ausgabeformaten,
darunter DVI, PDF und PostScript; standardmässig sind xdvi
und gv als Viewer eingebunden, kdvi und
kghostscript können jedoch in einer KDE-Umgebung problemlos
genutzt werden. Insbesondere die PostScript-Darstellung ist sehr
korrekt, das Aktualisieren dauert jedoch bereits bei einer eingebundenen
Grafik recht lange (wohlgemerkt, es handelt sich um ein Dokument mit nur
zwölf Seiten; Hardwareplattform ist ein SMP-System mit einem Gigabyte
RAM und zwei AMD Athlon MP 1900+). Abhilfe könnte das Recompilieren der
Binaries von LyX und GhostView für i686-Prozessoren bieten.

Screenshot: GhostView
(gv) unter KDE mit einer Seite des Programmheftes.
Das Einbinden von Abbildungen ist definitiv keine Stärke von LyX:
Angeblich wird zwar der Import von Jpeg-Dateien unterstützt, LyX
weigerte sich jedoch, ein Foto aus einer Digitalkmera einzulesen; nach
dem Umwandeln der Datei in PostScript durch den exzellenten
GIMP klappte dies jedoch. Das
Foto sollte auf dem Titel des Programmheftes wiedergegeben werden --
kein Problem ohne umfliessenden Text.
Am Ende des Programms folgten einige weitere Abbildungen, die die
Biographien der Künstler ergänzen sollten; dies führte zu obskuren
Fehlermeldungen, die LyX durch eine rote Markierung mit der Beschriftung
"Fehler" kennzeichnet; die Markierungen werden jedoch an einer Stelle
eingefügt, die mit der Fehlerursache -- der eingebundenen Grafik --
nichts zu tun hat. Ich konnte diesen Bug nicht umgehen und musste auf
die Abbildungen verzichten.


Screenshot: Fehler bei Grafikeinbindung in LyX.
Wesentlich dramatischer ist ein schwerwiegender Fehler bei der
Interpretation von Inhalten in den "Minipages": Relativ systematisch
(mit zwei Ausnahmen) verschluckte LyX immer die jeweils letzte Zeile,
obwohl die WYSIWYM-Darstellung den vollständigen Inhalt anzeigte. Ein
simpler Wordaround was das Einfügen eines Zeilenumbruchs mit
<Ctrl>+<Return>: LyX schluckte weiterhin die letzte (leere) Zeile.
Extrem kompliziert ist die Arbeit mit Tabellen; viel besser ist das
Editieren einer Tabellenstruktur allerdings auch in Adobe FrameMaker
nicht gelöst. Eine Funktion zum Einbinden von Kopf- oder Fusszeilen
konnte ich in der vorliegenden LyX-Version nicht finden.
Während der etwa vierstündigen Bastelarbeit stürzte LyX viermal ab,
konnte jedoch in allen Fällen eine Notfall-Sicherung durchführen, die
beim nächsten Programmstart auch problemlos wieder eingelesen werden
konnte.

Screenshot: Desktop mit LyX und GhostView (15-Sep-2002).