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Argumente für GNU/Linux
Von Agon S. Buchholz, Februar 2003 ff.
Meinung : GNU/Linux
: Pro GNU/Linux : Übersicht
16-Feb-2003/09-Jan-07
Übersicht
Dieser Abschnitt ist Bestandteil des
Diskurses über GNU/Linux; er fasst stichpunktartig die Argumente
für Free Software, Open Source und GNU/Linux zusammen.
Ich habe die jeweiligen Argumente nach bestem Wissen und Gewissen
zusammengestellt und mich bemüht, die Aussagen sowie die dazugehörigen
Anmerkungen und Gegenargumente bestmöglich durch Fakten zu untermauern.
Möglicherweise ist mir das nicht in jedem Fall gelungen; ich freue mich
daher über Anmerkungen, Korrekturen und Ergänzungen:
GNU/Linux ist besser administrierbar
Auch hier ist wieder eine differenzierte Betrachtung erforderlich.
Fakten:
- GNU/Linux ist besser verwaltbar bei grösseren
Unternehmensinstallationen, da alle Komponenten des Betriebssystems
netzwerkfähig ausgelegt sind; beispielsweise ist es einfacher,
GNU/Linux- Systeme zu klonen oder über das Netzwerk zu installieren.
- GNU/Linux ist transparenter, da nahezu alle
Konfigurationsdateien in Plain Text vorliegen, mit den üblichen
Tools bearbeitet und auch gesichert werden können; das Sichern oder
gar Duplizieren der Windows Registry ist weitaus problematischer
(aber dennoch möglich).
Allerdings ist zu beachten, dass Windows rasant aufholt; Microsoft
hat in den letzten Jahren konsequent immer mehr Kommandozeilen- Tools
erstellt, die Remote- Administration von Windows verbessert und Terminal
Services integriert. Für Windows 2003 ist angekündigt, dass die
Administration des Betriebssystems gleichermassen über CLI wie GUI
möglich sein wird.
GNU/Linux ist sicherer
Fakten:
- Das Sicherheitsbewusstsein ist bei GNU/Linux- Anwendern im
allgemeinen höher als das von normalen Windows- Benutzern.
- Konzeptionell sind die meisten GNU/Linux- Distributionen
sicherer als aktuelle Windows- Versionen, da weniger Services
standardmässig aktiviert sind. Mit Windows 2003 beginnt Microsoft
allerdings auch, die Systeme standardmässig mit weniger aktiven
Diensten auszuliefern. Prinzipiell ist aber auch ein aktuelles
Windows 2000/XP genauso sicher wie ein GNU/Linux, wenn sich der
Anwender sicherheitsbewusst verhält und nicht ständig mit Admin-
Rechten am System eingeloggt ist.
- Derzeit gibt es nur sehr wenige Viren, die unter GNU/Linux
lauffähig wären. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dies immer so
bleiben muss; möglicherweise ist GNU/Linux aufgrund der
vergleichsweise geringen Verbrietung einfach nur noch kein
attraktives Ziel für Virenprogrammierer.
GNU/Linux ist anwenderfreundlich
»Unix IS user friendly... It's just selective about who its
friends are.« — Tollef Fog Heen <tollef@add.no>
(Quelle:
www.debian.org/doc/manuals/reference/ap-appendix.en.html#s-quotes;
Zugriff: 18-Feb-2003).
Auch hier muss wieder differenziert werden, welcher Anwender gemeint
ist.
Fakten:
- GNU/Linux ist für einen geübten und ausgebildeten Benutzer
effizient und schnell durch das CLI.
- Die Möglichkeit, das System weitgehend über Skripte zu steuern,
erleichtert den Benutzer von der Notwendigkeit, wiederkehrende
Aufgaben manuell auszuführen und dabei möglicherweise Fehler zu
begehen.
GNU/Linux stellt geringere Hardwareanforderungen als Windows
Auch dieses Argument muss differenziert betrachtet werden, da hier
wieder entscheidend ist, welche Anwendungen unter GNU/Linux genutzt
werden. Im Gegensatz zu proprietärer Software ist es möglich, ein
GNU/Linux- System mit vergleichsweise schmalbrüstiger
Hardwareausstattung zu betreiben, beispielsweise durch Verzeicht auf
aktuelle Desktop- Umgebungen oder einen reinen Konsolen- Betrieb.
Grundsätzlich sind die Hardwareanforderungen bei vergleichbaren
Aufgaben jedoch ähnlich wie bei proprietären Betriebssystemen;
allerdings sind einige Treiber für GNU/Linux wenig oder kaum optimiert.
GNU/Linux verfügt über eine gute Hardwareunterstützung
Fakten:
- GNU/Linux unterstützt auch ältere Hardware, für die der
Hersteller keine Treiber mehr anbietet.
- Die Hardware- Unterstützung ist in einigen Fällen ausgereifter
und stabiler als bei proprietären Betriebssystemen (Beispiele?).
- GNU/Linux verfügt über mehr integrierte Treiber als Microsoft
Windows 95/98/ME.
- Einige Distributionen verfügen über eine sehr gute automatische
Hardware- Erkennung (Red Hat Linux, Mandrake Linux, Knoppix).
Gegenargumente:
Stabilität
GNU/Linux ist ein stabiles und zuverlässiges Betriebssystem. Die
Stabilität eines Betriebssystems ist die Grundlage für die
Zuverlässigkeit der darauf laufenden Anwendungen.
Wahlfreiheit ("freedom of choice")
GNU/Linux ermöglicht die Auswahl aus verschiedenen Alternativen.
Beispiele:
- Diverse verfügbare Distributionen für unterschiedliche Aufgaben
und Anforderungen;
- diverse Applikationen für bestimmte Aufgaben, teilweise mit und
teilweise ohne graphische Oberflächen;
- ansatzweise gleichwertige Bedienung über ein CLI oder über ein
GUI;
- verschiedene Desktop- Umgebungen;
- verschiedene benutzerkonfigurierbare Themes in den Desktop-
Umgebungen;
- Unterstützung für verschiedene Hardware- Architekturen;
- Bei GNU/Linux für x86 Möglichkeit der Nutzung von CPUs ab i386.
Möglichkeit der Partizipation und Interaktion
Prinzipiell ist es bei GNU/Linux möglich, an einem beliebigen Detail
des Betriebssystems oder einem Teilprojekt mitzuarbeiten, eigene Ideen
einzubringen oder umzusetzen. Einige Distributionen wie Debian GNU/Linux
werden ausschliesslich von ihren Anwendern erstellt. I.d.R. ist es auch
möglich, mit den Entwicklern eines Projektes direkt in Kontakt zu
treten; bei Closed Software bleiben die Entwickler dagegen häufig
weitgehend anonym.
Möglichkeit der Anpassung ("customzation")
Bestimmte Fähigkeiten vorausgesetzt ermöglicht GNU/Linux nahezu
beliebige Anpassungen und Erweiterungen an eigene Bedürfnisse. Die
betrifft sowohl industrielle Anwender wie auch Forschungseinrichtungen
und Privatanwender: Jeder kann Modifikationen an GNU/Linux vornehmen,
solange die Forderungen der jeweiligen Lizenzen erfüllt werden.
Beispiele:
- Aus dem vergleichsweise statischen Debian GNU/Linux, das unter
einer miserablen Hardwareerkennung und einer umstittenen Usability
leidet, konnte der Ingenieur Klaus Knopper in vergleichsweise kurzer
Zeit eine Spezialdistribution erstellen, die ein vollwertiges
GNU/Linux- Betriebssystem auf einer CD bereitstellt und zudem auch
noch über eine herausragende Hardwareerkennung verfügt.
- Ähnliche Anpassungen der freien Distributionen Debian GNU/Linux
und Red Hat Linux wurden für spezielle Anforderungen im
medizinischen sowie schulischen Umfeld vorgenommen.
- GNU/Linux ist an vergleichsweise viele regionale und natinonale
Gegebeneheiten angepasst worden; die Offenheit ermöglicht
beispielsweise das Erstellen von spezialisierten regionalen
Distributionen für kleine Sprachgruppen wie Island, die im
kommerziellen Umfeld nicht möglich wären.
Möglichkeit zum Lernen
GNU/Linux eröffnet völlig neue Möglichkeiten beim Lernen des
Betriebssystems und der dazugehörigen Anwendungen; durch die freie
Verfügbarkeit stehen dem Lernwilligen und -fähigen nahezu alle
Möglichkeiten offen, beliebig tief in die Materie einzusteigen, ggf. bis
auf die Ebene der hardwarenahen Kernel- Programmierung.
Bei GNU/Linux sind die Möglichkeiten zum Lernen nur durch die
Fähigkeiten des Lernenden eingeschränkt; es gibt weitaus geringere
Barrieren als bei kommerziellen Betriebssystemen und Anwendungen, wo das
Lernen zu weitern Teilen nur durch Schulversionen oder illegale
Raubkopien möglich ist.
Community
GNU/Linux lebt von der Initiative der Entwickler und Anwender;
Entwickler sind fast ausschliesslich auch Anwender von GNU/Linux. Die
GNU/Linux Community bietet eine breite und engagierte Basis an
Benutzern.
Networking
GNU/Linux bietet überragende Unterstützung für netzwerkbasierte
Anwendungen, insbesondere solche, die auf dem ausgereiften TCP/IP- Stack
aufsetzen.
Geringere Kosten
GNU/Linux kann so verwendet werden, dass bestimmte Aufgaben mit
vergleichsweise geringen Hardwareanforderungen und unter Vermeidung der
Zahlung von Lizenzgebühren umgesetzt werden können. Dadurch erhalten
ärmere Teile der Bevölkerung der westlichen Länder (Schüler,
Studenten, Arbeitslose etc.) sowie Anwender in der sogenannten "Dritten
Welt" Zugriff auf hochwertige Informationstechnologie.
Rechtmässigkeit, Legalität
Die Benutzung von GNU/Linux unterliegt weitaus geringeren
Einschränkungen als die jeder kommerziellen Software; GNU/Linux-
Distributionen dürfen i.d.R. legal kopiert und weitergegeben werden. Die
Verwendung von GNU/Linux unterstützt die kommerzielle Softwareindustrie,
da GNU/Linux- Anwender -- im Gegensatz zu vielen Anwendern proprietärer
Betriebssysteme -- keine Raubkopien einsetzen (können, müssen).
Netmarks
Microsoft.com: Home Page for Microsoft Licensing,
www.microsoft.com/licensing.
Anmerkungen
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