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Typologie - Formen der Linux-Distributionen
Von Agon S. Buchholz.
Distributionen : Typologie
: Übersicht
11-Nov-1995/09-Jan-07
Übersicht
Ich unterscheide in dieser Rubrik grundsätzlich zwischen zwei Formen
von Distributionen:
Allgemeine Linux-Distributionen.
Die Allrounder unter den Distributionen nutzen für alles und
nichts; mit den im europäischen Raum wichtigsten Distributionen --
Debian GNU/Linux,
Red Hat Linux und
S.u.S.E. Linux -- kann man
heutzutage nahezu alle Aufgaben lösen, nicht immer jedoch in einer
effizienten Form und schon gar nicht als Ein- oder Umsteiger.
Allgemeine Distributionen bieten ein "Allzweckbetriebssystem" und
können i.d.R. zum Aufbauen sowohl von Desktop- als auch von
Server-Systemen genutzt werden. Solche Distributionen sind
beispielsweise:
- Red Hat Linux
-- Der de facto Standard von Linux, vor allem in den USA
und im kommerziellen Umfeld; weitgehend konform zum Gedanken
freier Software, zuverlässig und ein guter Kompromiss zwischen
ease of use und Funktionsumfang.
- Debian GNU/Linux
-- Das bekannteste konsequent freie Linux, entwickelt von
einer grossen Community ohne kommerzielle Intention; sehr solide
und sorgfältig getestet, enormer Umfang der dazugehörigen
Applikationen, dafür nicht immer up to date, was neue
Features angeht.
- S.u.S.E. Linux --
Eine sehr umstrittene, aber in Deutschland sehr weit verbreitete
Distributionen, die in vielen Aspekten der Idee freier Software
widerspricht und auch technisch teilweise eigene Wege geht; die
einzige Distribution, die mit Yast2 (und zweifelhaftem
Erfolg) versucht, eine homogene grafische Oberfläche zur
Administration des Gesamtsystems bereitzustellen.
- Mandrake --
Eine noch relativ junge Distribution, die ursprünglich von
Red Hat Linux abgeleitet war, aber mittlerweile eigenständig
weiterentwickelt wird; hat sich in kurzer Zeit ein hohes Ansehen
und zahlreiche Nutzer erworben; ist im allgemeinen etwas
komfortabler als Red Hat Linux und etwas besser für den
Desktop-Einsatz geeignet.
Besonders auf Desktop-User konzentrieren sich vor allem:
Eher an Spezialisten wenden sich die folgenden Distributionen,
die sich komplett aus dem Quellcode bauen lassen:
Ausserhalb Europas haben andere Distributionen grössere
Bedeutung; einige Beispiele:
Spezielle Linux-Distributionen.
Die Spezialisten unter den Distributionen sind für eine bestimmte
Aufgabe optimiert und erledigen diese eine Aufgabe i.d.R.
auch sehr effizient -- sind aber für alle anderen Zwecke mehr oder
minder unbrauchbar.
Folgende Varianten von Spezialdistributionen sind m.E. wichtig:
- Router und Gateways.
Die entsprechenden Distributionen passen meist auf eine
Floppy-Disk und machen aus einem älteren, schwachbrüstigen
Rechner mit zwei Netzwerkkarten beispielsweise einen
vollwertigen DSL-Router. Ein solches Festplatten- und
lüfterloses System ist bei mir seit Jahren in Betrieb und
verursacht -- ausser einer leicht erhöhten Stromrechnung --
absolut keine Probleme. Beispiele hierfür
Coyote Linux und
FLI4L sowie das
Linux Router Project
(LRP).
- Firewalls, Proxys und IDS/IRS-Systeme.
Einige Distributionen liefern vorkonfigurierte Firewalls und
Proxy-Server; sie werden meist von einer bootfähigen Floppy
installiert und sind manchmal -- in begrenztem Umfang -- sogar
von CD-ROM und ohne Festplatte lauffähig. Teilweise wird die
Funktionalität sogar bis auf IDR-/ IRS-Systeme erweitert, die
das Monitoring eines LAN ermöglichen. Beispiele hierfür sind
Smoothwall,
IPCop und die
TelemetryBox.
- Rettungssysteme und ultrakompakte Distributionen..
Diese Distributionen haben sich darauf spezialisiert, bootfähige
Rettungssysteme auf einer Diskette zusammenzustellen. Die
Bedeutung dieser ultrakompakten Minimaldistributionen ist dank
der Verbreitung boottfähiger CD-Laufwerke deutlich
zurückgegangen, macht aber gerade auf älterer Hardware durchaus
noch Sinn. Beispiele hierfür sind
tomsrtbt
(bootfähige 1-Floppy-Distribution),
Trinux und
Knoppix (bootfähige
1-CD-Distribution).
- Testsysteme.
Einige Distributionen sind primär darauf ausgerichtet, das
Ausprobieren von Linux zu vereinfachen und können von eine CD
laufen oder unter
Microsoft
Windows installiert werden. Ein Beispiel hierfür ist
Knoppix, das eine
unglaubliche Fülle von Software auf einer hervorragend
vorkonfigurierten bootfähigen CD bereitstellt.
Eine völlig neue Gruppe von Spezialdistributionen konzentrieren
sich auf die Entwicklung der Multimedia-Fähigkeiten von Linux:
- Agnula -- A
GNU/Linux Audio distribution,
- DeMuDi --
Debian Multimedia Distributionund
- ReHMuDi --
RedHat Multimedia Distribution.
Weitere interessante Spezialdistributionen sind beispielsweise:
- Serial Terminal
Linux (STLinux)
Bootfähige Diskette, die aus nahezu jedem PC -- Uralt-Notebooks
beispielsweise -- eine serielle Konsole macht.
- Linux from Scratch
(LFS)
Hardcore-Distribution für Kontrollfreaks, die ihre eigene
Distribution bauen möchten.
- PsiLinux.
Ersetzt das Betriebssystem EPOC von Psion-PDAs durch ein
Linux-Derivat.
Ergänzungen und Korrekturen zu dieser Übersicht:
Kontakt.
Sonstige Distributionen.
Weitere typologische Kriterien
Lizenzform - wie ist die Distribution lizenziert? steht die
Distribution unter der GNU GPL oder ist sie proprietär lizenziert?
Herkunft - aus welcher Region (aus welchem Land) kommt die
Distribution?
Grösse - wie gross ist die Distribution? wie viele Pakete enthält
sie? (siehe auch Dimensionierung
- Grösse der Linux-Distributionen).
Linux-Distributoren
Die Distributoren haben sowohl positive als auch negative
Wirkungen auf Linux:
- Zu den positiven Wirkungen gehört, daß die Distributoren durch
Werbung die Akzeptanz und Bekanntheit von Linux deutlich gesteigert
haben.
- Negativ sind die Fragmentierung der Linux-Welt; Red Hat Linux
präsentiert sich beispielsweise anders als S.u.S.E. Linux.
Problematisch ist auch eine gewisse Kommerzialisierung von Linux;
Debian bietet das
einzige verbreitete Linux, das kosequent der General Public
License (GPL) der Free Software Foundation (FSF)
unterliegt.
Die Linux-Entwicklung ist weitgehend abhängig von den jeweils
aktuellen Kernel-Versionen.
Freie UNIX-Systeme im Vergleich (von Konrad Heuer):

Quelle:
gwdu60.gwdg.de/xfig2/linux2.gif.
Anmerkungen
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