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Review von DeMuDi
Von Agon S. Buchholz, Dezember 2002.
Distributionen :
Speziell : DeMuDi :
Review : Übersicht
09-Dec-2002/09-Jan-07
Übersicht
DeMuDi, die Debian Multimedia
Distribution, ist der Versuch, auf einem
Debian GNU/Linux
aufsetzend eine möglichst benutzerfreundliche Distribution für Künstler
und Musiker zu erstellen. Verwandte Projekte sind
Agnula und
ReHMuDi.
Testsystem
Zum Testen verwandte ich ein älteres System mit Komponenten, die
überwiegend aus den Jahren 1998/99 stammen; daher kann man davon
ausgehen, dass sich die Hardware- Unterstützung durch GNU/Linux entweder
bereits in einem ausgereiften Zustand befindet, oder
höchstwahrscheinlich nach drei bis vier Jahren auch nicht mehr
entscheidend verbessert werden wird.
Die Performance auf dem System ist für einfache Zwecke (z.B.
Fileserver oder Router unter GNU/Linux) vollkommen ausreichend,
graphische Benutzeroberflächen reagieren allerdings etwas träge.
Vergleichswerte: Microsoft Windows NT 4.0 Workstation arbeitet
auf dem System einwandfrei, die Benutzung ist realtiv flüssig möglich.
Microsoft Windows 2000 lässt sich ebenfalls verwenden, allerdings
nur in einer recht unerfreulichen Reaktionsgeschwindigkeit; ein
flüssiges Arbeiten ist nur bei einfachen Anwendungen (Textverarbeitung,
E-Mail, Web etc.) halbwegs flüssig möglich, die graphischen
Systemverwaltungstools von Windows funktionieren jedoch einwandfrei und
in erträglicher Geschwindigkeit.
- Mainboard: Gigabyte GA-5AX Rev. 1.08
- CPU: AMD K6-2/300
- RAM: 512 MB
- HDD: IBM DHEA-36481 (6,4 GB)
- FDD: 3,5"
- CD-Laufwerk: 20x, IDE
- Sound: Soundblaster Live!
- Grafik: Matrox Millennium II
- Netzwerk: 3Com 3C905C-TX (100 MBit/s)
Installation
Die DeMuDi-Distribution steht seit 26-Aug-2001 als Vorab- Version in
Form eines ISO- Images für PCs mit i386- Architektur zum Download
bereit; da am 19-Sep-2002 noch keine aktuellere Version zur Verfügung
stand, verwendete ich dieses etwas angegraute ISO-Image zum Brennen
einer CD.
Das Image basiert auf Debian pre 3.0, also einem recht frühen
Vorläufer von
Debian
GNU/Linux 3.0 aka »Woody«, das erst Ende Juli 2002 freigegeben
wurde.
Die gewohnt textbasierte und ausschliesslich englischsprachige
Installationsroutine steht in zwei Modi zur Verfügung, »Simple«
und »Advanced«; ich wählte »Simple« und akzeptiere meist
die angebotenen Vorgabewerte. Die ersten Installations- Schritte:
- Konfigurierung der Tastatur;
- Partitionierung der Festplatte;
- Konfigurieren der notwendigen Treiber.
Während andere Installer diese Schritte mittlerweile weitgehend
automatisch und ziemlich fehlerfrei erledigen, scheitert DeMuDi bereits
hier: In keiner der vier angebotenen Kategorien (Grafik, Audio, Netzwerk
und SCSI) erkennt DeMuDi die vorhandene Hardware -- katastrophal für
eine auf Benutzerfreundlichkeit hin ausgelegte Multimedia- Distribution.
Anschliessend erfolgt die Installation des Basissystems und nach
einem Reboot wird Debconf (/usr/sbin/base-config)
aufgerufen. Anschliessend erfolgen Zugrife auf die CD und die Konsole
meldet:
Scanning Disk for index files ...
found 10 package indexes and 0 source indexes
Anschliessend wird der Paketindex immer wieder eingelesen und/ oder
aufgebaut; das geht so etwa eine Stunde lang, ohne erkennbare
Fortschritte; ich breche die Installation ab und starte einen zweiten
Versuch, der jedoch dieselben Ergebnisse liefert.
Fazit
DeMuDi befindet sich in einem frühen Entwicklungsstadium und
das verwendete ISO- Image war nicht brandaktuell; allerdings stellt sich
hier schon die Frage, mit welcher Ernsthaftigkeit dieses Projekt
überhaupt entwickelt wird. Wenn es überhaupt Fortschritte gibt, sollten
ISO- Images, die nicht zuverlässig oder überhaupt nicht funktionieren
entweder vom Netz genommen oder zumindest alle paar Monate aktualisiert
werden.
Daher ist es schwer, DeMuDi angemessen zu beurteilen; einerseits
klingt der Ansatz, eine Debian- basierte und benutzerfreundliche
Multimedia- Distribution zu erstellen, sehr vielversprechend.
Andererseits sind die ersten Erfahrungen mit dieser Vorab-Version
einfach vernichtend: Eine Multimedia- Distribution, die keinerlei
Standard- Hardware erkennt ist heutzutage einfach ein schlecher Scherz.
Das nichtkommerzielle "Hobby"- Projekt
Knoppix zeigt, dass es durchaus möglich ist, eine bombig
zuverlässige und vollautomatische Hardware- Erkennung auch mit einer
Debian- basierten Distribution zu realisieren.
Und hinzu kommt: Das Argument, die Software werde als Hobby in der
Freizeit entwickelt, trifft in diesem Fall nicht zu: DeMuDi ist eine von
der EU seit April 2002 im Rahmen des
Agnula- Projekts geförderte Initiative (IST-2001-34879; key
action IV.3.3, Free Software: towards the critical mass). Gerade
ein in der Öffentlichkeit stehendes Open Source- Projekt sollte sich
bemühen, rascher konkrete und funktionierende (Vorab-) Ergebnisse
abzuliefern.
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