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Fli4L Review
Von Agon S. Buchholz, November/Dezember 2002 ff..
Distributionen :
Speziell : Fli4L :
Review : Übersicht
23-Nov-2002/09-Jan-07
Übersicht
Fli4L ist eine kompakte
Spezialdistribution für den Festplatten-freien Router-Betrieb, ähnlich
dem Linux Router Project (LRP) oder
Coyote Linux. Als ich erstmals
einen Linux-basierten Router betreiben wollte, recherchierte ich
zunächst nach den verfügbaren Optionen (siehe
Coyote Linux Review vom
November 2002) und stiess natürlich auch auf das populäre Fli4L.
Hardwarevoraussetzungen
Ähnlich wie Coyote Linux kann
Fli4L auch auf Uralt-Hardware betrieben
werden; für ISDN-Verbindung wird ein PC mit 386er-CPU ab 25 MHz
vorausgesetzt und ein 486er ab 33 MHz empfohlen; für DSL-Routing wird
mindestens ein PC mit 486er-CPU ab DX2/66 vorausgesetzt und ein 486er
DX4/100 oder Pentium ab 75 MHz empfohlen. Eine Speicherausstattung ab 12
MB RAM reicht aus, besser sind 16 MB.
Es werden 40 verschiedenen Typen-Familien von Ethernet-Netzwerkkarten
unterstützt, ausserdem die für ISDN die von HiSax unterstützten
ISDN-Karten (Typ 1-37) sowie die AVM-B1 ISA/PCI.
Ausser einem Diskettenlaufwerk wird keine weitere Hardware benötigt,
eine Installation auf Festplatte oder Compact Flash ist jedoch möglich.
Erster Versuch anno 2001
Fli4L ist nativ deutschsprachig und
umfassend dokumentiert, wird aktiv weiterentwickelt und verfügt über
eine grosse Anwendergemeinde; daher war es für mich als
Windows-Netzwerkadministrator zunächst naheliegend, den
Windows-Installer -- fliwizNG von von Carsten Cerny und Jürgen
Bauer ("floppy isdn 4 linux wizard Next Generation",
www.fli4l.de/german/fliwiz.htm) -- auszuprobieren, der dem
entsprechenden Tool von Coyote Linux
ähnelt. Fliwiz-NG ist ein Konfigurations-Tool für die *.txt-Dateien von
fli4l, das unter Windows 9x, Windows NT und Windows 2000 lauffähig ist.

Screenshot: Dialog von fliwizNG (Windows 2000
Professional).
Test-Hardware
In meinem Fall besteht der Rechner aus einem kleinen Midi-Tower,
einem Board von etwa 1997 mit einem Pentium MMX mit 233 MHz, rund 98 MB
RAM, zwei PCI- Netzwerkkarten, einer AGP- Grafikkarte und einem
Floppy-Laufwerk -- es wird keinerlei sonstige Hardware benötigt.
Probleme
Das Tool ist zwar weitgehend selbsterklärend, stürzte jedoch ständig
ab und erstellte fehlerhafte Konfigurationsdateien; jedenfalls gelang es
mir Mitte 2001 nicht, eine funktionsfähige Diskette damit zu erzeugen.
Da der entsprechende Installer von
Coyote Linux vollkommen problemlos funktionierte, bemühte ich mich
nicht weiter um das direkte Editieren der Konfigurationsdateien -- ich
hatte ja bereits eine funktionerende Lösung.
Zweiter Versuch anno 2002
Etwa ein Jahr später -- Mitte 2002 -- begannen mich die Limitierungen
von Coyote Linux zunehmend zu
stören (z.B. das fehlende Port-Porwarding); ich probierte verschiedene
Alternativen aus, daruner
Smoothwall und IPCop, konnte
mich jedoch nicht dazu durchringen, dem Router dauerhaft eine Festplate
oder ein CD-Laufwerk zu spendieren. Daher schaute ich mir erneut
Fli4L in der Version 2.0.3 an; mittlerweile
weitestgehend migriert zu GNU/Linux bemühte ich den fehlerhaften
Windows- Installer gar nicht weiter, sondern editierte die
Konfigurationsdateien anhand der exzellenten Dokumentation von Axel
Müller direkt. Folgende optionale Pakete richtete ich ein:
Das Ergebnis war ein sofort lauffähiger Router auf einer
Diskette, allerdings musste ich meine Client-Rechner zunächst von DHCP
auf statische IP-Adressen umkonfigurieren. Warum Fli4L einen DHCP-Server
nur optional anbietet bleibt für mich unverständlich; bei einem Mini-LAN
mit acht Rechnern stellen statische IP-Adressen aber natürlich kein
Problem dar, schränken aber die Bootmöglichkeiten via PXE und
Terminal-Server (z.B. Knoppix 3.1, K12LTSP 3.0.0 u.a.) reichlich ein.
Ergänzung: Die Aktualisierung auf Fli4L Version 2.0.4 verlief
problemlos.
Test-Hardware
Beschreibung der Hardware: siehe oben.
Der Rechner ist nicht wirklich beschäftigt; im Normalbetrieb ligt die
CPU- Last laut Imonc bei 1-2%, bei massiven Datentransfers und DSL
steigt die Last kaum über 5%, es sind also reichlich Reserven vorhanden
und es besteht kaum die Gefahr einer Überhitzung.
Probleme
(1) Nachdem die Rechner mit statischen Adressen brav Internet-Zugang
hatten und sich auch gegenseitig sahen installierte ich das optionale
DHCP-Paket, dessen DHCP-Server nach einem Reboot allerdings keine Leases
vergeben wollte.
(2) Laut eMule funktionierte zunächst das Port Forwarding
nicht (siehe Screenshot).

Screenshot: Serverinfo von eMule
v0.22c (Windows).
In der portfw.sh hatte ich, entsprechend der Anleitung,
bestimmte Router-Ports auf die IP-Adressen einiger Rechner im LAN
umgeleitet, z.B.:
/usr/sbin/ipmasqadm autofw -A -v -r tcp 4660 4671 -h
192.168.1.2
/usr/sbin/ipmasqadm autofw -A -v -r udp 4660 4671 -h 192.168.1.2
So funktionierte das Port Forwarding nicht; ersetzt man jedoch
die internen IP-Adressen durch die im Script definierten symbolischen
Namen ($hiddenhost1 usw.), funktioniert es.
Auszug aus der korrigierten portfw.sh:
# Define your PCs to forward ports to:
hiddenhost1=192.168.1.2
hiddenhost2=192.168.1.3
hiddenhost3=192.168.1.4
[...]
# --- added from config.txt ---
# Webserver
/usr/sbin/ipmasqadm portfw -a -P tcp -L $ip 8080 -R $hiddenhost1 80
/usr/sbin/ipmasqadm portfw -a -P tcp -L $ip 8080 -R $hiddenhost2 80
/usr/sbin/ipmasqadm portfw -a -P tcp -L $ip 8080 -R $hiddenhost3 80
# eMule / eDonkey / mldonkey
/usr/sbin/ipmasqadm autofw -A -v -r tcp 4660 4671 -h $hiddenhost3
/usr/sbin/ipmasqadm autofw -A -v -r udp 4660 4671 -h $hiddenhost3
/usr/sbin/ipmasqadm autofw -A -v -r tcp 4660 4671 -h $hiddenhost1
/usr/sbin/ipmasqadm autofw -A -v -r udp 4660 4671 -h $hiddenhost1
Im Windows- Imonc kann man über die Funktion <Admin> <portfw.sh> das
laufende Script vom Router herunterladen ("Download") und an den
Router zurückschicken ("Upload"); ausserdem kann man es in einer
Datei Speichern ("Speichern unter") oder aus einer Datei laden ("Laden")
und dann ggf. an den Router schicken; zum Testen ist das praktisch, da
die neuen Einstellungen beim nächsten Verbindungsaufbau genutzt werden,
nicht erst beim nächsten Reboot. Permanent kann man die
Routerkonfiguration so leider nicht ändern.
Fli4L anno 2003
Nachdem Fli4L einige Monate auf einem Pentium MMX- Board mit 233 MHz
und rund 98 MB RAM für einige Monate stabil lief, versuchte ich Anfang
2003 ein "Downgrade" der Router- Hardware.
Test-Hardware
Als Gehäuse verwendete ich einen Big Server Tower mit AT-
Netzteil, den ich Anfang der 90er Jahre gekauft hatte; diverse
Zusatzlüfter legte ich einfach still, da im Tower kaum Hardware
eingebaut ist, sollte es ausreichend Luftbewegung geben. das Board mit
Pentium-S CPU und 133 MHz stammt etwa aus dem Jahr 1996 und verfügt über
32 MB RAM.
Etwas schwierig war es, noch eine funktionierende PCI- Grafikkarte
aufzutreiben. Die beiden 100 MBit/s PCI- Netzwerkkarten ersetzte ich
durch billigste NE2000- kompatible ISA-Modelle. Die Autokonfiguration
ist bei diesen Karten ebenso unzuferlässig wie die halbautomatische
Konfiguration über eine proprietäre Software des Herstellers: Die beiden
Karten vertrugen sich einfach nicht. Glücklicherweise lassen sich diese
Uralt- Karten noch manuell jumpern, und das funktionierte dann auch
zuverlässig.
Die einzige darüber hinaus benötige Hardware besteht in einem
Floppy-Laufwerk, dafür konnte ich das knapp zehn Jahre alte und noch im
Server- Tower steckende Modell verwenden.
Diese Konfiguration läuft seit einigen Wochen ebenfalls stabil; die
CPU- Last ist laut Imonc deutlich höher als auf der Maschine mit Pentium
MMX 233; sie liegt im Durchschnitt bei etwa 10% und steigt unter Vollast
bei T-DSL (768/128 kBit/s) auf etwa 25 Prozent an.
Probleme
Der Imonc stürzt in der aktuellen Entwicklerversion 2.1.1 vom
23-Dec-2002 unter Windows XP Professional mit einem "Anwendungsfehler"
("Exception EStringListError in Modul Imonc.exe bei 00066804. Der
Index der Liste überschreitet das Maximum (18)") reproduzierbar ab.
Die Linux- Clients laufen aber stabil.
Nachtrag: Imonc 2.1.2a vom 01-Feb-2003 für Fli4L ab der der Version
2.1.1 läuft stabil.
Zusatznutzen: Imonc
Neben den zusätzlichen Optionen, die Fli4L
gegenüber Coyote Linux bietet, kann
ich nun auch den praktischen imonc nutzen; das ist eine kleine
Client-Applikation, die auf einem Windows- oder Linux-Client im LAN
läuft und u.a. ermöglicht, den Status der beiden ISDN-Kanäle einzusehen
und aktiv zu beeinflussen, den Router in begrenztem Umfang zu
administrieren und den Status des Übertragungsvolumens im Auge zu
behalten.
Imonc steht für GNU/Linux in verschiedenen Versionen zur Verfügung,
darunter:
- Imonc, die ursprüngliche Windows-Version von Nico
Wallmeier und Frank Meyer,
www.wallmeier.net/imonc,
- GTK-Imonc, ein graphischer Client für FLI4L von Stefan
Strigler,
userpage.fu-berlin.de/~zeank/gtk-imonc,
- TrayImonc Applet von Robert Nitschke für den KDE Tray,
trayimonc.bei.t-online.de,
- Kfli4l von Mathias-H. Weber, ein weiterer Client für
QT/KDE,
kfli4l.sourceforge.net,
- Imonc, ein Imonc- Client der sich in den Systemtray von
KDE2 eindockt, von Roger Hartmann,
- Gimonc_applet v0.2.1, ebenfalls von Stefan Strigler, ein
Applet für das GNOME-Panel,
userpage.fu-berlin.de/~zeank/gtk-imonc,
- fli4l4icewm, ein Patch für GTK-Imonc für einfachen
nativen fli4l- Support in icewm von Denis Boehme,
www.informatik.uni-bremen.de/~nostromo/software/fli4l4icewm.html,
- xmimonc, Motif- basierter Imonc, verfügt über Loadanzeige
ähnlich xisdnload und einen Panel- Mode zur Einbettung in das
Workspace Panel von CDE oder KDE, von Andreas Keldenich,
www.myfoo.de/xmimonc.
Imonc unter Microsoft Windows XP
www.wallmeier-online.de/imonc.
Imonc ist der ursprüngliche Windows- Client für den Linux- basierten
Router Fli4L. Mit Imonc besteht die
Möglichkeit, den Status der beiden ISDN-Kanäle oder anderer Circuits
einzusehen und aktiv zu beeinflussen.
Funktionen:
- E-Mail-Checker für mehrere Konten mit der Möglichkeit, E- Mails
direkt auf dem Server zu löschen;
- ISDN- und DSL-Traffic-Anzeige;
- lokale Speicherung der Calls und Connections;
- kleines Telefonbuch zum Auflösen der Nummern;
- Synchronisierung der lokalen Zeit mit der Zeit vom Router, der
sich die Uhrzeit von einem Timeserver aus dem Netz holen kann;
- Auswahl des Circuits;
- Router neu booten und herunterfahren;
- Einstellen des Dialmode;
- Zweiden ISDN- Kanal auf- und abbauen (Kanalbündelung);
- Editieren des Forwardingskriptes;
- Visualisierung des LCR-Routings;
- Fernupdate des Routers;
- Eingebauter Syslog-Client;
- Unterstützung für das OPT-Paket mgetty und OPT_FAXRCV.
Imonc wird seit 2001 von Nico Wallmeier <nico@fli4l.de>
programmiert und kontinuierlich erweitert.

Screenshot: Statusfenster von Imonc (Windows XP
Professional).

Screenshot: Das Traffic-Info-Fenster von Imonc
zeigt den Namen des Routers, die Auslastung der CPU sowie den Traffic im
Up- und Downstream (Windows).

Screenshot: Imonc im Tray - der grüne Punkt
symbolisiert eine aktive Verbindung (Windows).
GTK-Imonc unter GNU/Linux



Screenshots: GTK-Imonc unter GNU/Linux; Quelle:
userpage.fu-berlin.de/~zeank/gtk-imonc/sshot.shtml; Zugriff:
25-Nov-2002.
Sowohl der GTM-Imonc als auch der Gnome-Client laufen tadellos,
dasselbe gilt für TrayImonc unter KDE. KFli4L benötigt Libraries, die
auf einer Installation von
Red Hat
Linux 8.0 nicht zur Verfügung stehen, aber aus SuSE-RPMs problemlos
nachinstalliert werden können. GTK-Imonc stellt keine Funktion bereit,
die dem praktischen Traffic-Info-Fenster oder dem Tray-Symbol des
Windows-Clients entspräche. Funktional ähnelt TrayImonc älteren
Versionen des Windows- Clients, das Verhalten ist jedoch anders: Beim
Windows- Client öffnet ein Doppelklick auf das Tray-Symbol von Imonc die
Applikation, der KDE-Client beendet dagegen bei einem Doppelklick die
Verbindung.
TrayImonc unter GNU/Linux
TrayImonc Applet von Robert Nitschke für den KDE Tray (trayimonc.bei.t-online.de)
Nachbildung des Windows- Imonc.
Unter Red Hat Linux 8.0.93 "Phoebe" (RHL 8.1 Betaversion) mit KDE
3.1:


Einschränkungen von Fli4L
Warum Fli4L standardmässig statische
IP-Adressen verlangt ist mir unverständlich; ein korrekt konfigurierter
DHCP-Server nimmt einem viel Arbeit ab und macht die Verwaltung eines
Netzwerkes erheblich transparenter.
Fli4L arbeitet auch in der Konfiguration
nicht mit Hostnamen oder symbolischen Tokens, sondern mit IP-Nummern;
das macht die Konfigurationsdateien unnötig unflexibel; beispielsweise
könnte man zunächst das Netzwerk mit Hostnamen als Konstanten sowie
zugewiesenen IP- und MAC-Adressen definieren und dann später nur noch
auf die Konstanten referenzieren; spätere Änderungen müssen dann nur
noch an dem symbolischen Namen vorgenommen werden, auch die einem Host
zugewiesene IP-Adresse liesse sich so einfacher verwalten, da diese bei
einer DHCP-Konfiguration nicht ständig auch am Host geändert werden
müsste -- all dies kann ein normaler DHCP-Server.
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