Konzept von
Bruce Perens
für eine auf Debian GNU/Linux
basierende Distribution als Gegenentwurf zu
United Linux und dem
Fedora-Projekt von
Red Hat.
Perens hat Anfang Dezember 2003 seine Ideen für eine neue, allgemeine
Linux-Distribution vorgelegt, die falsche Entwicklungen bei den
Distributoren korrigieren soll.
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Open-Source-Protagonist Bruce Perens hat nun einen ersten Entwurf zu
der von ihm angeregten neuen Linux-Distribution UserLinux vorgelegt.
Darin kritisiert er wie schon zur ersten Ankündigung Mitte November
Linux-Händler und Distributoren. Die Vorzüge des freien Betriebssystems
für niedrige Kosten, offene Quellen und eine größere Kontrolle der
Nutzer über die Software würden durch die Händler und Distributoren
aufgeweicht. Sie beugten sich dem Shareholder Value und zögen Profit aus
einer Software, die ihnen nicht gehöre. Als "schlimmstes Beispiel" nennt
Perens den Namen Caldera, den Vorläufer der heutigen SCO Group.
Es gehe darum, das ökonomische Paradigma eines Linux für Unternehmen
wiederherzustellen. Die Durchsetzung von Linux sei durch das Verhalten
der Distributoren behindert worden, da Linux durch ihr Vertriebsmodell
immer teurer werde. Auch werde speziellen Bedürfnissen von spezifischen
Wirtschaftsbereichen oder Firmen nicht mehr Rechnung getragen --
kommerzielle Linux-Distributoren könnten diese Bedürfnissen gar nicht
mehr beachten. "Wir, die Entwickler freier Software, schufen diese
Software, um alle zu befähigen und für alle zur gemeinsamen Nutzung",
schreibt Perens. Aber beim heutigen Enterprise Linux sei eine Situation
entstanden, bei der Kunden in teure Subskriptions-Systeme und Service
durch einen einzelnen Anbieter eingeschlossen würden.
UserLinux soll nun auf Debian aufsetzen, meint Perens, ehemaliger
Projektleiter bei Debian. Er führe Gespräche mit Industrievertretern,
die bereit seien, jährlich eine Million US-Dollar und mehr in das
Projekt zu investieren. Sie möchten laut Perens eine zertifizierte und
breit unterstützte Linux-Distribution bekommen, die den Bedürfnissen
ihrer Branche entspricht, für die sie aber nicht auf User- oder
Arbeitsplatzbasis bezahlen müssen. Connectiva und Voxel hätten Interesse
gezeigt.
Red Hat habe seine eigene Lösung erarbeitet, von der Perens meint, es
sei die falsche. Das Fedora-Projekt wirke oberflächlich gesehen wie das
Debian-Projekt. Allerdings handele es sich um eine ungleiche
Partnerschaft, da Red Hat seinem Enterprise Linux wesentlich mehr
Aufmerksamkeit schenke. Ähnliche Ansätze wie für UserLinux habe das
Bündnis United Linux verfolgt, doch sei es durch die Machenschaften des
Mitglieds SCO "vergiftet" worden.
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Vor dem Hintergrund der sich ändernden Situation im Linux-Markt hat
Bruce Perens, einer der Gründer der Open-Source-Initiative und der Linux
Standard Base sowie Direktor des Desktop Linux Konsortiums, auf der
Desktop Linux Konferenz im November die Entwicklung einer unabhängigen
Linux-Distribution - UserLinux - gefordert. Jetzt hat Perens einen
ersten konkreten Entwurf für ein solches UserLinux vorgelegt.
Perens sieht mit den sich wandelnden Geschäftsmodellen kommerzieller
Linux-Distributoren die größten Vorteile von GNU/Linux dahinschmelzen.
Diese würden zunehmend ihre Produkte pro Nutzer berechnen und dabei
Preise verlangen, die für viele Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich
sind. Kern des Open-Source-Modells sei es, Nutzern mehr Kontrolle über
die Software zu geben, doch die heutigen "Enterprise-Linux-Angebote"
führten letztendlich wieder zu einem Lock-In, das Nutzern teure
Abonnements aufzwängt, so Perens.
Als Lösung dieses Problems skizziert Perens die Entwicklung des
GNU/Linux-Systems auf Basis einer Kostenteilung. Diese Distribution soll
auf Debian basieren und unter dem Dach einer Non-Profit-Organisation
entwickelt werden. Erste Unternehmen, die ein solches Projekt mit rund
einer Million US-Dollar unterstützen würden, hätten sich bereits
gefunden. Es bleibe aber genügend Raum für andere Teilnehmer aus vielen
Bereichen.
Perens skizziert ein System, das sich an das System der Entwicklung
des Linux-Kernels anlehnt und in dessen Kern eine gemeinnützige
Organisation steht. Um diesen Kern sollen sich viele kommerzielle
Unternehmen versammeln, die einzeln sowie unter einem gemeinsamen Dach
Dienstleistungen auf Basis dieser Distribution anbieten. Der
Non-Profit-Kern soll dabei als Markt aufgebaut und für den
Unternehmenseinsatz zertifiziert werden. Kunden könnten ihren
Dienstleister dann frei wählen, eine Dachorganisation sicherstellen,
dass auch große Kunden einer großen flächenmäßigen Ausdehnung bedient
werden können.
Bislang hätten Conectiva
und Voxel (
www.voxel.net)
ihr Interesse signalisiert und auch mit Nat Friedman von Novell habe er
seine Idee schon diskutiert, so Perens. Zudem sieht er in diversen
Debian-basierten Projekten wie beispielsweise Skolelinux (
www.skolelinux.de),
aber auch kommerziellen Derivate wie
Progeny,
Xandros,
Knoppix,
Morphix,
Libranet und eventuell
Lindows mögliche
Interessenten für sein UserLinux.
UserLinux soll, so Perens, eine Vorauswahl an Software bereithalten,
sich also beispielsweise auf ein Desktop und einen Web Server festlegen,
um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Dennoch soll es Anwendern offen
stehen, andere Software zu nutzen. Zudem soll UserLinux eine
Standard-Konfiguration sowie eine automatisierte Installation bieten und
mit Cluster-Management-Fähigkeiten ausgestattet werden. Aber auch ein
Retail-Paket soll es geben, das zusammen mit CD und Handbuch ohne
Lizenzgebühren auch von diversen Anbietern unter einer gemeinsamen Marke
geliefert werden kann.
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Das von Bruce Perens propagierte UserLinux wird auf GNOME als Desktop
setzen, das macht Initiator Bruce Perens in einer Stellungnahme auf
NewsForge unmissverständlich klar. Perens lobt die gestern bekannt
gewordene Kooperation zwischen KDE und Debian, will in UserLinux aber
auf GNOME setzen und weder KDE noch die Qt-Bibliotheken mitliefern.
Der Ansatz bei UserLinux sei, den Nutzern Entscheidungen abzunehmen
und so eine einheitliche, offene und freie Distribution zu schaffen.
Statt vieler alternativer Applikationen soll sich UserLinux auf jeweils
eine Software-Lösung fokussieren, also nur einen MTA, eine Datenbank und
einen Desktop mitliefern. Zudem sollen die Richtlinien des Projekts
vorschreiben, dass primär für die ausgewählten Komponenten entwickelt
wird.
In den meisten Fällen sei die Wahl recht problemlos abgelaufen, mit
Ausnahme der Wahl des Desktops. Die Entscheidung zwischen GNOME und KDE
habe eine umfangreiche Diskussion auf der UserLinux-Mailingliste
ausgelöst und auch nach der Entscheidung für GNOME würden sich viele
KDE-Verfechter zu Wort melden.
Zwar seien sowohl GNOME als auch KDE freie Software und technisch
alles in allem auf ähnlichem Niveau, doch man habe sich für eines der
beiden entscheiden müssen. Ausschlaggebend für die Entscheidung seien
dabei die Software-Development-Kits gewesen, so Perens. Für kommerzielle
Anbieter sei es wichtig, nur mit einem SDK entwickeln zu müssen. Und
hier habe GNOME die Nase vorn, da Entwickler, die kommerzielle
Qt/KDE-Applikationen entwickeln wollen, eine Lizenz erwerben müssten.
Ähnlich sei auch die Entscheidung für PostgreSQL und gegen MySQL zu
begründen, so Perens, der klarstellt: "UserLinux wird auf GNOME basieren
und keine Qt- oder KDE-Komponenten enthalten."
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Bruce Perens' Vorschlag, als Desktop-System für das von ihm angeregte
UserLinux GNOME statt KDE zu verwenden, hat anscheinend die Gemüter
aufgewühlt. Der Open-Source-Protagonist schreibt in einem Artikel für
NewsForge, auf der UserLinux-Mailingliste habe sich eine längere
Diskussion um das Thema entzündet. Innerhalb einer Woche seien 200
Beiträge zusammengekommen. Bei anderer Software habe dagegen schnell ein
Konsens erzielt werden können.
Beide Desktop-Systeme hätten ihre technischen Vorzüge, schreibt
Perens, in manchen Bereichen überträfen sie sich gegenseitig. Ein
wichtiges Unterscheidungsmerkmal sei aber, GNOME koste, anders als Qt,
das die Basis für KDE bilde, keine Lizenzgebühren bei der
Softwareentwicklung für kommerzielle Anwendungen. Da es aber besser sei,
dass Entwickler nur mit einem Software-Development-Kit arbeiten, habe
man sich für GNOME entschieden.
Es sei wichtig, mehr freie Software auf den Markt zu bringen,
begründet Perens weiter. Doch um den Fuß in Unternehmen zu bekommen,
benötige man proprietäre und kostengünstige Software. Es sei möglich,
sowohl freie als auch proprietäre Software für Entwickler frei von
Lizenzgebühren zu halten. Darum sei die Wahl auf GNOME und PostgreSQL
gefallen statt auf KDE und MySQL. Die Entscheidung solle aber keinen
Debian-Nutzer daran hindern, KDE und Qt zu verwenden, versucht Perens zu
besänftigen.
Vermutlich als Reaktion auf Perens' Vorschlag hat sich vor kurzem das
KDE- mit dem Debian-Projekt verbündet. Ihr Ziel ist es, die
Desktop-Umgebung besser an die Debian-Distribution anzupassen, weitere
Funktionen für große Unternehmen hinzuzufügen und KDE als Desktop für
UserLinux zu fördern. Debian soll die Basis für UserLinux werden.