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UserLinux

 userlinux.com.

Distributionen : Allgemein : UserLinux : Übersicht
04-Dec-2003/09-Jan-07


Übersicht

Konzept von Bruce Perens für eine auf Debian GNU/Linux basierende Distribution als Gegenentwurf zu United Linux und dem Fedora-Projekt von Red Hat. Perens hat Anfang Dezember 2003 seine Ideen für eine neue, allgemeine Linux-Distribution vorgelegt, die falsche Entwicklungen bei den Distributoren korrigieren soll.

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Open-Source-Protagonist Bruce Perens hat nun einen ersten Entwurf zu der von ihm angeregten neuen Linux-Distribution UserLinux vorgelegt. Darin kritisiert er wie schon zur ersten Ankündigung Mitte November Linux-Händler und Distributoren. Die Vorzüge des freien Betriebssystems für niedrige Kosten, offene Quellen und eine größere Kontrolle der Nutzer über die Software würden durch die Händler und Distributoren aufgeweicht. Sie beugten sich dem Shareholder Value und zögen Profit aus einer Software, die ihnen nicht gehöre. Als "schlimmstes Beispiel" nennt Perens den Namen Caldera, den Vorläufer der heutigen SCO Group.

Es gehe darum, das ökonomische Paradigma eines Linux für Unternehmen wiederherzustellen. Die Durchsetzung von Linux sei durch das Verhalten der Distributoren behindert worden, da Linux durch ihr Vertriebsmodell immer teurer werde. Auch werde speziellen Bedürfnissen von spezifischen Wirtschaftsbereichen oder Firmen nicht mehr Rechnung getragen -- kommerzielle Linux-Distributoren könnten diese Bedürfnissen gar nicht mehr beachten. "Wir, die Entwickler freier Software, schufen diese Software, um alle zu befähigen und für alle zur gemeinsamen Nutzung", schreibt Perens. Aber beim heutigen Enterprise Linux sei eine Situation entstanden, bei der Kunden in teure Subskriptions-Systeme und Service durch einen einzelnen Anbieter eingeschlossen würden.

UserLinux soll nun auf Debian aufsetzen, meint Perens, ehemaliger Projektleiter bei Debian. Er führe Gespräche mit Industrievertretern, die bereit seien, jährlich eine Million US-Dollar und mehr in das Projekt zu investieren. Sie möchten laut Perens eine zertifizierte und breit unterstützte Linux-Distribution bekommen, die den Bedürfnissen ihrer Branche entspricht, für die sie aber nicht auf User- oder Arbeitsplatzbasis bezahlen müssen. Connectiva und Voxel hätten Interesse gezeigt.

Red Hat habe seine eigene Lösung erarbeitet, von der Perens meint, es sei die falsche. Das Fedora-Projekt wirke oberflächlich gesehen wie das Debian-Projekt. Allerdings handele es sich um eine ungleiche Partnerschaft, da Red Hat seinem Enterprise Linux wesentlich mehr Aufmerksamkeit schenke. Ähnliche Ansätze wie für UserLinux habe das Bündnis United Linux verfolgt, doch sei es durch die Machenschaften des Mitglieds SCO "vergiftet" worden.

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Vor dem Hintergrund der sich ändernden Situation im Linux-Markt hat Bruce Perens, einer der Gründer der Open-Source-Initiative und der Linux Standard Base sowie Direktor des Desktop Linux Konsortiums, auf der Desktop Linux Konferenz im November die Entwicklung einer unabhängigen Linux-Distribution - UserLinux - gefordert. Jetzt hat Perens einen ersten konkreten Entwurf für ein solches UserLinux vorgelegt.

Perens sieht mit den sich wandelnden Geschäftsmodellen kommerzieller Linux-Distributoren die größten Vorteile von GNU/Linux dahinschmelzen. Diese würden zunehmend ihre Produkte pro Nutzer berechnen und dabei Preise verlangen, die für viele Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich sind. Kern des Open-Source-Modells sei es, Nutzern mehr Kontrolle über die Software zu geben, doch die heutigen "Enterprise-Linux-Angebote" führten letztendlich wieder zu einem Lock-In, das Nutzern teure Abonnements aufzwängt, so Perens.

Als Lösung dieses Problems skizziert Perens die Entwicklung des GNU/Linux-Systems auf Basis einer Kostenteilung. Diese Distribution soll auf Debian basieren und unter dem Dach einer Non-Profit-Organisation entwickelt werden. Erste Unternehmen, die ein solches Projekt mit rund einer Million US-Dollar unterstützen würden, hätten sich bereits gefunden. Es bleibe aber genügend Raum für andere Teilnehmer aus vielen Bereichen.

Perens skizziert ein System, das sich an das System der Entwicklung des Linux-Kernels anlehnt und in dessen Kern eine gemeinnützige Organisation steht. Um diesen Kern sollen sich viele kommerzielle Unternehmen versammeln, die einzeln sowie unter einem gemeinsamen Dach Dienstleistungen auf Basis dieser Distribution anbieten. Der Non-Profit-Kern soll dabei als Markt aufgebaut und für den Unternehmenseinsatz zertifiziert werden. Kunden könnten ihren Dienstleister dann frei wählen, eine Dachorganisation sicherstellen, dass auch große Kunden einer großen flächenmäßigen Ausdehnung bedient werden können.

Bislang hätten Conectiva und Voxel ( www.voxel.net) ihr Interesse signalisiert und auch mit Nat Friedman von Novell habe er seine Idee schon diskutiert, so Perens. Zudem sieht er in diversen Debian-basierten Projekten wie beispielsweise Skolelinux ( www.skolelinux.de), aber auch kommerziellen Derivate wie Progeny, Xandros, Knoppix, Morphix, Libranet und eventuell Lindows mögliche Interessenten für sein UserLinux.

UserLinux soll, so Perens, eine Vorauswahl an Software bereithalten, sich also beispielsweise auf ein Desktop und einen Web Server festlegen, um die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Dennoch soll es Anwendern offen stehen, andere Software zu nutzen. Zudem soll UserLinux eine Standard-Konfiguration sowie eine automatisierte Installation bieten und mit Cluster-Management-Fähigkeiten ausgestattet werden. Aber auch ein Retail-Paket soll es geben, das zusammen mit CD und Handbuch ohne Lizenzgebühren auch von diversen Anbietern unter einer gemeinsamen Marke geliefert werden kann.

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Das von Bruce Perens propagierte UserLinux wird auf GNOME als Desktop setzen, das macht Initiator Bruce Perens in einer Stellungnahme auf NewsForge unmissverständlich klar. Perens lobt die gestern bekannt gewordene Kooperation zwischen KDE und Debian, will in UserLinux aber auf GNOME setzen und weder KDE noch die Qt-Bibliotheken mitliefern.

Der Ansatz bei UserLinux sei, den Nutzern Entscheidungen abzunehmen und so eine einheitliche, offene und freie Distribution zu schaffen. Statt vieler alternativer Applikationen soll sich UserLinux auf jeweils eine Software-Lösung fokussieren, also nur einen MTA, eine Datenbank und einen Desktop mitliefern. Zudem sollen die Richtlinien des Projekts vorschreiben, dass primär für die ausgewählten Komponenten entwickelt wird.

In den meisten Fällen sei die Wahl recht problemlos abgelaufen, mit Ausnahme der Wahl des Desktops. Die Entscheidung zwischen GNOME und KDE habe eine umfangreiche Diskussion auf der UserLinux-Mailingliste ausgelöst und auch nach der Entscheidung für GNOME würden sich viele KDE-Verfechter zu Wort melden.

Zwar seien sowohl GNOME als auch KDE freie Software und technisch alles in allem auf ähnlichem Niveau, doch man habe sich für eines der beiden entscheiden müssen. Ausschlaggebend für die Entscheidung seien dabei die Software-Development-Kits gewesen, so Perens. Für kommerzielle Anbieter sei es wichtig, nur mit einem SDK entwickeln zu müssen. Und hier habe GNOME die Nase vorn, da Entwickler, die kommerzielle Qt/KDE-Applikationen entwickeln wollen, eine Lizenz erwerben müssten.

Ähnlich sei auch die Entscheidung für PostgreSQL und gegen MySQL zu begründen, so Perens, der klarstellt: "UserLinux wird auf GNOME basieren und keine Qt- oder KDE-Komponenten enthalten."

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Bruce Perens' Vorschlag, als Desktop-System für das von ihm angeregte UserLinux GNOME statt KDE zu verwenden, hat anscheinend die Gemüter aufgewühlt. Der Open-Source-Protagonist schreibt in einem Artikel für NewsForge, auf der UserLinux-Mailingliste habe sich eine längere Diskussion um das Thema entzündet. Innerhalb einer Woche seien 200 Beiträge zusammengekommen. Bei anderer Software habe dagegen schnell ein Konsens erzielt werden können.

Beide Desktop-Systeme hätten ihre technischen Vorzüge, schreibt Perens, in manchen Bereichen überträfen sie sich gegenseitig. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal sei aber, GNOME koste, anders als Qt, das die Basis für KDE bilde, keine Lizenzgebühren bei der Softwareentwicklung für kommerzielle Anwendungen. Da es aber besser sei, dass Entwickler nur mit einem Software-Development-Kit arbeiten, habe man sich für GNOME entschieden.

Es sei wichtig, mehr freie Software auf den Markt zu bringen, begründet Perens weiter. Doch um den Fuß in Unternehmen zu bekommen, benötige man proprietäre und kostengünstige Software. Es sei möglich, sowohl freie als auch proprietäre Software für Entwickler frei von Lizenzgebühren zu halten. Darum sei die Wahl auf GNOME und PostgreSQL gefallen statt auf KDE und MySQL. Die Entscheidung solle aber keinen Debian-Nutzer daran hindern, KDE und Qt zu verwenden, versucht Perens zu besänftigen.

Vermutlich als Reaktion auf Perens' Vorschlag hat sich vor kurzem das KDE- mit dem Debian-Projekt verbündet. Ihr Ziel ist es, die Desktop-Umgebung besser an die Debian-Distribution anzupassen, weitere Funktionen für große Unternehmen hinzuzufügen und KDE als Desktop für UserLinux zu fördern. Debian soll die Basis für UserLinux werden.

Netmarks

Userlinux.com: White Paper,
 userlinux.com/white_paper.html.

NewsForge: Stellungnahme,
www.newsforge.com/software/03/12/16/0029234.shtml?tid=130&tid=150&tid=2&tid=82&tid=94.

Heise Online: "Streit um Desktop-System für UserLinux", Meldung vom 17.12.2003 15:14,
www.heise.de/newsticker/data/anw-17.12.03-003.

Golem.de: "Bruce Perens: UserLinux setzt auf GNOME, basta! UserLinux kommt ohne Qt und KDE" (Software), 17.12.2003, 10:25,
www.golem.de/0312/28977.html.

Heise Online: "Erster Entwurf zu UserLinux", Meldung vom 04.12.2003 15:28,
 www.heise.de/newsticker/data/anw-04.12.03-002.

Golem.de: "UserLinux: Eine Distribution für alle? Bruce Perens skizziert seine Idee eines UserLinux" (Software), 04.12.2003, 11:27,
 www.golem.de/0312/28795.html.

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