Für den 30. September 2002 wurde die Auslieferung von SuSE Linux
8.1 angekündigt; laut Hersteller soll die Linux-Distribution
hinsichtlich Anwenderkomfort und Funktionsumfang neue Maßstäbe für
Privatanwender setzen. Dabei wartet SuSE 8.1 unter anderem mit neuem
Paketmanagement und dem Desktop KDE mit dem neuen Keramik-Style auf.
SuSEs zentraler Systemassistent YaST2 (Yet another Setup
Tool) verbindet Betriebssystem und Anwendungsprogramme und ist damit
Herzstück und Schaltzentrale der Distribution für den Heimanwender. Vor
allem die Hardware-Unterstützung wurde erweitert, sodass nun auch
USB-2.0- und Firewire-Geräte automatisch eingebunden werden. Drucker,
Sound- oder TV-Karten werden ebenfalls bereits während der Installation
automatisch eingerichtet. Für die Konfiguration spezieller Hardware -
beispielsweise von Joysticks - stellt YaST2 nun ein eigenes Modul zur
Verfügung.
"Mobilität mit Komfort" soll der neue Systemprofil-Manager SCPM
(SuSE Configuration Profile Management) garantieren. Damit lassen
sich mehrere System-Konfigurationen verwalten. SuSE Linux-Nutzer, die
mit ihrem Notebook zwischen verschiedenen Standorten pendeln, können nun
mit einem Knopfdruck die Peripheriegeräte wie Drucker oder Scanner des
jeweiligen Standorts nutzen. Auch der Wireless-LAN-Support wurde
verbessert und die Konfiguration in YaST2 eingebunden.
SuSE Linux 8.1 bietet darüber hinaus jetzt CAPI-Support (Common
ISDN Application Programming Interface). Damit können Faxe
zusätzlich auch über passive ISDN-Karten versandt werden. Als
Standard-Druckersystem kommt CUPS (Common Unix Printing System)
zum Einsatz.
Für mehr Sicherheit soll die erweiterte SuSE Firewall 2, ein
Krypto-Filesystem, welches die Daten von Laptops und Festplatten
auch bei Diebstahl schützt, sowie GNU Privacy Guard
(GPG-Verschlüsselung) und bewährte Sicherheitstechniken wie OpenSSH, PAM
und IPsec sorgen.
Als Office-Suite legt SuSE OpenOffice.org 1.0.1 bei, das ohne
Lizenzkosten genutzt werden kann. Mit KDE 3.0.3 bringt SuSE zudem
die aktuelle Version der Benutzeroberfläche mit. Dabei präsentiert sich
die grafische Oberfläche bereits im neuen "Keramik-Style", der erst mit
KDE 3.1 Einzug in die offizielle KDE-Version hält. Als Alternative steht
zudem das neue GNOME 2.0 zur Auswahl.
Mit SuSE YOU (YaST Online Update) bietet SuSE zudem
einen Service zur Systempflege und -optimierung. Dabei fordert der
Anwender vom SuSE-Server eine Liste der verfügbaren Sicherheits-Updates
und Bugfixes an und entscheidet dann selbst, ob er diese anschließend
installiert haben möchte. Ab sofort werden dabei nicht mehr die
kompletten Softwareprogramme übertragen, sondern nur noch die
Neuerungen.
Mit dem neuen, zentralen Software-Installer von SuSE Linux 8.1
können als Installationsmedien künftig neben CD oder DVD auch FTP- und
HTTP-Server, lokale Verzeichnisse oder Netzlaufwerke genutzt werden.
Außerdem prüft und kontrolliert der Software-Installer die komplexen
Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen Programmpaketen vor und
während ihrer Installation, was so Stabilität des Gesamtsystems
garantieren soll.
Die Distribution basiert dabei auf dem Linux-Kernel 2.4.19 und gcc
3.2; speziell angepasste Linux-Kernel sollen bei Intel-Pentium-4- und
AMD-Prozessoren für maximale Performance sorgen. Mit Powertweak
lassen sich zudem die Kernel-Parameter komfortabel verändern, um das
eigene System zu optimieren.
SuSE Linux 8.1 enthält als erste Linux- Distribution
umfassenden ACPI-Support (Advanced Configuration and Power
Interface) im standardmäßig installierten Kernel. Es handelt sich
dabei um einen fast 3 MByte großen Patch, einen Backport des im
2.5er-Kernel enthaltenen ACPI-Codes:
Als Grund hierfür nennt Chris Schläger, Chef der
Distributionsentwicklung bei SuSE, gegenüber dem
Online-Nachrichtendienst Heise Online, dass neue Rechner
zunehmend nur noch mit ACPI auf den Markt kommen. Derartige Geräte, die
die alten Standards APM und PNP-BIOS nicht mehr unterstützen, verlangen
zum Betrieb zwingend umfassenden ACPI-Support im Betriebssystem. ACPI
übernimmt dabei nicht nur das Powermanagement, sondern die gesamte
Verwaltung der Hardwareressourcen; ACPI wird auch in
Microsoft Windows
2000 und XP genutzt.
Allerdings gibt es auch eine Reihe von Rechnern mit fehlerhaften
ACPI- Implementierungen. Dabei handelt es überwiegend um Systeme, die
neben ACPI auch noch APM und PNP-BIOS unterstützen. Auf solchen Systeme
kann der SuSE- Installationskernel bereits beim Booten hängenbleiben
oder er erkennt einige PCI- Karten nicht. SuSE schätzt, dass etwa fünf
Prozent der PCs betroffen sind. Anwender, die auf derartige Probleme
stoßen, können sich jedoch durch Bootoptionen behelfen, die den
ACPI-Support im Kernel abschalten. Weitere Informationen hat SuSE im Web
zusammengestellt:
Der leistungsfähigere GRUB (Grand Unified Boot Loader)
ersetzt als Standard-Boot-Manager den Linux-Loader Lilo. Zentrale
Linux-Werkzeuge wie der Webserver Apache 2.0.40 und der File- und
Printserver für Windows-Netzwerke, Samba 2.2.5, sind ebenfalls in den
aktuellen Versionen enthalten. Mit ReiserFS, JFS, XFS und Ext3 stehen
nun vier Dateisysteme mit Journaling-Funktion zur Auswahl.
Mit je einem neuen Handbuch-Kapitel über Digitalkameras, das
Drucksystem CUPS und die Bedienoberfläche GNOME wertet SuSE auch seine
Dokumentation auf.
SuSE Linux 8.1 soll ab 30. September direkt beim Hersteller oder im
Buch- und Computerfachhandel erhältlich sein; folgende Versionen werden
angeboten:
- SuSE Linux 8.1 Personal (drei CDs, Benutzerhandbuch, 60
Tage Installationssupport), EUR 49,90;
- SuSE Linux 8.1 Professional (sieben CDs, eine DVD,
Benutzer- und Administratorenhandbuch, 90 Tage
Installationssupport), EUR 79,90;
- SuSE Linux 8.1 Professional Update, EUR 49,90.