Red Hat Linux 9.0 »Shrike« und 8.0.x »Phoebe« Review
Von Agon S. Buchholz, Dezember 2002 ff.
Distributionen :
Allgemein :
Red Hat : Versionen :
9.0 : Review : Übersicht
23-Dec-2002/09-Jan-07
|
Revision History. |
| Rev. 0.6 |
23-Okt-2003 |
Aktualisierung zur
Paketverwaltung und Aktualisierung des Betriebssystems unter RHL 9
mit APT-RPM. |
asb |
| Rev. 0.5 |
14-Apr-2003 |
Aktualisierung für
Final Release von RHL 9; Probleme bei der Aktualisierung eines
Software RAID Level 5 Arrays. |
asb |
| Rev. 0.4 |
23-Mar-2003 |
Ergänzungen zu
gravierenden Fehlern in der Paketverwaltung, verursacht durch das
Update auf rpm-4.2-0.71.i386.rpm, NPTL (Native POSIX Thread Library)
und Software- RAID und Fehlern in Verbindung mit KVM- Switches. |
asb |
| Rev. 0.3 |
15-Mar-2003 |
Ergänzungen zu
aktuellen Aktualisierungen aus Rawhide; Installation eines IDE-
CD-Brenners; Software- RAID. |
asb |
| Rev. 0.2 |
22-Feb-2003 |
Zweite
Überarbeitung, basierend auf 8.0.94; Update des SMP- Testsystems
über APT-RPM. |
asb |
| Rev. 0.1 |
26-Jan-2003 |
Erste Überarbeitung,
basierend auf 8.0.93; ergänzend Installation von CD-RW- Medium auf
AMD K6-2/300- System. |
asb |
| Rev. 0.0 |
23-Dec-2002 |
Erster Entwurf des
Reviews, basierend auf 8.0.92; ergänzend Installation von CD-RW-
Medium und NFS auf Intel Pentium III/700- System; IDE- basiertes
Software RAID. |
asb |
Übersicht
Bis Mitte März 2003 waren drei Betaversionen von
Red Hat Linux 8.1/ 9.0 (»Phoebe«) erschienen
-- 8.0.92, 8.0.93 und 8.0.94 -- die ich auf drei verschiedenen Systemen
verwende; die Freigabe des Psyche-
Nachfolgers ist für Ende März (RHN- Abonnenten) bzw. Anfang April 2003
(Download und Packages) angekündigt.
Testumgebung
Zu den Testsystemen gehört
- ein SMP- Rechner mit einem Tyan Tiger MP S2460 Mainboard (ca.
2002) und zwei AMD Athlon 1900+ CPUs mit 1024 MB RAM ECC registered,
- ein PC mit CU-BX(E)- Board und einer Intel Pentium III/700 CPU
mit 512 MB RAM (ca. 2000) und insgesamt sechs (!) IDE- Kanälen sowie
- ein älterer Rechner mit einem Gigabyte GA-5AX Board (ca. 1998)
und einer AMD K6-2/300 CPU mit 512 MB RAM.
Die Rechner sind mit 512 bis 1024 MB RAM bestückt, verfügen teilweise
über IDE- und teilweise über SCSI- Massenspeicher mit mindestens einer
und bis zu sechs Festplatten sowie die übliche Ausstattung mit
Netzwerk-, Grafik- und Soundkarten; weitere spezielle Hardware wie
ISDN-, Firewire- oder Framegrabber- Karten ist derzeit nicht
installiert.
Das SMP- System wurde von Red Hat Linux
7.3 über Red Hat Linux 8.0
»Psyche« auf die »Phoebe«- Betaversionen aktualisiert; die offiziellen
Releases wurden jeweils von CD-ROM eingespielt, das
Psyche- System über das
APT-Reopsitory
von Fedora online aktualisiert; der Rechner ist als Workstation
konfiguriert. Bei den anderen Rechnern handelt es sich um frische
Installationen von CD-RW bzw. via NFS, der Rechner mit PIII/700 dient
u.a. als
Fileserver und ist als Server mit
Software-RAID konfiguriert. Auf Besonderheiten der jeweiligen
Hardware werde ich innerhalb des Erfahrungsberichtes eingehen.
Als Testumgebung dient ein kleines heterogenes LAN mit zehn PCs,
Masquerading und festen IP-Nummern, die über ein Gateway (dedizierter
Rechner unter
Fli4L) mit dem Internet verbunden sind. Im LAN befinden sich
ausserdem fünf Windows- Clients, darunter zwei
Windows XP-
Installationen und zwei
Windows
2000- Rechner sowie ein System unter
Debian GNU/Linux in der
Variante
Testing/
Unstable; gelegnetlich läuft noch ein 486er Notebook unter einer
älteren Red Hat Linux- Version, das jedoch
nicht in den Test einbezogen wird.
Zu den verwendeten Protokollen im LAN gehören u.a. NTP
(Synchronisierung der Systemzeit vom Gateway), HTTP (Zugriff auf einen
Intranet- Webserver), SMB (Datenaustausch zwischen Windows- und Linux-
Rechnern) sowie NFS (Datenaustausch zwischen den Linux- Rechnern). Auf
den Windows- Hosts läuft Cygwin und SSH, aber weder NFS noch das
X Window System.
Rudimentäre Fernadministration der Windows- Rechner von einem Linux-
Host aus wird über VNC abgewickelt, das ist aber so langsdam, dass es
nur für "Notfälle" benutzbar ist. Die
RDP- basierten
Terminal Services funktionieren von meinen Linux- Hosts leider
nicht.
Was bleibt gleich?
Die mit »Psyche« eingeführte Desktop- Oberfläche
Bluecurve bleibt in
den Betaversionen weitgehend erhalten, wurde jedoch verfeinert und
teilweise erweitert.
Der traditionelle Schwerpunkt von Red Hat auf
Gnome als
Standard- Desktop wird ebenfalls beibehalten, die Unterstützung für
KDE jedoch
verbessert. Unter Gnome fehlt beispielsweise weiterhin ein brauchbares
Launch Feedback für gestartete Applikationen (die Entsprechung
für die ungeliebte Sanduhr unter Windows).
Ebenfalls weitergeführt wird der GTK- basierte graphische Installer (Anaconda),
der mittlerweile (theoretisch) sogar die Einrichtung eines
Software-RAID- Arrays erlaubt; alternativ steht bei der Installation
weiterhin eine textbasierte Version mit automatischer Hardwareerkennung
(boot: linux text) bzw. weitgehend ohne Autokonfiguration (boot:
text expert) zur Auswahl; für die Hardware- Erkennung ist
weiterhin Kudzu
zuständig, der ja dank GPL auch beispielsweise in
Knoppix
hervorragende Arbeit leistet.
Die Unterstützung von Systemen mit Intel i386/ i486- CPUs scheint Red
Hat endgültig aufgegeben zu haben; auch die 8.0.94 setzt mindestens
einen Rechner mit
Intel Pentium- CPU voraus.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass Red Hat viel Wert auf
Kontinuität, Stabilität und Produktpflege zu legen scheint. Ebenfalls
bemerkenswert ist die bewährte Red Hat- Strategie, nur als stabil
geltende Versionen zu integrieren; Backports vom 2.5er- Entwicklerkernel
à la SuSE oder abgefahrene
2.4.21-pre2- Kernel à la
Mandrake Linux
9.1 sucht man also auch weiterhin bei
Red Hat Linux vergeblich.
Was ist neu?
Red Hat implementiert in 8.0.94 zahlreiche Aktualisierungen, darunter
die topaktuellen Desktop- Umgebungen
Gnome
2.2 und
KDE 3.1;
die Auswahl an alternativen Desktops wie
XFce oder
GNUstep ist
jedoch reichlich limitiert.
Die durch Bluecurve
für Gnome und KDE vereinheitlichte Menüstruktur wurde überarbeitet und
aufgeräumt; es gibt deutlich weniger Menüeinträge wie Kategorie/ Extras/
Mehr Extras. Das ist eine ansehnliche Verbesserung, aber Red Hat Linux
fällt hier gegenüber der extrem konsistenten Menü- Strukturierung bei
Debian GNU/Linux noch immer
deutlich ab.
Der Dateimanager Nautilus wirkt subjektiv performanter -- nur
auf dem SMP- System wirkt die Gesamtperformance beider Desktop-
Umgebungen von Release zu Release schleppender; vermutlich kehrt jetzt
bei den Linux- Desktops das Problem früherer Windows- Versionen ein, die
nach längerem (mehrjährigen) Betrieb derart mit DLLs und Registry-
Einträgen zugemüllt wurden, dass sie auch immer träger wurden. Das
Problem ist bei Windows- Systemen seit
Windows
2000 hinreichend gelöst, daher ist wohl davon auszugehen, dass auch
die Linux- Desktops dieses Problem früher oder später in den Griff
bekommen.
Eine weitere wichtige Neuerung von »Phoebe« ist XFree 4.3, das in der
8.0.94 noch in einer Betaversion ausgeliefert wird; die neue XFree-
Version verfügt über zahlreiche interessante Neuerungen, darunter auch
die Möglichkeit, die Bildschirmauflösung im laufenden Betrieb zu
wechseln. XFree ist in der Ende Februar verfügbaren Version
zufriedenstellend stabil mit Standard- Grafikkarten wie der noch
halbwegs aktuellen Matrox Millennium G550 oder älteren Elsa-
Karten mit Nvidia TNT2- Chipsatz; aktuelle 3D- Grafikkarten
verwende ich unter Linux nicht, daher kann ich hierzu keine Aussagen
machen, leider steht mir auch keine Matrox Parhelia zur Verfügung.
Natürlich wurde auch der
Kernel aktualisiert; Red Hat "wagt" den Sprung von 2.4.18 auf
2.4.20, was seit dem Release am 28-Nov-2002 der aktuellste stabile
Kernel ist; von Rawhide
war Ende Februar 2003 2.4.20-2.54 verfügbar.
Zusammenfassed ist also festzustellen, dass Red Hat wirklich
Up2date ist;
nicht nur die Desktop- Umgebungen werden in den aktuellsten Versionen
integriert, sondern auch X11, der Kernel und natürlich zahllose
Anwendungspakete wie
Mozilla,
OpenOffice.org und
Evolution.
Das Mitte März freigegebene Release von
Mozilla
1.3 wurde bisher nicht über Rawhide oder Fedora bereitgestellt,
existiert jedoch bei mozilla.org unter
ftp.mozilla.org/pub/mozilla/releases/mozilla1.3/Red_Hat_8x_RPMS/gtk2/i386
als Binary für Red Hat Linux 8.0.
Installation
Der Installationsmechanismus ist weitgehend identisch mit dem der
Vorversion und weiterhin GTK- basiert (vgl.
Review zu Red Hat Linux 8.0);
die Firstboot- Prozedur wurde jedoch stark überarbeitet und
erweitert; in 8.0.94 traten jedoch Darstellungsprobleme durch
überdimensionierte Fenster auf -- sicherlich leicht zu beheben bis zum
endgültigen Release.
Ein ernsthaftes Problem scheint 8.0.94 mit der Einrichtung eines
Software-RAID- Arrays zu haben; der dafür zuständige Disk Druid
funktioniert überhaupt nicht so, wie er laut Dokumentaton sollte. Auf
mehreren Systemen gelang es mir nicht, ein System mit einer bootfähigen
6GB- Platte und einem Array aus vier 80GB- IDE-Platten für /home
einzurichten;
Anaconda hing immer während des anschliessenden Einrichtens des
Arrays. Ich dachte zunächst, die läge am Asus CU-BX(X), welches über
zwei normale IDE- Kanäle sowie über zwei zusätzliche Promise ATA- Kanäle
verfügt, also insgesamt vier separate IDE- Kanäle; dasselbe Problem trat
dann aber auch bei dem Tyan- Board mit einer 6GB und drei 80GB-Platten
auf.
Ich mag Red Hats Disk Druid mittlerweile überhaupt nicht mehr,
da es sich um eine Einweg- Lösung handelt; das Tool kann man bei der
Installation nutzen, später nie wieder. Ein Äquivalent zu der
ausgezeichneten Festplattenverwaltung unter Windows- Systemen existiert
allerdings in keiner GNU/Linux- Distribution. Ich empfehle daher,
Disk Druid zu vermeiden und zunächst nur ein rudimentäres Basis-
System aufzusetzen; ein
Software-RAID- Array sollte -- wenn es denn sein muss -- später von
Hand mit den raidtools oder mdadm eingerichtet
werden, das sind zuverlässige Tools, die wirklich funktionieren.
Bei Red Hat Linux steht dafür kein graphisches Tool mehr zur
Verfügung, angesichts der schlechten Erfahrungen mit Disk Druid
ist das aber wohl auch besser so. Wer unter Linux ernsthaft IDE- RAIDs
betreiben will, sollte ausserdem ernsthaft über einen echten Hardware
RAID- Controller nachdenken.
Software-RAID verärgert unter Linux ohnehin, da es nicht möglich
ist, von einem RAID Level 5- Array zu booten, für produktiven
Fileserver empfehle ich daher die Verwendung eines zuverlässigen
IDE-basierten
Hardware-RAID- Controllers, beispielsweise eines Modells aus der
3ware Esclade- Serie; diese Geräte sind bootfähig und unterstützen
sowohl Hot Swap als auch Hot Spare.
Weitere Probleme traten beim Tyan- Board bei einer gemischten IDE-/
SCSI- Konfiguration auf; beim Booten von einem IDE- CD-ROM- Laufwerk
traten zahllose Fehler auf dem IDE-Bus auf, die zu diversen Resets und
schliesslich zum Abbruch der Installation führten; dies tritt weder bei
einem reinen IDE-, noch bei einem reinen SCSI- System und auch nur beim
Tyan- Board auf.
Das letzte auffällige Installationsproblem bei der 8.0.94 bietet
Grub, der sich zwar problemlos auf /dev/hda2 installieren liess, von
dort aber nicht booten konnte. Auch dieses Problem trat nur in einer
Konfiguration auf, beim Asus CU-BX(X) mit insgesamt sieben IDE- Geräten
an den vier IDE- Kanälen, davon drei gejumpert als Slaves und vier als
Master. Das ältere Gigabyte- Board wollte die 80GB IDE- Platten gar
nicht erkennen und hing bereits nach dem POST, das liess sich aber durch
ein BIOS- Update problemlos beheben.
Grundsätzlich erscheinen mir komplexe IDE- Konfigurationen unter
Linux instabil zu sein, nicht nur unter Red Hat Linux; unter
Windows
2000 Server lassen sich problemlos die wildesten
Hardware-RAIDs bauen, beispielsweise mit bis zu acht IDE- Platten
unterschiedlicher Grösse an einem Asus CU-BX(X)- Board, dort können dann
Teile der Platten als RAID Level 5 und andere Teile als RAID Level 0
laufen, das ist stabil und problemlos. Linux gerät anscheinend leicht
aus dem Tritt, wenn sich die IDs von SCSI- Platten ändern, bei dem IDE-
Array hatte ich nach der manuellen Einrichtung allerdings keinen Ärger
-- und habe auch kene Platten mehr ausgetauscht.
Upgrade
Beim Versuch, Mitte April den Fileserver mit dem Software RAID Level
5 Array von 8.0.94 Phoebe auf Shrike zu aktualisieren, meldet der
Installer:
»Die Partitionstabelle auf Gerät hde ist nicht lesbar. Um
neue Partitionen zu erstellen, muss die Tabelle initialisiert
werden, was den Verlust ALLER DATEN auf dieser Festplatte bewirkt.
Diese Operation überschreibt alle in der vorangegangenen
Installation gewählten Optionen der zu ignorierenden Laufwerke.
Möchten Sie diese Festplatte initialisieren und ALLE DATEN
löschen?«
Dieselbe Fehlermeldung folgt für die Laufwerke hdf, hdg und hdi sowie
hdk. Ich traue meinen Augen nicht, so schlecht kann doch das Final
Release eines Betriebssystems im Jahr 2003 gar nicht sein...
Die Laufwerke hde, hdf, hdg, hdi und hdk gehört zum Array, der
Installer hat darauf absolut nichts zu suchen: Das komplette
Betriebssystem läuft vollständig von einer separaten Festplatte.
Nachdem ich alle Warnhinweise verneint habe rödelt der Rechner eine
Weile auf den Platten und meldet:
»Fehler beim Mounten des Geräts md0 als /raid: Das Argument
ist ungültig.
Das heißt, dass diese Partition nicht formatiert worden
ist.
Drücken Sie OK, um ihr System neu zu starten«.
Nachdem das System wochenlang stabil lief, hatte ich nicht mit
solchen Problemen gerechnet, aber bei GNU/Linux muss man wohl
grundsätzlich mit dem schlimmsten rechnen.
Plötzlich bekommt eine Aussage aus Mohammed J. Kabirs Buch
Red
Hat Linx 8 Server eine ganz neue Bedeutung:
»I can't recommend software RAID as a tested solution with
anything close to the confidence I have in hardware RAID«
(S. 110).
... und es erklärt vielleicht auch, warum es in dem ausgezeichneten
Band
Handbuch
zur Linux Systemverwaltung von Evi Nemeth, Garth Snyder und Trent
Hein der Terminus "RAID" gar nicht erst auftaucht.
Dasselbe gilt übrigens auch für den Band
Red
Hat Linux 8 Unleashed von Bill Ball; hier wird das Thema RAID im
Kapitel »Choosing a Backup Strategy« (!) am Rande und in nur zwei
Absätzen abgehandelt (S. 330-331).
Oder anders fomuliert: Wenn schon RAID unter Linux, dann doch lieber
hardware- basiert, damit das Betriebssystem nicht daran herumpfuschen
kann. Oder noch besser: Software RAID unter Microsoft Windows betreiben,
da funktioniert's zuverlässig und lässt sich auch updaten.
Konfiguration
Red Hat baut die Palette an graphischen
Konfigurationstools
quantitativ und qualitativ weiter aus; mittlerweile gibt es 76
Einstellungsmöglichkeiten unter Preferences, System Tools und System
Settings.
Funktional ist jedoch kaum eins dieser Tools sinnvoll zu benutzen;
das Tool für den
Apache
httpd beispielsweise unterstützt weiterhin nur die grundlegende
Funktionalität dieses mächtigen Webservers und kann noch immer keine
httpd.conf parsen; manuelle Änderungen in der
Konfigurationsdaei werden beim nächsten Start des
GUI- Tools
gelöscht.
Ich liebe graphische Konfigurationstools -- aber nur, wenn sie
denn zuverlässig sind und einen brauchbaren Funktionsumfang
bereitstellen; solche systemweiten Tools gibt es in keiner aktuellen
Linux- Distribution, weder bei Red Hat noch anderswo. Die
GUI-Konfigurationstools,
die Red Hat derzeit anbietet, schaden mehr als sie nutzen; auf die
Kommandozeile und einen SSH- fähigen CLI- Texteditor à la
GNU Emacs
oder Vi/Vim kann m.E. weder derzeit noch in absehbarer Zeit weiterhin
kein Red Hat- Administrator verzichten.
Der nachträgliche Einbau eines zusätzlichen Promise Ulta-100 TX2
IDE-Controllers war problemlos; es wird automatisch der Treiber des
On-board- Controllers verwendet. Auf dem CU-BX(E)- System stehen dann
sechs vollwertige IDE- Kanäle zur Verfügung, die beispielsweise für ein
Software-RAID genutzt werden können.
Das Integrieren einer AVM ISDN- Karte, beispielsweise um einen Fax-
Server oder ein SMS- Gateway zu betreiben bzw. die Aktivität auf dem
ISDN- Bus zu visualisieren, ist aussichtslos unter Red Hat Linux und
wird es wohl auch bleiben. Heimanwender haben aber immerhin mittlerweile
recht gute Chancen, eine ISDN- Karte zur Internet- Einwahl verwenden zu
können. Abhilfe schafft ein (Hardware-) Modem oder ein externer
Terminaladapter wie das ZyXEL 2864ID; für die Benutzung von letzterem
muss man sich allerdings intensiv mit AT- Codes auseinandersetzen, wie
vor 15 Jahren unter MS-DOS; Konfigurations- oder Verwaltungstools gibt
es für Windows, aber natürlich nicht für GNU/Linux.
Aktualisierung und Erweiterung
Das Software- Paradies, das beispielsweise
Debian GNU/Linux mit seinen
rund 8.710 mit einem simplen apt-get install
einstallierbaren
Softwarepaketen (Stand: Anfang 2003) bietet, ist bis auf weiteres
für Red Hat Linux wohl eine Utopie; daran ändern auch die wenigen
Dutzend Pakete von Freshrpms und Fedora grundlegend nichts.
Möglicherweise bessert sich die Situation bei
Fedora Linux im Lauf der
Zeit, aber das ist sicherlich eine langwierige Angelegenheit.
Derzeit steht als halbwegs komfortabler Upgrade- und
Erweiterungsmechanismus nur
APT-RPM mit
relativ wenigen APT-Repositories
zur Verfügung, zum Beispiel:
[root@lx /]# cat /etc/apt/sources.list
# Planet CCRMA - Programme für Audio- und Videoverarbeitung (incl. neuer
Kernel)
rpm http://freesoftware.ircam.fr/mirrors/planetccrma/apt
redhat/9/en/i386 planetccrma
rpm http://www-ccrma.stanford.edu/planetccrma/apt redhat/9/en/i386
planetccrma
# KDE 3.1.4 von RedHat, Evolution (Ximian) 1.4.4, XFCE4rc4, MLDonkey,
# GIMP-1.3.17, OpenHBCI & Co ...
rpm http://vlugnet.org/apt redhat/9/en/i386 inoupdates vlugrpms
rpm-src http://vlugnet.org/apt redhat/9/en/i386 inoupdates vlugrpms
# Pakete von Matthew Hall, u.a. GNOME 2
rpm http://people.ecsc.co.uk/~matt/downloads/apt redhat-9-i386 gnome
extras depends
rpm-src http://people.ecsc.co.uk/~matt/downloads/apt redhat-9-i386 gnome
extras
# Fedora Linux repositories for Red Hat Linux 9 repository
# University of Hawaii Honolulu, Hawaii, USA
rpm http://download.fedora.us/fedora redhat/9/i386 os updates stable
rpm-src http://download.fedora.us/fedora redhat/9/i386 os updates stable
Das führt jedoch zu folgender Sackgasse (Stand: 23-Okt-2003:
[root@lx /]# apt-get upgrade
Lese Paketlisten... Fertig
Erzeuge Abhängigkeitsbaum... Fertig
Sie werde `apt-get -f install' ausführen wollen um diese zu beheben.
Die folgenden Pakete besitzen unerfülte Abhängigkeiten:
MySQL-server: Obsoletes: mysql
Obsoletes: mysql-server
mysql: Im Konflikt: MySQL
mysql-server: Im Konflikt: MySQL-server aber 4.0.15-0 ist installiert
E: Unerfüllte Abhängigkeiten. Versuche -f zu benutzen.
Das führt zu:
[root@lx /]# apt-get -f upgrade
Lese Paketlisten... Fertig
Erzeuge Abhängigkeitsbaum... Fertig
Korrigiere Abhängigkeiten ... Fertig
Die folgenden Pakete werden upgegradet werden:
lame libmad
Die folgenden Pakete werden ENTFERNT:
MySQL-server
2 Pakete upgegradet, 0 neu installiert, 1 entfernt und 0 nicht
upgegradet.
Muss 0B/538kB an Archiven holen.
Nach dem Auspacken werden 25,5MB Plattenplatz freigegeben werden.
Wollen Sie fortsetzen? [J/n]
Checking GPG signatures...
Unsigned /var/cache/apt/archives/lame_3.93.1-1_i386.rpm: sha1 md5 OK
Unsigned /var/cache/apt/archives/libmad_0.15.0b-2_i386.rpm: sha1 md5 OK
E: Error: 2 unsigned packages
0 unknown signatures
0 illegal/corrupted signatures
Nicht nur die fehlenden Signaturen bei lame und
libmad generieren hier ein Problem:
[root@lx /]# apt-get install mysql-server
Lese Paketlisten... Fertig
Erzeuge Abhängigkeitsbaum... Fertig
mysql-server ist bereits die neueste Version.
Sie möchten `apt-get -f install' ausführen um diese zu beheben:
Die folgenden Pakete besitzen unerfülte Abhängigkeiten:
MySQL-server: Obsoletes: mysql
Obsoletes: mysql-server
mysql: Im Konflikt: MySQL
mysql-server: Im Konflikt: MySQL-server aber 4.0.15-0 wird installiert
werden
E: Unerfüllte Abhängigkeiten. Versuchen Sie 'apt-get -f install' ohne
Pakete(oder geben Sie eine Lösung an)
Der Lösungsvorschlag, apt-get -f install auszuführen,
bringt auch nicht das gewünschte Ergebnis:
[root@lx /]# apt-get -f install
Lese Paketlisten... Fertig
Erzeuge Abhängigkeitsbaum... Fertig
Korrigiere Abhängigkeiten ... Fertig
Die folgenden Pakete werden ENTFERNT:
MySQL-server
0 Pakete upgegradet, 0 neu installiert, 1 entfernt und 2 nicht
upgegradet.
Muss 0B an Archiven holen.
Nach dem Auspacken werden 25,4MB Plattenplatz freigegeben werden.
Wollen Sie fortsetzen? [J/n]
Checking GPG signatures...
Führe RPM aus (-e)...
Statt -- wie angefprdert -- das System zu aktualisieren, entfernt die
Paketverwaltung eine kritische Komponente, den MySQL- Daemon.
Die Aktualisierung scheitert aber weiterhin:
[root@lx /]# apt-get upgrade
Lese Paketlisten... Fertig
Erzeuge Abhängigkeitsbaum... Fertig
Die folgenden Pakete werden upgegradet werden:
lame libmad
2 Pakete upgegradet, 0 neu installiert, 0 entfernt und 0 nicht
upgegradet.
Muss 0B/538kB an Archiven holen.
Nach dem Auspacken werden 136kB Plattenplatz freigegeben werden.
Wollen Sie fortsetzen? [J/n]
Checking GPG signatures...
Unsigned /var/cache/apt/archives/lame_3.93.1-1_i386.rpm: sha1 md5 OK
Unsigned /var/cache/apt/archives/libmad_0.15.0b-2_i386.rpm: sha1 md5 OK
E: Error: 2 unsigned packages
0 unknown signatures
0 illegal/corrupted signatures
Kurzum, die Paketverwaltung und Systemaktualisierung über
APT-RPM ist für
Endanwender in diesem Zustand unbrauchbar. Das betrifft nicht nur Vorab-
und Betaversionen wie »Phoebe«, sondern auch die »stabile«
Produktionsversion »Shrike«.
Weitere Probleme fängt man sich übrigens bei Mischung verschiedener
inkompatibler APT-Repositories
ein, ausserdem gerät man immer in die Dependency Hell, sobald der
Ximian
Desktop oder
Ximian
Red Carpet ins SPiel kommen. All diese vermeintlichen
»Arbeitserleichterungen« sind nur zu sich selbst kompatibel und (zer-)
stören alternative Paketverwaltungsmechanismen, statt diese zu ergänzen.
Die
Paketverwaltung von Debian GNU/Linux ist derzeit der einzige
Mechanismus unter allen verfügbaren Linux- Distributionen, die
diese Problematik halbwegs im Griff hat.
Kompatibilität und Interoperabilität
Die meisten RPMs für Red Hat Linux 8.0
funktionieren auch unter 8.0.94; es gibt keinen massiven Bruch in der
Binärkompatibilität wie beim Sprung von
Red Hat Linux 7.3 auf 8.0; das
hängt sicherlich auch damit zusammen, dass sowohl
Gnome
2.2 als auch
KDE 3.1
binärkompatibel zu ihren Vorgängerversionen sind; zu den Ausnahmen
gehört beispielsweise der Phoebe- httpd, der nicht unter Psyche läuft.
Mitte März tauchten dann Gerüchte auf den Mailinglisten
<psyche-list@redhat.com> und <phoebe-list@redhat.com>
auf, nach denen der Psyche- Nachfolger die Versionsnummer 9.0 (und nicht
8.1) tragen soll; begründet wurde dies u.a. mit der durch
NPTL (Native
POSIX Thread Library) eingeschränkten Binärkompatibilität. Dieser
Schritt war eigentlich erst nach Freigabe von Kernel 2.6 erwartet
worden.
Mit NPTL ist Red Hat Linux 9 jedoch immer binärkompatibel zu
älteren Versionen. Probleme gibt es beispielsweise mit älteren Java-
Umgebungen; nur die aktuelle Java-Ausgabe von Sun funktioniert wie
erwartet. Zu den weiteren kritischen Komponenten zählen die 3D-
Grafikkartentreiber von Nvidia; es existiert allerdings bereits ein
Update für Red Hat Linux 9.
Die Interoperabilität mit Windows- Systemen steht und fällt mit
Samba;
hier gibt es keine nennenswerten Verbesserungen, Samba ist mehr schlecht
als recht in die Desktop- Oberflächen integriert, es gibt allerdings ein
neues GUI- basiertes Verwaltungstool für Samba; in Nautilus kann man mit
dem Konstrukt smb:/// auf Freigaben in einer Windows
Workgroup zugreifen, hier gibt es jedoch regelmässig Abstürze und
Deadlocks.
Der Zugriff auf Windows XP- Shares von Red Hat- Rechnern aus ist
durchaus möglich, aber recht wackelig; besser funktioniert es i.d.R.
umgekehrt; nach etwa einer Woche Betrieb war der Software- RAID- Server
nach einem Neustart von den Windows- Systemen im LAN nicht mehr
sichtbar, er konnte jedoch noch auf die Windows- Freigaben zugreifen. Es
ist allerdings etwas bizarr, von einem Windows XP- Rechner aus per SSH
auf einen Linux- Rechner zuzugreifen, um von dort die Funktionalität von
Samba zu testen... Im Verlauf der Testphase konnte das Array von Windows
2000- oder XP- Cleints nicht mehr über SMB angesprochen werden, der
Rechner tauchte nie wieder in der Windows- Netzwerkumgebung auf.
Nach "längerer" Uptime (8-14 Stunden) scheinen die Verbindungen
jedoch komplett wegzubröseln, auch ein Neustart von smbd
bzw. nmbd hilft da nicht -- ein Neustart des
Betriebssystems dagegen schon; auch das ist wohl eine Eigenschaft, die
Linux von älteren Windows- Versionen geerbt zu haben scheint. Überhaupt
scheint sich GNU/Linux immer mehr alten Windows- Notnägeln anzunähern:
Wenn irgendwas nicht mehr funktioniert, probier's mit einem Neustart;
hilft das nicht, installier' das Betriebssystem neu.
Die Stabilität von Samba unter 8.0.94 ist m.E. nicht mit nativen
Windows- Servern vergleichbar; selbst unser CIFS- Server, ein Filer F720
von NetApp, war da erheblich stabiler. Wer Vergleiche mit der Windows-
Welt mag: die Standardeinstellungen produzieren in etwa dieselbe
wackelige Netzwerkumgebung, die ich zuletzt unter Windows 95/ 98-
Workgroups erlebt habe. M.E. ist jede Default- Installation von Windows
NT 4.0/ 2000 oder 2003 Server deutlich stabiler.
Anzumerken ist zu der Option "Neuinstallation", dass es hier
gravierende Unterschiede zwischen Windows- und Red Hat- Systemen gibt;
sind auf einem Windows- System wichtige Systemdateien beschädigt, kann
man den Rechner i.d.R. durch eine Neuinstallation retten; Windows
erkennt die vorhandene Installation und stellt einen definierten Zustand
her. Dabei gehen keine Daten verloren. Ein Red Hat- System kann man
durch eine solche Neuinstallation nicht reparieren; man kann zwar eine
Update- Installation durchführen, die behebt aber keinerlei Fehler. Was
kaputt ist, bleibt auch danach noch kaputt.
Internationalisierung und Lokalisierung
Red Hat Linux hat eine bewegte Geschichte bei der
Internationalisierung und Lokalisierung hinter sich; etwa seit der
7.0- Version ist RHL auch in
brauchbarer Form an deutsche Gewohnheiten angepassst. Durch die
Umstellung auf UTF-8 in Red Hat Linux 8.0
ergaben sich einige Rückschritte durch nicht ausreichend angepasste
Programme; beispielsweise erfreuen die Startmeldungen mit diversen
unpassenden Sonderzeichen; etliche Systemprogramme scheinen noch nicht
Unicode- (UTF-8) clean zu sein.
Inkonsistenzen und Fehler
Anscheinend wurden wieder nicht konsequent alle mitgelieferten Pakete
aktualisiert; so wird beispielsweise eine veraltete Version von
X-CD-Roast
ausgeliefert:
»Another RedHat 8.1 beta was released and this time it
includes a current release of X-CD-Roast. But please note that the
package seems to be broken and RedHat decided to remove the
non-root-mode again. Just use the RPMs I do provide on my page to
avoid problems« (T. Niederreiter am 02-Feb-2003 auf
www.xcdroast.org).
Mit dem Update auf die Version 8.0.94 fiel bei dem SMP- System der
KDE- Desktop aus; wählt man im GDM den Sitzungstyp "KDE", folgt die
Fehlermeldung:
Could not start kdeinit. Check your installation.
Danach terminiert X11, startet neu und zeigt wieder den GDM. Gnome
funktioniert dagegen weitgehend reibungslos; das Problem liess sich auch
durch Installation der aktualisierten KDE 3.1.1- Pakete nicht beheben,
trat aber auf den anderen Systemen nicht auf.
Völlig sinnlos erscheint mir die neue CD-Brennfunktion von Nautilus;
man kann zunächst komfortabel Dateien in einem Ordner zusammenstellen
und daraus ein ISO- Image erzeugen, damit aber nichts mehr anfangen; es
gibt weder eine kontextsensitive Online- Hilfe (die gibts unter Gnome
nirgends), noch überhaupt einen Eintrag zum Brennen von CDs über
Nautilus im Hilfesystem. Selbst wenn diese Funktion implementiert sein
sollte -- die Benutzerführung ist horrend schlecht.
Während das Software- RAID- System unter 8.0.94 insgesamt weitgehend
problemlos lief, ergab sich doch ein recht gravierendes Problem: Der
Rechner fährt nicht herunter, sondern hängt während der Shutdown-
Prozedur reproduzierbar mit der Meldung:
Unmounting file systems:
Dieser Fehler liess sich bis einschliesslich 8.0.94 nicht beheben.
Ein weiteres Problem trat auf dem Software- RAID- Rechner durch die
Verwendung eines KVM- Switches auf: Sporadisch verweigerte das System
Tastatureingaben, hatte jedoch keine Probleme mit der Mausbenutzung (was
leider unter einem Linux- System keine echte Alternative ist). Der
Fehler trat wiederholt, aber nicht reproduzierbar auf; Abhilfe schafft
hier nur ein shutdown -h now mit anschliessendem
Ausschalten des Rechners. Ähnliche Probleme traten nach Berichten von
Teilnehmern auf der Phoebe- Mailingliste mehrfach bereits während der
Installation auf.
Mitte März wurde auf der Mailingliste <phoebe-list@redhat.com>
verstärkt von Problemen mit der Paketverwaltung berichtet; die
aktualisierten RPM- Pakete (rpm-*.71.i386.rpm) verursachten auf den
Rechnern mehrerer Listenteilnehmer gravierende Probleme (Segmentation
Fault bei mehr oder weniger allen RPM- Operationen):
Ein paar Tage traf es dann auch meine Installation auf dem SMP-
System; sämtliche auf RPM aufsetzenden Tools (Paketverwaltungs- GUI,
APT-RPM, Synaptic und rpm selbst) wurden mit einem Schlag disfunktional
-- ein gravierendes Problem, das anscheinend unter bestimmten
Bedingungen auch schon unter Red Hat Linux
8.0 aufgetreten war.
Ein Lösungsvorschlag von Warren Togami <warren@togami.com>:
- Fallback auf eine ältere Version von rpm und popt (z.B.
popt-1.8-0.70.i386.rpm und rpm-4.2-0.70.i386.rpm) von einer älteren
Red Hat- CD oder von
people.redhat.com/jbj/test-4.2.
- Erstellen eines Arbeitsverzeichnisses:
mkdir temp
cd temp
- Extrahieren der Dateien aus den RPM-Paketen:
rpm2cpio ../rpm-4.2-0.70.i386.rpm | cpio --extract -d
- Kopieren der Binärdateien in die entsprechenden
Systemverzeichnisse und Überschreiben der Dateien von
rpm-4.2-0.71.
- Wiederholen derselben Prozedur für
popt.
- Der Paketdatenbank den Fallback bekannt machen:
rpm -Uvh rpm*0.70*.i386.rpm popt*0.70.i386.rpm --oldpackage
Was fehlt?
Unterstützung für APT-RPM oder ein mit APT vergleichbares System
für Online- Aktualisierung und -Erweiterung.
Up2date
wäre ein potentieller Kandidat, unterstützt aber weiterhin nur die
"offiziellen" Red Hat- Server. Das inoffizielle
Current ist
derzeit noch nicht für 8.0.94 benutzbar.
Das Software- Paradies, das beispielsweise
Debian GNU/Linux mit
seinen rund 8.710 mit einem simplen apt-get install
einstallierbaren
Softwarepaketen (Stand: Anfang 2003) bietet, ist bis auf
weiteres für Red Hat Linux wohl eine Utopie; daran ändern auch die
wenigen Dutzend Pakete von Freshrpms und Fedora grundlegend nichts.
Vernünftige Unterstützung von ISDN.
Red Hat Linux bietet eine sehr begrenzte Unterstützung für ISDN;
insbesondere ISDN- Karten wie beispielsweise die verbreiteten
Produkte von AVM sind kaum benutzbar; beispielsweise ist es faktisch
nicht möglich, mit Red Hat Linux und einer aktiven ISDN- Karte einen
Fax- Server zu betreiben, jedenfalls ist mit keine erfolgreiche
(wahl aber zahllose gescheiterte Versuche) Installation bekannt.
Menschenlesbares Hardwareverzeichnis und -konfigurationstool.
Ausser /proc gibt es m.W. unter GNU/Linux kein
konsistentes und zentrales Tool zum Überblicken der installierten
Hardware und zum Konfigurieren der grundlegenden Features,
bestenfalls distributionsspezifische Tools wie Yast2 unter
SuSE Linux. Etwas so
praktisches wie der auf jeder Installation an derselben Stelle
vorhandene Windows- Gerätemanager fehlt völlig; die Tools zum
Konfigurieren sind inkonsistent und über das gesamte Betriebssystem
verstreut oder gar nicht erst vorhanden.
Vernünftige Unterstützung von lm_sensors oder anderen
Systemen für Hardware- Monitoring.
Unter Windows ist das System- Monitoring mit Tools wie
MotherBoard Monitor 5 (MBM 5) oder den Monitorin- Programmen der
Board- Hersteller problemlos möglich, die Sensoren auf Motherboards
oder die Diode im Die der CPU auszulesen, und das auf jedem
geeigneten System und ohne Konfigurationsmarathone des Kernels auf
jedem neuen System aufs neue. Red Hat Linux braucht ein
autokonfigurierendes lm_sensors.
Vernünftige ACPI- Unterstützung, im Kernel oder sonstwo.
Es ist weder zeitgemäss noch akzeptabel, dass beispielsweise AMD
Athlon- CPUs unter Linux 20W kontinuierlich mehr Strom verbrauchen
als unter Windows und in einem SMP- Board bestenfalls mit
Wasserkühlung vernünftig betrieben werden können, oder dass
Notebooks unter Linux nur 30% der Zeit betrieben werden können, die
unter Windows XP möglich ist, oder dass Rechner nach dem Shutdown
nicht sauber heruntergefahren werden und und und...
Vorkonfigurierte Terminal- Services.
Knoppix
hat es vorgemacht: ein vorkonfigurierter, sofort lauffähiger und
vollwertiger Terminal- Server ist mit Linux mittlerweile
realisierbar. Entsprechende Projekte gibt es, beispielsweise der Red
Hat- basierte
K12LTSP
oder das Linux Terminal Server Project (LTSP); diese
Funktionalität sollte Red Hat Linux von Hause aus bereitstellen.
MP3- und DeCSS- Unterstützung (oder lizenzrechtlich
unbedenkliche, kompatible Alternativen).
Auch unter Red Hat Linux sollte es möglich sein, DVDs anzusehen
oder MP3s anzuhören -- zumindest wenn ernsthaft der Desktop- Markt
angepeilt werden sollte. Mich stört das Fehlen beider
Funktionalitäten allerdings nicht, da Ogg ohnehin das bessere Audio-
Format ist und sich DeCSS und MP3- Funktionalität problemlos
nachrüsten lassen.
Graphischer Bootvorgang.
Weiterhin gibt es keinen graphischen Bootvorgang. Und das ist gut
so.
Aufgabenorientiertes Arbeiten.
Spätestens mit Windows 2000 Server stellt Microsoft die Server-
Systeme konsequent auf das aufgabenorientierte Arbeiten um,
besonders drastisch wird dies bemerkbar in Windows .NET Server 2003,
wo dieses Konzept bis zum Erbrechen durchdekliniert wird.
Dennoch -- man gewöhnt sich schnell daran, und stellt dann auch
fest, das dieses Konzept wirklich hilft und das Arbeiten merklich
beschleunigt: Der Umsetzungsschritt "wie und mit welchem Tool
löse ich Aufgabe xy?" wird verkürzt auf die pure Ausführung der
Aufgabe.
Das geht natürlich nur mit wiederkehrenden und häufigen Tasks,
jedoch ist Windows hier dem aktuellen status quo von Red Hat
Linux zwei Evolutionsschritte voraus:
- Schritt 1: vollwertige, funktionierende und stabile GUI-
Tools,
- Schritt 2: aufgabenorientiertes Arbeiten.
Weitere Defizite.
Es gibt natürlich noch diverse weitere Defizite, die meisten
davon sind jedoch systembedingt und liegen nur begrenzt im
Einflussbereich von Red Hat; auch der weltweite Marktführer im
Linux- Business hat beispielsweise nur vergleichsweise begrenzte
Einflussmöglichkeit auf die Schaffung, Umsetzung und Einhaltung von
konsistenten Usability- Richtlinien in Open Source- Programmpaketen;
auch hier hat Microsoft als Monopolist einen faktischen (und für den
Anwender nützlichen) Vorteil.
Fazit
Red Hat Linux ist in der aktuellen Betaversion 8.0.94 mit erheblichem
Abstand die beste verfügbare Linux- Distribution; geboten wird eine gut
abgewogene Kombination aus aktuellen Komponenten und grösstmöglicher
Stabilität -- alles natürlich in Relation zur Aktualität; mehr
Stabilität strebt Red Hat nur mit den Produkten
Advanced Server und
Advanced Workstation
an.
Verbesserungsmöglichkeiten gibt es in grosser Zahl; ich gehe daher
davon aus, dass spätestens Anfang Juni die nächste Runde im
Versionskarussell mit der Vorbereitung von Red Hat Linux 8.2 oder 9.0
eingeläutet wird; möglicherweise steht dann auch Kernel 2.6 und damit
ACPI- Unterstützung zur Verfügung.
Der von Red Hat eingeschlagene Weg, zunehmend graphische
Konfigurationstools mitzuliefern, ist wegweisend; die Integration
separater Programme für spezielle Aufgaben ist dabei weit stärker UNIX-
like, als dies beispielsweise SuSE
oder United Linux mit Yast2
praktizieren. Allerdings muss Red Hat noch viel Entwicklungsarbeit in
die GUI- Tools stecken, bevor diese produktiv einsetzbar werden.
Andere Distributionen bieten bessere Detaillösungen als Red Hat;
beispielsweise ist die
Paketverwaltung
von Debian GNU/Linux dem RPM-
Mechanismus weit überlegen; mehrere Distributionen wie
Mandrake,
Lycoris und
Xandros bieten erheblich
besser vorkonfigurierte
Desktop-Umgebungen, breitere Unterstützung für alternative Window-
Manager, aktuellere Programmversionen usw.; Red Hat Linux bietet derzeit
jedoch das ausgewogenste Verhältnis aller Komponenten, ragt in keinem
Bereich besonders hervor, leistet sich aber auch -- als derzeit einzige
grössere Linux- Distribution -- keine nennenswerten Schwächen bei
einer wichtigen Systemkomponente.
Red Hat Linux bleibt wohl auch in
der Version 8.1 eine konkurrenzlose Allround-
Distribution, die gleichzeitig für Server- wie auch Desktop-
Installationen einsetzbar ist.
Andererseits sprechen die gravierenden Mängel dieser ausgewogenen
Distributionen gegen GNU/Linux: Als Vorzeige- Distribution wird nicht
nur Red Hat, sondern ein nicht unerheblicher Teil der Linux- Welt and
Red Hat Linux 9 gemessen. In meinem Fall wurden von drei Testsystemen
zwei während der mehrmonatigen unbenutzbar. Das Dual-System weigerte
sich abwechselnd, Gnome (8.0.93) bzw. KDE (8.0.94) zu starten; kurz vor
Veröffentlichund von Shrike bootete der Rechner dann gar nicht mehr. Der
SMP- Rechner war unter Linux auch praxisuntauglich, da der Kernel kein
ACPI unterstützt, die CPUs daher konstant unter Vollast und bei rund
80°C liefen -- und das trotz massiver Kühlung.
Natürlich kann man die Zuverlässigkeit eines Betriebssystems nicht an
Betaversionen ablesen, einige Indikatoren bieten Betaversionen jedoch
schon. Umso gravierender war die Unmöglichkeit, den Fileserver mit dem
Software RAID Level 5 Array von 8.0.94 auf Shrike zu aktualisieren.
Gerade ein RAID- Array ist eine höchst sensible Einrichtung, die
ausschliesslich der Erhöhung der Datensicherheit dient. Gerade hier
sollte ein Betriebssystem keine so gravierenden Mängel aufweisen.
Mein persönliches Fazit lautet derzeit: GNU/Linux ist unbrauchbar.
Der ausgereifteste und benutzerfreundlichste Vertreter einer Linux-
Distribution, Red Hat Linux, ist für mich weder für den Desktop- Einsatz
(SMP- System), noch serverseitg (als Fileserver mit Software RAID) zu
gebrauchen. Ein Betriebssystem, das ich nicht problemlos aktualisieren
kann, richtet mehr Schaden an, als es jemals produktiv leisten kann.
Schade.
Andere Meinungen
OSnews.com zur Betaversion von Red Hat Linux 8.0.94:
»Overall, even by being a beta, I feel
that the Red Hat 8.x series are the strongest releases today in the
Linux world and Red Hat, Inc. the leading Linux power which brings
Linux one step beyond to the corporate desktop and the server space.
It is the most consistent, polished Linux desktop available, it has
major support by developers and companies who partner with Red Hat,
Inc. and its server side is also strong compared to other Linux
solutions today« (Quelle:
www.osnews.com/story.php?news_id=2881; Zugriff: 22-Feb-2003).
Diskussion
Siehe Kefk Network GNU/Linux Wiki:
Netmarks
[shrike-list]: "Release Notes", von Bill Nottingham,
Mon, 31 Mar 2003 10:47:37 -0500,
listman.redhat.com/pipermail/shrike-list/2003-March/000009.html.
Weitere Reviews: siehe
Anmerkungen
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