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Review zu Mandrake Linux 9.0

Von Agon S. Buchholz, Dezember 2002.

Distributionen : Allgemein : Mandrake : Versionen : 9.0 : Review : Übersicht
09-Dec-2002/09-Jan-07


Übersicht

Ende September 2002 wurde Mandrake Linux 9.0 freigegeben; wie üblich bei Linux-Distributionen sagt die hohe Versionsnummer nichts über Aktualität oder Reifegrad des jeweiligen Produkts aus. Mandrake Linux 9.0 basiert -- wie auch andere Linux-Distributionen aus dem Herbst 2002 -- auf Kernel 2.4.19, glibc 2.2.5 und wurde zu großen Teilen mit GCC 3.2 compiliert. Neben den Standard-Desktops KDE 3.0.3 und GNOME 2 sind auch die Programmpakete OpenOffice 1.0.1, Mozilla 1.1 und Evolution enthalten; daneben gibt es den Apache sowohl in Versioni 1.3.26 als auch 2.0.40 sowie MySQL 3.23.51, PostgreSQL 7.2, PHP 4.2.1 und Perl 5.8.

Testsystem

Zum Testen verwandte ich ein älteres System mit Komponenten, die überwiegend aus den Jahren 1998/99 stammen; daher kann man davon ausgehen, dass sich die Hardware- Unterstützung durch GNU/Linux entweder bereits in einem ausgereiften Zustand befindet, oder höchstwahrscheinlich nach drei bis vier Jahren auch nicht mehr entscheidend verbessert werden wird.

Die Performance auf dem System ist für einfache Zwecke (z.B. Fileserver oder Router unter GNU/Linux) vollkommen ausreichend, graphische Benutzeroberflächen reagieren allerdings etwas träge.

Vergleichswerte: Microsoft Windows NT 4.0 Workstation arbeitet auf dem System einwandfrei, die Benutzung ist realtiv flüssig möglich. Microsoft Windows 2000 lässt sich ebenfalls verwenden, allerdings nur in einer recht unerfreulichen Reaktionsgeschwindigkeit; ein flüssiges Arbeiten ist nur bei einfachen Anwendungen (Textverarbeitung, E-Mail, Web etc.) halbwegs flüssig möglich, die graphischen Systemverwaltungstools von Windows funktionieren jedoch einwandfrei und in erträglicher Geschwindigkeit.

  • Mainboard: Gigabyte GA-5AX Rev. 1.08
  • CPU: AMD K6-2/300
  • RAM: 512 MB
  • HDD: IBM DHEA-36481 (6,4 GB)
  • FDD: 3,5"
  • CD-Laufwerk: 20x, IDE
  • Sound: Soundblaster Live!
  • Grafik: Matrox Millennium II
  • Netzwerk: 3Com 3C905C-TX (100 MBit/s)

Installation

Alle kommerziellen Linux- Distributionen bieten mittlerweile graphische Installer, Mandrake bildet da natürlich keine Ausnahme. Die Installation ist weitgehend selbsterklärend und läuft recht stabil; das Testsystem ist nach rund zweieinhalb Stunden fertig installiert und aktualisiert; bei schnellerer Hardware ist mit etwa einer Stunde zu rechnen.

Der Setup beginnt mit einer "Erkundungsphase" (probing), in der grundlegende Hardware identifiziert wird; anschliessend kann aus verschiedenen Installationsklassen ausgewählt werden, darunter "Empfehlenswert" und "Experte". Danach werden Tastatur und Festplatte eingerichtet; bei der Partitionierung werden sinnvolle Werte vorgeschlagen, die i.d.R. übernommen werden können.

Für die Auswahl der Paketgruppen stehen verschiedene Kategorien wie "Büro-Arbeitsplatz", "Spiel-Station", "Server" und "Web + FTP" zur Verfügung; eine Komplettinstallation benötigt etwa 1,3 GB. Nach einem Hinweis auf die potentielleln Sicherheitsrisiken aktiver Serverdienste beginnt die Installationsprozedur.

Der Mandrake- Installer liefert leider keine sinnvollen Statusinformationen; das Feld "Verbleibende Zeit" bleibt den grössten Teil der Installation über ebenso leer wie das Feld "Schätzung"; erst nach über einer halben Stunde erscheint der Wert "01:08"; man muss raten, dass wohl Stunden und Minuten gemeint sind -- eine Einheit erscheint erst eine weitere halbe Stunde später ("35 Minuten"). Diese Kleinigkeiten sind unproblematisch, deuten aber darauf hin, dass die Distribution anscheinend unter Zeitdruck bzw. nicht übermässig sorgfältig zusammengestellt wurde.

Nach Abschluss der Paket-Installation werden Benutzer und Netzwerk eingerichtet; die anschliessende automatische Hardwareerkennung liefert akkurate Ergebnisse und fasst diese in einer editierbaren Liste zusammen. Darauf wird der "Betriebssystemstarter" installiert und die Auflösung und Farbtiefe der Grafikkarte konfiguriert; damit ist der erste Teil der Installation abgeschlossen.

Anschliessend schlägt der Setup eine Aktualisierung der installierten Pakete vor, die jedoch natürlich eine funktionierende Netzwerkverbindung voraussetzt. Auch hier fehlt leider wieder eine sinnvolle Statusanzeige, beispielsweise die Angabe der bisher übertragenen Datenmenge in Relation zum verbleibenden Rest; angezeigt wird nur die geschätzte Restzeit, die aber stark von der Kapazität der Mandrake- Mirrors und der Last der Internet- Verbindung abhängt; beim Test lieferten die Server jedoch eine relativ konstante Datenrate von rund 500 kbit/s.

Nach einem Neustart steht ein komplett eingerichtetes System mit KDE- Desktop zur Verfügung, das beim Booten mit amüsant übersetzten Startmeldungen erfreut.

Spielereien

Der Desktop lädt zum Herumspielen mit den graphischen Verwaltungswerkzeugen ein. Das ist in einigen Punkten auch notwendig, denn Mandrake behauptet zwar, -- wie gewählt -- eine Auflösung von 1600x1200 Pixeln darzustellen, läuft jedoch mit 1024x768; dies lässt sich auch mit den Mandrake- "Bordmitteln" nicht ändern; ein entsprechendes Tool existiert zwar, ändert jedoch nicht die tatsächlich verwendete Bildschirmauflösung.

Ähnlich wie SuSE Linux verwendet Mandrake ein zentrales Kontrollzentrum ("Mandrake Control Center"); auch hier wurde teilweise bei der Lokalisierung geschlampt, an einigen Stellen heisst das Ding "Kontrollzentrum", an anderen Stellen dann wieder "Control Center". Theoretisch liesse sich ein Grossteil der Erstkonfiguration "unter einem Dach" erledigen, aber nicht alle Tools funktionieren zuverlässig. Ausserdem laden die einzelnen Funktionen des Kontrollzentrums schleppend langsam.

Der Ansatz von Red Hat Linux, separate graphische Verwaltungstools für einzelne Funktionen (Einstellung des Datums, Webserver- oder Druckerkonfiguration etc.) erscheint mir daher erheblich sinnvoller, da die Applikationen einfach erheblich schneller reagieren.

Fazit

Ich habe Mandrake in der Version 9.0 bisher nur angetestet, daher kann ich noch kein abschliessendes Fazit liefern; der Installationsprozess ist zwar komforabel und der KDE- Desktop ist gut vorkonfiguriert, dafür wurde Gnome 2 vernachlässigt; viele Verwaltungswerkzeuge hinterlassen einen durchwachsenen Eindruck, da sie eine miserable Performance liefern und teilweise nicht oder nur unzuverlässig funktionieren.

Screenshots

Siehe Screenshots von Mandrake Linux 9.0.

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