| Aurox Linux 9.0
ist die neueste Ausgabe der in Europa entwickelten, mit Red Hat
Linux kompatiblen Distribution. Aurox 9.0 besteht aus den
Paketen aus der veröffentlichten RHL-9-Ausgabe, die bis zum 14.
April von Red Hat publizierte Updates inklusive. Darüber hinaus
enthält die Distribution Anwendungen Zum Abspielen von Video-
und MP3-Dateien sowie eine Reihe von Lern- und
wissenschaftlicher Software. Sie umfasst 6 CDs (3 CDs mit der
Installationsversion und 3 mit den Quellpaketen). Der
einhetliche Look von KDE und GNOME wurde beibehalten;
standardmäßig wird GNOME als die grafische Umgebung installiert.
Die Menüaufteilung ist jetzt übersichtlicher (anstelle der
Extras-Option im Hauptmenü mit den meisten Programmen gibt es
jetzt eine Weitere...-Option für jedes Untermenü). Hinzugefügt
wurde das Menü Lernen mit den Lernanwendungen.
Das neue X Window System:
Vor allem steht eine neue Version von XFree86 zur Verfügung:
4.3.0 (das XFree86 4.3.0-2 Paket in Red Hat). Ihre wichtigsten
neuen Merkmale sind:
- Unterstützung für 2D- und 3D-Karten sowie Xv für die
Grafikkarten ATI Radeon 9000, 9100, FireGL 8700, 8800. (Xv
ist der Standardtreiber für die an die Distribution
angehängten Video-Player).
- Unterstützung der 2D-Grafik für die Karten ATI Radeon
9500 Pro und 9700 Pro, ATI FireGL X1 und Z1.
- Bessere Unterstützung der ATI Rage 128 Chipsätze.
- Unterstützung der integrierten Schaltungen Intel i845,
i852, i855 und i865 (2D/3D/Xv) sowie bessere Unterstützung
von i830.
- Unterstützung der Schaltungen GeForce 4, nForce, GeForce
2 Go von NVidia (immer noch nur 2D) im nv-Treiber. Der
Treiber sollte auch mit einigen Karten funktionieren, die
von XFree86 nicht offiziel unterstützt werden. Binäre
NVidia-Treiber, die 3D-Beschleunigung unterstützen, sind
unter http://www.nvidia.com/linux sowie auf der Heft-CD 6 zu
finden.
- Neue oder aktualisierte Treiber für S3 Savage und viele
andere Grafikkarten.
XFree86 enthält eine teilweise Implementierung der
Xrandr-Erweiterung (engl. X Resize, Rotate and Reflection --
Größenänderung, Umdrehen und Wiederspiegelung des X), die
Änderungen der Bildschirmauflösung ermöglicht auch während der
X-Server aktiv ist. Zur Zeit ist das aus der Eingabezeile
möglich (der Befehl xrandr); Unterstützung seitens der
grafischen Umgebungen ist in den nachfolgenden Versionen zu
erwarten.
XFree86 4.3 erlaubt es, das Umschalten in die Textkonsole mit
[Ctrl]-[Alt]-[Fn] und Terminierung des X-Server-Prozesses mit
[Ctrl]-[Alt]-[Bksp] abzusperren.
Einen angenehmen Eindruck erschaffen in der neuen X-Version
bunte, animierte Cursors mit Antialiasing. Im Internet sind
inzwischen fertige Cursorsätze zu finden.
Grafische Umgebungen:
Zur Wahl stehen zwei grafische Umgebungen:
- KDE, auf die Version 3.1 aktualisiert, mit KOffice
1.2.1, KDevelop 2.1.5 und dem beliebten HTML-Editor Quanta
Plus 3.1
- GNOME 2.2 mit dem Informationsmanager Ximian Evolution
1.2.2 und dem Dateienmanager Nautilus 2.2.1
Standardmäßig wird GNOME installiert; KDE kann während der
Installation in den Paketgruppen oder später über
Systemeinstellungen -> Hinzufügen/Entfernen von Applikationen
hinzugefügt werden.
Multimedia:
Die Distribution enthält die Multimedia-Player: Xine (mit der
Bibliothek libxine 1.0.0 Beta 10) und MPlayer (die Finalversion
0.90). Das kdemultimedia-Paket wurde aus der Vollversion von KDE
3.1.1 mit XINE-Bibliotheken umkompiliert und erlaubt die
Wiedergabe von Video- und MP3-Dateien mit Kaboodle und Noatune.
Wird eine Datei unter GNOME angeklickt (oder eine DVD ins
Laufwerk gelegt), dann wird standardmäßig der Xine-Player
gestartet (unter KDE: Kaboodle mit Xine-Bibliotheken); wenn Sie
mit der rechten Maustaste klicken, steht Ihnen Xine und MPlayer
zur Verfügung.
Wichtige Anwendugen dieser Gruppe sind:
- MPlayer 0.90 (Abspielen von VideoCDs, DVDs und
Videodateien)
- Xine 0.9.20 (Multimediaplayer; die Bibliotheken 1.0.0
Beta 10)
- GIMP 1.2.3 (ein vielseitiges Rastergrafikprogramm)
- ImageMagick 5.4.7 (Rasterbildermanipulation)
- GQview 1.2.1 (Grafikdateienbrowser)
- XMMS 1.2.7 (Abspielen diverser Tondateien, u.a. MP3 und
Vorbis Ogg)
- Grip 3.0.4 (CDs-Rippen)
- XSane 0.89 (Scan-Anwendung)
Lernsoftware:
Für die Installationstypen Persönlicher Desktop sowie
Workstation wird eine Reihe von Lernprogrammen installiert.
Einige davon sind in der deutschen Version verfügbar, andere
wurden noch nicht übersetzt (wir laden Sie ein, an der
Übersetzung mitzuwirken), sind aber einfach zu bedienen.
In Aurox Linux 9.0 finden Sie:
- celestia -- 3D-Astronomie
- drgenius und drgenius-manual -- interaktiver
Geometrieunterricht
- geg -- Zeichnen von Diagrammen
- lum -- optische Experimente mit Linsen
- qcad -- 2D-CAD
- tuxmath -- ein arithmetisches Lernspiel
- tuxpaint und tuxpaint-stamps -- Zeichnungsprogramm für
Kinder
- xaos -- Untersuchung von Fraktalen
Für ernstere wissenschaftliche Anwendungen (oder auch z.B.
zum Zeichnen von Diagrammen) eignen sich neue Pakete aus der
Gruppe Engineering und Wissenschaft:
- maxima -- mathematische Multifunktionssoftware, Umgebung
für symbolische Berechnungen
- scigraphica -- ein Programm für Datenvisualisierung und
-analyse
Diese Pakete werden nicht standardmäßig installiert, sie
können während der Installation oder später über
Systemeinstellungen -> Hinzufügen/Entfernen von Applikationen
hinzugefügt werden.
Die Distribution enthält auch eine Reihe von Lernprogrammen
aus dem KDE Edutainment-Projekt (nach der Installation über das
Menü Lernen -> Weitere Lernprogramme zugänglich).
Andere Software:
Interessantes unter den beliebtesten Anwendungen:
- OpenOffice 1.0.2
- Mozilla 1.2.1 (mit Kantenglättung für Schriftarten)
- Midnight Commander 4.6.0
Die Distribution enthält auch eine Auswahl an Serversoftware:
- Apache 2.0.40 (WWW-Server)
- PostgreSQL 7.3.2 (Datenbankserver)
- MySQL 3.23.54a (ein alternativer Datenbankserver, der
oft in dynamischen Websites verwendet wird)
- Sendmail 8.12.8 (Mailserver)
- Postfix 1.1.11 (ein alternativer Mailserver)
- Samba 2.2.7a (ein Fileserver, der Sharing von Dateien
mit Windows-Systemen ermöglicht)
- PHP 4.2.2 (dynamische Webseiten)
Eine der interessanteren Änderungen in diesen Paketen ist,
dass den Samba-Paketen der winbind-Dienst beigefügt wurde, der
aus NT-Servern Angaben zu Benutzern und Gruppen ablesen kann,
und dass die Konfigurationsdateien von PHP modularisiert wurden:
Die Dateien für einzelne Module befinden sich im /etc/php.d/
Verzeichnis, wo sie von den jeweiligen Modulen installiert
werden.
Druckerunterstützung:
Das Standarddrucksystem ist zur Zeit CUPS. CUPS unterstützt
das Internet Printing Protocol (IPP) und die PostScript Printer
Definition (PPD).
IPP ist ein Kommunikationsstandard für Netzwerkdrucker unter
Windows 2000 und XP (mit zusätzlicher Software auch 98 und NT),
also diese Windows-Versionen können auf den von Linux zur
Verfügung gestellten Drucker sofort zugreifen.
PPD sind plattformunabhängige Angaben zu Druckern, die (wie
?Treiber?) mit dem Befehl CUPS lpadmin installiert werden.
Die Distribution enthält:
- CUPS 1.1.17 (Standarddrucksystem)
- LPRng 3.8.19 (alternatives Drucksystem)
- Ghostscript 7.05 (Interpretierer der
PostScript-Dateien).
Compiler, Debugger, Bibliothekdateien:
Der GCC-Compiler wurde auf die verbesserte Version 3.2.2
aktualisiert (Aurox 8.0 enthielt die Version 3.2); die
C-Bibliothek ist eine Frühausgabe 2.3.2 vom 2. April 2003 mit
NPTL-Unterstützung (siehe unten) und mit den Red-Hat-Korrekturen
vom 7. April.
Den Programmierern kann das neue Versionskontrollsystem
Subversion interessant erscheinen, das ein ernster Konkurrent
des CVS ist. Subversion garantiert u.a. die Unteilbarkeit der
Veränderungen und speichert Informationen über Zugriffsrechte
auf Dateien. Dies ist erst die Version 0.17.1, aber das Projekt,
das sich auf dem Apache-Server und dem WebDAV/DeltaV-Protokoll
stützt, lässt sich sehr gut an.
Kernel:
Der Kernel von Aurox 9.0 ist das Red-Hat-Linux-Paket aus der
Aktualisierung 2.4.20-9, also der 2.4.20-Kernel mit Korrekturen
aus der 2.4.21-pre4-ac4-Version. Er ermöglicht
Thread-Unterstützung mit NPTL, unterstützt den schnellen
HTTP-Server Tux sowie zusätzliche Gerätetreiber (z.B. orinoco_cs
für den drahtlosen Ethernet Wavelan oder Treiber für Creative
Labs Audigy Soundkarten).
Veränderte Threads-Unterstützung:
Aurox Linux 9.0 beinhaltet eine neue Implementierung der
Threads-Unterstützung: Native POSIX Thread Library (NPTL). NPTL
bietet eine bessere Skalierbarkeit und Leistung bei
Multithread-Anwendungen auf den i686 und neueren CPUs, dafür
erfordern einige Programme, welche sich in der
Threads-Unterstützung nicht ans POSIX-Standard halten,
allerdings Änderungen, um korrekt funktionieren zu können.
Die frühere Implementierung (LinuxThreads) aus 1996 war in
vielerlei Hinsicht durch die damalige Kernelarchitektur
eingeschränkt. Signalbedienung in Multithreadprogrammen war
nicht POSIX-gerecht; für manche Verwendungszwecke ließen sich
nicht genug Threads erstellen; einzelne Threads hatten
verschiedene Prozess-IDs; die Implementierung gebrauchte eines
speziellen Threads (engl. manager Thread), dessen Beendigung mit
dem kill-Befehl die Befreiung der Ressourcen völlig dem System
überließ. Überdies konnte der spezielle Thread nur auf einer CPU
laufen, was die Skalierbarkeit beschränkte.
Mit NPTL können mehrere Threads ohne großen Aufwand erstellt
werden. Signalbedienung und Ressourcenverwaltung erfolgen wie in
POSIX (die Threads teilen fast alle Ressourcen und haben ein
gemeinsames Prozess-ID). In Multiprozessorensystemen werden
Threads effizient unter einzelne CPUs aufgeteilt. Diese
Implementierung hat gute Aussichten, zum Standard in den
nächsten Linuxversionen zu werden.
Anwendungen, die Probleme mit NPTL aufweisen, sind u.a.: Sun
JRE vor der Version 1.4.1, IBM JRE, Oracle 9i R2. Sie alle
können mit LinuxThreads funktionieren, wenn die
Umgebungsvariable folgend eingestellt wird:
LD_ASSUME_KERNEL=Kernelversion, wo die Kernelversion die Wert
2.4.1 oder 2.2.5 annimmt.
NPTL kann für alle dynamisch gebundene Anwendungen
abgeschaltet werden, wenn beim Booten die Kerneloption nosysinfo
angegeben wird.
RPM-Pakete und Debugging:
Schon in Aurox 8.0 wurden rpm-Pakete mit rpmbuild gebaut.
Diesmal wurde rpm auf die Version 4.2 aktualisiert, und
standardmäßig werden debuginfo-Pakete erstellt. Hier werden neue
Möglichkeiten des gdb-Debuggers genutzt: Die
Debugging-Informationen existieren separat von dem Programm
(oder Bibliothek), gerade in den Paketen
Programmname-debuginfo-Version-Ausgabe gespeichert.
Veränderte Konfiguration:
Nach der Installation mit Deutsch als Standardsprache wird
automatisch die UTF-8-Codierung verwendet. Es ist natürlich
möglich, die Codierung zu ändern (siehe: Konfiguration des Aurox
Linux 9.0).
Was fehlt?
Aus der Distribution verschwand WindowMaker (auch in Red Hat
9 nicht vorhanden). Da viele Benutzer um einen weniger
ressourcenhungrigen Windowmanager als KDE oder GNOME bitten, ist
ein Come-Back von WindowMaker (oder einem anderen schnellen
Windowmanager) in den nächsten Auroxversionen möglich.
Diesmal gibt es keinen im Benutzermodus laufenden Kernel mit
User Mode Linux (UML) -- die UML-Korrekturen sind mit anderen
Red-Hat-Korrekturen nicht kompatibel.
Anstatt wu-ftpd wird der FTP-Server vsftpd verwendet.
Es gibt dafür Wine, der in Red Hat 9 nicht da ist -- das in
Aurox verwendete Paket vom 8. April wurde schon mit
NPTL-Unterstützung gebaut.
Einsatzmöglichkeiten:
Aurox 9.0 ist sowohl für Server, als auch für Client-Rechner
geeignet. Mit seiner Software passt es ins Büro und in die
Schule und arbeitet mit den Windows-Systemen zusammen. Das
System enthält auch spezielle Features für mobile Rechner
(Energieverwaltung, Batterieanzeige, Unterstützung für
LCD-Bildschirme) und kann somit auch auf Notebooks installiert
werden.
Community:
Aurox Linux ist eine junge Distribution, auch wenn stark
fundiert. Wir rechnen auf die Unterstützung seitens der
deutschen Linux-Anwender. Sie können nicht nur beim Übersetzen
der Anwendungsoberflächen oder bei der Ausarbeitung von
Korrekturen helfen. Erzählen Sie Ihren Freunden über Aurox,
leihen Sie ihnen die Installations-CDs. Wir freuen uns auf Ihr
Feedback: Was würden Sie an Aurox ändern? Welche Pakete sollte
die Distribution noch enthalten?
Die Redaktion sucht Mitarbeiter, die beim Übersetzen und bei
der Vorbereitung der Pakete mit deutschsprachigen Versionen der
Lernprogramme mitwirken möchten.
Viele Lernprogramme für Linux haben keine deutsche Edition.
Versuchen Sie sie zugänglicher zu machen, indem Sie bei der
Übersetzung helfen! Die lokalisierten Anwendungen werden der
Aurox Linux Distribution beigefügt, und über die Übersetzer
schreiben wir auf der Aurox-Homepage http://www.aurox.org. Sie
brauchen keine Programmiererkenntnisse -- es gibt ja
benutzerfreundliche Übersetzertools. Sie können sich auch am
Übersetzen der Dokumentation beteligen. Und auch wenn Sie an
keiner Übersetzung arbeiten, sind das Testen von Anwendungen und
Ihre Bemerkungen zu existierenden Übersetzungen für uns auch ein
große Hilfe.
Hardwarevoraussetzungen:
Minimalanforderungen des Aurox 9.0 für den Textmodus:
- eine Pentium-kompatible CPU, empfohlen 200 MHz oder
besser,
- 64 MB oder mehr RAM.
Für den Grafikmodus:
- CPU: empfohlen 400 MHz Pentium II oder besser,
- RAM: mindestens 128 MB, empfohlen 192 MB oder mehr.
Verfügbarer Speicherplatz:
- Minimalinstallation: 475 MB,
- Server: mindestens 850 MB (ohne X),
- Persönlicher Desktop: 1.9 GB,
- Workstation: 2.3 GB,
- alle Pakete: 5.2 GB.
Darüber hinaus wird Speicherplatz für die Benutzerdaten
benötigt.
Da Aurox 9.0 mit Red Hat Linux 9 kompatibel ist, finden Sie
mehr Informationen zur unterstützten Hardware auf der Red Hat
Linux Hardware Compatibility List unter
http://hardware.redhat.com/hcl/.
Lieferumfang (6 CDs):
- 3 CDs mit der Installationsversion,
- 3 CDs mit den Quellpaketen.
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