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Library of Congress (LC)

 www.loc.gov.

Akteure : Organisationen : Library of Congress : Übersicht
05-Sep-2003/09-Jan-07


Übersicht

Die Library of Congress (LC) ist die größte Bibliothek der Welt. Offiziell die Bibliothek des amerikanischen Kongresses, breitet sich die LC über drei große Gebäude direkt neben dem Kapitol auf dem Senatshügel in Washington D.C. aus. Über zwei Millionen Besucher und Benutzer pro Jahr besuchen die Bibliothek. Ihre Bestände enthalten mehr als 116 Millionen Einheiten und umfassen weit mehr als nur Bücher. Von Anfang an als Universalsammlung angelegt, besitzt die Library of Congress neben Druckwerken große Bestände von Tonaufnahmen, Filmen, Karten, Graphik, Software und anderen Medien. Die Bibliothek sammelt in 460 Sprachen und besitzt die größten Sammlungen von russischen, chinesischen und japanischen Publikationen außerhalb der jeweiligen Länder.

Während das 19. Jahrhundert für die LC vor allem Auf- und Ausbau der Sammlungen zu einer herausragenden Forschungsbibliothek bedeutete, ist das 20. Jahrhundert, vor allem die erste Hälfte, gekennzeichnet durch die Übernahme von nationalbibliothekarischen Aufgaben. Die Bibliothek wurde federführend im Setzen von Katalogisierungsstandards und bewies in der Bibliotheksautomatisierung Weitsicht und technische Kompetenz.

Sitz: Washington D.C.

Automatisierung in der Library of Congress

Zu einem Zeitpunkt, da die LC dabei ist, dreißig Jahre Eigenentwicklung von Software aufzugeben und ein kommerzielles System zu installieren, scheint es geboten, einen Blick auf ihre Automatisierungsgeschichte zu werfen, um zu verstehen, warum die Bibliothek so lange zögerte, ihr eigenes System aufzugeben.

Automatisierung in der Library of Congress ist ein Unterfangen, welches nicht nur aufgrund der schieren Größe der Institution seit den 60er Jahren mit wechselndem Erfolg betrieben wird. Wenn eine Institution Technologie in einem Anfangsstadium zu nutzen und selbst zu entwickeln beginnt, kann sie dadurch eine Führungsrolle übernehmen.

Computerhistorisch früh, Ende der 50er Jahre, began die LC die Computerisierung der Bibliothek zu erkunden. Erste Expertenberichte waren positiv, IBM jedoch zögerte nach anfänglicher Zusage, sich in das Abenteuer zu stürzen, Titelaufnahmen maschinenlesbar zu machen. Die Firma berichtete zu Anfang enthusiastisch, daß es mit ihrer Erfahrung im Bankgeschäft und der Automatisierung von Adreßdaten ein Leichtes wäre, den damals 18 Millonen Karten umfassenden Katalog zu automatisieren. Nach genauerer Analyse der Titelaufnahmen zog sich IBM allerdings zurück und die Bibliothek beschloß, selbst ein Automatisierungssystem zu entwickeln.

1965 begann in einem Pilotprojekt, was heute zum weltweit benutzten MARC Format (Machine-Readable-Cataloging) geworden ist. 1966 wurden die ersten MARC Daten auf Band an Bibliotheken versandt. Dies war die Weiterentwicklung und Erfüllung von Putnams Verkauf von gedruckten Katalogkarten; der schnelle und einfache Vertrieb von Katalogisierungsdaten auf Computerbändern der Library of Congress. Das Standardbüro (Network Development and MARC Standards Office), welches die Weiterentwicklung und Veränderung von MARC überwacht, ist heute als eine Abteilung in die Library of Congress integriert.

Ende 1960 entstand eine eigene Computerabteilung, zuständig für die Entwicklung von Software, welche die MARC-Daten verarbeiten und darstellen sollte. Obwohl IBM sich aus dem Softwareprojekt der Bibliothek zurückzog, wird dort bis heute vorwiegend auf IBM Großrechnern gearbeitet. 1975 wurden die ersten Publikumsterminals installiert und ein "Computer Catalog Center" im Jefferson Gebäude eingerichtet.

Der Januar 1980 bildete einen weiteren Meilenstein in der LC Computergeschichte, als der bis dahin neben dem OPAC (das Library of Congress SCORPIO Programm) immer noch benutzte Zettelkatalog offiziell geschlossen wurde. Der auf mittlerweile 23 Millionen Karten angewachsene Mammutkatalog konnte manuell nicht weiter aktuell gehalten werden. Gleichzeitig mit der Schließung des Zettelkatalogs änderte die Bibliothek auch die Katalogisierungsregeln und begann die AACR2 anzuwenden.

Daß die Bibliothek je das Geld aufbringen würde, den Zettelkatalog vollständig zu konvertieren, wurde damals von vielen bezweifelt. Heute jedoch ist dies geschehen, und auch wenn das sogenannte "Pre-MARC file" von Bibliothekaren wegen seiner Qualität mit Skepsis benutzt wird, muß man nun nur noch in seltenen Zweifelsfällen zwei Katalogsysteme konsultieren.

In den 80er Jahren trat so etwas wie eine Konsolidierungsphase in der Automatisierung ein. Die LC entwickelte ein Ausleih- und ein Erwerbungssystem, welche aber leider nie mit der Katalogisierung und dem OPAC verknüpft wurden, und scheiterte am Versuch, die Zeitschriftenabteilung zu automatisieren. Während die LC mit viel Aufwand maßgeschneiderte Teilsysteme für die Abteilungen entwickelte, ging in der Bibliotheksautomatisierung die Entwicklung hin zu integrierten Systemen und führte schließlich weg von Großrechnern zu Client- Servertechnologie. Leider verpasste die Library of Congress den Anschluß an diese Entwicklungen und mußte schließlich die Idee, ihre verschiedenen System je zu integrieren, aufgeben. Der Aufwand war zu groß und die Kosten zu hoch.

Auf der Ebene der optischen Speicherung und Digitialisierung von Dokumenten übernahm die Bibliothek wieder einmal die Führungsrolle. 1982 machte die Bibliothek Computergeschichte, indem sie als erste Institution Daten (gescannte Zeitschriftenartikel) auf optischen Platten speicherte und so in den Lesesäälen zum erstmals nicht nur Titelinformationen, sondern Artikel im Volltext mit Illustrationen über Computerbildschirme abgerufen werden konnten.

Nach mehreren Jahren Pilotversuch wurde das Projekt vom Congressional Research Service übernommen und hat dort ein Mikrofilmarchiv von Zeitschriftenartikeln ersetzt. Gleichzeitig begann die LC das American Memory Projekt, welches sich heute in die National Digital Library gewandelt hat. Mit großer finanzieller Hilfe von privater Seite digitalisiert diese Abteilung Teilbestände der Americana-Sammlung. Millionen von gescanntem Archivmaterial, Fotos, Filmen und Tonaufnahmen sind nun über das Internet abrufbar. Neben den Bemühungen, den Arbeitsfluß zu rationaliseren, sind die Planungen und Aktivitäten zur Archivierung und Nutzung von elektronischen Publikationen ein Schwerpunkt des derzeitigen Bibliotheksmanagements.

Daß vor kurzem nach jahrzehntelanger Eigenentwicklung der Entscheid getroffen wurde, ein kommerzielles Bibliothekssystem zu installieren, hat nur teilweise damit zu tun, daß die LC erkannte, daß interne Entwicklungen mit kommerziellen nicht Schritt halten können, sondern vor allem auch mit dem Jahr 2000 Problem. Jetzt war endlich der Zeitpunkt gekommen, mit einer großen Ausschreibung eine moderne Softwarelösung zu suchen.

1997 war es soweit: Die LC publizierte eine Systemausschreibung für ein integriertes Client Server Bibliothekssystem, an der sich alle großen amerikanischen Bibliotekssoftwareanbieter beteiligten. Im Winter wurden mittels eines detaillierten und rigiden Auswahlverfahrens Systeme getestet und schließlich im Sommer 1998 das System Voyager von Endeavor Information Systems, Inc. ausgewählt.

Zur Zeit befindet sich die LC mitten in der Implementierungsphase, und wenn alles nach Plan geht - und es muß und wird nach Auskunft der Projektleitung - , werden Ende des Jahres die Großrechner von Sun-Maschinen abgelöst, und die Bibliothek hat den Quantensprung zur integrierten Arbeitsweise geschafft. Bis es soweit ist, gibt es allerdings noch viel zu tun, und die Umstellung ist für viele Mitarbeiter beängstigend. Vor allem die immer noch manuell arbeitende Zeitschriftenabteilung steht im Rampenlicht der Automatisierung.

Wie der Kardex mit über 850.000 Zeitschriftentiteln zu konvertieren ist, bereitet der Automatisierungsgruppe viel Kopfzerbrechen. Nicht nur die Größe ist abschreckend; die alten mit Bleistift geschriebenen Aufnahmen sind oft kaum zu entziffern, und neben dem Kardex gibt es dann auch noch einen dazugehörigen Zettelkatalog, und dem nicht genug existieren Teile der Titel auch noch in einer Computerdatenbank. Wie die bei einer Konversion entstehenden Duplikate je ausgesondert werden können, ist nur eines der vielen Puzzles, welche das Automatisierungsteam zu lösen hat. Über zwölf Millionen Titel und etwa vier Millionen Autoritätsdaten müssen vom alten System ins neue geladen werden und hunderte von Arbeitsabläufen neu definiert oder angepaßt werden.

Quelle: Dr. Ruth Wüst, www.b-i-t-online.de/archiv/1999-02/fachbeit/wuest/artikel.htm (Auszüge).

Moving Images Collection

Bei einem Anfang September 2003 angekündigten Projekt setzt die US-Kongressbibliothek auf den Betrieb von IBM-Servern unter Linux; Traditionell laufen die Server der Bibliothek mit Unix. Bei dem neuen Projekt bedarf es aber eines Maßes an Skalierbarkeit, die Unix nicht bietet, heißt es in einer Mitteilung der IBM. Die Bibliothek werde die Linux-Server nutzen, um einen Online- Katalog zu Film-, Video- und TV-Archiven bei Museen und Rundfunkanstalten bereitzustellen. Das Ziel dieser Moving Images Collection soll sein, Suchfunktionen für frei nutzbare Bewegtbilder (wie zum Beispiel Aufnahmen vom Hubble-Teleskop) auf einer Website zusammenzuführen.

Die National Science Foundation hat für das Projekt, das die University of Washington in Zusammenarbeit mit der Rutgers University Libraries und dem Georgia Institute of Technology Interactive Media Technology Center für die Kongress- Bibliothek realisieren, 900.000 US-Dollar zur Verfügung gestellt. Die Universität Washington und die Rutgers University kümmern sich um das Directory und den Katalog der Datenbank für digitale Bilder, während das Georgia Institute das Benutzerinterface entwickelt.

Zum Einsatz kommen insgesamt zwei p630 Server von IBM sowie zwei ältere p610 Server. Das eingesetzte Betriebssystem soll SuSE Linux Enterprise Server 8 sein.

Netmarks

Heise Online: "Filmdatenbank der US-Kongressbibliothek startet unter Linux", Meldung vom 04.09.2003 17:29,
 www.heise.de/newsticker/data/tol-04.09.03-006.

Ruth Wüst: "Zweihundert Jahre Library of Congress in Washington",
 www.b-i-t-online.de/archiv/1999-02/fachbeit/wuest/artikel.htm.

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