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Printing - Drucken unter Linux

Von Agon S. Buchholz, Februar 2003.

Administration : Printing : Übersicht
02-Jan-2003/09-Jan-07


Übersicht

Drucken unter GNU/Linux ist anachronistisch und gehört definitiv zu den unerfreulichen Seiten des freien Betriebssystems; beim Einrichten von Druckern fühlt man sich in die Blütezeit von MS-DOS Ende der 80er Jahre zurückversetzt, wo man sich tatsächlich noch Gedanken darüber machen musste, ob und wie gut eine bestimmte Anwendung mit dem eigenen Drucker zusammenarbeiten würde. Unter GNU/Linux kann die Einrichtung eines Druckers Tage dauern, oder auch völlig aussichtslos sein; dies hängt vom verwendeten Druckermodell, den benötigten Druckfunktionen, den speziellen Tools der zu benutzenden Distribution und ggf. auch noch von den Funktionen des jeweiligen Kernels (Stichwort USB) ab. Zu den positiven Aspekten des Druckens unter UNIX zählt die Netzwerk- Unterstützung: Alle unter UNIX verbreiteten Drucksysteme sind grundsätzlich netzwerkfähig.

Unter einem modernen Microsoft Windows wie 2000/ 2003 oder XP dauert das Einrichten eines typischen lokalen Druckers etwa drei Minuten, die Freigabe eines Shares in der Arbeitsgruppe eines LANs etwa 30 Sekunden und die Einrichtung eines dedizierten Print- Servers mit mehreren TCP/IP- basierten Netzwerkdruckern und entsprechenden Warteschlangen einschliesslich Installation des Betriebssystems und Konfiguration der Drucker- Hardware etwa zwei bis drei Stunden. Administratoren, die von Windows auf GNU/Linux umsteigen, müssen sich an den Gedanken gewöhnen, zur Lösung dieser eigentlich trivialen Aufgaben zumindest die zehnfache Zeit aufzuwenden -- oder komplett zu scheitern, wenn dummerweise ein nicht oder nur unzureichend unterstütztes Druckermodell (Stichwort GDI- Drucker) angeschafft wurde. Ebenfalls abschminken sollte man sich die Vorstellung, sämtliche Druckerfunktionen unter GNU/Linux verwenden zu können; problematisch ist beispielsweise das bidirektionale (zweiseitige) Drucken, das Drucken von mehreren Seiten eines Dokuments auf einem Blatt Papier und der hochwertige Fotodruck. Zu meinem Erstaunen bringt übrigens auch die Verwendung von PostScript- fähigen Druckern nicht unbedingt Punkte, teilweise werden verbreitete Modelle mit proprietären Seitenbeschreibungssprachen besser unterstützt.

Entwas entschärfen kann man die Situation als angehender GNU/Linux- Administrator durch sorgfältige Vorbereitung, Studium der Hardware- Kompatibilitätslisten sowie intensives Lesen der HOWTOs und vergleichbarer Dokumente (siehe Netmarks und Literatur).

Die Druckerkonfiguration an der Kommandozeile erfordert fundierte Kenntnisse über Drucksysteme, Filter, Protokolle und Schnittstellen; sie funktioniert prinzipiell auch über Telnet oder SSH auf einem entfernten Rechner, beispielsweise einem dedizierten Print- Server, ohne installiertes X11. Dieser Ansatz ist für Anfänger der UNIX- Systemadministration m.E. nicht realisierbar, zumindest nicht ohne Step- by- Step- Anleitung für die jeweilige Kombination aus Drucksystem und Drucker.

Bessere Erfolgsaussichten hat man auf einem Rechner mit lokal angeschlossenem Drucker und installiertem GUI; die meisten distributionsspezifischen Tools verwenden ein KDE- oder Gnome- GUI und ermöglichen zumindest die grundlegende Einrichtung der verbreiteten Druckertypen. Wenn bereits bei einem lokal angeschlossenen Drucker Probleme auftreten, hilt evl. die Troubleshooting- Sektion weiter.

Die Gründe für die Kompliziertheit des Druckens unter Linux werden nicht nur durch die angeblich unzureichende Unterstützung durch die Druckerhersteller verursacht sondern sind zu einem Grossteil "hausgemacht": In der langen Entwicklungsgeschichte von UNIX entstanden verschiedene Drucksysteme, darunter der Berkeley Line Printer Daemon (lpd) und das AT&T Line Printer System, jedoch kein einheitliches Treibermodell; im Laufe der Jahre wurden diverse Alternativen zu diesen Systemen wie beispielsweise LPRng und GNUlpr, doch an den grundlegenden Funktionen hat sich kaum etwas geändert und die Fragmentierung wurde nur weiter verstärkt; die vielgerühmte freedom of choice bedingt leider auch hier eine Zunahme der Komplexität.

Das betagte Drucksystem führte aufgrund der begrenzten Funktionalitäten zu etlichen prinzipbedingten Problemen und so begannen verschiedene Entwickler eigene Erweiterungen in ihre Programme einzubauen, ohne das Problem grundsätzlich zu lösen; auch dies führte zu dem undurchsichtigen Wildwuchs, den man heute unter GNU/Linux vorfindet.

Unter GNU/Linux gibt es allerdings seit einigen Jahren Bestrebungen, "reinen Tisch" zu machen und ein leistungsfähiges, einheitliches Drucksystem zu etablieren, wie es auch Microsoft spätestens mit Windows 2000 betriebssystemweit eingeführt hat. Allerdings bezieht sich ein Grossteil der im Internet und in der Literatur verfügbaren Dokumentation noch auf die alten Tools, daher fordert GNU/Linux dem Anwender einiges an Recherche- und Bastelarbeit ab.

Von der Firma Easy Software Products wurde CUPS (Common UNIX Printing System) entwickelt und unter der GPL (bzw. LGPL für die API Library) freigegeben. CUPS benutzt das Protokoll IPP (Internet Printing Protocol) und bietet die von System V und Berkeley gewohnten Kommandozeilen-Tools.

Natürlich besteht immer noch die Möglichkeit auch die "klassischen" Drucksysteme wie lpd einzusetzen; zur Konfiguration stehen verschiedene Programme wie apsfilter und magicfilter zur Verfügung, allerdings werden die Einschränkungen dieser Systeme dadurch nicht aufgehoben.

Siehe auch

Drucker (Hardware für GNU/Linux)

Anmerkungen

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