Drucken unter GNU/Linux ist anachronistisch und gehört definitiv zu
den unerfreulichen Seiten des freien Betriebssystems; beim Einrichten
von Druckern fühlt man sich in die Blütezeit von MS-DOS Ende der 80er
Jahre zurückversetzt, wo man sich tatsächlich noch Gedanken darüber
machen musste, ob und wie gut eine bestimmte Anwendung mit dem eigenen
Drucker zusammenarbeiten würde. Unter GNU/Linux kann die Einrichtung
eines Druckers Tage dauern, oder auch völlig aussichtslos sein; dies
hängt vom verwendeten Druckermodell, den benötigten Druckfunktionen, den
speziellen Tools der zu benutzenden
Distribution und ggf. auch
noch von den Funktionen des jeweiligen
Kernels (Stichwort USB) ab. Zu den positiven Aspekten des Druckens
unter UNIX zählt die Netzwerk- Unterstützung: Alle unter UNIX
verbreiteten Drucksysteme sind grundsätzlich netzwerkfähig.
Unter einem modernen
Microsoft Windows wie 2000/ 2003 oder XP dauert das Einrichten
eines typischen lokalen Druckers etwa drei Minuten, die Freigabe eines
Shares in der Arbeitsgruppe eines LANs etwa 30 Sekunden und die
Einrichtung eines dedizierten Print- Servers mit mehreren TCP/IP-
basierten Netzwerkdruckern und entsprechenden Warteschlangen
einschliesslich Installation des Betriebssystems und Konfiguration der
Drucker- Hardware etwa zwei bis drei Stunden. Administratoren, die von
Windows auf GNU/Linux umsteigen, müssen sich an den Gedanken gewöhnen,
zur Lösung dieser eigentlich trivialen Aufgaben zumindest die zehnfache
Zeit aufzuwenden -- oder komplett zu scheitern, wenn dummerweise ein
nicht oder nur unzureichend unterstütztes Druckermodell (Stichwort GDI-
Drucker) angeschafft wurde. Ebenfalls abschminken sollte man sich die
Vorstellung, sämtliche Druckerfunktionen unter GNU/Linux
verwenden zu können; problematisch ist beispielsweise das bidirektionale
(zweiseitige) Drucken, das Drucken von mehreren Seiten eines Dokuments
auf einem Blatt Papier und der hochwertige Fotodruck. Zu meinem
Erstaunen bringt übrigens auch die Verwendung von PostScript- fähigen
Druckern nicht unbedingt Punkte, teilweise werden verbreitete
Modelle mit proprietären Seitenbeschreibungssprachen besser unterstützt.
Entwas entschärfen kann man die Situation als angehender GNU/Linux-
Administrator durch sorgfältige Vorbereitung, Studium der
Hardware- Kompatibilitätslisten sowie intensives Lesen der HOWTOs und
vergleichbarer Dokumente (siehe Netmarks
und Literatur).
Die Druckerkonfiguration an der Kommandozeile erfordert
fundierte Kenntnisse über Drucksysteme, Filter, Protokolle und
Schnittstellen; sie funktioniert prinzipiell auch über Telnet oder SSH
auf einem entfernten Rechner, beispielsweise einem dedizierten
Print- Server, ohne installiertes X11.
Dieser Ansatz ist für Anfänger der UNIX- Systemadministration m.E. nicht
realisierbar, zumindest nicht ohne Step- by- Step- Anleitung für die
jeweilige Kombination aus Drucksystem und Drucker.
Bessere Erfolgsaussichten hat man auf einem Rechner mit lokal
angeschlossenem Drucker und installiertem
GUI; die meisten
distributionsspezifischen Tools verwenden ein
KDE- oder
Gnome- GUI und ermöglichen
zumindest die grundlegende Einrichtung der verbreiteten Druckertypen.
Wenn bereits bei einem lokal angeschlossenen Drucker Probleme auftreten,
hilt evl. die Troubleshooting-
Sektion weiter.
Die Gründe für die Kompliziertheit des Druckens unter Linux
werden nicht nur durch die angeblich unzureichende Unterstützung durch
die Druckerhersteller verursacht sondern sind zu einem Grossteil
"hausgemacht": In der langen Entwicklungsgeschichte von UNIX entstanden
verschiedene Drucksysteme, darunter der Berkeley Line Printer
Daemon (lpd) und das AT&T Line Printer System, jedoch kein
einheitliches Treibermodell; im Laufe der Jahre wurden diverse
Alternativen zu diesen Systemen wie beispielsweise LPRng und GNUlpr,
doch an den grundlegenden Funktionen hat sich kaum etwas geändert und
die Fragmentierung wurde nur weiter verstärkt; die vielgerühmte
freedom of choice bedingt leider auch hier eine Zunahme der
Komplexität.
Das betagte Drucksystem führte aufgrund der begrenzten
Funktionalitäten zu etlichen prinzipbedingten Problemen und so begannen
verschiedene Entwickler eigene Erweiterungen in ihre Programme
einzubauen, ohne das Problem grundsätzlich zu lösen; auch dies führte zu
dem undurchsichtigen Wildwuchs, den man heute unter GNU/Linux vorfindet.
Unter GNU/Linux gibt es allerdings seit einigen Jahren Bestrebungen,
"reinen Tisch" zu machen und ein leistungsfähiges, einheitliches
Drucksystem zu etablieren, wie es auch Microsoft spätestens mit
Windows 2000 betriebssystemweit eingeführt hat. Allerdings bezieht sich
ein Grossteil der im Internet und in der Literatur verfügbaren
Dokumentation noch auf die alten Tools, daher fordert GNU/Linux dem
Anwender einiges an Recherche- und Bastelarbeit ab.
Von der Firma Easy Software Products wurde CUPS (Common
UNIX Printing System) entwickelt und unter der GPL (bzw. LGPL für
die API Library) freigegeben. CUPS benutzt das Protokoll IPP (Internet
Printing Protocol) und bietet die von System V und Berkeley
gewohnten Kommandozeilen-Tools.
Natürlich besteht immer noch die Möglichkeit auch die
"klassischen" Drucksysteme wie lpd einzusetzen; zur Konfiguration
stehen verschiedene Programme wie apsfilter und magicfilter
zur Verfügung, allerdings werden die Einschränkungen dieser Systeme
dadurch nicht aufgehoben.