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Mail unter GNU/Linux
Administration : Mail
: Übersicht
28-Nov-2004/09-Jan-07
Übersicht
Mail gehört zu den essentiellen Funktionen eines GNU/Linux-Systems:
Über diesen Mechanismus kommuniziert das Betriebssystem mit dem
Administrator. Jeder GNU/Linux-Rechner sollte daher in der Lage sein,
Mail zu verarbeiten; das bedeutet allerdings nicht, dass ein kompletter
Mail-Server (Mail Transfer Agent oder MTA) oder Mail-Client (Mail
User Agent oder MUA) installiert sein muss, das
Kommandozeilenprogramm mail
reicht dazu im Regelfall vollkommen aus.
Selbstverständlich steht unter GNU/Linux die komplette Palette von
Mail-Diensten und Anwendungen zur Verfügung, angefangen von Mail-Servern
und Verwaltungstools für Mailinglisten bis hinzu eigenständigen
Mail-Clients und Web-Frontends zum Lesen von Mail; einzig ein
vollwertiges Äquivalent zu Microsofts Exchange-Server existiert
bisher nicht. Die Funktionalität kann durch bewährte Internet-Standards
wie Standard-Mail, Mailinglisten und News-Server jedoch weitgehend
nachgebildet werden; etwas schwieriger wird es im Bereich des
korrdinierten Calendaring und der Ressourcenplanung, wobei allerdigs
auch hier mittlerweile mehr oder minder geeignete Produkte zur Verfügung
stehen.
In der Regel wird man nicht nur einen simplen Mailserver zum
Versenden von E-Mails via SMTP bzw. zum Abrufen via POP3 haben wollen,
vermutlich soll das Gerät auch noch weitere Funktionen erfüllen,
beispielsweise ein Mail-Archiv über IMAP bereitstellen, Spam blockieren
oder vorfiltern, Attachments auf Viren scannen oder Mailinglisten
bereitstellen; möglicherweise benötigt man auch Web-Frontends zum
Schreiben und Lesen von Mail oder zum Verwalten von Mailinglisten.
Darüber hinaus kann auch noch eine Einbindung des Mail-Dienstes in die
Anmeldedienste eines lokalen
Netzwerks erwünscht sein, deren Benutzerdaten in Datenbanken oder via
LDAP verwaltet werden.
Während die Mail-Basisfunktionen praktisch von jeder Distribution von
Hause aus bereitgestellt werden und sofort nach der Installation
lauffähig sind, erfordert die Anpassung an individuelle Bedürfnisse – wie immer –
einige Spezialkenntnisse und eine gewisse Experimentierfreude. Bereits
das Ersetzen eines Standard-MTAs (beipsielsweise Postfix statt
Exim) bereitet einige Arbeit, auch das Einrichten vom Spamfiltern
und Virenscannern setzt einige Handarbeit und einiges Verständnis für
die jeweiligen Konfigurationsdateien voraus, insbesondere die sinnvolle
Kombination verschiedener Tools zu einer funktionierende
Preprocessing-/ Postprocessing-Kette ist nicht ganz trivial.
Während man im ersten Linux-Jahrzent weitgehend auf Ressourcen aus
dem Netz angewiesen war, erscheinen seit einigen Monaten verstärkt
systematisch aufgebaute Bücher zu Mail
unter GNU/Linux. Naturgemäß veralten diese Publikationen ebenso
schnell wie ihre Pendants im Netz, aber immerhin sollte der Stoff dort
nicht nur fragmentatisch angerissen werden. Ein erfreuliches Beispiel
für ein solchermaßen gelungenes Werk ist Peer Heinleins
Postfix-Buch.
Dienste und Ports
Für Mail-Dienste wird eine übersichtliche Anzahl von Protokollen
eingesetzt, die eine ebenfalls begrenzte Anzahl von Ports nutzen:
| Bezeichnung |
Port |
Beschreibung |
| APOP |
110/TCP
995/TCP |
Authenticated Post Office Protocol, eine Erweiterung zu
POP3, die einen verschlüsselten Verbindungsaufbau ermöglicht. |
| IMAP |
143/TCP |
Internet
Message Access Protocol |
Version 1 |
| IMAP3 |
220/TCP |
Version 3 |
| IMAP4 |
143/TCP |
Version 4 |
| IMAPs |
993/TCP |
Tunnelung von IMAP über SSL/TLS, ermöglicht eine mit SSL
oder TLS verschlüsselte Verbindung. |
| KPOP |
1109/TCP |
Kerberos Post Office Protocol, wenig verbreitete Erweiterung
mit POP3-Authentifikation über Kerberos V |
| LMTP |
24/TCP |
Local Mail Transport Protocol. |
| NNTP |
119/TCP |
Network News Transfer Protocol (News, RFC977) |
| NNTPS |
563/TCP |
Network News Transfer Protocol/Secure (Snews) |
| POP2 |
109/TCP |
Post Office
Protocol |
Version 2 |
| POP3 |
110/TCP |
Version 3 |
| POPs |
995/TCP |
Tunnelung von POP3 über SSL/TLS, ermöglicht eine mit SSL
oder TLS verschlüsselte Verbindung. |
| SMTP |
25/TCP |
Simple Mail
Transfer Protocol |
| SMTPS |
465/TCP |
Simple Mail
Transfer Protocol/Secure. |
Die heute gebräuchlichen Standard-Protokolle sind SMTP, POP3 und
IMAP4 sowie NNTP; zunehmend eingesetzt werden mittlerweile IMAPs und
POP3s sowie SMTPS. LMTP wird beispielsweise von
Postfix
verwendet.
Bei der Tunnelung von POP3 oder IMAP über SSL/TLS wird meistens ein so
genannter SSL-Wrapper eingesetzt; dadurch kann man auch POP3- und
IMAP-Servern POP3s bzw. IMAPs beibringen, die selbst weder SSL noch TLS
unterstützen.
Daneben existieren noch die grundlegenden Authentifizierungsvarianten
SMTP-after-POP und POP-before-SMTP sowie Dynamic Relay
Authentication Control (DRAC) und SMTP-Auth mit SASL2.
Unter GNU/Linux sind die dem System bekannten Dienste in der Datei
/etc/services verzeichnet;
Für ergänzende Dienste wie beispielsweise Spam- und Virenfilter werden
ggf. noch einige zusätzliche Ports verwendet:
| Bezeichnung |
Port |
Beschreibung |
| ClamSMTPd |
10025/TCP
(10026/TCP) |
SMTP-Proxy von
Clam Antivirus; Default-Port ist 10025, unter Debian GNU/Linux
läuft der ClamSMTPd auf Port 10026/TCP. |
| DCC |
6277/UDP |
Distributed
Checksum Clearinghouse, Konfiguration prüfen mit cdcc
info (nicht zu verwechseln mit dem DCC-Chat von IRC, der über die
Ports 6660, 6666, 6667, 6668 und 6669 läuft). |
| Pyzor |
24441/TCP |
Pyzor, ein
System zur Erkennung von Spam. |
| Razor1 |
2702/TCP |
Vipul's Razor,
ein verteiltes System zur Erkennung von Spam. |
| Razor2 |
2703/TCP |
| Spamd |
783/TCP |
Daemonisierte
Version von SpamAssassin. |
Alle diese Komponenten sind optional; keiner dieser Dienste muss
zwingend auf einem Mail-Server laufen.
Mail-Server
Mail-Server bestehen unter UNIX-artigen Betriebssystemen i.d.R. aus
unterschiedlichen Komponenten, die modulartig miteinander kombiniert
werden; monolithische Mail-Server à la Microsoft Exchange, wie
sie in der Windows-Welt
üblich sind, bilden unter GNU/Linux die Ausnahme.
Mail Transfer Agents (MTAs)
Verbreitete Produkte:
Mail Delivery Agents (MDAs)
Verbreitete Produkte:
Mail-Clients (MUAs)
Verbreitete Mail-Clients sind beispielsweise:
Daneben existieren noch verschiedene Systeme zum web-basierten
Verfassen und Lesen von Mail:
Spamfilter
Virenscanner
Siehe Viren und GNU/Linux.
Logfile-Analyse
pflogsumm,
jimsun.linxnet.com/postfix_contrib.html.
Offene Mail-Relays
Nur sehr wenige Internet-Teilnehmer betreiben heutzutage noch bewusst ein
offenes Mail-Relay; obwohl daran eigentlich nichts verwerfliches zu sehen
ist, bieten offene Mail-Relays dennoch ein Einfallstor für Spammer. Da m.E.
etwa seit der Jahrtausendwende der Schaden offener Mail-Relays deren nutzen
überwiegt, sollte man seine Mail-Server absichern. Wer seinen Server auf
eine eventuelle Fehlkonfiguration hin überprüfen lassen will, kann einen
Test bei Abuse.net durchführen:
Testen eines Mailservers
Mit Telnet kann man einen lokalen Mailserver – in einem gewissen Umfang – testen;
öffentliche Mailserver lassen dagegen heutzutage i.d.R. keine
Telnet-Verbindungen mehr zu. Telnet ist jedoch immer hilfreich, wenn man auf
einem unbekannten System prüfen möchte, was dort an Diensten läuft.
Weitere Hilfsmittel sind die Prozessliste (ps) und die Liste offener
Dateien (lsof):
# ps axw | grep smtpd
gw:/usr/share/doc/uw-imapd# ps axw | grep smtpd
17023 ? S 0:00 smtpd -n localhost:10025 -t inet -u -c -o
content_filter
Mit lsof kann man gezielt nach geöffneten Ports suchen:
# lsof -i :25
COMMAND PID USER FD TYPE DEVICE SIZE NODE NAME
master 12479 root 11u IPv4 1591323 TCP localhost.localnet:smtp (LISTEN)
Letzteres kann natürlich nmap erheblich komfortabler:
# nmap localhost
Starting nmap 3.75 ( http://www.insecure.org/nmap/ ) at 2005-01-11
22:19 CET
Interesting ports on localhost.localnet (127.0.0.1):
(The 1646 ports scanned but not shown below are in state: closed)
PORT STATE SERVICE
22/tcp open ssh
25/tcp open smtp
53/tcp open domain
110/tcp open pop3
113/tcp open auth
139/tcp open netbios-ssn
143/tcp open imap
443/tcp open https
888/tcp open accessbuilder
993/tcp open imaps
3306/tcp open mysql
Nmap run completed -- 1 IP address (1 host up) scanned in 1.176
seconds
SMTP
Die Kommunikation mit einem SMTP-Server ist recht einfach:
# telnet localhost 25 Trying 127.0.0.1... Connected to localhost.localnet. Escape character is '^]'. 220 <domain> ESMTP
Die Verbindung ist nun aufgebaut; nun gibt man an, von wo aus man die
Mail absendet (vgl. hierzu RFC822 und RFC1123):
HELO hier.zu.hause.de 250 mail.lokaler.mailserver
Manche Maschinen sind hier freundlicher konfiguriert und antworten so
etwas wie:
250 mail.domain.ext Hello
local.domain.name [loc.al.i.p], pleased to meet you
Nun gibt man den Absender der Mail ein:
MAIL FROM: mail@localhost 250 Ok
... und den Empfänger:
RCPT TO: mail@irgendwo.anders.de 250 Ok
Den Body der Mail beginnt man mit DATA, die Mail wird beendet mit einem
"." auf einer neuen Zeile. Der Server antwortet nun so etwas wie
250 2.0.0 Message accepted for delivery
Anschließend wird die Verbindung geschlossen mit
QUIT 221 2.0.0 mail.domain.ext closing connection Connection closed by foreign host.
Die gesamte Kommunikation läuft im Klartext über das Netz, so dass
sie auch mit Ethereal oder tcpdump vollständig mitgelesen werden könnte.
POP3
Entsprechend kann auch ein POP3-Server mit Telnet geprüft werden:
# telnet localhost 110
Trying 127.0.0.1...
Connected to localhost.localnet.
Escape character is '^]'.
+OK Qpopper (version 4.0.5) at host.do.main starting.
<17313.1105478505@host.do.main>
USER benutzername
+OK Password required for benutzername.
PASS geheimespasswort
+OK benutzername has 0 visible messages (0 hidden) in 0 octets.
LIST
+OK 0 visible messages (0 octets)
.
QUIT
+OK Pop server at host.do.main signing off.
Connection closed by foreign host.
In diesem Beispiel loggt sich der Benutzer <benutzername> auf dem
POP3-Server <host.do.main> ein, auf dem der
Qpopper-Daemon
läuft; mit USER wird der Name des Benutzer, mit PASS dessen Passwort
übermittelt; der Server quittiert diese Angaben, sofern sie korrekt
sind, mit einem +OK. LIST resultiert in einer Übersicht der
gespeicherten Mails, die nun mit RETR <nummer> abgerufen werden könnten.
Die gesamte Kommunikation läuft im Klartext über das Netz, so dass
sie auch mit Ethereal oder tcpdump vollständig mitgelesen werden könnte.
IMAP4
Auch bei einem IMAP-Server ist ein Prüflogin mit Telnet möglich, zur
Abwechslung einmal als Beispiel eine fehlgeschlagene Anmeldung:
# telnet localhost 143
Trying 127.0.0.1...
Connected to localhost.localnet.
Escape character is '^]'.
* OK [CAPABILITY IMAP4REV1 LOGIN-REFERRALS STARTTLS LOGINDISABLED]
localhost.localnet IMAP4rev1 2003.339 at Tue, 11 Jan 2005 22:35:35
+0100 (CET)
a1 login benutzername geheimespasswort
a1 NO LOGIN failed
a2 logout
* BYE host.do.main IMAP4rev1 server terminating connection
a2 OK LOGOUT completed
Connection closed by foreign host.
Auch hier läuft die gesamte Kommunikation wieder im Klartext über das Netz, so dass
sie auch mit Ethereal oder tcpdump vollständig mitgelesen werden könnte.
Literatur
Siehe Literatur zu Mail unter GNU/Linux.
Netmarks
Hoang Q. Tran: Configuring Mail Gateway Using Postfix, July
27, 2003, www.muine.org/~hoang/postfix.html.
Christoph Haas: ISP-style Email Service with Debian-Sarge
and Postfix (2.x) (Tutorial),
www.workaround.org/articles/ispmail-sarge.
DebianHowto.de: Exim4, vexim2, Spam/Virenschutz,
Courier-POP3/IMAP, Mailman auf sarge (Mailserver),
www.debianhowto.de/howtos/de/exim4-vexim-sarge,
www.debianhowto.de/howtos/de/exim4-vexim-sarge/exim4-vexim-sarge.pdf.
DebianHowto.de: Qmail, ezmlm-idx, vpopmail, Courier-IMAP,
webadmintools (Mailserver),
www.debianhowto.de/howtos/de/qmail_MTA,
www.debianhowto.de/howtos/de/qmail_MTA/qmail_MTA.pdf.
DebianHowto.de: Exim 3 (Mailserver),
www.debianhowto.de/howtos/de/exim3,
www.debianhowto.de/howtos/de/exim3/exim3.pdf.
Martin A. Brooks: Debian + exim4 + spamassassin + f-prot
HOWTO,
www.clues.ltd.uk/howto/debian-sa-fprot-HOWTO.txt.
AMaViS.org: HowTo's,
www.amavis.org/howto.
Nicholas Lativy: Email for the single user in Debian,
homepage.ntlworld.com/lativy/articles/debian-mutt.
LinuxForen.de: Einzeluser-Mailsystem unter debian, mit
exim4, mutt, procmail und spamassassin (Carnil, 26th November 2004,
21:42),
www.linuxforen.de/forums/showthread.php?t=161970.
Jani Reinikainen: Exim, Amavis, Qpopper with TLS+MySQL Auth
Mini How-To, Revision 0.1.2, 22. March 2003,
devel.reinikainen.net/docs/how-to/Exim.
Scott L. Henderson: Creating a Spamfilter Relay Server,
www.geocities.com/scottlhenderson/spamfilter.html.
Mail-Gateway auf Basis von Postfix, Amavisd-new, SpamAssassin und
Razor unter Red Hat Linux 9.
Postfix Cyrus_Imap Web-Cyradm MySQL .....on Fedora Core 2,
postfix.dghartung.com.
Mail-Gateway auf Basis von Postfix, Cyrus_Imap, MySQL und Razor
auf Fedora Core 2.
Anmerkungen
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Online: 19 aktive User.
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mit Debian-Anwenderhandbuch.

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Wulf Alex.

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