Neben einer offensichtlich mangelhaften Kontrolle der
Fertigungsqualität seitens Tyan
sowie einem ziemlich miserablen, da kaum angemessen kühlbaren
Board- Design mit Chip-
Oberflächentemperaturen von bis zu 101°C fallen bei diesem Mainboard
zahlreiche Inkompatibilitäten auf: Dies
betrifft u.a. SCSI- Adapter von Adaptec
aus der Ultra2- Familie, Zip- Drives von Iomega am SCSI- Bus, DDR SDRAM-
Module von Infineon sowie eine TV- Karte.
Die Erfahrung zeigt ausserdem, dass das Board Anforderungen an das
Netzteil stellt, die in dieser Form von keinem in Deutschland
verfügbaren Produkt zuverlässig erfüllt werden.
Haarsträubende Bootprobleme wie die
Unmöglichkeit, von einem SCSI- Wechselmedium
zu booten oder einen Reboot nach
einem Shutdown durchzuführen, disqualifizieren das Tyan Tiger S2460 für
die Verwendung in einem professionellen Umfeld, insbesondere in
Umgebungen, die Methoden der Fernadministration nutzen.
Ebenfalls haarsträubend ist die Behauptung, das Tyan- Mainboard lasse
sich ausschliesslich mit dem Tyan- eigenen TSM
monitoren, alle anderen Programme wie MBM 5 etc. würden fehlerhafte
Ergebnisse liefern; vollends zur Farce gerät das Ganze dann, wenn man
tatsächlich den TSM einsetzt, der dann
nicht einmal das Board -- von den einzelnen Messergebnissen einmal ganz
zu schweigen -- korrekt erkennt. Und schliesslich ist einfach nur
unverschämt, nach anderthalb Jahren der Fertigung noch immer fehlerhafte
DMI- Informationen im Board auszuliefern, gleichzeitig die Verwendung
von Tools von Drittanbietern mit dem Hinweis auf fehlerhafte
Messergebnisse zu vermiesen und gleichzeitig dann auch noch selbst ein
fehlerhaftes Tool anzubieten.
Der Hauptkritikpunkt am Tyan Tiger MP S2460 ist jedoch
schlicht und ergreifend, dass es in der Praxis eines Workstation-
Einsatzes in einer normalen Konfiguration nicht benutzbar ist; er ist
ohne spezielle Tuning- Massnahmen wie
Kompressor-
oder
Wasserkühlung nicht möglich, das Board ausserhalb von
schallisolierten Server- Räumen zu betreiben, da selbst fünf zusätzliche
Gehäuselüfter nicht ausreichen, das System ausreichend zu kühlen.
Der kontinuierliche
Schallpegel
eines minimal gekühlten Systems mit zwei Arctic Cooling Super
Silent Pro sowie fünf zusätzlichen Gehäuselüftern von
Papst (Modelle 8412 N/2G, 8412NGL, 8412NGM) und
Y. S. Tech liegt bei etwa 46 dB, das entspricht etwa dem Schallpegel
eines Radios in Zimmerlautstärke -- und die CPUs laufen in dieser
Konfiguration kontinuierlich mit knapp 80°C, also dicht an der
kritischen Grenze; AMD empfiehlt eine Kühlung auf etwa 50°C, selbst
unter starker Last sollten die AMD MP 1900+ CPUs mit einer Taktfrequenz
1,6 GHz nicht heisser als 60°C werden -- möglich ist es, diese
Prozessoren im Normalbetrieb mit etwa 35°C laufen zu lassen.
Abgesehen davon: Die Abmessungen des Mainboards verhindern in allen
uns bekannten Big Tower- Gehäusen die Nutzung der internen
Laufwerkseinschübe, da die RAM- Module bzw. der CPU- Kühler mit dem
Laufwerkskäfig kollidieren. Selbst die -- normalerweise -- überaus
geräumigen Gehäuse von Chieftec können nicht vollständig genutzt werden,
hier wird ein ínterner Laufwerkskäfig unbenutzbar.
Das negative Bild wird abgerundet durch die absurden Anforderungen,
die das Board an das Netzteil stellt. In Web und Usenet ist mittlerweile
ausreichend dokumentiert, dass das Board übermässig empfindlich ist für
Schwankungen auf der 5V- Leitung reagiert; von der Website 2CPU.com
werden Netzteile folgender Hersteller empfohlen: PC Power and Cooling,
Antec und Enhance; Abgeraten wird von Enermax, NMB und Delta. Allerdings
sind diese laut 2CPU.com empfehlenswerten Netzteile in Deutschland kaum
bzw. gar nicht zu beschaffen. Zudem sollte es nicht zu den Aufgaben
eines Kunden gehören, die drei überhaupt lauffähigen Netzteile für ein
Mainboard herauszufunden; ein verantwortungsbewusster Hersteller müsste
im Falle solcher Anforderungen konkrete Produkte in einer
Whitelist empfehlen, wie dies ja auch
beispielsweise Intel und AMD praktizieren.
Die Stabilität des Tyan- Mainbords ist
tadellos -- wenn man es ohne jegleiche Peripherie und in einem offenen
PC- Gehäuse betreibt; die Stabilität des
Tyan- Mainbords ist eine Zumutung, sobald man damit arbeiten möchte.
Abstürze, bei denen das System »einfriert«, treten mehrmals täglich auf,
teilweise mehrmals stündlich. Wir haben noch nie ein derartig
unzuverlässiges Mainboard von einem Markenhersteller getestet.
Während ein Mainboard der Oberklasse mit teuren und hochwertigen
Komponenten wie ECC registered RAM und einem EUR 170,- Netzteil ein
Muster an Zuverlässigkeit und Stabilität darstellen sollte, ist das Tyan
Tiger MP in jeder Hinsicht genau das Gegenteil: Das Board ist
unzuverlässig, es treten unsystematische und kaum diagnostizierbare
Fehler auf, ausserdem ist es extrem anspruchsvoll, was die zu
verbauenden Komponenten angeht, und letztlich dann trotz aller Sogfalt
instabil.
Alles in allem ist das Tyan Tiger MP S2460 ein schlecht
designtes, zu diverser verbreiteter Standard- Hardware inkompatibles und
in Workstation- Systemen nicht ohne massivste Lärmbelästigung
einsetzbares Board. Genaugenommen handelt es sich um das schlechteste
Dual- Board, das wir bisher getestet haben. zumindst preislich, wenn
auch nicht qualitativ ist das Tyan Tiger tatsächlich Oberklasse
Der Tyan- Support zeigt leider wenig
Bemühungen, konstruktive Lösungen zu finden und zieht sich, konfrontiert
mit Fragen zu den diversen Problemen mit dem Mainboard, auf die Position
zurück, das Tyan- Board sei schliesslich das einzige Produkt mit dem
AMD
760MP- Chipsatz -- umso schlimmer also, dass man dieses miserable
Produkt auf den Markt geworfen hat. Und kein Wunder, dass AMD dieses
Board nicht unter den empfohlenen Mainboard für AMD- CPUs auflistet...