Digital Video Broadcasting - Terrestrial (DVB-T)
bezeichnet die terrestrische Variante von
DVB, die in Europa und anderen Staaten als Standard für die Übertragung
von digitalem Fernsehen per Antenne verwendet (werden) wird. Das
nordamerikanische Pendant heißt ATSC (Advanced Television
Systems Committee), das japanische ISDB (Integrated
Services Digital Broadcasting).
Technik
Wie auch bei den anderen DVB-Varianten, erfolgt die Auslieferung der
Daten jedes Programms momentan als MPEG-2-Datenstrom. Die genutzten
Frequenzen entsprechen den schon vom analogen Rundfunk bekannten UHF-
und VHF-Kanälen, von denen jeder ca. 7 MHz umfasst. Bei der digitalen
Ausstrahlung lassen sich diese Kanäle besser ausnutzen und es passen
mehrere Programme hinein. Das funktioniert, indem durch das verwendete
Modulationsverfahren COFDM die Bandbreite in mehrere tausend
Einzelträger aufgeteilt wird. Jeder dieser Einzelträger wird dann
wiederum mit einem der drei für DVB-T festgelegten Modulationsverfahren
QPSK, 16-QAM oder 64-QAM moduliert.
Die Modulation mit COFDM ist nötig, da sich die bei DVB-S und DVB-C
verwendeten Verfahren QPSK bzw. QAM für die Ausbreitungscharakteristik
terrestrischer Wellen im VHF/UHF-Bereich als ungünstig erwiesen haben.
Hinzukommt, daß Kabel- und Satellitenempfänger weder darauf ausgelegt
sein müssen, dass sich die Empfänger bewegen noch mehrere Sender im
Empfangsbereich aktiv sind. Da bei DVB-T häufig mehrere Senderstandorte
das selbe Programm auf der selben Frequenz abstrahlen (sogenannter
Gleichwellenfunk), unterscheiden sich regional einzelne Kodierparameter
der Austrahlung, wie z.B. die Länge des Schutzintervall zum Schutz vor
reflektierten Funkwellen. Diese Einstellungen wirken sich direkt auf die
Nutzdatenrate der Aussendung aus.
Die praktisch erreichte Datenrate pro Kanal liegt je nach eingestellen
Parametern zwischen ca. 12 und 14 MBit/s. Hierbei stellt z.B.
Nordrhein-Westfalen auf Grund der höheren Senderdichte und der damit
einhergehend notwendig höheren Länge des Schutzintervalls nur 12,75
MBit/s bereit, wohingegen in Berlin z.B. 14,25 MBit/s erzielt werden.
Die Datenrate eines Kanales wird hierbei auf mehrere (meistens vier)
Programme – ein so genanntes Bouquet – aufgeteilt. Jeder einzelne Sender
bekommt somit eine mittlere Bitrate von ca. 3 bis 3,5 MBit/s. Zum
Vergleich: für eine dem heutigen analogen PAL-Fernsehsignal
gleichwertige Bildqualität werden bei digitaler Übertragung ca. 3 bis 5
MBit/s benötigt, auf DVDs werden typischerweise Datenraten von über 6
MBit/s verwendet.
Bei der Übertragung von Bildern mit hohem Bewegungsanteil, z. B. Action-
oder Sportszenen, mit nur 3,5 MBit/s kann es zu Blockartefakten und
Unschärfe kommen. Zur Kompensation kann der Programmanbieter
vorübergehend eine höhere Datenrate zugeteilt bekommen und zwar auf
Kosten der anderen drei Programme auf diesem Kanal, natürlich
vorausgesetzt, diese zeigen nicht gleichzeitig ebenfalls schnelle
Bildfolgen und sie lassen es überhaupt zu (siehe unten).
Vor- und Nachteile
Vorteile
Gegenüber dem analogen PAL-System bietet DVB-T einige Vorteile:
Programmvielfalt
Wie schon angesprochen, können auf Grund der benutzten
MPEG-2-Komprimierung und digitalen Modulationsverfahren auf einem
herkömmlichen analogen Kanal drei bis fünf Programme in PAL-Auflösung
ausgestrahlt werden. Alternativ reicht die Bandbreite für ein Programm
mit höherer Auflösung (HDTV), bisher nur in Australien eingesetzt.
Praktisch empfangbar sind in Deutschland je nach Region 11 bis 30
verschiedene Sender bzw. werden es sein, also etwas weniger als im
analogen Kabel, zu welchem es eine neue Konkurrenz ohne laufende Kosten
darstellt. Die terrestrische Ausstrahlung wird gerne auch zur regionalen
Verbreitung von Sendern mit lokalem Bezug eingesetzt, in Deutschland ist
dies in allen DVB-T versorgten Gebieten der Fall.
Sendeleistung
Der Systemgewinn von DVB-T gegenüber analogem Fernsehen beträgt etwa 10
dB, es kann also bei gleicher Reichweite mit entsprechend weniger
Leistung gesendet werden. Erreicht wird dies durch die höhere
Empfindlichkeit der Empfänger, eine Fehlerkorrektur (FEC) und das
ohnehin fehlertolerante Modulationsverfahren.
Mehrwegeempfang
Eine Eigenschaft des eingesetzten COFDM ist die Fähigkeit, von
Hochfrequenzreflexionen (Mehrwegempfang) zu profitieren. Beim
herkömmlichen Fernsehempfang machen sich solche Reflexionen als
Geisterbild bemerkbar, das heißt über dem normalen Bild erscheint das
gleiche Bild nochmals, leicht seitlich versetzt und deutlich schwächer.
Bei COFDM hingegen werden auch die aus den reflektierten Signalen
empfangenen Signale, die innerhalb einer bestimmten Zeitspanne
eintreffen, noch dekodiert und zur Wiederherstellung des gesendeten
Bildes genutzt.
Mobilität
Durch diese Unempfindlichkeit können Sender oder Empfänger auch mobil
betrieben werden, ohne dass es Probleme beim Empfang gibt; es existieren
bereits heute DVB-T-Empfänger in Autos der Mittel- und Oberklasse und
Bussen. Der mobile Sende- bzw. Empfangsbetrieb kann unter bestimmten
Voraussetzungen beim 2K-Modus bis etwa 250 km/h möglich sein. In der
Praxis können die Maximalgeschwindigkeiten für den stabilen Empfang
allerdings auch weit darunter liegen. Dies hängt vor allem von folgenden
Randbedingungen ab:
Senderdichte/-entfernungen von SFN-Sendern (abhängig der Länge des
Guard-Intervall und natürlich der Senderleistung)
Fahrzeuggeschwindigkeiten und Bewegungsrichtungen (Dopplereffekte bei
mehr als einem SFN-DVB-T-Sender)
Allgemeinen Empfangsbeeinträchtigungen sind zu berücksichtigen durch:
dynamischen Mehrwegeempfang im Fahrbetrieb z.B. durch bebaute Gebiete
Pegeleinbrüche aufgrund Abschattungen durch Fahrzeuge, Unterführungen
etc.
Schwachsignalbereiche d.h. Unterschreitung des Mindestpegels
Richtwirkungen und allgemeiner Performance von integrierten
Fahrzeugantennen
sowie
alle möglichen Kombinationen dieser Effekte
Durch aufwändigen Diversityempfang mittels geeigneter
Diversity-Konzepte, d.h. mehrer DVB-T Empfangszüge an mehreren
Antennensystemen und einer geschickten Kombination der Datenströme
und/oder optimierten Kanalschätzungsverfahren (MRC-Diversity) kann eine
deutliche Steigerung der Empfangsperformance im 2K und 8k-Mode für den
mobilen Betrieb auch im oberen Geschwindigkeitsbereich erreicht werden.
Bei ausreichend starkem Signal genügt für den Empfang eine einfache
Zimmerantenne, ansonsten ist meist die vielerorts noch vorhandene
Hausantennenanlage die optimale Lösung. Portable Fernsehgeräte können so
überall betrieben werden, unabhängig von Kabel oder großer Antenne für
den Satellitenempfang; daher die in Deutschland zur Promotion verwendete
Marke Das ÜberallFernsehen [1].
Nach dem Motto der beste Verstärker ist eine optimale Antenne kann die
Empfangsperformance durch entsprechende Richtantennen deutlich
verbessert werden. Grundsätzlich ist es für eine rein passive Antenne,
d.h. ohne integrierten Verstärker, unerheblich, ob DVB-T-Signale oder
analoge Signale empfangen werden sollen. Die Polarität der abgestrahlten
Signale hängt grundsätzlich von den jeweiligen Senderanlagen ab. Die
Signale können entweder vertikal oder horizontal gerichtet sein.
Dementsprechend muss auch die Empfangsantenne entweder senkrecht oder
waagerecht montiert werden.
In direkter Nähe des Senders sind Verstärker dagegen wiederum
ungeeignet, da sie zur Übersteuerung des DVB-T-Empfängers führen können,
bzw. der Verstärker aufgrund Intermodulation Störfrequenzen erzeugt,
welche den Nutzfrequenzbereich massiv stören können. Sobald eine
gewisser Mindestempfangspegel (incl. Reserve) und somit BER
(Bit-Fehlerrate) erreicht ist, ist der Einsatz eines zusätzlichen
Verstärkers grundsätzlich nicht mehr sinnvoll, da durch die
entsprechenden Fehlerkorrekturen im Empfänger keine fehlerhaften
Datensignale mehr vorliegen, d.h. es ist für die Stabilität oder
Empfangsqualität unerheblich ob man 10dB oder 20dB über dem Mindestpegel
liegt.
Versorgung
DVB-T ermöglicht die lückenlose Versorgung eines großen Gebietes mit
Fernsehprogrammen durch Verschaltung mehrerer örtlich voneinander
getrennter Fernsehsender zu einem Single Frequency Network (SFN,
Einfrequenznetz). Alle Sender arbeiten hierbei auf der gleichen
Sendefrequenz und werden per GPS so aufeinander synchronisiert, dass sie
auf 100 Nanosekunden genau dieselben Informationen abstrahlen. Somit
wird für ein Programm auch auf großer Fläche nur eine Frequenz benötigt.
Das analoge Fernsehen benötigt dafür mehrere verschiedene Kanäle, da
sich die einzelnen Fernsehsender bezüglich des Aussendezeitpunktes der
Daten nicht so exakt synchronisieren lassen und somit an den
Gebietsgrenzen der verschiedenen Stationen gegenseitig stören würden.
Bei einem gut geplanten SFN-Netz gibt es keine Häuser mehr, die im
Funkschatten eines Berges stehen und somit nur schlechten Fernsehempfang
bekommen; das im analogen Betrieb übliche komplexe Arrangement von
diversen Füllsendern auf verschiedensten Kanälen entfällt damit.
Die Vorteile eines SFN werden bei den bisherigen DVB-T-Startinseln in
Deutschland in Ballungsräumen auch zum Ermöglichen eines Empfangs ohne
Außenantenne genutzt. Da die Funkwellen in ihrer Ausbreitung von den
Mauern stark gedämpft werden, ist ein relativ hoher Signalpegel für
einen stabilen Empfang notwendig. Hierfür wäre bei nur einem einzigen
Senderstandort in einem Ballungsgebiet eine weitaus höhere Sendeleistung
notwendig, als sie bislang beim analogen Fernsehen eingesetzt wurde -
denn der DVB-T Systemgewinn liegt weit unter dem Wert, den das Signal
durch die Dämpfung an Häusern innerhalb von Großstädten wiederum
verliert. Durch die Nutzung mehrerer Senderstandorte auf der gleichen
Frequenz wird diesem Problem abgeholfen, da nun die Signale eine
geringere Entfernung zu den Empfängern zurücklegen müssen und insgesamt
im Durchschnitt die Signalstärke gleichmäßiger verteilt ist.
Abbildung:
Selbstbau DVB-T Schmetterlingsantenne im so genannten Kernbereich in
Berlin
Aufzeichnung
Das digitale Format ermöglicht prinzipiell die verlustfreie Aufzeichnung
und Vervielfältigung ohne Neukodierung, etwa auf Festplatte oder DVD.
Die meisten Festplatten- und DVD-Rekorder leisten dies bisher nicht,
auch zukünftige werden es wohl, wenn überhaupt, nur mittels eines
Firmware-Updates oder eines Umbaus können. Außerdem haben die
Rechteinhaber ein Interesse daran, dies zu erschweren. Für PCs und
Laptops gibt es DVB-T PCI-Karten und externe, über USB anzuschließende
Empfangsgeräte. Die mitgelieferte Software dieser Geräte erlaubt es
häufig, das empfangende Programm ohne Qualitätseinbußen zu speichern.
Kosten
Für den terrestrischen Empfang fallen im Gegensatz zum Empfang via Kabel
keine laufenden Gebühren an den Kabelbetreiber an, lediglich die
Rundfunkgebühren (erhoben durch die GEZ in Deutschland und die GIS in
Österreich) wird weiterhin fällig. Empfangsgeräte sind momentan etwas
teurer als solche für DVB-S oder DVB-C, benötigen aber keine
Satellitenschüssel- oder Kabelkopfinstallation, nur in
Versorgungsrandgebieten eine Aussen- bzw. Dachantenne.
Nachteile
Empfangsqualität
Von Kritikern wird öfter eine schlechte Empfangsqualität bemängelt. Als
Bildrauschen hat man zwar bei DVB-T systembedingt nur noch das von der
Kamera erzeugte Aufnahmerauschen und kein Übertragungsrauschen mehr,
aber stattdessen resultieren Unschärfe, Klötzchenbildung (sogenannte
Makroblöcke) und weitere Kompressionsartefakte, die sich negativ auf das
Fernsehbild auswirken, aus zu geringen Bitraten, die von einzelnen
Programmen genutzt werden. Leider treten Artefakte immer dann besonders
stark auf, wenn das Ausgangsmaterial bereits verrauscht ist: je
schlechter das Originalbild, umso mehr wird es durch die digitale
Übertragung noch weiter verschlechtert. Im Vergleich mit der bisherigen
analogen Übertragungsart wirkt das Bild insgesamt unschärfer. Diese
Unschärfe verstärkt sich noch bei schnellen Bewegungen. Auch der Ton
ist, vor allem im Hochtonbereich, nicht mehr so klar wie bei analogen
Übertragungen.
In Deutschland teilen sich in den meisten Fällen vier
Sender eine Bandbreite von ca. 12 bis 14 MBit/s, das heisst im Mittel 3
bis 3,5 MBit/s pro Sender. Dabei kann jedoch ein Sender, der gerade
schnelle Bildfolgen beispielsweise aus einem Actionstreifen oder einer
Sportsendung zeigt, kurzfristig auf Kosten der anderen drei eine höhere
Bandbreite zur Verfügung gestellt bekommen, natürlich vorausgesetzt,
diese zeigen nicht gleichzeitig schnelle Bildfolgen. Eine Bitrate von
3,5 MBit/s führt jedoch bei manchen Bildfolgen zu
Kompressionsartefakten. Teilweise wird zur Vermeidung von Artefakten
stattdessen die Bildauflösung gegenüber der DVD-Auflösung von 720x576
Pixeln auf die SVCD-Auflösung von 480x576 Pixeln herabgesetzt und ein
Weichzeichner vorgeschaltet. Das Bild hat dann weniger
Klötzchen-Artefakte, wird aber dafür nochmals unschärfer.
Zum Vergleich:
Auf DVDs, die ebenfalls MPEG-2 als Kompressionsverfahren einsetzen,
werden typischerweise Bandbreiten von über 6 MBit/s verwendet, DVB-S
beispielsweise verwendet etwa 38 Mbit/s pro Transponder (6..10 Kanäle)
und kommt so auf mittlere Übertragungsraten von 3,8 bis 6 MBit/s mit
Bitraten-Spitzen von rund 7 bis 8 Mbit/s. Die regional unterschiedlich
hohe verfügbare Bandbreite wirkt sich teilweise deutlich auf die
Bildqualität aus.
Allerdings ist die Nutzung zu geringer Bandbreite pro ausgestrahltem
Programm kein technisch bedingtes Problem von DVB-T, selbstverständlich
ließen sich auch weniger Programme pro Transponder übertragen, und auch
bei der digitalen Ausstrahlung über Kabel oder Satellit verwenden manche
Sender aus Kostengründen niedrige Bandbreiten, die Kompressionsartefakte
sichtbar werden lassen.
Allen aktuell eingesetzten digitalen TV-Übertragungswegen ist gemein,
dass das eingesetzte Kompressionsverfahren MPEG-2, welches noch aus dem
Jahr 1991 stammt, im Vergleich zu moderneren Verfahren wie MPEG-4
(H.264/AVC) oder VC-1 deutlich höhere Datenraten zur Übertragung von
Bildern einer gegebenen Qualität benötigt. Dafür gibt es für MPEG-2
relativ einfache, billige und inzwischen sehr ausgereifte Decoderchips,
wodurch die Settop-Box-Preise in Grenzen gehalten werden können. Es ist
nicht ausgeschlossen, dass zukünftig (für HDTV) auch andere
Kompressionsverfahren eingesetzt werden.
Ein weiteres Problem bei DVB-T sind Empfangsstörungen durch
Überreichweiten -- aufgrund einer so genannten Inversionswetterlage, die
in den Monaten September bis November in Mitteleuropa sehr häufig ist.
Kritik
Nachfolgend werden einige Kritikpunkte aufgelistet, die oft gegen die
Umstellung auf DVB-T vorgebracht werden. Hierbei ist zu beachten, daß es
sich dabei nicht um tatsächliche Schwächen der „Technik DVB-T“ selbst,
sondern um Migrations- oder Implementierungskritik handelt.
Investitionen für Zuschauer
Der Empfang setzt eine Set-Top-Box oder einen Fernseher mit integriertem
DVB-Empfänger (Tuner) voraus, der sich bei einigen Markengeräten (Loewe,
Metz, TechniSat, X4-Tech) auch für 200 bis 450 Euro nachrüsten lässt.
Neue Fernsehgeräte mit DVB-T-Tuner gibt es u.a. von X4-Tech, Panasonic,
Loewe, Humax, Artec, Sharp, TechniSat und Zehnder. Desweiteren
existieren preisgünstigere Lösungen (60 - 80 Euro) in Form von
DVB-T-USB-Sticks für den Computeranwender. Der Zuschauer muss also
zusätzliche Investitionen tätigen, um in den Genuss von DVB-T zu kommen,
bzw. überhaupt weiter fernsehen zu können.
Investitionen können abseits gut versorgter Ballungszentren auch für die
Antenne nötig sein, denn zwar ist ein Empfang von DVB-T oft auch mit der
schon vorhandene Dachantenne für den Empfang von analogen Fernsehen
möglich, diese muss aber ggf. neu ausgerichtet oder auf eine andere
Polarisation eingestellt werden. Zusätzlich können Kosten für den
Austausch eines älteren Verstärkers entstehen, da DVB-T teilweise höhere
Frequenzen, als die bisher üblichen (bis Kanal 60), verwendet. Diese
Kosten für Aussenantennenarbeiten und Umrüstung können an die für eine
(digitale) Satellitenempfangsanlage (DVB-S) heranreichen, wobei bei
DVB-S ein über hundertfach größeres Programmangebot zur Verfügung steht.
Allerdings handelt es sich eben auch im Falle DVB-T um Einmalkosten.
Investitionen für Sender
Da nur eine Minderheit der deutschen Bevölkerung noch den analogen
terristrischen Empfang nutzt, stellt sich die Frage, ob die Kosten für
die Umstellung der Netze gerechtfertigt sind, allerdings fallen die
laufenden Kosten bei digitaler Technik je Programm geringer aus als bei
analoger. Im Vergleich zur Ausbreitung über Satellit ist DVB-T jedoch
erheblich teurer und nicht flächendeckend.
Daneben bezweifeln Kritiker, dass die staatliche Subventionierung des
Sendernetzes, von der auch Privatsender profitieren, konform zu den
entsprechenden EU-Vorschriften ist. Aufgrund einer möglichen
Wettbewerbsverzerrung zugunsten von DVB-T und zuungunsten des
Kabelfernsehens reichte im Dezember 2002 der deutsche Verband privater
Kabelnetzbetreiber Anga bei der EU-Kommission in Brüssel Beschwerde ein.
Verbreitung/Flächendeckung
Eine Konsequenz aus den hohen Kosten ist, dass kurzfristig nur in den
sogenannten Startinseln, vor allem den Ballungszentren auf DVB-T
umgestellt wird und erst mittelfristig, das heißt bis etwa 2010, mit
einer ca. 85% Flächendeckung zu rechnen ist. Sogar diese 85%ige
Abdeckung wird von der Fachpresse bezweifelt, da private Anbieter (RTL,
SAT1 usw.) kein weitergehendes Interesse an DVB-T zeigen, aufgrund zu
hoher Kosten für die geringe Reichweite (Zuschauer). Z.B. hat sich für
die Stadt Kassel und das nordhessische Umland kein bundesweiter privater
Fernsehveranstalter um die Nutzung der Frequenzen beworben, gleiches
gilt für Mitteldeutschland (Region um Halle, Leipzig, Weimar und
Erfurt). In anderen Ländern, z.B. Italien, Spanien oder Großbritannien
wurde hingegen zeitnah fast landesweit umgestellt.
Kanalbelegung
Auch die Aufteilung der Kanäle in Deutschland ist nicht ganz frei von
Kritik, da es hier keine erweiterte Vielfalt der Anbieter, sondern nur
der Programme gibt. Beispielsweise werden in Norddeutschland 7 der 8
Kanäle mit Programmen der 4 bisherigen Anbieter ARD, ZDF, RTL-Gruppe und
ProSiebenSat.1 Media AG gefüllt. Besonders merkwürdig erscheint dabei,
dass in Schleswig-Holstein zwar das dritte Programm des Bayerischen
Rundfunks empfangen werden kann, nicht jedoch die regional passenderen
Programme aus Dänemark.
Die bislang dominierenden privaten und öffentlich-rechtlichen Anbieter
finden sich auch in DVB-T wieder.
Die Lizenzvergabe ist in Deutschland allerdings unterschiedlich
geregelt. So finden sich in den Startregionen neben den bekannten
privaten Fernsehprogrammen je nach Region unterschiedliche zusätzliche
Programme. Beispielsweise kann man in der Region Hamburg/Lübeck Hamburg
1 empfangen, während in der Region Berlin/Brandenburg Viva-Plus
ausgestrahlt wird.
Schlechte Kooperation mit Aufnahmegeräten
Wie es bereits bei Satelliten-Receivern der Fall ist, arbeiten auch die
DVB-T-Receiver nur eingeschränkt mit herkömmlichen Videorekordern und
den meisten DVD-Rekordern zusammen. So kann mit einer einfachen
DVB-T-Box nicht gleichzeitig ein Programm aufgenommen und ein anderes
angesehen werden. Dies gilt jedoch nicht für DVB-T-Receiver mit zwei
Tunern.
Herkömmliche Videorecorder bieten auch nicht die Möglichkeit, an der
DVB-T-Box automatisch ein Programm zu wählen, die Box muss vor der
Aufnahme manuell eingestellt werden und eingeschaltet bleiben oder noch
zusätzlich zum Rekorder auch programmiert werden.
Diese Probleme sind darauf zurückzuführen, daß die herkömmlichen
Videogeräte noch mit einer anderen Technik aufgebaut sind. Sie haben
eingebaute analoge Empfangsteile, sind jedoch nicht für den
DVB-T-Empfang vorbereitet. Es ist zu erwarten, dass zukünftige Geräte
bereits mit DVB-T-fähigen Empfangsteilen ausgestattet sein werden,
zusätzliche Set-Top-Boxen also nicht mehr erforderlich sein werden.
Ein anderes Problem ist auf den politisch gewollten Schutz des
ausgestrahlten Materials vor Kopien zurückzuführen. Für neue DVD- oder
Festplattenrekorder mit eingebautem DVB-T-Empfangsteil ist geplant, und
in den USA ist es schon heute der Fall, dass die Sender bei bestimmten
Sendungen ein Signal mitsenden können, das die Aufzeichnung verbietet
oder einschränkt; die Rekorderhersteller würden dann parallel dazu
verpflichtet, ihre Rekorder so zu bauen, dass dieses Signal bei einer
Aufnahme ausgewertet wird und dann eventuell eine Aufnahme verhindert --
ähnlich dem Macrovision-Kopierschutz für physische Medien.
Umstellung
Im August 2003 wurde die analoge Verbreitung von Fernsehprogrammen
zugunsten der digitalen Verbreitung mittels DVB-T im Großraum Berlin als
erstem weltweit eingestellt. Im Jahr 2004 folgten in Deutschland die
Region Bremen/Unterweser und das Rhein-Main-Gebiet. Am 30. Mai 2005
startete auch in Bayern das digitale Antennenfernsehen erfolgreich. Im
Raum München (Rosenheim) und Nürnberg (Fürth) werden 22 DVB-T-Programme
ausgestrahlt. Damit sind die Gebiete, für die die großen Privatsender
Teilnahmeinteresse angemeldet haben, weitgehend erschöpft, zukünftig
werden ganze Empfangsgebiete wie Mitteldeutschland (Halle/Leipzig +
Erfurt/Weimar) oder kleinere Städte (Flensburg, Kassel, Hildesheim) und
das Umland größerer Städte (Nürnberg) zumindest vorerst nur mit
öffentlich-rechtlichen Programmen in drei bis vier Bouquets versorgt.
In Deutschland werden meist vier TV-Programme pro Bouquet verbreitet, in
anderen Ländern auch mehr oder weniger, zusätzlich Radioprogramme oder
HDTV-Inhalte. Darüberhinaus setzt man in Deutschland von Anfang an
komplett auf SFNs und sowohl UHF als auch VHF, während manche andere
Länder zumindest anfangs MFNs benutzen oder sich auf UHF beschränken.
Die vollständige Umstellung auf DVB-T, also die Abschaffung der analogen
Ausstrahlung von Fernsehprogrammen, ist in Deutschland laut Beschluss
der Bundesregierung vom 24. August 1998 bis spätestens zum Jahr 2010
vorgesehen. Allgemein soll die Ausstrahlung des analogen Rundfunks
(Fernsehen + Hörfunk) in der EU Anfang 2012 enden.
Literatur
"DVB-T" von Thomas Riegler, Vth Mai 2004, ISBN 3881808027
"Fernsehen überall ganz einfach, Der Praxis-Ratgeber zum
Digitalfernsehen per Antenne" von Peter Dehn, Books on Demand GmbH,
Norderstedt, 2004, ISBN 3833411635
"Netzplanung und Kosten von DVB-T" von Manfred Braun u. a., Vitas 1999,
ISBN 3891582447
Netmarks
Überall-TV.de
Forum für Fragen rund um DVB-T
ÜberallFernsehen.de, Informationen der Programmanbieter
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