Erfahrungsbericht zur Hauppauge WinTV Nova-T USB-2
Von Agon S. Buchholz
für Kefk Network Hardware,
August 2005 ff.
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Erstellt/Zuletzt bearbeitet: 05-Aug-2005/02-Feb-06
Systemzeit: Samstag, 05.07.2008, 14:44:22.
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Betrieb
Software WinTV 2000 und WinTV32
Die Oberfläche von WinTV2000 hält sich leider nicht an das
Windows-Styleguide und ist als spieleartige Oberfläche programmiert; das ist
schwer lesbar und ziemlich unübersichtlich, allerdings bietet die Oberfläche
alle Funktionen, die man zum Fernsehen braucht. Der Scheduler ist allerdings
nicht über die Hauptapplikation erreichbar, ebenso wenig die anderen
Zusatzapplikationen, die Hauppauge mitliefert.

Das Starten der WinTV-Software (WinTV2k.exe) dauert etwa zehn Sekunden –
erstaunlich lange für eine doch recht simple Anwendung. Auch das
Umschalten zwischen Kanälen ist recht träge und dauert etwa vier
bis sechs Sekunden; dies ist jedoch teilweise aufgrund der MPEG-Kompression
systembedingt und dauert wohl bei anderen DVB-Karten noch länger.
Manchmal funktioniert der Kanalwechsel gar nicht, dauert in einzelnen Fällen
bis zu fünfzehn Sekunden – oder die WinTV-2000-Applikation hängt sich
auf (kein Programmabsturz, die Software reagiert einfach nicht mehr). In der Regel arbeitet der Kanalwechsel
allerdings zuverlässig.
Bei einem Kanalwechsel wird für einige Sekunden ein EPG eingeblendet, aus
dem der Sendername und die aktuelle Uhrzeit hervorgeht; wenige Sekunden
später erscheint auch noch der Titel der aktuellen Sendung. Das ist recht
praktisch, wenn man durch die Programme zappt, leider kann die
EPG-Information aber nicht auf Anforderung eingeblendet werden; auf der
Fernbedienung findet sich zwar eine Taste »Guide«, ein Äquivalent auf der
Desktop-Oberfläche existiert jedoch anscheinend nicht. Ziemlich bescheuert
ist auch, dass die ja offensichtlich verfügbaren EPG-Informationen von
keiner Hauppauge-Applikation ausgewertet werden können, beispielsweise zur
Programmierung des digitalen Videorekorders.
Das empfangene Fernsehprogramm kann in verschiedenen Größen dargestellt
werden; die Umschaltung des Seitenformats bewirkt bei mir allerdings keine
sinnvolle Veränderung, auch bei Widescreen- oder 16:9-Filmen nicht: Das Bild
wird einfach in die Breite gezerrt, und die 'schwarzen Balken' bleiben.
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| Abbildung 1: WinTV 2000 im
16:9-Modus |
Abbildung 2:WinTV 2000 im
(korrekten) 4:3-Modus |
Eine
Option zur Fullscreen-Darstellung existiert ebenfalls, allerdings findet man
sie nicht dort, wo sie hingehört – nämlich bei den anderen
Ansichtsmodi unter »Ansicht«, sondern separat im Menü »Optionen« unter der Bezeichnung
»TV-Modus«. Leider werden die Bild- und Tonaussetzer auf einem Desktop mit
1600x1280 Pixeln und 32 Bit Farbtiefe dann vollkommen unerträglich.
Einzelbilder können theoretisch aus dem laufenden Programm mit dem Button
»Snap« eingefroren werden; die Snapshots sind allerdings ziemlich
verschwommen und werden anscheinend auch nicht automatisch gespeichert,
jedenfalls kann man keinen Standard-Dateinamen oder -Speicherort festlegen;
öffensichtlich muß jedes Einzelbild mit der Funktion »Speichern unter«
benannt und irgendwo auf der Festplatte abgelegt werden. Auch das ist
ausgespochen dämlich programmiert, da der Videorekorder die aufgenommenen
Filme sehr sinnvoll mit Sendername und einem Timecode benennt.
Ein typisches Bild: Applikation WinTV ist abgestürzt.

Alternativ zu WinTV 2000 steht die Software WinTV32 zur Verfügung, die eine
übersichtlichere und zumindest ansatzweise standardkonforme Oberfläche
bietet, dafür jedoch kaum Funktionalität aufweist. Anscheinend ist nichtmal
eine direkte Kanalwahl vorgesehen; diese Software ist auch praktisch nicht
dokumentiert und somit leider faktisch unbrauchbar.

Bild- und Tonqualität: Störende Bild- und Tonaussetzer
Die Bild- und Tonqualität der Nova-T USB-2 ist annehmbar,
bleibt jedoch deutlich hinter einem guten analogen Kabelsignal zurück: Das
Bild wirkt deutlich unschärfer und weniger brilliant. Ich würde die
Bildqualität der USB-Box eher mit dem analogen Bild einer guten
Zimmerantenne vergleichen: Das reicht bei durschnittlichen Ansprüchen aus, bietet aber
qualitativ absolut keine Vorteile gegenüber einem analogen Fernsehsignal.
Die
Tonqualität ist ebenfalls akzeptabel; sofern die Sender ein Stereosignal
ausstrahlen, werden beide Tonkanäle auch tatsächlich getrennt. Sendungen
mit Mehrkanalton habe ich bisher im
Berliner DVB-T-Angebot nicht entdecken können. Bei mehrsprachigen
Übertragungen, wie sie anscheinend ausschließlich Arte anbietet, kann
man zwischen »German« und »French« umschalten, jeweils allerdings zur
monophon.
Mehr als ärgerlich ist allerdings das heftige 'Ruckeln' des Bildes in
ausnahmslos allen Darstellungsmodi; Nachrichtensprecher wirken mit ihren
abgehackten Bewegungen wie Max Headroom; Kameraschwenks zotteln mit
schätzungsweise 1 fps durch das Programmfenster. Noch schlimmer ist, dass auch
der Ton häufig stockt der aussetzt: Dialoge oder Interviews sind
teilweise kaum zu verstehen, außerdem nerven Tonaussetzer enorm. Unklar
ist, ob diese Bild- und Tonaussetzer an der fehlerhaften Decodierung des
MPEG-Datenstroms durch die WinTV-Software, oder an der unerträglich
hohen Systemlast liegen.
Die Stärke der Aussetzer schwankt von Kanal zu Kanal und verändert
sich auch während der Wiedergabe eines Programmes, ist jedoch nicht
'kanalabhängig': Ein Sender, der heute stark 'ruckelt', kann morgen
deutlich 'flüssiger' wiedergegeben werden. Systematische Tests werden
allerdings erschwert, da sich die Software bei mir ohnehin nach ein oder
zwei Kanalwechseln zuverlässig aufhängte und teilweise dabei gleich das
Betriebssystem lahmlegte.
Die gravierenden Widergabeprobleme treten sowohl auf einem 'lebenden'
Betriebssystem als auch bei einer frischen Installation auf; der
WinTV-Software scheint ziemlich egal zu sein, ob noch andere
Applikationen im Hintergrund laufen: Sie ruckelt immer und ist in jeder
getesteten Konfiguration instabil.
Denkbar wäre, dass die Bild- und Tonaussetzer mit der bizarr hohen
Systemlast zusammenhängen, die die WinTV-Software verursacht; die
Video-Wiedergabe fühlt sich ähnlich an wie eine Festplatte im PIO-Modus
auf einem Gigahertz-PC. Nachprüfen kann man das nicht, da es keinerlei
Troubleshooting-Hilfen gibt und der Support auch keine Fragen zu
ruckelder Bildwidergabe und Tonaussetzern beantwortet.
Desaströs hohe Systemlast
Die
WinTV-Software verursacht kontinuierlich zwischen 40 und 70 Prozent Systemlast –
viel zu viel für eine Anwendung, die keinerlei Signalwandlung (wie bei
einem analogen Receiver) durchführen muß; die Systemlast sprint dabei
alle paar Sekunden auf »100 Prozent« und ist damit so hoch, dass andere
Applikationen vom Windows-Taskmanager irrtümlich für 'abgestürzt'
gehalten werden (»Anwendung reagiert nicht«); auch andere Tätigkeiten
des Rechners wie Internet-Downloads werden gestört oder brechen ab. In
einem kleinen Fenster ein TV-Programm laufen lassen und gleichzeitig in
einem anderen Fenster eine E-Mail oder ein Textdokument zu tippen ist
aussichtslos: Der Tastaturpuffer spuckt seine Buchstabenfolgen nur alle
paar Sekunden aus, dabei gehen einzelne Zeichen oder ganze Worte
verloren.
Bei Ausschalten der
WinTV-Applikation sinkt die Systemlast sofort auf die üblichen 4 bis 7
Prozent einer 'lebenden' Windows-Installation mit typischen
Hintergrunddiensten (z.B. Virenscanner) und der Rechner kann wieder vollkommen normal und störungsfrei
genutzt werden.
Die groteske Systemlast der WinTV-Software könnte in Verbindung
stehen mit meiner Desktop-Auflösung von 1600x1280 Pixeln bei 32 Bit
Farbtiefe (fast schon echtes TV-Feeling auf meinem 21"-Monitor
Sony GDM-F520 ;)
Gegen diese Vermutung spricht allerdings, dass
- die analoge Hauppauge
WinTV PVR USB2 auf demselben System eine absolut flüssige Bild-
und Tonwiedergabe lieferte und
- der Grad der Bildruckler und Tonaussetzer unabhängig ist von der
Skalierung des WinTV-Fensters.
Ein prinzipieller Unterschied zwischen der analogen PVR-Box und der
digitalen Nova-T-Box besteht allerdings darin, dass letztere einen
MPEG2-Datenstrom ohne Hardwaredecoder an den PC weiterreicht; die
PVR-Box benötigt weder einen Encoder noch einen Decoder in Software, da
sie ja sogar einen Hardware-Encoder für die PVR-Funktion enthält.
Möglicherweise müsste Hauppauge in die Nova-T-Box lediglich einen
Hardware-MPEG-Decoder einbauen, um alle Wiedergabeprobleme zu
beseitigen...
Sendersuchlauf
Auch der Sendersuchlauf funktioniert letztlich recht anständig, wenn
er denn einmal erfolgreich gestartet werden kann, zumindest ab und zu:
Fast immer stürzt die Software bei einem Sendersuchlauf ab.
Klappt es dann doch einmal, werden die
Kanalbezeichnungen von der Software automatisch ausgelesen und
gespeichert, es fällt also keinerlei manuelle Nachbearbeitung an. Die
Sender werden ebenfalls automatisch als Stereo-Tonquellen identifiziert,
die lästige manuelle Einstellung zwischen Mono und Stereo pro Kanal, die
manche analoge TV-Karten erzwingen, entfällt also ebenfalls.
RTL wird zwar beim Sendersuchlauf gefunden, kann aber aus irgendwelchen
Gründen nicht empfangen werden: Das Bild bleibt schwarz!

Die Karte findet in Berlin gut zwei Dutzend Kanäle, jedoch keine
Programme des ZDF. Hier stehen Versuche mit hoffentlich besseren
Antennen aus.
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Abbildung: Empfangene Kanalliste
aus der Kernzone Berlin: Rund zwei Dutzend Sender mit einigen
Dopplungen, aber kein ZDF! |
Kanalwechsel
Jeder Kanalwechsel gleicht bei der Hauppauge WinTV Nova-T USB-2
Russisch Roulette: Macht sie den Kanalwechsel, oder hängt sie sich auf?
Besonders spannend wird der Senderwechsel durch die systembedingte (also
DVB-typische) Verzögerung beim Kanalwechsel: Auch ein erfolgreicher
Kanalwechsel dauert einige Sekunden.
Die nachfolgenden Screenshots zeigen ein typisches Verhalten der
WinTV-Applikation beim Kanalwechsel: Das Bild des alten Senders steht
und der neu gewählte Sender wird bereits in der Statusanzeige genannt,
der Kanalwechsel jedoch nicht durchgefhrt, auch nach minutenlangem Waren
nicht: WinTV 2000 hat sich aufgehängt.
EPG
Eine EPG-Applikation liefert Hauppauge nicht mit; auch eine
EPG-basierte Programmierung von Aufzeichnungen ist nicht möglich.
Allerdings werden bei einem Kanalwechsel Informationen zur jeweils laufenden und folgenden Sendung für
einige Sekunden eingeblendet: Die Hauppauge-Software ist also
prinzipiell in der Lage, auf die EPG-Daten zuzugreifen. Leider kann man
auch auf diese spärlichen Informationen aus der WinTV-Applikation nicht gezielt zugreifen,
dazu benötigt man die »Guide«-Taste auf der Fernbedienung.
Dass es durchaus auch anders geht, beweist beispielsweise die
Software Technotrend TV Stick des Mitbewerbers
Technotrend: Die kann
seit Jahren die EPG-Daten für jeden Sender wie in einer
Programmzeitschrift übersichtlich nebeneinander darstellen.
Aufnehmen und Timeshift
Mit Drücken der Buttons »OTR« bzw. »RECORD« wird theoretisch das
Programm des eingestellten Senders aufgezeichnet; die Software legt
dabei zunächst eine Gedenkpause ein, wohl um Daten zwischenzupuffern.
In den rund zehn Tagen, in denen ich mit der Hauppauge WinTV
Nova-T USB-2 herumgespielt habe, gelang es mir jedoch nicht ein
einziges mal, eine komplette Sendung auf Knopfdruck aufzuzeichnen: Der
Tuner verhaspelte sich ausnahmslos zuvor bei der Kanalwahl oder die
Software hängte sich nach einigen Minuten (ja, Minuten, nicht
Stunden!) der TV-Wiedergabe auf.
Auch mit dem WinTV-Scheduler waren leider keine Aufnahmen möglich, da
diese Software bereits bei der 'Programmierung' der Aufnahmedaten
reproduzierbar abstürzte.
Widerspenstige Fernbedienung
Die Fernbedienung muß direkten Sichtkontekt zum IR-Empfänger der
Nova-T-Box haben; bei mir funktioniert sie nur, wenn ich sie aus
einem Abstand von maximal einem halben Meter in dirketem 90-Grad-Winkel
an die USB-Box halte; sie ist damit praktisch unbrauchbar. Die Tasten
der Fernbedienung haben größtenteils keine Funktion, bei ersten
Versuchen funktionierten genau zwei von insgesamt 43 Tasten: »Prev.Ch«
und »Power«. Die WinTV-Applikation kann ich über die
Fernbedienung zwar ausschalten, nicht jedoch einschalten:
Der IR-Empfänger an der Box blizelt bei Drücken der »Power«-Taste
zwar, bewirkt jedoch nichts.
Fehlerhafter WinTV Scheduler
Die zeitgesteuerte Aufnahmefunktion, für die der WinTV Scheduler
zuständig ist, ist vollkommen fehlerhaft; die Software stürzt beim
Erstellen eines neuen Eintrags vollkommen reproduzierbar ab.


Als digitaler Videorekorder ist die WinTV Nova-T USB-2 also
absolut unbrauchbar.
Gravierende Inkompatibilitäten mit anderen USB-Geräten
Die Treiber der WinTV Nova-T USB-2 scheinen sich mit denen des
Fritz!-USB-Dongles für Bluetooth zu beißen; läuft die WinTV-Software,
stürzen jedenfalls reproduzierbar nach einigen Minuten Teile der
Fritz!-Treiber ab. Bluetooth wird also mit Benutzung der WinTV-Software
unbenutzbar bis zum nächsten Neustart des Rechners. Welcher Treiber Mist
baut, wird man wohl kaum herausfinden; jedenfalls beißen sich die beiden
Geräte, und das ist ärgerlich.
Videotext mit VTPlus
Laut Anleitungs-Faltblatt sollte es mit der WinTV Nova-T USB-2
möglich sein, Videotext zu empfangen; zur Decodierung und Darstellung ist – theoretisch – die
Applikation VTPlus zuständig; die empfängt bei mir allerdings rein gar
nichts. Zum Empfangen von Videotext ist die WinTV Nova-T USB-2 also
untauglich.
Selbst wenn VTPlus funktionieren würde, wäre die Software ziemlicher
Schrott: Sie kann nicht gleichzeitig mit der Hauptapplikation WinTV
ausgeführt werden, da nicht beide Programme gleichzeitig auf die Hardware
zugreifen können.
Radio
Theoretisch ist es natürlich auch möglich, digitale Hörfunkprogramme
auszustrahlen; in anderen Ländern wird das auch so praktiziert, in
Deutschland senden digitale Hörfunksender jedoch nur über DAB. Hauppauge
liefert daher gar nicht erst eine Radio-Applikation mit, so dass man
auch gar nicht erst in Versuchung gerät, die Testausstrahlungen
anläßlich der IFA 2005 empfangen zu wollen.
Hauppauge-Werbung: »WinTV - the best TV for your PC« (Splash Screen von
WinTV 2000); schlimm wär's, wenn's so wäre...

Unklare Fehlermeldungen, die nirgends erläutert werden: »WinTV
initialization Error. hTV=0«. Aha. Schade, dass auch der technische Support
von Hauppauge nicht helfen kann; der Benutzer muß raten, was schiefgelaufen
sein könnte...

Bezugsmöglichkeit
Hauppauge
WinTV Nova-T USB-2 DVB-T Receiver.
Modellnummer:
01091
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Im Angebot von Amazon.de seit: 8. März 2005
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Anmerkungen
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