Das Creative Labs Gigaworks S750 7.1 THX
ist ein 7.1-Lautsprecher-System mit THX-Zertifizierung; das
aktive Lautsprechersystem bildet zugleich das aktuelle Spitzenprodukt der
PC-Lautsprecher von Creative Labs. Ich
betreibe das S750-System an einem Windows-Rechner mit
Creative Soundblaster Audigy 2 ZS Platinum Pro; diese Kombination
passt perfekt zusammen, ist im Handumdrehen installiert und liefert
einen ausgezeichneten Sound.
Das aktive Soundsystem enthält einen Verstärker im Subwoover, der daher
auch als einzige Komponente ans Stromnetz angeschlossen werden muß.
Nicht enthalten ist dagen ein Decoder oder eine Anschlußmöglichkeit für
digitale Audiosignale: Zu diesem Zweck bietet der Hersteller den
digitalen Surrounddecoder
Creative Labs DDTS-100 an, der perfekt mit dem S750-System
zusammenspielt und alle gängigen 6.1-Kanal-Surroundformate wie Dolby
Digital EX, DTS-ES, Dolby Pro Logic II usw. decodiert.
Abbildung: Das komplette
Lautsprecher-System Creative Gigaworks S750 7.1 THX: Sechs
Satelliten, ein Center-Speaker, ein Subwoover sowie
Audio Control Pod und Fernbedienung. Das Gesamtsystem bietet einen
Frequenzganz von 25 Hz bis 40 kHz, kommt also ohne Tiefbass aus und
reicht weit über das hörbare Hochtonspektrum hinaus. Ermöglicht wird
dies durch so genannte »Super-Tweeter«.
Lieferumfang
Der Lieferumfang des Lautsprecher-Systems ist umfangreich und gewichtig:
Geliefert wird es in einem kiloschweren Karton, der fast einen halben
Kubikmeter groß ist; hat man die S750 im Versandhandel bestellt, schleppt es
allerdings der Paketbote in die Wohnung; eine Spedition wird nicht benötigt,
wie dies beispielsweise bei größeren CRT-Monitoren der Fall ist.
Abbildung: Umverpackung des
S750-Pakets: Ein halber Kubikmeter verpackter Sound.
Das Paket enthält alles, was man zur Inbetriebnahme benötigt, das sind
die acht Lautsprecher sowie diverses Zubehör.
Lautsprecher:
1 Center-Lautsprecher;
1 Subwoofer-Lautsprecher;
6 Satelliten-Lautsprecher;
Zubehör:
1 Audio Control Pod;
1 Infrarotfernbedienung;
2 x 5m Lautsprecherkabel;
2 x 7m Lautsprecherkabel;
3 x 3m Lautsprecherkabel;
mehrsprachiges Benutzerhandbuch;
Informationsblatt zur Garantie;
diverses Montagezubehör (Schrauben, Aufkleber, Dübel etc.).
Installation
Die meiste Arbeit verursacht bei der Inbetriebnahme das Aufrupfen der
zahllosen Umverpackungen und Tütchen; Creative leistet sich hier einen
Verpackungs-Overkill sondergleichen. Nicht nur jeder Lautsprecher ist
einzeln in einer Plastiktüte verpackt, sondern auch jedes Kabel und jede
Schraube; die sechs Schraubentütchen befinden sich wiederum in einer kleinen
Tüte. Einige Kleinteile sind bis zu dreifach umhüllt, das ist dann doch
etwas mehr Verpackungsmüll als nötig.
Ziemlich schwachsinnig ist auch das »Benutzerhandbuch«; dabei handelt es
sich um eine dicke Schwarte von c't-Dimensionen, die eine
Installationsanleitung in sage und schreibe 14 (!) Sprachen enthält. Genau
sechs (!) Blatt des fast hundertseitigen Buches sind dabei in deutscher
Sprache verfasst. Es ist unerträglich, dass dieses ökologische Verbrechen
billiger sein soll, als jeweils ein landesspezifisches Faltblatt beizupacken
oder in einem Umschlag auf den Karton zu kleben. Die Anleitung bietet in
Ikea-Manier spärlich beschriftete Zusammenstöpsel-Diagramme, man kommt
jedoch auch ohne die Bildchen aus, wenn man schon mal ein 5.1-Soundsystem
installiert hat.
Hat man schließlich den Verpackungsmüll beseitigt und das
»Benutzerhandbuch« beiseite gelegt, kann man die sechs
Satelliten auf ihre Ständer schrauben; für den Center-Speaker fehlte bei mir
eine Schraube. Die Kabel werden an die Lautsprecher angeklemmt und mit den
üblichen Klinkensteckern mit dem Subwoover verbunden; dort wird auch das
Audio Control Pod angeschlossen, über das das System ein- und
ausgeschaltet wird und das für die Lautstärkeregelung zuständig ist – wenn man das
nicht via Software, über die Fernbedienung, über eine Breakoutbox der
Soundkarte oder über eine Multimedia-Tastatur erledigt. Nach etwa einer
Viertelstunde kann man dann das Soundsystem einschalten. Hat man alles
korrekt verkabelt, sollten die Kanäle korrekt den Satelliten zugeordnet
sein; die Software der grandiosen
Creative Soundblaster Audigy 2 ZS Platinum Pro bietet entsprechende
Test- und Kalibierprogramme.
Abbildung: Die »Lautsprechereinstellungen«
in der Software Creative Mediasource. Verfügt man über eine
entsprechende Soundkarte wie die
Creative Soundblaster Audigy 2 ZS Platinum Pro, sollte man hier »7.1
Lautsprecher« auswählen. Zusätzlich bietet die Software diverse
Möglichkeiten, die angeschlossenen Lautsprecher zu testen und zu
kalibrieren.
Erster Eindruck
Die Verarbeitung der Lautsprecher ist vergleichsweise hochwertig und
durchaus mit einfachen Heimkino-Systemen vergleichbar; der Subwoover ist
schwergewichtig und verfügt über Kühlrippen aus Metall auf der Rückseite.
Das ganze System hat wenig mit den typischen Plastik-Brüllwürfeln zu tun,
die man sonst an PCs vorfindet.
Abbildung: Der
Subwoover des S750-Systems ist spezifiziert für eine Leistung von
210 Watt Sinus. Es handelt sich um eine Bassreflexkonstruktion, bei
der der Schall seitlich aus dem Gehäuse heraustritt.
Für den ersten Hörtest sollte man sich setzen, der Sound ist satt und
geradezu atemberaubend; fette Bässe wummern aus dem leider ziemlich gut zu
ortenden Subwoover, und die Satelliten liefern einen brillianten Raumklang.
Mit Upmixing oder CMSS der Audigy-Soundkarten bekommt man auch mit einfachen
Stereoquellen ein raumfüllendes Hörerlebnis.
Abbildung: Die
Satellitenlautsprecher sind jeweils belastbar mit bis zu 70 Watt
Sinus pro Kanal; sie sind abgeschirmt und können in der Nähe von
Geräten platziert werden, die gegenüber magnetischen Feldern
empfindlich sind. Die Blenden können abgenommen werden.
Gut geeignet sind die Boxen für Pop- und Rockmusik, Blues, Soul, Funk,
Fusion, Techno und gefälligen Jazz etc.; Orchestermusik, Sopran-Soli sowie
Kammer- oder Klaviermusik klingt übermäßig brilliant, teilweise zu scharf
und auch zu baßlastig. Große Orchester werden kaum differenziert und
menschliche Stimmen klingen etwas unnatürlich. Das S750-Lautsprecher-Set ist
also eindeutig ein Effektsystem, das seine Stärken im Bereich der
Unterhaltung hat: Computerspiele, Filme von DVD und moderne Unterhaltungs-
und Tanzmusik. Die Lautsprecher haben einen umwerfenden Sound, aber
nur wenig Klang.
Beim längeren Musikhören von normalen MP3-Stereodateien ist mir das
System mit aktiviertem CMSS an der Soundkarte auf Dauer zu baßlastig, hier
bieten sich aber dermaßen viele Korrekturmöglichkeiten, dass dies kaum als
gravierender Kritikpunkt durchgeht. Bereits durch Abschalten von CMSS wird
der Sound weniger präsent, weitere Eingriffsmöglichkeiten bietet der
Equalizer sowie die Effekt-Profile der Mediasource-Software von
Creative.
Abbildung: Auch der
Center-Speaker ist belastbar mit bis zu 70 Watt Sinus und
abgeschirmt; er kann daher prooblemlos auf einem CRT-Monitor
platziert werden. Auch diese Blende ist abnehmbar.
Die Belastbarkeit des Soundsystems ist hoch, man kann den Pegel sehr weit
aufdrehen, ohne dass die Satelliten zu klirren oder der Subwoover zu dröhnen
beginnt. Das S750-System ist mein erstes PC-Lautsprechersystem, das
eindeutig von den Nachbarn und Mitbewohnern begrenzt wird, nicht durch
hausgemachte technische Mängel: Das 5.1-System
Altec Lansing 251
beispielsweise verabschiedete sich bereits nach wenigen Minuten lauterer
DVD-Wiedergabe, auch ein Satz Lautsprecher von
Harman Kardon überlebte die
mehrstündige DVD-Wiedergabe nicht. Solche Befürchtungen muss man beim
Creative Gigaworks S750 7.1 THX nicht haben – aber man kann sich
leicht Ärger mit den Nachbarn einhandeln.
Einige Gedanken sollte man auch über die Platzierung der immerhin acht
Lautsprecher verschwenden; der Subwoover verbraucht unter dem Arbeitstisch
ziemlich viel Platz und wummert dort auch etwas aufdringlich vor sich hin;
auch die sechs Satelliten wollen irgendo platziert werden; lediglich der
Center-Speaker ist unproblematisch: Er fühlt sich auf meinem Monitor am
wohlsten. Die Schwierigkeit der Platzierung von sechs Satelliten der
Gewichtsklasse des S750-Systems sollte man nicht unterschätzen: Die Biester
sind viel größer als typische 5.1-Satelliten für PC-Soundsysteme und wollen
zumindest rund 12 mal 15 Zentimeter Standfläche. Natürlich klingen sie, wie
alle Lautsprecher, besser, wenn sie nicht zwischen Büchern eingeklemmt sind,
sondern Luft haben: Dann muß man eher mit sechsmal 20x20 cm freier
Standfläche rechnen, und das alles in maximal drei bis sieben Metern
Entfernung vom Subwoover, möglichst noch präzise symmetrisch. Solche
Voraussetzungen bietet kein Spiel-, Arbeits- oder Wohnzimmer ohne
gravierende Umgestaltung. Ich habe mir daher gleich einen Satz Standfüße für
die Satelliten mitbestellt, um etwas mehr Flexibilität zu haben; zu bekommen
sind sie im Online-Shop von Creative Labs zu einem Paarpreis von rund 50
Euro. Will man alle sechs Satelliten auf Standfüßen haben, muß man also mit
Zusatzkosten von rund 150 Euro rechnen. Alternativ kann man die Satelliten
auch an der Wand montieren; im Lieferumfang sind sogar Schrauben und Dübel
enthalten, aber keine Halterungen – die kann man im Online-Shop von
Creative zum Stückpreis von EUR 2,50 bestellen.
Fernbedienung
Für ziemlich unnütz halte ich allerdings die kleine Fernbedienung mit
zehn Tasten; sie wird über zwei Mignon-Batterien (AA) mit Energie versorgt
und verfügt auch über die am Audio Control Pod vermisste
»Mute«-Taste. Die Lautstärkeregelung funktioniert bei mir zwar, aber
irgendwie fühlt sich die Breakout-Box meiner
Creative Soundblaster Audigy 2 ZS Platinum Pro angesprochen: Ihr
Infrarot-Empfänger blinkert, wenn ich am Control Pod des S750 die
Lautstärke verändern will. Wie dem auch sei, sie funktioniert – im
Gegensatz beispielsweise zur Fernbedienung der
Hauppauge WinTV Nova-T USB-2 – und nur das zählt ja letztlich.
Abbildung: Audio Control Pod
(links) von vorne und Fernbedienung (rechts).
Audio Control Pod
Traurig ist dagegen die minderwertige Verarbeitung der
externen Steuerungseinheit: Dabei handelt es sich um ein winziges
Plastikkästchen, das vollkommen ohne analoge Regler auskommen muß und haptisch
vollkommen mißlungen ist: Die Lautstärkeregelung mittels zweier Tasten ist
unpräzise, langsam und umständlich; an dem Kästchen ist auch keine »Ton
aus«-Taste vorgesehen, mit der man die Boxen beispielsweise für die Dauer
eines Telefongesprächs kurz ruhig stellen könnte; glücklicherweise bietet
mein
Microsoft Office Keyboard einige praktische Tasten, so daß ich mit dem
eigentlich ziemlich ärgerlichen Audio Control Pod recht gut leben
kann. Von
der Breakout-Box der
Creative Soundblaster Audigy 2 ZS Platinum Pro und vergleichbaren Produkten ist
hinreichend bekannt, dass es Creativ durchaus besser kann; an der externen
Steuerbox der Audigy-Karte befindet sich auch ein recht gruiffiger analoger
Lautstärkeregler. Man kann die Defizite des S750-Pod also halbwegs
kompensieren, die billige Plastikbbox unterläuft
aber dennoch den ansonsten durchaus wertigen Eindruck des Gesamtsystems.
Abbildung: Das Audio Control
Pod wird ausschließlich von der Oberseite aus bedient; hier
schaltete man das Soundsystem ein und aus, regelt die Lautstärke und
kann einen 5.1 auf 7.1 bzw. 6.1 auf 7.1 Upmix aktivieren. Der Pegel
von Center, Side, Rear und Sub sowie
Treble können separat geregelt werden, aber leider nur durch
Drücken mehrerer Tasten und ohne jegliche Statusanzeige.
Creative Gigaworks S750 7.1 THX unter GNU/Linux
Das S750-Soundsystem kann vollständig unter GNU/Linux genutzt werden,
wenn man dort eine passende Soundkarte beispielsweise unter ALSA zu laufen
hat: Auch der Audio Control Pod benötigt keine Treiber-Software,
sondern ist autonom. Auf Komfort-Funktionen, wie sie Creatives
Mediasource-Software unter Windows bietet, oder wie sie durch ein
Multimedia-Keyboard ermöglicht werden, muß man allerdings verzichten;
Äquivalente zur Mediasource-Software existieren für Linux nicht, und
auch die meisten Multimedia-Keyboards verlieren an einer Linux-Box leider
einen Großteil ihrer Zusatz-Funktionalität.
Fazit
Der erste Eindruck vom Creative Gigaworks S750 7.1 THX
überzeugt: Die Soundqualität für alle Zwecke der technisch
anspruchsvollen Unterhaltung – von Computerspielen über die
Wiedergabe von DVDs bis hinzu Unterhaltungsmusik – überzeugt voll. Ich
halte das S750-System mit Abstand für das beste Soundsystem für
Mehrkanalanwendungen, das derzeit für PCs am Markt erhältlich ist.
Als Lautsprecher zum Musikhören am PC nebenbei halte ich das
S750-System allerdings für weniger geeignet, zu präsent und dominierend
ist der Sound. Gute Boxen von
Quadral oder Harman
Kardon sind preiswerter, verbrauchen weniger Platz und erfüllen
diesen einfachen Zweck besser. Außerdem klingen diese einfacheren Boxen
mit E-Musik einfach besser.
Nur einen gravierenden Nachteil weist das S750-System auf: Das Audio Control Pod
ist eine Beleidigung für den Kunden, der gerade rund 400 Euro für das
Lautsprechersystem bezahlt hat. Das billige Plastikkästen ist eine
haptische Nullnummer und demonstriert das absolute Gegenteil von
ergonomischer Bedienung.
Für Heimkinofreunde kann die Anschaffung des Audio-Prozessors
Creative Labs DDTS-100 sinnvoll sein, beispielsweise wenn digitale
Tonsignale in das S750-System eingespeist oder digitale Surround-Sounds
decodiert werden sollen.
Das perfekte PC-Tonsystem verwendet eine
Creative Soundblaster Audigy 2 ZS Platinum Pro als Soundkarte; deren
externe Breakout-Box mit ihren analogen Lautstärkereglern kompensiert
das Fehlen ergonomischer Bedienelemente am Audio Control Pod des
S750-Systems.
Jeder Anwender muß selbst entscheiden, wie viel ihm Sound am PC wert
ist. Schafft man eine Vollausstattung aus hocherwertiger Soundkarte,
Decoder, S750-Set und ein paar Lautsprecherständern an, kommt man leicht
über einen Gesamtpreis von tausend Euro: Ein guter Kopfhörer bietet
dagegen eine höhere Mietshaus-Kompatibilität und kostet nur einen
Bruchteil eines solchen Soundsystems.
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