Diese Subsite wird derzeit nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Inhalte können daher veraltet sein oder nicht den aktuellen Wissens- und Forschungsstand widerspiegeln.
Aktualisierte Informationen zu den Themengebieten dieser Subsite finden sie im Nexus Fotografie (kurz: Fotonexus). Neben der umfangreichen Wissensdatenbank und der Bildergalerie gibt es im Fotonexus auch Diskussionsforen, aktuelle Meldungen sowie thematisch relevante Buchrezensionen.
  Kefk Network : home.gif (15x16 -- 888 bytes) Fotografie |  Theorie news.gif (13x11 -- 102 bytes) About |  Wiki. Suchen | Index | Inhalt | Site Map | What's new?
 理論    Akteure | Bild | Ansätze | Ressourcen | Themen | Thesen.

 

Fotografie und Schein

Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Fotografie.

Theorie : Themen : Schein : Übersicht
23-Jun-2004/06-Feb-06


Übersicht

Die Dichotomie zwischen Sein und Schein geht zumindest bis in die vorsokratische Philosophie der griechischen Antike zurück. So betonte beispielsweise Heraklit (um 500 v. Chr.), das Sein liebe es, sich zu verbergen (27 Themistios, Or. 5, 69 B; DK 22 B 123: physis de kath Herakleiton kryptesthai philei; das Spektrum der Übersetzungsversuche reicht von einem wörtlichen »Natur, so Heraklit, pflegt sich versteckt zu halten« über »Sein liebt es sich zu verbergen« bin hin zu einem gewagten »Das Aufgehen neigt in sich schon zum Untergehen«). Jedenfalls scheint bereits vor zweieinhalb Jahrtausenden ein Bewusstsein entstanden zu sein, dass nicht alls so ist, wie es zu sein scheint.

Wenig später findet sich bei Parmenides (um 515/510 bis 450 v. Chr.; Peri physeos, Fr. 1, 30 ff.) der Begriff der doxa, der »unzuverlässigen [und] wahnhaften Meinung der Sterblichen, die sich in trügerischen Wortgefügen verfangen«. Er unterscheidet zwei Wahrnehmungen, wobei die Menschen eine davon – ihre Scheinwelt – selbst produzieren.

Norbert W. Bolz weist auf Strkturhomologien des Parmenideischen Denkens zum streng jüdischen Monotheismus hin; so betont Hermann Cohen: »Nur Gott ist Sein. [...] Die Welt ist Schein« (Cohen, Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums, Darmstadt 1966, S. 48); den Kern der jüdischen Religion bilde der Kampf des Seins gegen den Schein.

Auch Platon (427-347 v. Chr.) unterscheidet in seiner Ideenlehre zwischen Sein und Schein; im Höhlengleichnis (Politeia 514-517a) sehen die Gefesselten (apaideumasia) nur Schatten (skia) statt der Sonne selbst (in der Sonnenanalogie also das agathon bzw. die aletheia); im Liniengleichnis (Politeia 509d6-511e5) unterscheidet er zwischen dem doxaton mit ihren Bildern (eikones), Schatten (skiai) und Erscheinungen (phantasmatai) sowie dem noeton mit dem Ideen selbst (auta ta eide). Die Sophisten stellen diskursive Verführer dar, die ihre Kunden durch Sprachbilder (eidola legomena) und Redephantasmen (logois phantasmata) in die Irre statt zur Wahrheit, d.h. Wirklichkeit (aletheia) führen. Gleichzeitig findet man bei Platen dieselbe Kunstfeindlichkeit, die bereits bei den Sprachbildern der sophistischen Gaukler ansetzt, wie auch im jüdischen Monotheismus. Bolz bezeichnet diese Position als »Entbilderungsunternehmen« (Eine kurze Geschichte des Scheins, S. 19).

Die griechische Sprache handhabt diese differenzierte Vorstellung vom Bildhaften durch unterschiedliche Begriffe: Das eidolon (lat. idolum) ist ein Traum-, Trug- oder Scheinbild, das eikon (lat. imago) das Ebenbild, das innere Abbild, das Seelenbild oder auch das physisch-materielle Bild und eidos ist das Urbild, die Gestalt, das Aussehen oder bei Platon die Idee. Dabei hat eido (lat. video, ahd. wizzan) bzw. eidon denselben Wortstamm und bedeutet wissen, verstehen bzw. sehen, erblicken, erkennen. Aufgabe der Philosophie ist die Austreibung der eidola, denn Bildwelten sind prinzipiell Trugbildwelten.

Die Philosophie des Sokrates ersetzt das Urdenken in Bildern durch Begriffe und wird so zum Stammvater der historisch-kritischen Bildung und Abstraktion. Das Urdenken in Bildern charakterisiert dabei den Mythos, die Austreibung des Bildhaften aus dem Denken repräsentiert den Übergang vom Mythos zum Logos und damit den Beginn der Aufklärung mit ihrer Prämierung der Rationalität. Der Bilderwall des Mythenhorizonts »fügt sich zum Wall vor der Realität« (Adorno) und wird von der Aufklärung als Gefängnis wahrgenommen: »Deshalb zielt Aufklärung letztlich auf eine rationale Tilgung des Bildcharakters von Bewußtsein« (Eine kurze Geschichte des Scheins, S. 20).

Das wahre Wesen der Bilder ist der Schein: »Erst indem Subjektivität in der Erkenntnis der Nichtigkeit der Bilder ihrer selbst mächtig wird, gewinnt sie Anteil an der Hoffnung, welche die Bilder vergeblich bloß versprechen. Das gelobte Land des Odysseus ist nicht das archaische Bilderreich. Alle diese Bilder geben ihm endlich als Schatten in der Totenwelt ihr wahres Wesen frei, den Schein« (Dialektik der Aufklärung, S. 85)

Theodor W. Adornos negative Dialektik perfektioniert diesen bilderlosen Materialismus Anfang des 20. Jahrhunderts und stellt den »Extremwert jener aufklärerischen Elimination des Bildcharakters von Bewußtsein« dar (Eine kurze Geschichte des Scheins, S. 20).

Gleichzeitig markiert diese Extremposition möglicherweise den Endpunkt der Aufklärung und damit der Moderne: Der Mythosverlust wird nicht mehr uneingeschränkt als Gewinn wahrgenommen: »Dem mythenlosen Menschen der Moderne fehlt die Kraft der Abbreviatur, der Horizontbegrenzung, die der Mythos leistete. Der Mythos ist die Matrix des Weltbildes – er stellt ein Bild von der Welt und umstellt die Welt mit Bildern« (Eine kurze Geschichte des Scheins, S. 20).

Literatur

Bolz, Eine kurze Geschichte des Scheins

Horkheimer, Adorno: Dialektik der Aufklärung

Siehe auch

Anmerkungen

Forum: Fotografie : APS-Kameras allgemein (Anmerkungen in diesem Forum: 0)

Neue Anmerkung verfassen
Darstellungsmodus : Alle | Voransicht | Nur Titel | Aktualisieren
Besuchen Sie 2eNetWorX und Open Source & Free Software für weitere freie Software-Projekte unter Win32.


Schein

Nach oben
Wer ist online?
Name: Besucher
Online: 1 aktive User.
Login | Logout
Monitoring:
Benachrichtigen bei Änderungen:


Amazon.de:
Theorie der Fotografie (4 Bände)
von Wolfgang Kemp und Hubertus von Amelunxen (Hrsg.)

EUR 78,00
(versandkostenfrei!)

Für eine Philosophie der Fotografie
von Vilem Flusser

EUR 14,00

Die helle Kammer
von Roland Barthes

EUR 9,00

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
von Walter Benjamin

EUR 7,50

Über Amazon.de
Fotopoint.de:
Produktsuche:

Fotopoint.de:
Produkte der Woche:


Über Fotopoint.de.
Kefk Network:
Thematisch verwandte Subsites:
Digital Imaging, Erfahrung, Galerie, Kameras, Kleinanzeigen, Meinung, Licht, Literatur, Webtravel.

Kefk Network Home

 

 Zurück ] Theorie ] Nach oben ] Weiter ]

 URL: http://www.kefk.net/Fotografie/Theorie/Themen/Schein/index.asp.
Translate this page with Google to 
 Website | About | Suchen | Index | Inhalt | Site Map | What's new? | Statistik | Wer ist online?.
Thematisch verwandte Websites: Digital Imaging | Erfahrung | Galerie | Kameras | Literatur | Webtravel | Film.
 Ergänzungen, Fragen und Kommentare:  Kontakt | Foren | Wiki.
Copyright | Danksagung | Haftungsausschluß | Impressum | Rechtliche Hinweise | Unterstützung.