Die Fotografie wird häufig als Medium betrachtet; aufgrund der
extremen Heterogenität des Medienbegriffs (vgl. Leschke 2003: 12
ff.) ist diese Sichtweise weder richtig noch falsch, aber unstrittig
möglich. In diesem Verständnis wird Fotografie beispielsweise aufgefasst
bei McLuhan,
Flusser, (Benjamin
?) u.a.
Wesentlich umstrittener ist die Frage, ob die Fotografie ein
Massenmedium darstellt, also der Massenkommunikation dient;
nach der einschlägigen und wohl bisher besten Definition von Maletzke
ist dies eindeutig zu verneinen:
»Unter Massenkommunikation verstehen wir jene Form der
Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und
personell definierte Empfängerschaft) durch technische
Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (also bei räumlicher oder
zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den
Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel
zwischen Aussagendem und Aufnehmenden) an ein disperses Publikum
[...] vermittelt werden« (Maletzke 1963: 13)
Nur ein verschwindend geringer Bruchteil der fotografischen
Produktion genügt diesen Kriterien, nämlich jener, der in einem
anderen Massenmedium transportiert wird; dies kann eine illustrierte
Zeitung, eine Fernsehsendung oder – einen entsprechend weiten
Medienbegriff vorausgesetzt – auch eine Bilderausstellung oder
eine web-basierte Fotogalerie sein. Diese Feststellung ist allerdings
wenig überraschend, zumal ja nach
McLuhan
der Inhalt eines Mediums immer ein anderes Medium ist (McLuhan 1994: 8).
Das Medium Fotografie an sich ist jedoch keineswegs daraufhin
konzipiert, sich per se an ein disperses Publikum oder die
Öffentlichkeit zu richten, es handelt sich bei der Fotografie als
Massenmedium also um einen Sonderfall. Der weitaus größte
Teil der heutigen Bildproduktion richtet sich an eine durchaus begrenzte
und personell definierte Empfängerschaft (wie die Familie oder der
Freundeskreis), ist also eher im Kontext der Intim-,
Individual- oder Gruppenkommunikation zu verorten. Spätestens
mit dem Aufkommen der Bildtelefonie bzw. der Videokommunikation trifft
auch Maletzkes Kriterium des ausgeschlossenen Rollenwechsels nur noch
eingeschränkt auf die Fotografie zu.
Unstrittig ist wiederum, dass es sich bei Fotografie um ein
Massenphänomen handelt, es stellt sich also zwangsläufig die Frage
nach der Nützlichkeit von Maletzkes formaler Definition, sowohl in Bezug
auf das technische Phänomen der Fotografie als auch das netzbasierte
Phänomen des Internets.