Das Verhältnis vom Bild
zur Realität wird zumindest seit
Platons Ideenlehre diskutiert; noch Kierkegaard fasst Skulptur und
Malerei als Mittel auf, »durch das die Idee sichtbar wird«
(Kierkegaard 1843: 66). Das Aufkommen der Fotografie brachte
keine fundamental neuen Positionen in diesen Diskurs.
Spätestens mit
Marshall
McLuhan beginnt jedoch eine Neueinschätzung und -bewertung der
Wahrnehmungstheorie, die vor allem aus neueren Erkenntnissen der
Systemtheorie, der Kybernetik und des Konstruktivismus
gespeist wird. Ähnlich argumentiert eine Strömung der ästhetischen
Theorie ausgehend vom ursprünglichen Verständnis des Begriffs αισθησις
(»Wahrnehmung«).
Übereinstimmend gehen diese Disziplinen davon aus, dass das Ergebnis
der Wahrnehmung nicht das Abbild einer existierenden Realität
ist, sondern eine Konstruktion; Wahrnehmung wird also nicht mehr
als passiver Akt, sondern als aktive Tätigkeit der Sinne
verstanden. Der Wahrnehmungsprozess ist demnach sowohl biologisch, als
auch kulturell geprägt.