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Literatur zur Theorie der Fotografie

Theorie : Ressourcen : Literatur : Übersicht
20-May-2004/06-Feb-06


Übersicht

Iconic Turn

von Hubert Burda, Christa Maar
Amazon-Preis: EUR 24,90
Broschiert - Dumont Literatur und Kunst Verlag
Erscheinungsdatum: März 2004
ISBN: 3832178732

Kurzbeschreibung

Bilder waren nie zuvor so präsent wie heute. Neben die künstlerischen Bilder sind gleichrangig technische, naturwissenschaftliche und mediale Bilder getreten. Die Allgegenwart der Bilder im Fernsehen, die zunehmenden Visualisierungen in den Naturwissenschaften und die Bild gebenden Verfahren in der Medizin haben Bildern eine nie gekannte Präsenz und Bedeutung gegeben, der sich niemand entziehen kann. Iconic Turn antwortet auf die Forderung nach einem interdisziplinären Blick auf die neue vielfältige Bilderwelt. Noch gibt es sie nicht, die fächerübergreifende Bildwissenschaft, die die spezifischen Blickwinkel von Geistes- und Naturwissenschaften zusammenführt. Doch ist innerhalb der Geisteswissenschaften, insbesondere unter Kunst- und Medienhistorikern, eine rege Debatte darüber entstanden, wie sie aussehen könnte und welche Themen sie vorrangig behandeln sollte. Iconic Turn ist der erste Versuch, das komplexe Thema Bild in seiner Vielfalt zu erfassen. Prominente Vertreter aus Geistes- und Naturwissenschaften, aber auch bekannte Bilder-Macher kommen zu Wort. Das thematisch breit gefächerte Spektrum berührt philosophische, kunst- und kulturwissenschaftliche Fragen ebenso wie Fragen der Naturwissenschaften nach dem Erkenntnisgewinn von Computervisualisierungen.

Iconic Turn. Die neue Macht des Bildes versammelt eigens für dieses Buch verfasste Originaltexte. Autoren: Jan Assmann, Hans Belting, Gottfried Boehm, Reinhard Brandt, Stephan Braunfels, Horst Bredekamp, Bazon Brock, Norman Foster, Wolfgang Heckl, Stefan Heidenreich, Martin Kemp, Friedrich Kittler, Heinz-Otto Peitgen, Rolf Pfeifer, Willibald Sauerländer, Wolf Singer, Peter Sloterdijk, Barbara Stafford, Bill Viola, Peter Weibel, Wim Wenders, Anton Zeilinger und Semir Zeki.

Die Herausgeber: Christa Maar ist Präsidentin der Burda-Akademie zum Dritten Jahrtausend und Vorstand der Hubert Burda Stiftung. Die promovierte Kunsthistorikerin arbeitete zunächst als Drehbuchautorin und Regisseurin von Fernsehfilmen. Von 1988 bis 1992 war sie Chefredakteurin der Kunstzeitschrift PAN. Zuletzt erschienen die von ihr herausgegebenen Bücher Die Technik auf dem Weg zur Seele (1996), Virtual Cities (1997), Internet & Politik (1998), Gesundheit aus dem Darm (2003) und bei DuMont Weltwissen Wissenswelt (2000). Hubert Burda ist Verleger und Vorstandsvorsitzender der Hubert Burda Media. Der promovierte Kunsthistoriker initiierte zusammen mit Christa Maar die Vorlesungsreihe ICONIC TURN an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Als Leiter eines modernen Medienunternehmens und als Vorsitzender des Hochschulrates der LMU setzt sich Hubert Burda für die verstärkte Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft ein.

Aus dem Einleitungstext von Hubert Burda:

»Als Verleger und Mann der Praxis bin ich in hohem Maße daran interessiert, dass junge Menschen etwas lernen, was sie in ihrem späteren Berufsleben umsetzen können. In meinem Geschäft, den Medien, aber auch in vielen anderen Branchen, besetzen Bilder (Images) und ihre Herstellung, Verwendung und Funktion (Imaging) einen zunehmend wichtigeren Bereich. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch aus Gründen einer kompetenten Medienkritik sowie einer gut ausgebildeten Medien- und Bildkompetenz ist es notwendig, dass eine neue Generation von Bild-Experten entsteht. Es muss Menschen geben, die wissen, wie Bilder entstehen, sowohl ganz praktisch wie auch in der Imagination, und die sagen können, aufweIche Weise Bilder gelesen werden müssen und warum es so wichtig ist, den Kontext, in dem sie stehen, mit einzubeziehen. Es ist außerdem von großer Wichtigkeit, dass man erklären lernt, auf welche Weise welche Bilder wirken und sich mit der Macht verbinden«. (S.12)

Klar geht es um die zunehmende Bedeutung von „Bildkompetenzen" in einem weiten Verständnis („Das Bild der Welt in der Welt der Bilder"), es geht um das Ende der „Gutenberg-Galaxis" (McLuhan) des linearen Textes und der Wortkommunikation zugunsten der Ein-dringlichkeit und Präzision, Komplexität und Mehrdeutigkeit der alltäglichen, der künstleri-schen und der technisch-wissenschaftlichen Bilder, real und digital, sense & cyber vernetzt, und im Verbund mit Sprache, Klang, Dramaturgien und entsprechend weltweiter Verbreitung in Zeit und Raum: Die Globalisierung des Visuellen, der Bedarf des Interdisziplinären und der Dekodierung, der Navigation entsprechend Aufmerksamkeit und Inte-resse in den zunehmend Bild dominierten und neurophysiologischen funktionalen Medienwelten und visuellen Wirklichkeiten vielerlei Arten und Sorten.

Der Sammelband mit 24 meist prominenten Einzelbeiträgen ist dem Bedeutungszuwachs der Bilder, ihrer neuen Macht interdisziplinär auf der Spur:

  • Im Klärungsversuch, was ein „Bild" denn überhaupt sei (Gottfried Boehm u.a.)
  • Im Kontext „Neuro": wie Bildwahrnehmung funktioniert und wie die inneren Bilder äußere Bilder werden (Wolf Singer u.a.)
  • Wie durch (technische) Bilder Unsichtbares sichtbar wird, gerade für exakte Wissenschaften von Physik bis Medizin eine ungeahnte empirische Expansion, zudem voller „Ästhetik" und „Gestalt"
  • Wie neue visuelle Techniken Bildwahrnehmung und das Sehen verändern auf dem Weg zur „Telegesellschaft" (Friedrich Kittler, Peter Weibel u.a.)
  • Wie die Künstler Bildwelten entwerfen und bearbeiten (Norman Foster, Bill Viola, Wim Wenders u.a.)
  • Zur Historie der Bilder und ihrer Wahrnehmung (Bazon Brock, Peter Sloterdijk u.a.)
  • Und ob, wie, warum sich die Kunstgeschichte zur Bildwissenschaft mausert bzw. erweitern sollte (Hans Belting, Martin Kemp u.a.)

Gottfried Boehm, Protagonist einer zur Bildwissenschaft erweiterten Kunstgeschichte, beschreibt, was kulturpädagogisch schulisch wie außerschulisch im Rahmen kultureller Bildung angesagt ist:

»Die Bilder repräsentieren kein abgeschlossenes Reich. Aber ihre Kultur lebt davon, dass sie die ihr innewohnende Fremdheit, ihr dichtes Schweigen und ihre anschauliche Fülle gegenüber dem fortwährenden Gemurmel der Diskurse und dem Lärm der Debatten behaupten. Jenseits der Sprache existieren gewaltige Räume von Sinn, un-geahnte Räume der Visualität, des Klanges, der Geste, der Mimik und der Bewegung. Sie benötigen keine Nachbesserung oder nachträgliche Rechtfertigung durch das Wort. Der Logos ist eben nicht nur die Prädikation, die Verbalität und die Sprache. Sein Umkreis ist bedeutend weiter. Es gilt ihn zu kultivieren« (S. 43).

Für eine Philosophie der Fotografie.

von Vilem Flusser
Amazon-Preis: EUR 14,00
Broschiert - 77 Seiten - Vice Versa
Erscheinungsdatum: Dezember 1999
ISBN: 3923283482

Vilem Flusser, geboren 1920 in Prag, gestorben 1991, emigrierte 1939 über London nach Sao Paulo. 1959 wurde er Dozent für Wissenschaftsphilosphie, 1963 Professor für Kommunikationsphilosophie an der Universität Sao Paulo.

Standpunkte.

von Vilem Flusser
Amazon-Preis: EUR 26,00
Broschiert - 255 Seiten - Vice Versa
Erscheinungsdatum: Dezember 1998
ISBN: 3923283490
Andere Ausgaben: Taschenbuch

Kurzbeschreibung

Vilém Flussers Essay 'Für eine Philosophie der Fotografie'. 1983 erschienen, löste im deutschen Sprachraum eine lebhafte Debatte über das Kulturphänomen Fotografie aus, an der sich Fluser auf mannigfache Weise beteiligte. In der Folge entstanden zahlreiche Exposées, Skizzen und Werkanalysen sowie vertiefende und weiterführende Essays und Vorträge, die der vorliegende Band nahezu vollständig dokumentiert. Er zeigt Flussers zentrales Interesse am Medium der Fotografie seit Ende der 70er Jahre und bestätigt ihn als einen der maßgebenden Kritiker und Philosophen diese Jahrhunderts.

Autorenportrait

Vilem Flusser, geboren 1920 in Prag, gestorben 1991, emigrierte 1939 über London nach Sao Paulo. 1959 wurde er Dozent für Wissenschaftsphilosphie, 1963 Professor für Kommunikationsphilosophie an der Universität Sao Paulo.

Theorie der Fotografie (vier Bände).

von Wolfgang Kemp (Herausgeber), Hubertus von Amelunxen (Herausgeber)
Amazon-Preis: EUR 78,00
Gebundene Ausgabe - Schirmer/Mosel
Erscheinungsdatum: 2000
ISBN: 3888142024

Seit der Erfindung der Fotografie setzte eine bis heute anhaltende Debatte ein, die sich in den Fotografien selbst niedergeschlagen hat. Um nur wenige Fragen dieser Debatte zu skizzieren: Ist Fotografie Kunst? Oder ist die Fotografie eine eigene Gattung, die ihre eigenen Begriffe braucht? Wie ist diese Gestaltung zu bewerten, wo doch die Objektivität der Maschinerie das Endergebnis determiniert? Während es unzählbar viele Anthologien und Zusammenfassungen von Theorien der Ästhetik und kusnthistorischen Methodologien gibt, ist in dieser Hinsicht über das Themengebiet der Fotografie nicht viel zu finden.

In den vier Bänden von Wolfgang sind alle wichtigen Aufsätze oder Ausschnitte zu finden. Die Aufsätze sind zum einen von einschlägig bekannten Theoretikern wie Roland Barthes, Walter Benjamin, André Bazin oder malreux, zum anderen von Fotografen selbst, z.B. von Otto Steinert, Minor White oder Amsel Adams.

Jeder der Bände beginnt mit einer summarischen Zusammenfassung und Einordnung von dem Herausgeber selbst. Vor jedem Text der Anthologie ist eine kleine Einführung zu finden zu dem jeweiligen theoretiker und dem Text selbst. Es handelt sich um ein Standardwerk für alle, die sich theoretische mit der Gattung Fotografie auseinandersetzen wollen.

Walter Benjamin und der neue Blick auf die Photographie.

von Rolf H. Krauss
Amazon-Preis: EUR 14,80
Broschiert - 127 Seiten - Hatje Cantz Verlag
Erscheinungsdatum: Juli 1998
ISBN: 3893224297

Noch 125 Jahre nach ihrer Erfindung war die Photographie im allgemeinen Bewußtsein lediglich als technisches Medium mit einiger wirtschaftlicher Bedeutung, als kulturelles und künstlerisches Phänomen hingegen wurde sie erst seit Mitte der sechziger Jahre erfaßt. Warum setzte der Erkenntnisprozeß eben zu dem bezeichneten Zeitpunkt ein? Welche Rolle kam hierbei Benjamins Schriften zur Photographie der dreißiger Jahre zu?

In fünf seiner Texte setzte sich der Essayist, Literatur- und Zeitkritiker Walter Benjamin mit der Fotografie auseinander. Die Aufsätze "Kleine Geschichte der Photographie" und "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" beschäftigten sich ausdrücklich mit dem ersten technischen Bildmedium. Im Exposé zum Passagen-Werk, im zweiten "Pariser Brief" und in der Rezension zu Gisèle Freunds Schrift Photographie und Gesellschaft findet das Thema bemerkenswerte Erwähnungen.

Der Kunsthistoriker Rolf H. Krauss stellt in seiner Untersuchung zunächst die Inhalte dieser Texte in chronologischer Reihenfolge vor. Er beschreibt das zunehmende Interesse der Kunstgeschichte an der Fotografie ab Mitte der 60er-Jahre und sieht in dieser Entwicklung einen Paradigmenwechsel im Denken über das Medium. Abschließend erörtert er die Rezeption der Texte Walter Benjamins zwischen 1970 und 1990 sowie deren Einfluss auf die zu dieser Zeit geführte Fototheoriediskussion.

Die Veröffentlichung ist als kenntnisreiche Schrift für all diejenigen interessant, die sich mit der Fotografie oder dem Denken Walter Benjamins zu diesem Medium auseinandersetzten.

Rolf H. Krauss, der sich seit mehr als drei Jahrzehnten wissenschaftlich mit der Geschichte und Theorie der Photographie auseinandersetzt, erörtert diese brisanten Fragestellungen.

Malerei, Fotografie, Film.

von Laszlo Moholy-Nagy, Laszlo Moholy- Nagy
Amazon-Preis: EUR 29,90
Gebundene Ausgabe - Mann (Gebr.), Berlin
Erscheinungsdatum: April 1997
ISBN: 378611465X

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (Edition Suhrkamp, Nr.28)

von Walter Benjamin
Amazon-Preis: EUR 7,50
Broschiert - 107 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 1963
ISBN: 3518100289

In seinem Kunstwerk- Aufsatz beschreibt Walter Benjamin die geschichtlichen, sozialen und ästhetischen Prozesse, die mit der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks einhergehen. Dabei entwickelt er eine Begrifflichkeit, die, so sein Programm, "für die Zwecke des Faschismus völlig unbrauchbar", dagegen "zur Formulierung revolutionärer Forderungen in der Kunstpolitik brauchbar" ist. Benjamins Einsicht in das "auratische" Wesen der Kunst etwa ist gerade deshalb ein Meilenstein der philosophischen Ästhetik, weil sie der Betrachtung der Kunst in ihrem jeweiligen Kontext erwächst. Dies ist im Einzelfall anhand der beiden weiteren Studien dieses Bandes nachzuvollziehen.

Schon der Titel sagt einiges über den Inhalt. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Was verändert sich, wenn ein Kunstwerk plötzlich technisch reproduzierbar wird? Was bedeutet es, wenn durch die technische Reproduktion die Frage nach dem "echten" und "einzigartigen" Original hinfällig wird, wie es beispielsweise bei der Fotografie oder dem Film der Fall ist. Was bedeutet die technische Reproduktion für die Kunstwerke, die im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit dennoch den Anspruch auf Originalität erheben?

Auf Fragen wie diese geht Walter Benjamin in seinem Buch ein. Denn durch die technische Reproduzierbarkeit würde die "Aura" des orginalen Kunstwerkes fallen. Dazu ist vielleicht kritisch anzumerken, daß sich in der Kunst des 20. Jahrhunderts die "Aura" in der Reproduktion konstituieren kann, so wie es beispielsweise in den fabrizierten Kunstwerken von Andy Warhol der Fall ist. Trotzdem handelt es sich um ein Standardwerk, unverzichtbar für das Verständnis der Kunst im 20. Jahrhundert.

Wer sich mit Kunsttheorie beschäftigt, kommt an Benjamin nicht vorbei. Doch dieses "nicht vorbei kommen" ist alles andere als eine Qual. Aufgrund der vielen Aphorismen liest sich Benjamin gut und wird auch entsprechend oft zitiert. Benjamin selbst ist beim zitieren ungenau: als Student an einer heutigen Uni würde er wohl an Formfehlern scheitern. Mit seinem eingängigen Zitat aus einem nicht existenten Leipziger Anzeiger (kl. G. der Photographie) hat er noch vielen Kunsttheoretikern nach ihm ein Kuckucksei ins Nest gelegt. Dafür ist seine Schreibweise anschaulich und bildhaft. Nur gelegentlich ist es schwer seinen Gedankengängen zu folgen. Für eine kritische Würdigung Benajmins (nur Foto- und Kunsttheorie, nicht Filmtheorie) empfiehlt sich: Kraus, Rolf (1998): Walter Benjamin und der neue Blick auf die Photographie. Ostfildern: Cantz

Enthält ebenfalls die „Kleine Geschichte der Photographie", die es vor dem „Kunstwerk" zu lesen sich empfiehlt. Zum einen, weil sie fünf Jahre vorher veröffentlicht wurde (1931), zum anderen, weil der Film technisch im Grunde auf die Photographie aufbaut. Er spricht auch dort bereits von der „Aura" des Kunstwerkes, worauf er im „Kunstwerk" genauer eingeht. Inhalt: Seine Überlegung ist, daß die Reproduktion von Kunstwerken eine eigene Kunstform ist, die sich mit der Entstehung von Photographie und Film ausprägen und eine Wirkung auf die herkömmliche Kunst ausstrahlen. Nicht reproduzierbare Kunstwerke seien einmalig und dauerhaft, damit auratisch, und dienen der Kontemplation. Reproduzierbare Kunstwerke seien hingegen wiederholbar und flüchtig, somit nicht auratisch, und dienen der Zerstreuung. In dieser filmwissenschaftlichen Schrift versucht Benjamin die Veränderung der Kunst durch die neue Kunstform Film einzukreisen und deren eigenen Status zu beschreiben. Er greift dabei auf andere Autoren wie Brecht zurück und schlägt schließlich gar den Bogen zwischen Bedeutung des Films und dessen Verwendung im Nationalsozialismus und im Kommunismus. Geltung: Die Frage nach dem Status der Kunst war nicht nur 1936 aktuell - und auch schon zuvor, als Expressionismus (als künstlerische Gestaltung), Realismus (als naturgetreue Wiedergabe) und Hollywood (als reiner Kommerz) sich gegenüber standen -, sondern war es in den Jahren danach und ist es auch heute noch. Noch immer stehen sich Kunst und Kommerz gegenüber oder fließen untrennbar ineinander. Benjamins Überlegungen zur Kunst sind sehr abstrakt, aber heute so zutreffend wie zur Zeit ihrer Entstehung, obwohl über 60 Jahre Entwicklung dazwischen liegen, was die Lektüre mitunter vergessen läßt, weil bei dem weitsichtigen und sehr sorgfältig arbeitenden Benjamin bereits Begriffe wie „Virtualität" auftauchen.

Walter Benjamin, geboren am 15. Juli 1892 in Berlin, nahm sich am 27. September 1940 auf der Flucht vor der Gestapo an der französisch- spanischen Grenze das Leben.

Paradigma Fotografie.

von Herta Wolf
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 466 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Oktober 2002
ISBN: 351829198X

In ihrer Sammelbesprechung von Anthologien zur Mediengeschichte bemerkt Rezensentin Julia Encke, dass die inzwischen kanonisierten Texte zur Mediengeschichte -Baudelaire, Benjamin, Barthes - in vielen Aufsätzen zwar als Beleg verwendet, aber selten kritisch gelesen werden.

Diese Lücke nun schließe dankenswerterweise Herta Wolf, die in ihrem Band "Paradigma Fotografie" Beiträge versammelt, die die "Leittexte" der Mediengeschichte verhandeln. Dass die Herausgeberin dabei diese Aufsätze selbst in die Höhe von Leittexten erhebe, geht für die Rezensentin durchaus in Ordnung. Besonders positiv hebt sie dabei Sarah Kofmans Aufsatz "Freud - Der Fotoapparat" sowie John Taggs und Allan Sekulas kritische Schriften zur Instrumentalisierung des Bildes hervor.

Unverständlich bleibt Encke allein, warum Herausgeberin Wolf bereits das Ende der Fotografie annonciert (Buchnotiz zu: Süddeutsche Zeitung, 06.03.2003 bei Perlentaucher.de).

»Die Fotografie und der Film sind reine Produkte der industriellen Revolution. Sie sind nicht ein einem Erbe, einer Tradition befangen. Deshalb ist die Analyse außerstg schwierig: Man müsste eine neue Ästhetik erfinden, die sich zugleich mit dem Film und der Fotografie befasst und sie voneinander differenziert, während es in Wirklichkeit eine Filmästhetik gibt, die mit stilistischen Werten literarischen Typs arbeitet. Die Fotografie hingegen hat nicht von diesem Transfer profitiert. Sie ist gleichsam das Stiefkind der Kultur. Niemand kümmert sich um sie« (Roland Barthes).

Ordnungen der Sichtbarkeit.

von Peter Geimer
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 443 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: August 2001
ISBN: 3518291386

In den letzten Jahren zeigt sich in den Geistes- und Kulturwissenschaften ein zunehmendes Interesse an Fragen der Bildlichkeit, der Repräsentation und der Visualisierung. Die einzelnen Beiträge des Bandes diskutieren die Debatten um die fotografische Eroberung der Sichtbarkeit an Beispielen aus Medizin, Physik, Anthropologie, Spiritismus, Rechtsprechung, Literatur und bildender Kunst. Indem die künstlerischen, wissenschaftlichen und sozialen Aspekte der Fotografie hier erstmals in einer vergleichenden Zusammenschau diskutiert werden, eröffnet der Band Perspektiven auf eine neue Wissenschaft vom Bild.

Die Frage nach Praktiken der Visualisierung ist in den letzten Jahren ein wichtiges gemeinsames Arbeitsfeld von Wissenschaftsgeschichte, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft geworden. Im technischen Zeitalter ist die Sichtbarkeit von Dingen durchaus nicht selbstverständlich und «evident», sondern muss in vielen Bereichen jeweils erst ermittelt und hergestellt werden.

Der von Peter Geimer herausgegebene Sammelband führt das anhand der Photographie beispielhaft vor. Am Ende des 19. Jahrhundert war die junge Technik utopisches Versprechen darauf, dass die Dinge sich selbst unverstellt abbilden könnten: Der Romanautor Emile Zola träumte sich ebenso als photographischer Erfasser sozialer Wirklichkeiten wie der Berliner Physiologe Fritsch, der anhand der mikrophotographischen Abbildung menschlicher Haare endlich eine exakte Wissenschaft von den menschlichen Rassenunterschieden begründen wollte. Je mehr den forschenden Männern hinter dem Objektiv mit Bildern aus dem Körperinnern und Fotos extrem schnell bewegter Objekte die Visualisierung vorher unsichtbarer Phänomene gelang, desto stärker gerieten ihnen allerdings auch die Grenzen zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Darstellung ins Schwimmen. Die Suche nach der exakten und objektiven Selbstabbildung der Natur produzierte bildmächtige Pannen, Manipulation und das opake Rauschen der Bilder.

Fazit: Es ist der Wunsch nach Exaktheit, der den Patzer erzeugt. Evidenz ist, wenn es schief geht. «Der Staub zeigt uns, dass es das Licht gibt», resümiert Georges Didi-Hubermann schliesslich elegant und etwas melancholisch (»Photographische Genauigkeit als Falle« in: Neue Zürcher Zeitung).

Die helle Kammer.

von Roland Barthes
Amazon-Preis: EUR 9,00
Broschiert - 137 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 1989
ISBN: 3518381423

Das Buch versucht Licht zu bringen in die Geheimnisse der Dunkelkammer, in das Geheimnis der Betrachtung fotografischer Bilder. Dabei ist signifikant, daß von der wichtigsten Fotografie in diesem Buch nur die Rede ist, daß diese Fotografie in diesem Buch nicht abgebildet ist: das Wintergartenfoto mit der verstorbenen Mutter von Barthes als kleines Mädchen. Warum ist dieses Foto nicht abgebildet, warum wird trotzdem so viel über dieses Foto geredet? Weil es dem Leser nichts brächte, würde er das Foto vor Augen haben. Vor Augen hat er jedoch die Erläuterungen von Barthes, seinen subjektiven Eindruck. Damit statuiert Barthes ein Exemplum: Jeder muß in Fotos seine eigene Lektüre lesen, sich zu seiner Subjektivität bekennen in der Betrachtung fotografischer Bilder.

Roland Barthes (1915-1980), einer der bedeutendsten Kritiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist als einer der Initiatoren und Vorkämpfer der semiologischen Revolution bekannt geworden - und für ein Werk, in dem sich biographisches Material und wissenschaftlicher Ansatz miteinander verflechten. Einen heute relativ unbekannten Teil seines Werkes verfaßte er in den fünfziger Jahren. Zu dieser Zeit war Roland Barthes aktiv beteiligt an der Gründung und dem Erscheinen der Zeitschrift "Teatre populaire", eines ebenso ästhetischen wie politischen Phänomens. Anfang der sechziger Jahre gibt Barthes das Theater auf, er besucht es nicht mehr, er schreibt so gut wie keinen Artikel mehr über Aufführungen. Aber er ist langfristig von seiner Erfahrung geprägt: "Im Herzen meines Werks, das Theater".

Über Fotografie.

von Susan Sontag
Amazon-Preis: EUR 9,90
Broschiert - 201 Seiten - Fischer (Tb.), Frankfurt
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3596230225

Susan Sontag ist eine herausragende Autorin mit viel Gespür für Fotografie, was schon aus ihrem Beitrag zu Leibovitz' "Women" bekannt ist. Susan Sontag hat in diesem Band scharfsinnige und kritische Analysen zum sozio-kulturellen Hintergrund der Fotografie vorgelegt. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, warum wir fotografieren, warum Fotografie ein Massenphänomen geworden ist, und was Fotografie eigentlich ist. Ich habe die Essays gerne gelesen, weil ich diese Hinterfragung meiner eigenen Arbeiten als inspiriend verstanden habe. Es ist eine Herausforderung, Sontag's Fragen in meinen Fotografien zu beantworten.

Was ist ein Bild?

von Gottfried Boehm
Amazon-Preis: EUR 29,00
Broschiert - 458 Seiten - Fink (Wilhelm)
Erscheinungsdatum: August 2001
ISBN: 3770529200

Wer nach dem Bild fragt, fragt nach Bildern, einer unübersehbaren Vielzahl. Sie läßt es fast aussichtslos erscheinen, einen gangbaren Weg der Debatte zu finden. Welche Bilder sind gemeint? Gemalte, gedachte, geträumte? Gemälde, Metaphern, Gesten? Spiegel, Mimikry, Echo? Verbinden diese Bilder Gemeinsamkeiten? Worin könnten sie bestehen? Welche wissenschaftlichen Disziplinen scheinen geeignet, an diesem Diskurs teilzunehmen? Dieser Band will einen Überblick geben, der die Klärung von Grundlagen mit Gesichtspunkten der Nutzanwendung verbindet.

Trotz einer weit zurückreichenden kunsthistorischen Tradition steht die "Wissenschaft vom Bild" noch am Anfang. Sie ist befindet sich quasi noch in den Startlöchern. Um über Bilder und deren Bidlichkeit zu reden, sind Gesichtspunkte, Fragen und Begriffe notwendig. In diesem Buch sind Aufsätze verschiedener Autoren wie Lacan, Boehm oder Merlau-Ponty versammelt, die sich zur Frage des Bildes und der Bildlichkeit äußern. Viele der Aufsätze wurden nicht in dem Bewußtsein geschrieben, das für diese Publikation konstitutiv ist: Das Bewußtsein der "Bildwissenschaft". Diese steht noch am Anfang. Vielleicht dient ihr diese Publikation als Katalysator.

Ästhetik des Verschwindens.

von Paul Virilio
Amazon-Preis: EUR 8,50
Broschiert - 135 Seiten - Merve
Erscheinungsdatum: 1986
ISBN: 3883960527

Kurzbeschreibung

"Virilios ‚Ästhetik des Verschwindens‚ stellt keine leichte Lektüre dar, doch das Buch dürfte dank seinem spekulativen und allgemeinen Raster bald zu den Standardwerken der modernen Kunst- und Kulturtheorie zählen." (Conradin Wolf, Kunst-Bulletin)

Autorenporträt

Paul Virilio, geboren 1932, hat die Ecole d'Architecture Speciale in Paris begründet. Dort arbeitet er als Architekt und Essayist.

Bildwissenschaft

Liste der Buchtitel in der Reihe "Bildwissenschaft"

Bild, Bildwahrnehmung, Bildverarbeitung. Interdisziplinäre Beiträge zur Bildwissenschaft
Sachs-Hombach & Rehkämper (Herausgeber)
Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 1998
(Neuausgabe 2000)

BAND 1: Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildhafter Darstellungsformen
Sachs-Hombach & Rehkämper (Herausgeber)
Magdeburg: Scriptum Verlag 1999
(programmatisch/interdisziplinär)

BAND 2: Vom Realismus der Bilder. Interdisziplinäre Forschungen zur Semantik bildhafter Darstellungsformen
Sachs-Hombach & Rehkämper (Herausgeber)
Magdeburg: Scriptum Verlag 2000
(programmatisch/interdisziplinär)

BAND 3: Bildhandeln. Interdisziplinäre Forschungen zur Pragmatik bildhafter Darstellungsformen
Sachs-Hombach (Herausgeber)
Magdeburg: Scriptum Verlag 2001
(programmatisch/interdisziplinär)

BAND 4: Vom Bild zum Sinn. Das ikonische Zeichen zwischen Semiotik und analytischer Philosophie
Blanke, Börries
Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2003
(Semiotik)

BAND 5: Raumzeitliche Prozesse der visuellen Informationsverarbeitung
Höger, Rainer
Nicht erhältlich, Neudruck wird erwogen
(Psychologie)

BAND 6: Zukunft im Film. Sozialwissenschaftliche Studien zu Star Trek und anderer Science Fiction
Hörnlein & Heinecke (Herausgeber)
Magdeburg: Scriptum Verlag 2000
(Politik- / Filmwissenschaft)

BAND 7: Malerei als Écriture. Semiotische Zugänge zur Abstraktion
Elize Bisanz
Deutscher Universitätsverlag 2002
(Semiotik / Ästhetik)

BAND 8: Her-vor-bringungen. Ästhetische Erfahrungen zwischen bense und Heidegger
Nunold, Beatrice
Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2003
(Philosophie / Ästhetik)

BAND 9: Bilder, Ähnlichkeit und Perspektive. Auf dem Weg zur einer neuen Theorie der bildhaften Repräsentation
Rehkämper, Klaus
Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2002
(Philosophie)

BAND 10: Was ist Bildkompetenz? Interdisziplinäre Studien zur Bildwissenschaft
Sachs-Hombach (Herausgeber)
Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2003
(programmatisch / interdisziplinär)

BAND 11: Computational Visualistics, Media Informatics and Virtual Communities
Jochen Schneider, Thomas Strothotte und Winfried Marotzki (Herausgeber)
Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2003
(interdisziplinär / Schwerpunkt Informatik)

 

Paradigma Fotografie
von Herta Wolf
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 466 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Oktober 2002
ISBN: 351829198X

Kurzbeschreibung
"Die Fotografie und der Film sind reine Produkte der industriellen Revolution. Sie sind nicht ein einem Erbe, einer Tradition befangen. Deshalb ist die Analyse außerstg schwierig: Man müsste eine neue Ästhetik erfinden, die sich zugleich mit dem Film und der Fotografie befasst und sie voneinander differenziert, während es in Wirklichkeit eine Filmästhetik gibt, die mit stilistischen Werten literarischen Typs arbeitet. Die Fotografie hingegen hat nicht von diesem Transfer profitiert. Sie ist gleichsam das Stiefkind der Kultur. Niemand kümmert sich um sie." (Roland Barthes)

In ihrer Sammelbesprechung von Anthologien zur Mediengeschichte bemerkt Rezensentin Julia Encke, dass die inzwischen kanonisierten Texte zur Mediengeschichte -Baudelaire, Benjamin, Barthes - in vielen Aufsätzen zwar als Beleg verwendet, aber selten kritisch gelesen werden. Diese Lücke nun schließe dankenswerterweise Herta Wolf, die in ihrem Band "Paradigma Fotografie" Beiträge versammelt, die die "Leittexte" der Mediengeschichte verhandeln. Dass die Herausgeberin dabei diese Aufsätze selbst in die Höhe von Leittexten erhebe, geht für die Rezensentin durchaus in Ordnung. Besonders positiv hebt sie dabei Sarah Kofmans Aufsatz "Freud - Der Fotoapparat" sowie John Taggs und Allan Sekulas kritische Schriften zur Instrumentalisierung des Bildes hervor. Unverständlich bleibt Encke allein, warum Herausgeberin Wolf bereits das Ende der Fotografie annonciert (Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 06.03.2003 bei Perlentaucher.de).

 

Diskurse der Fotografie
von Herta Wolf
Amazon-Preis: EUR 16,00
Broschiert - 491 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: August 2003
ISBN: 3518291998
Andere Ausgaben: Broschiert

Kurzbeschreibung
"Die Fotografie und der Film sind reine Produkte der industriellen Revolution. Sie sind nicht ein einem Erbe, einer Tradition befangen. Deshalb ist die Analyse außerstg schwierig: Man müsste eine neue Ästhetik erfinden, die sich zugleich mit dem Film und der Fotografie befasst und sie voneinander differenziert, während es in Wirklichkeit eine Filmästhetik gibt, die mit stilistischen Werten literarischen Typs arbeitet. Die Fotografie hingegen hat nicht von diesem Transfer profitiert. Sie ist gleichsam das Stiefkind der Kultur. Niemand kümmert sich um sie." (Roland Barthes)

In ihrer Sammelbesprechung von Anthologien zur Mediengeschichte bemerkt Rezensentin Julia Encke, dass die inzwischen kanonisierten Texte zur Mediengeschichte -Baudelaire, Benjamin, Barthes - in vielen Aufsätzen zwar als Beleg verwendet, aber selten kritisch gelesen werden. Diese Lücke nun schließe dankenswerterweise Herta Wolf, die in ihrem Band "Paradigma Fotografie" Beiträge versammelt, die die "Leittexte" der Mediengeschichte verhandeln. Dass die Herausgeberin dabei diese Aufsätze selbst in die Höhe von Leittexten erhebe, geht für die Rezensentin durchaus in Ordnung. Besonders positiv hebt sie dabei Sarah Kofmans Aufsatz "Freud - Der Fotoapparat" sowie John Taggs und Allan Sekulas kritische Schriften zur Instrumentalisierung des Bildes hervor. Unverständlich bleibt Encke allein, warum Herausgeberin Wolf bereits das Ende der Fotografie annonciert (Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 06.03.2003 bei Perlentaucher.de).

 

Die Seele in der Silberschicht
von Rudolf Arnheim
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 450 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Mai 2004
ISBN: 3518292544

Kurzbeschreibung
Rudolf Arnheim, der am 15. Juli 2004 seinen 100. Geburtstag feiert und heute in Ann Arbor lebt, hat sich zeit seines Lebens intensiv mit den Medien künstlerischer Produktion auseinandergesetzt. Seine wichtigsten medientheoretischen Aufsätze, entstanden über einen Zeitraum von 74 Jahren, stellen eine maßgebliche Ergänzung seiner Hauptwerke Film als Kunst und Rundfunk als Hörkunst dar und sind hier erstmals vollständig versammelt. Arnheims medientheoretische Überlegungen nehmen dabei in der Regel ihren Ausgang beim einzelnen Medium – bei der Photographie, dem Rundfunk und insbesondere beim Film – und belegen in eindrucksvoller Weise seine produktive Auseinandersetzung mit konstruktiven formästhetischen Fragen.

 

Ordnungen der Sichtbarkeit
von Peter Geimer
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 443 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: August 2001
ISBN: 3518291386

Kurzbeschreibung
In den letzten Jahren zeigt sich in den Geistes- und Kulturwissenschaften ein zunehmendes Interesse an Fragen der Bildlichkeit, der Repräsentation und der Visualisierung. Die einzelnen Beiträge des Bandes diskutieren die Debatten um die fotografische Eroberung der Sichtbarkeit an Beispielen aus Medizin, Physik, Anthropologie, Spiritismus, Rechtsprechung, Literatur und bildender Kunst. Indem die künstlerischen, wissenschaftlichen und sozialen Aspekte der Fotografie hier erstmals in einer vergleichenden Zusammenschau diskutiert werden, eröffnet der Band Perspektiven auf eine neue Wissenschaft vom Bild.

Photographische Genauigkeit als Falle
vg. Die Frage nach Praktiken der Visualisierung ist in den letzten Jahren ein wichtiges gemeinsames Arbeitsfeld von Wissenschaftsgeschichte, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft geworden. Im technischen Zeitalter ist die Sichtbarkeit von Dingen durchaus nicht selbstverständlich und «evident», sondern muss in vielen Bereichen jeweils erst ermittelt und hergestellt werden. Der von Peter Geimer herausgegebene Sammelband führt das anhand der Photographie beispielhaft vor. Am Ende des 19. Jahrhundert war die junge Technik utopisches Versprechen darauf, dass die Dinge sich selbst unverstellt abbilden könnten: Der Romanautor Emile Zola träumte sich ebenso als photographischer Erfasser sozialer Wirklichkeiten wie der Berliner Physiologe Fritsch, der anhand der mikrophotographischen Abbildung menschlicher Haare endlich eine exakte Wissenschaft von den menschlichen Rassenunterschieden begründen wollte. Je mehr den forschenden Männern hinter dem Objektiv mit Bildern aus dem Körperinnern und Fotos extrem schnell bewegter Objekte die Visualisierung vorher unsichtbarer Phänomene gelang, desto stärker gerieten ihnen allerdings auch die Grenzen zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Darstellung ins Schwimmen. Die Suche nach der exakten und objektiven Selbstabbildung der Natur produzierte bildmächtige Pannen, Manipulation und das opake Rauschen der Bilder. Fazit: Es ist der Wunsch nach Exaktheit, der den Patzer erzeugt. Evidenz ist, wenn es schief geht. «Der Staub zeigt uns, dass es das Licht gibt», resümiert Georges Didi-Hubermann schliesslich elegant und etwas melancholisch (Rezension in Neue Zürcher Zeitung).

 

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