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03-Jun-2004/06-Feb-06
Übersicht
-> Kriegsfotografie
Das Leiden anderer betrachten
von Susan Sontag
Amazon-Preis: EUR 15,90
Gebundene Ausgabe - 144 Seiten - Hanser
Erscheinungsdatum: August 2003
ISBN: 3446203966
Aus der Amazon.de-Redaktion
Jedem Mediennutzer stellt sich immer wieder die Frage: Wie soll man
umgehen mit den tagtäglichen Leidensbildern aus den Kriegs- und
Krisengebieten dieser Welt? Was kann man tun außer umschalten,
wegschauen weiterblättern, verdrängen? Die amerikanische
Schriftstellerin Susan Sontag beschäftigt sich in ihrem neuesten Essay
Das Leiden anderer betrachten mit dieser Problematik und liefert darüber
hinaus eine erhellende Analyse der Kriegsfotografie und ihrer
Geschichte.
Geißelte die Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in
ihrem berühmten früheren Essay
Über Fotografie das Fotografieren noch als "chronisch voyeuristische
Beziehung zur Welt", so unterzieht sie diesmal ihre eigenen Gedanken von
damals einer kritischen Überprüfung. Inzwischen glaubt sie nicht mehr an
die Abstumpfungsthese, plädiert nicht mehr für eine Beschränkung der
Bilderflut. Einfache Antworten auf die schwierige Frage des Umgangs mit
den Bildern aber sind nicht zu haben, die Komplexität der Medien und
ihrer Nutzung hat ohnehin noch zugenommen. Kriegsreporter fahren
heutzutage -- "embedded" -- mit auf Panzern an vorderster Front und
verzichten dafür auf ihre journalistische Unabhängigkeit. Filmberichte,
wie etwa über die Befreiung einer amerikanischen Soldatin im Irak,
werden wie Actionfilme inszeniert und sind frei erfunden.
Mit Bedacht verzichtet Sontags ebenso kluger wie emphatischer Essay --
abgesehen von der Zeichnung Goyas aus dessen berühmten Zyklus "Die
Schrecken des Krieges" auf dem Schutzumschlag -- völlig auf Bilder,
vertraut ganz auf den Text. Ist doch eine der Kernaussagen: "Bilder
können nur die Hölle zeigen, nicht den Weg hinaus." Um das Leiden der
andern zu verstehen -- die Gründe dafür, die Lügen der Verantwortlichen,
die Vernetzung mit der eigenen privilegierten Situation --, brauche es
Text. Aber trotz aller Manipulier- und Instrumentalisierbarkeit von
Bildern gelte es weiterhin, sich ihnen auszusetzen und die Bilder vom
Leiden anderer als ständiges Memento zu begreifen: "Menschen sind
imstande, dies hier anderen anzutun -- vielleicht sogar freiwillig,
begeistert, selbstgerecht. Vergesst das nicht." --Christian Stahl
Kurzbeschreibung
Fünfundzwanzig Jahre nach ihrem Epoche machenden Artikel "Über
Fotografie" beschäftigt sich Susan Sontag mit dem Thema
Kriegsfotografie: Sie rekapituliert die historische Entwicklung, nennt
die Vorläufer der Dokumentaristen des Krieges und revidiert ihre
einstige Ansicht, dass der Mensch durch solche Bilder abstumpfe. Im
Gegenteil: "Das Bild sagt: setz dem ein Ende, interveniere, handle. Und
dies ist die entscheidende, die korrekte Reaktion."
Anmerkungen
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