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Publikationen von Friedrich Kittler
Theorie :
Ressourcen
: Autoren : Friedrich
Kittler : Übersicht
03-Jun-2004/06-Feb-06
Übersicht
Auswahl der Publikationen:
- 2002: Zwischen Rauschen und Offenbarung. Zur Kultur- und
Mediengeschichte der Stimme (als Hrsg.). Akademie Verlag, Berlin
- 2002: Optische Medien. Merve: Berlin. ISBN 3-88396-183-3
- 2001: Vom Griechenland (mit Cornelia Vismann; Internationaler
Merve Diskurs Bd.240). Merve: Berlin. ISBN 3883961736
- 2000: Eine Kulturgeschichte der Kulturwissenschaft. München
- 1999: Hebbels Einbildungskraft - die dunkle Natur. Frankfurt,
New York, Wien
- 1998: Zur Theoriegeschichte von Information Warfare
- 1998: Hardware das unbekannte Wesen
- 1997: Literature, Media, Information Systems: Essays (Hrsg. von
John Johnston). Amsterdam
- 1993: Draculas Vermächtnis: Technische Schriften. Leipzig
(Sammelband mit Verschiedenen bereits zuvor veröffentlichten
Schriften)
- 1991: Dichter Mutter Kind, München
- 1990: Die Nacht der Substanz. Bern
- 1986: Grammophon Film Typewriter. Berlin (engl. Ausgabe:
Gramophone Film Typewriter, Stanford 1999)
- 1985: Aufschreibesysteme 1800/1900. München (engl. Ausgabe:
Discourse Networks 1800 / 1900, with a Foreword by David E.
Wellbery. Stanford 1990)
- 1979: Dichtung als Sozialisationsspiel. Studien zu Goethe und
Gottfried Keller (mit Gerhard Kaiser). Göttingen
- 1977: Der Traum und die Rede. Eine Analyse der
Kommunikationssituation Conrad Ferdinand Meyers. Bern-München
Publikationen zur Geschichte und Theorie der Fotografie
Friedrich Kittler hat sich – was schon für einen
Medientheoretiker erstaunlich ist – dediziert mit der Fotografie auseinandergesetzt;
um so erstaunlicher wird dies, wenn man berücksichtigt, dass sich seine
zentralen Werke, die Habilitationsschrift Aufschreibesysteme 1800/1900
(1985) sowie das Folgewerk Grammophon Film Typewriter (1986),
ausführlich mit Aufzeichnungs- und Speichertechnologien
auseinandersetzen.
Allerdings finden sich an verschiedenen Stellen seines Werks Aussagen zum Medium
der Fotografie, vor allem im Transkript der Berliner Vorlesung von 1999:
Optische Medien
von
Friedrich Kittler
Broschiert - 336 Seiten - Merve
Erscheinungsdatum: September 2002
ISBN: 3883961833
Amazon-Preis: EUR 16,70
In diesem recht preiswerten, aber gehaltvollen Bändchen führt Kittler
»die allgemeinen Prinzipien der Bilderspeicherung,
Bilderübertragung und Bilderberechnung« vor (Optische Medien, S.
16).
Geschichte und Entwicklung.
Als frühen Vorläufer der Fotografie macht Kittler die Camera
obscura (Optische Medien, S. 48 ff. und 155 f.), den von Thoms Walgenstein
entwickelten Naturselbstdruck (Optische Medien, S. 79 f.),
die Laterna magica (Optische Medien, S. 82 ff.), das
Illusionstheater der Jesuiten (Optische Medien, S. 92 ff.) aus.
Wechselwirkungen mit wissenschaftlichen Entdeckungen.
Zentral für Kittlers Argumentation ist der Hinweis auf
Wechselwirkungen mit anderen wissenschaftlichen Entdeckungen, so
beispielsweise: »Uns muß nur grundsätzlich klar werden, daß
die Entdeckung, Ausnutzung und Optimierung chemischer
Lichtempfindlichkeiten mit der allgemeinen Entstehungsgeschichte der
Chemie im 18. Jahrhundert vernetzt war« (Optische Medien, S.
161). So erwähnt er beispielsweise die Entdeckung des Infrarot
durch Friedrich Wilhelm Herschel sowie des Ultraviolett durch
Johann Wilhelm Ritter als begleitende Entwicklungen.
Fotografie als Ergänzung zum Buchdruck.
Ähnlich wie
Marshall McLuhan argumentiert Kittler mit wechselseitigen
kybernetisch-systemischen Bedingtheiten (diesen Ansatz übernahm
McLuhan vermutlich aus den Publikationen »Empire an Communications«
und »The Bias of Communication« von Harold A. Innis aus den 1950er
Jahren): »[E]in historisch definiertes Printmedium braucht
jeweils das entsprechende optische Medium« (Optische Medien,
S. 167 f.).
Die visuellen Begleitmedium zu Gutenbergs Buchdruck waren
Holzschnitt und Kupferstich, die der Rotationspresse die
Lithografie
(Alois Senefelder, 1796; andere Quellen: 1798) und schliesslich die
Fotografie. Erst die Lithografie machte Zeitungsillustration in
Massenauflagen möglich. Als Flachdruckverfahren war ab 1827 auch ein
problemloser Vierfarbdruck möglich, was beim Kupferstich des 18.
Jahrhunderts »nur mit unendlicher Mühe« realisierbar
gewesen war (Optische Medien, S. 167). Die Fotografie
perfektionierte dann dieses Bedürfnis nach einem ergänzenden
visuellen Medium als »automatisierte Lithographie«
(Optische Medien, S. 185).
Wirkungen der Fotografie auf die Malerei.
Auch Kittler sieht einen Konkurrenzdruck zwischen Malerei
und Fotografie; die Malern hätten nach 1839 zwischen zwei Optionen
wählen können, »ein Bild entweder zu malen oder zu
photographieren« (Optische Medien, S. 182); ein gewisser Teil
der Maler wandte sich daher der Fotografie zu.
Die ihrem Handwerk treu gebliebenen Maler hätten nun wiederum
zwei Optionen gehabt: »Entweder sie veränderten ihren Stil
dadurch, daß sie sich ihr Bildmaterial nicht mehr vom Augenschein
oder auch von einer alten Camera obscura liefern ließen, sondern von
Photos« (Fotorealismus, von Ingres bis Gerhard Richter), oder
sie entschlossen sich, »das künstlerische und das technische
Medium wirklich auszudifferenzieren, also fortan nur noch Bilder zu
malen, die nicht photographiert werden könnten« (Optische
Medien, S. 183). Die letztere Option sei historisch erfolgreicher
gewesen und habe zur Entstehung der modernen Malerei geführt.
Wirkungen der Fotografie auf die Literatur.
Vorformen der Fotografie und des Films findet Kittler in der
Literatur: »Literatur im Aufschreibesystem von 1900 ist ein
Simulakrum von Wahnsinn. [...] Delirante Texte treten ins Gebiet der
Literatur über, seitdem Literatur selber den Wahnsinn simuliert«
(Aufschreibesysteme 1800/1900, S. 368 f.). Diese Phantasmagorien und
»Romangeistesstörungen« (a.a.O., S. 372) schaffen den
Grund, auf dem später Fotografie und vor allem Film entstehen.
»Schriftsteller im Aufschreibesystem von 1900 sind Leute,
die bei der Analyse und d.h. Zergliederung ihres psychischen
Apparats den Alleingang vollziehen« (Aufschreibesysteme
1800/1900, S. 380). Genau diese »Zergliederung« in
diskrete Elemente technisiert dann die Fotografie, beispielsweise
mit Eadweard Muybridges Bewegungsstudien, Momentaufnahmen (um 1872),
der Aufzeichnungstechnologie der Chronografie und der
Wiedergabetechnologie des Zoopraxiscopes (1879) sowie natürlich auch
der Film.
»Im Zeichen der Photographie produziert die Literatur also
nicht mehr lediglich innere Bilder [...]; sie fängt an, objektive
und konsistente optische Leitmotive einzubauen, die später dann
problemlos verfilmt werden können« (Optische Medien, S. 187).
Wirkungen der Fotografie auf die Kriminalistik.
In der Kriminalistik führte Alphonse Bertillion 1880 das
Verfahren der Anthropometrie – eindeutige Merkmale
(Kopflänge und -breite, Mittelfinger-, Fuß-, Unterarm- und
Kleinfingerlänge) sowie das Verbrecherfoto – ein, das von jedem
Verbrecher oder auch nur Verdächtigen angefertigt wurde; damit wurde
die zuvor übliche Brandmarkung von Verbrechern abgelöst (Optische
Medien, S. 190).
Zum Unterschied zwischen Fotografie und Film.
Kittler weist darauf hin, dass sich der Film in der Serialität
des Produktionsprozesses gravierend von der Fotografie
unterschiedet: »das Fertigprodukt [...], der Film [nützt]
überhaupt nichts, wenn nicht auf der Empfängerseite ein
Projektionsgerät nach genau denselben Maßen und Standards
bereitsteht« (Optische Medien, S. 197). Im Gegensatz dazu
braucht der Ersteller bzw. Käufer einer Fotografie weder eine
Kamera, noch ein Projektsgerät.
Einzelne Publikationen im Detail
Optische Medien
von Friedrich Kittler
Broschiert - 336 Seiten - Merve
Erscheinungsdatum: September 2002
ISBN: 3883961833
Amazon-Preis: EUR 16,70
Kurzbeschreibung
Friedrich Kittler, Professor für Ästhetik und Mediengeschichte an der
Humboldt-Universität Berlin, widmet der Geschichte der optischen Medien
eine Vorlesung. Es geht um Künste und Techniken als zwei sehr
unterschiedliche Weisen, die Grenzen der Sichtbarkeit zu verschieben;
aber auch um die Effekte, die vor allem die Entwicklung des Films auf
das uralte Schriftmonopol gehabt hat, also um den neuen Status von
Büchern unter audiovisuellen Bedingungen. Kittler behandelt die Camera
obscura, Albertis Linearperspektive, McLuhans Medien- und Shannons
Informationstheorie, den jesuitischen Bilderkrieg gegen das
Schriftprinzip der Reformation, absolutistische Blendeffekte, E.T.A.
Hoffmanns teuflische Elixiere, Schillers Geisterseher, Herschels
Infrarot und Ritters Ultraviolett, Nièpce und Daguerre, Jodsilberplatten
und Quecksilberdämpfe, Talbots öpencil of natureö, Eastmanns Zelluloid,
Erich von Sternheims Monokel, Bertillons Verbrecherphotos,
serienproduzierte Colts, Plateaus Lebensrad, Mareys
chronophotographische Flinte, Muybridges kalifornische Pferde, die
Brüder Skladanowsky und Lumière, Mélièsü Filmtricks, Bayreuths
Finsternisse, Münsterbergs psychotechnische Filmästhetik, die
Doppelgänger des Autorenfilms, das Pin up Henny Porten, die
Experimentalfilme der Luftaufklärung, Virilios Krieg und Kino, den Ton-
und Farbfilm, die Braunsche Röhre und die Nipkowscheibe, SECAM, PAL und
die V2, Apocalypse Now und HDTV.
Allez-hop. Ein Parcours quer durch die Geschichte, von den Techniken
bildender Künste in der Renaissance hoch zu den optischen Medien und dem
digitalen Fernsehen. Im Kittlerschen Sound. Heißt, Kittler steckt seine
Nase unterhaltsam, eloquent und extrem gut informiert in die üblichen
Dinge, die ihn was angehen. … Die überblickende Einleitung der Vorlesung
ist im übrigen eine gute Einführung für Kittlereinsteiger. Sie macht
klar mit welcher Perspektive, nach welchen Kriterien er seinen
historischen Zugriff strukturiert, der einen mit einer immensen Fülle an
Anekdoten und Diskursen versorgt. Und das soll ihm erstmal jemand
nachmachen (MERCEDES BUNZ in DE:BUG, Dezember 2002).
Schön edierte und in Buchform publizierte Vorlesungsmanuskripte haben
einiges für sich, wie in diesem Fall die Vorlesung des
Kulturwissenschaftlers Friedrich Kittler über Geschichte und Theorie
optischer Medien. [Kittlers Buch bietet] eine erzählende und
ausgesprochen unterhaltsame Darstellung eines unvermindert
anspruchsvollen Themas. Das Ergebnis ist einerseits Lichtjahre von
fernsehkompatibler Populärwissenschaft entfernt und liest sich
andererseits, die Phrase sei verziehen, spannend wie ein Krimi (AXEL
WERNER in die tageszeitung, 9. November 2002).
Kittler tut alles, um sich im Scheinwerferlicht zu bewähren. … Die
Vorlesung selbst, die, wie er sagt, "altmodisch offene Ohren" braucht,
wird als Buch zu einem optischen Medium, zu einem Ereignis, bei dem das
Schriftbild nachinszeniert, was Kittler im Hörsaal erzählt hat -
potenzierte Präsentation (ANDREAS PLATTHAUS in FAZ, 3. Dezember 2002).
Kittlers Vorlesung hat einen durchweg programmatischen Charakter für
die Geschichte und Neuorientierung einer ganzen Disziplin. Sie ist in
Gegenstand wie theoretischer Programmatik der Koexistenz der
Fachbereiche Medien- und Kunstgeschichte, Musik- und Theaterwissenschaft
an der Humboldt-Universität zu Berlin verpflichtet und leistet dies in
exemplarischer Weise. Kittlers Geschichte der optischen Medien brilliert
weniger durch eine Neuerschließung von bisher unbekannten Quellen und
Materialien als vielmehr durch eine konzise und in ihrer Zuspitzung zwar
durchaus angreifbare, aber immer pointierte Rekombination und zugleich
durch eine mitunter polemische Neubewertung von Forschungsergebnissen
unterschiedlicher Disziplinen (Bernd Stiegler in Frankfurter Rundschau,
9.10.2002)
Literatur zu Kittler und seinem Werk
Sekundärliteratur zu Friedrich Kittler:
- Frank Hartmann: Friedrich Kittler. In: Information Philosophie
25 (1997) 4, S. 40-44.
Biographie
Siehe
Friedrich Kittler.
Anmerkungen
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