Gernot Wersig schloss sein Studium der Fächer Publizistik, Soziologie
und Dokumentationswissenschaft 1967 mit dem Grad eines Magister Artium
(M.A.) ab. Von 1968-1977 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter
und Assistenzprofessor am Institut für Medizinische Statistik und
Dokumentation der Freien Universität Berlin.
1971 promovierte er zum Dr. phil. in Informations- und
Dokumentationswissenschaft, 1972 folgte die Habilitation in demselben
Fach.
1976 startet unter Leitung von Prof. Dr. Wersig das vom BMFT
finanzierten Drittmittelprojekt FIABID (Integrierte
Ausbildungskonzeption für den Tätigkeitsbereich Bibliothek, Information
und Dokumentation). 1977 wird Wersig Professor für
Informationswissenschaft an der Freien Universität Berlin; diese
Fachrichtung existierte in Berlin unter der Bezeichnung Informations-
und Dokumentationswissenschaft seit 1969 (Prof. Dr. Hans-Werner
Schober).
1982 liegt der Arbeitsschwerpunkt in der Durchführung des
Drittmittelprojekts INSTRAT (Informationssysteme als
informationspolitisches Gestaltungspotential und gesellschaftliche
Entwicklungsstrategie - Informationswissenschaftliche Grundlagen
organisierter Information und Kommunikation als Komponenten
individueller und gesellschaftlicher Problembewältigung), in dem die
Berliner Informationswissenschaft einige anhaltende inhaltliche
Weichenstellungen erfährt. Wersig kritisiert das BMFT als »Konkursabwickler«,
beklagt die einseitige Konzentration auf Informationstechnologien und
bescheinigt dem Ministerium »mangelnde Kompetenz, Phantasie [...]
und Mut«.
Die weiteren 80er Jahre sind gekennzeichnet durch eine Reihe von
Rückschlägen und anhaltende Kapazitätsengpässe in der Lehre; der
Strukturplan der FU Berlin sieht zwar die Ausstattung des Faches mit
zwei Hochschullehrern und mehreren Wissenschaftlichen Mitarbeitern vor,
diese Zusage wird jedoch nicht umgesetzt. Auch bei den Studierenden
finden Wersigs Vorstellungen nur begrenzte Zustimmung; so versucht
Wersig im Wintersemester 1986/87, den Aspekt der Informationskultur in
das Curriculum der Berliner Informationswissenschaft einzubringen, gibt
dies jedoch auf Wunsch der Studierenden wieder auf. Auch mit seinen
wirtschaftsliberalen Überzeugungen – Wersig ist Mitglied der FDP – eckt
er immer wieder an; so weist er anlässlich der Debatte um den
Information Highway darauf hin, man könne Infrastrukturen zwar eine
Zeitlang öffentlich fördern, das Ziel müsse jedoch die Marktfähigkeit
sein.
In dieser Zeit manifestiert sich Wersigs Interesse an Museen und
visueller Kommunikation in einer Reihe von Projekten wie Wirksamkeit
öffentlichkeitswirksamer Maßnahmen für Museen und kulturelle
Ausstellungen (1985-1987), Museums-Marketing in den USA (1988),
Museums-Marketing in Europa (1990-1991), Digitale Bilder in Museen
(1995-1996).
Von 1991-1995 amtierte er dort als Dekan des Fachbereichs
Kommunikationswissenschaften sowie von 1995-1997 als Geschäftsführender
Direktor des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
derselben Universität. Seit 1995 ist er Professor am Arbeitsbereich
Informationswissenschaft des Instituts für Publizistik- und
Kommunikationswissenschaft der FU Berlin. Die letzten Jahre des 20.
Jahrhunderts sind gekennzeichnet durch die Einstellung der
Informationswissenschaft an der Freien Universität Berlin; zum
Wintersemester 1995/96 werden letztmalig Studierende zugelassen, 1997
läuft das Grundstudium aus. Wersig setzt seine Publikationstätigkeit
jedoch fort und bringt die Themen wie die Systematik der Informations-
und Kommunikationstechnologien in die Publizistik ein, betrachtet jedoch
die deutsche Informationswissenschaft als gescheitert (»Fehlschlag«).
Gernot Wersig ist seit 1983 verheiratet mit
Petra Schuck-Wersig und
lebt in Berlin.
Gernot Wersigs Forschungs- und Interessenschwerpunkte liegen in den
Bereichen Informationsgesellschaft und Postmoderne, Informationstheorie,
Trendforschung, Freizeitforschung, Kulturforschung, Wissensforschung und
Wissensorganisation, Gestaltung von Softwareprodukten und
Software-Marketing, Theorie der visuellen Kommunikation,
Anwendungsfelder von Multimedia und Internet, Museumsforschung sowie
Bildforschung.