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Marshall McLuhan

Theorie : Akteure : PersonenMarshall McLuhan : Übersicht
01-Jun-2004/06-Feb-06


Übersicht

Herbert Marshall McLuhan (* 21. Juli 1911 in Edmonton, Alberta (Kanada); † 31. Dezember 1980 in Toronto) war ein Kommunikations- und Literaturwissenschaftler, Medientheoretiker, Medienkritiker und Publizist.

Leben

McLuhan studiert in Cambridge und Manitoba, wo er 1930 seinen ersten Artikel mit dem Titel "Macaulay – What a man!" in der Studentenzeitung veröffentlicht. 1973 konvertiert er zum Katholizismus. Ab 1951 unterrichtet er an verschiedenen Universitäten in der USA und in Kanada und veröffentlicht sein erstes Buch „The Mechanical Bride“. Um Arbeiten zu dem Thema „Sprache“ und „Medien“ zu veröffentlichen gründet er 1953 das Magazin „Explorations“. 1955 gründet McLuhan die Gesellschaft „Idea Consultans“ um kreative Ratschläge für Geschäftsleute anzubieten. 1962 erscheint sein Buch "The Gutenberg Galaxy" (deutsch: "Die Gutenberggalaxis") und danach 1964 sein zweites "Understanding Media".

McLuhan wird 1966 von der New York Times zitiert: "I predict a return of hot sauces to American cuisine. With color TV, the entire sensory life will take on a whole new set of dimensions". 1976 Veröffentlichung von dem Buch „The Medium Is The Massage“ (Hinweis: es handelt sich hier nicht um einen Druckfehler).

1967 erscheint McLuhan auf dem Titelbild der „Newsweek“. 1968 Gründung von „The Dew-Line Newsletter“, um seine Ideen zu verbreiten. 1977 wird das Buch „Take Today“ veröffentlicht, bei dem er Co–Autor ist. 1980 verstirbt McLuhan. 1995 wird „The Global Village“ (Das Globale Dorf) veröffentlicht, geschrieben mit Bruce Powers.

Zentrale Momente seiner Medientheorie

Mediengenealogie

Unterteilung der Menschheitsgeschichte in vier Epochen:

  1. »orale Stammeskultur«, »Welt des Ohres«;
  2. »literale Manuskriptkultur«, »ein Auge für ein Ohr«;
  3. »Gutenberg-Galaxis«, »visuelle Homogenisierung« der Wahrnehmung;
  4. »elektronisches Zeitalter«.

Weitere Kernthesen

  • Nicht die aus dem Inhalt zu entschlüsselnde Botschaft ist für eine Medientheorie relevant, sondern die aus dem Medium heraus entstehende Wirkung.
  • Die Wirkung eines Mediums liegt in der Art, wie es sinnlich wahrgenommen wird, daher ist Medientheorie auch Wahrnehmungstheorie.
  • Unterscheidung in „heiße Medien“, die lediglich einen Sinn erweitern und detailarme, „kalte Medien“, die aktive Ergänzung und Vervollständigung vom Rezipienten fordern.
  • Technische Entwicklungen (Medien) sind Ausweitungen des menschlichen Körpers, deren Zweck in der Entlastung, Verbesserung oder Ersetzung liegt.
  • Der Organismus reagiert auf diesen Vorgang mit „Amputation“: dem Verlust der Fähigkeit des Gebrauchs des Ersetzten.
  • Technische, vom Menschen erzeugte Entwicklung ist somit ein Akt der Selbstamputation, der in einem Zustand der durch den Schock verursachten Lähmung geschieht und Selbsterkenntnis ausschließt: Es fällt dem Menschen schwer Technik als ein Abbild seiner selbst zu erkennen.
  • Das Wahrnehmen der Welt sollte unter möglichst maximaler Beteiligung aller Sinne geschehen.

Zur Fotografie

McLuhan bezeichnet die Fotografie als »Brothel-without-Walls«, da er in ihr einen Aspekt der Prostitution entdeckt: Die Kamera tendiere – ebenso wie das Monokel – dazu, Menschen in Objekte zu verwandeln; die Fotografie erweitere und vervielfache dabei das menschliche Bild in Größenordnung einer in Massenproduktion gefertigten Ware (Understanding Media, S. 188 f.).

Die visuelle Syntax der Fotografie emergierte aus Vorläufertechnologien wie Holzschnitt und Kupferstich; ohne diese Vorläufer gäbe es keine Fotografie; diese Syntax sei im Verlauf der Entwicklung aus dem Druck, der telegrafischen Botschaft und der Malerei verschwunden, die Fotografie stellt also eine visuelle Form ohne Syntax dar (Understanding Media, S. 189 f.).

Die Fotografie spiegelt die äußere Welt automatisch und produziert dabei eine präzise reproduzierbares Bild; diese Qualität der Fotografie sei beinahe so bedeutend wie jene von Gutenbergs Erfindung, beide verursachten eine Art Paradigmenwechsel (McLuhan spricht von »break«); die Erfindung des Buchdrucks bewirkte einen massiven Einschnitt zwischen Mittelalter und Renaissance, während die Fotografie einen vergleichbaren Einschnitt zwischen das Zeitalter der mechanischen Industrialisierung und das grafische Zeitalter des elektronischen Menschen verursacht habe (»The step from the age of Typographic Man to the age of Graphic Man was taken with the invention of photography«; Understanding Media, S. 190).

Hier muss offensichtich eine Unterscheidung getroffen werden zwischen Gutenberg-ZeitalterGutenberg-Galaxis«, hier: »Typographic Man«) und verschiedenen Endpunkten dieser Gutenberg-Galaxis; das Ende der Gutenberg-Galaxis bildet bei McLuhan normalerweise der Wechsel des Leitmediums vom Buch zur Elektrizität, verkörpert durch die Telegrafie. Hier bildet das Zeitalter des »Graphic Man« offensichtlich einen weiteren entscheidenden Wendepunkt, der unabhängig ist von dem Leitmedium Elektrizität.

Die frühesten Versuche zur optischen Telegrafie wurden 1829 (von Müffling) in Berlin durchgeführt, die Ursprünge der elektromagnetischen Telegrafie gehen auf das Jahr 1936 zurück (Carl Friedrich Gauß, Karl August Steinheil). Die drahtlose Telegrafie entstand 1938 (ebenfalls Steinheil, offiziell durch Gugliemo Marconi). Samuel Morse eröffnete 1844 die erste Telegrafenleitung zwischen Washington und Baltimore. Zeitlich bewegt sich die Entdeckung der Telegrafie also exakt in derselben Epoche wie die offizielle Vorstellung der Fotografie (1839 in Paris).

In der Fotografie entdeckt McLuhan mit James Joyce einen »furchtbaren Nihilismus« sowie eine »Ersetzung der Substanz durch Schatten« (Understanding Media, S. 193).

Die Hilflosigkeit der literaten Kultur(en) gegenüber der Fotografie ist begründet in der Logik der Fotografie, die weder verbal noch syntaktisch sei (Understanding Media, S. 197). Dieses »statement without syntax or verbalization« sei eigentlich eine Aussage durch die Gestik, Mimik oder Gestalt (»gestalt« im Original deutsch; Understanding Media, S. 201).

Die stärksten Auswirkungen hatte die Fotografie auf die traditionellen Künste, deren Anliegen sich wandelte von einer Abbildung der äußeren Welt (»outer matching«) zu einer Präsentation des kreativen Prozesses im Künstler (»inner making«; Understanding Media, S. 194).

Eine weitere Wirkung der Fotografie ist die Umkehr des Zweckes des Reisens, der zuvor darin bestanden habe, das Unbekannte und Ungewohnte zu konfrontieren (Understanding Media, S. 197); mit Boorstin (ohne Quellenangabe) sei die Erfahrung des Reisens durch die Fotografie »diluted, contrived, prefabricated« worden (Understanding Media, S. 198; diesen Gedanken greift anderthalb Jahrzehnte später beispielsweise Susan Sontag wieder auf). Der Reisende werde passiv und Differenz zwischen Reisen und dem Blättern in einem Magazin oder dem besuch einer Kinoveranstaltung verschwinde. Dadurch entwickle sich die Welt zu einer Art Museum, in dem Objekte ausgestellt sind, denen der Reisende bereits zuvor in einem anderen Medium begegnet sei (a.a.O., S. 198); dies bezecihnet McLuhan als »Pseudoevent« (Understanding Media, S. 199).

Die Fotografie bewirkt, wie andere neue Medien auch, eine Beschleunigung. Beschleunigung wiederum ändert die Bedeutungmeaning«) [von was?], weil sie die Muster der persönlichen und politischen Abhängigkeiten verändere (Understanding Media, S. 199).

Um die Fotografie zu verstehen ist es erforderlich, die Beziehungen zu den anderen Medien zu berücksichtigen; das Entstehen eines neuen Mediums, also einer neuen Erweiterung unseres physischen und nervlichen Systems, bewirke eine Welt biochemischer Interaktionen, die immer nach einer Äquilibration steben, sobald ein neues Medium erscheine.

Die Selbstregulierung durch Äquilibration (ein von Piaget aus der Biologie entlehnter Begriff) meint die Aufhebung eines internen Spannungszustandes des Organismus durch diesen selbst.

McLuhan weist in diesem Gedankten wohl auf die Grundannahme kybernetischen und systemischen Denkens von inhärenten Wechselwirkungen hin, dass durch Prämierung eines Mediums immer die Abwertung eines anderen bewirkt wird.

Die Fotografie sei, wie auch die anderen visuellen Welten, Bereiche der Betäubung (Understanding Media, S. 202).

Publikationen

Siehe Publikationen von Marshall McLuhan.

Netmarks

Quelle

Ein Teil dieses Artikels stammt aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie.

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Stand: 09:40, 9. Mai 2004.

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