Siegfried Kracauer
Von Agon S. Buchholz
für Kefk Network
Fotografie.
Theorie : Akteure
: Personen : Siegfried
Kracauer : Übersicht
01-Jun-2004/06-Feb-06
Übersicht
Siegfried Kracauer, * 8. Februar 1889 in Frankfurt am Main
(andere Quellen: Halberstadt), † 26.
November 1966 in New York, Journalist (Frankfurter Zeitung), Publizist,
Soziologe und Filmhistoriker, Begründer der Filmsoziologie.
Biographie
Ausbildung und Frühwerk
Zwischen 1907 und 1913 studierte Kracauer in Darmstadt, Berlin und
München Architektur, daneben besuchte er Vorlesungen über Philosophie
und Soziologie. 1914 (1915?) promovierte er zum Doktor der
Ingenieurswissenschaften und arbeitete als Architekt in Osnabrück,
München und Berlin bis 1920.
1922 bis 1933 arbeitete er als leitender Film- und Literaturredakteur in
der Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Zeitung in Berlin, wo er u. a.
mit Walter Benjamin und Ernst
Bloch zusammenarbeitete. Zwischen 1923 und 1925 verfaßte er ein Essay
mit dem Titel Der Detektiv-Roman, in dem er sich mit einem
Alltagsphänomen der modernen bürgerlichen Gesellschaft (Rosenberg 1992)
beschäftigte.
Publizistische und journalistische Tätigkeit
In der Folgezeit beschäftigte sich Kracauer in Form von kleinen
Abhandlungen, den so genannten Miniaturen, intensiv mit den
Oberfklächenerscheinungen des modernen Alltagslebens wie Revue, Zirkus,
Sportveranstaltungen, Rummelplätzen, Fotografien, Filmen, Reklame,
Stadtlandschaften und Interieurs, Tourismus, Tanz usw. Den theoretischen
Hintergrund seiner Methode fomulierte Kracauer programmatisch in einem
seiner Schlüsselwerke, dem Ornament der Masse (1927).
Kracauer korrespondierte u.a. mit dem marxistischen Philosophen Ernst
Bloch und begann unter dessen Einfluss, sich ab etwa 1926 für die
Schriften Karl Marx' zu interessieren, und auch seine eigenen Schriften
spiegeln zunehmende Kapitalismuskritik wider.
1930 veröffentlichte Kracauer sein zweites größeres Werk, das Essay Die
Angestellten; er übernimmt die Feuilleton-Redaktion in Berlin und
heiratet Lili Ehrenreich. Aufgrund seiner zunehmend kritischen Haltung
nehmen die Differenzen mit der Chefredaktion der Frankfurter Zeitung zu.
In dieser Zeit nehmen Filmkritiken immer größeren Raum im Schaffen
Kracauers ein.
Pariser Exil
1933 wurde Kracauer aus politischen Gründen von der Frankfurter Zeitung
entlassen und emigrierte zunächst nach Paris; dort begann er 1934 mit
der Arbeit an seiner Offenbach-Biographie; seine journalistische Arbeit
trat in dieser Zeit in den Hintergrund. Ab 1936 arbeitete er jedoch
wieder mehr für Zeitungen wie die Neue Zürcher Zeitung und die Basler
NationalZeitung. 1937 erschien Jacques Offenbach und das Paris seiner
Zeit.
Kracauer begann nun, sich um eine Einwanderungserlaubnis und Anstellung
in den USA zu bemühen. 1939 wurde er interniert, ein Jahr später gelang
es ihm jedoch, über Marseille und Lissabon in die USA auszureisen.
Tätigkeit als Soziloge und Filmwissenschaftler in den USA
Von 1941 bis 1943 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im
Museum of Modern Art in New York. Gleichzeitig arbeitete er, unterstützt
durch Stipendien der Rockefeller- und der Guggenheim-Stiftung an seiner
Geschichte des deutschen Films.
Im amerikanischen Exil arbeitete Kracauer zwischen 1949 und 1959,
basierend auf seinen Erfahrungen mit dem Film der 20er und 30er Jahre,
an seiner Filmtheorie (Theory of Film. The Redemption of Physical
Reality, 1960) und an From Caligari to Hitler. A Psychological History
of the German Film (1947).
In den letzten Jahren seines Lebens arbeitete Kracauer überwiegend als
Sozialwissenschaftler für verschiedene Institute, darunter in New York
als Forschungsdirektor für Angewandte Sozialwissenschaften an der
Columbia University. Er starb 1966 in New York an den Folgen einer
Lungenentzündung.
Werk und Bedeutung
Kracauer analysierte und kritisierte die Phänomene der modernen
Massenkultur. Er verwendete dafür die von ihm entwickelte Methode der
Aufrichtung des Allgemeinen, welches wirklich im Raum des Konkreten
vorkommt. Niedergelegt in Form so genannter Miniaturen zeichnete er
seine scheinbar belanglosen Detailbeobachtungen auf. Dieser Ansatz ist
von der Idee her induktiv und enthält phänomenologische Elemente.
Obenflächenerscheinungen sind für Kracauer all die Beoachtungen, die er
im Alltagsleben seiner Mitmenschen anstellen und in Formliterarischer
Miniaturen festhalten kann; sie unterscheiden sich von den Angaben der
Epoche über sich selbst wie Statistiken, Kommantare oder politische
Debatten, vor allem dadurch, dass sie weniger kontrolliert, weniger
organisiert, weniger intendiert (Mülder 1985) sind.
Sein spezielles Interesse galt insbesondere bis dahin wenig beachteten
kulturellen Bereichen wie dem Kino, dem Sport, der Operette, dem Zirkus
und dem Großstadtleben. Berühmt wurde er durch seine Filmkritiken und
seine Filmtheorie; für Kracauer stellt der der Film einen Spiegel
gesellschaftlicher Zustände und Wunschvorstellungen dar.
Theodor W. Adorno sah in Kracauer einen der wichtigsten Anreger für
seine eigenen kulturphilosophischen Arbeiten.
Auch Kurt Tucholsky schätze Kracauers Schriften als erstklassiges
wissenschaftliches Erzeugnis: Statt dessen lest lieber die gerade
aufsehenerregende Serie Kracauers in der "Frankfurter Zeitung": "Die
Angestellten", ein breit angelegter Versuch eine wahrhaft modernen
Soziologie. Ein Schritt in unbebautes Neuland, von bestem Instinkt
geleitet (Kurt Tucholsky, "Auf dem Nachttisch").
Publikationen
Siehe
Publikationen von Siegfried Kracauer.
Quelle
Dieser Artikel wurde am 12. Dezember 2003 erstmals in der
deutschsprachigen
Wikipedia veröffentlicht.
Wikipedia:
Artikel |
Versionen |
Bearbeiten |
Diskussion |
Backlinks |
Drucken.
Stand: 11:34, 10. Jun 2004.
Lizenz: GNU Free
Documentation License (GNU FDL).
Anmerkungen
|