Die Belichtungsmessung mit dem Belichtungsmesser in der
traditionellen, nichtautomatisierten Fotografie an sich ist
sinnvollerweise vom ähnlichen Begriff der Lichtmessung zu unterscheiden,
die in dieser Systematik der Objektmessung gegenüber steht.
Begriff: Belichtungsmessung ist ein allgemeiner übergreifender Begriff,
die Verfahren bei der Belichtungsmessung sind Licht- und Objektmessung.
Belichtungsmesser arbeiten auf der Basis der Grau- oder Tonwerte, wie es
in der Schwarz-Weiß-Fotografie heißt, nicht auf der von Farbtönen, die
ebenfalls Grauwerte aufweisen. Gute Belichtungsmesser messen auch
Blitzlicht.
- Zur Lichtmessung wird vom Objekt/ Motiv in Richtung Kamera das auf
das Objekt fallende Licht gemessen. Dazu muss das Messgerät, der
Belichtungsmesser, speziell ausgerüstet sein und über Kalotte oder
Diffusor verfügen, die als weiße Halbkugel oder Jalousie über die
Messzelle geschoben werden. Von dem auf das Motiv fallende Licht lässt
sich auf die Lichtreflexion in Richtung Kamera schließen. Dieses
Messverfahren ist primär vom Licht abhängig, aber weniger vom Motiv.
- Bei der Objektmessung wird (bei meist 30° Messwinkel eines normalen
Belichtungsmessers) von der Kamera aus zum Objekt/ Motiv hin dessen
Lichtabstrahlung (Remission) ermittelt. Dabei kann ein Spotmesser mit
1-5° Messwinkel helfen oder allein genutzt werden; bei Spotmessungen,
auch bei mehreren Lichtern (z. B. im Fotostudio), wird dann aus den
einzelnen Messungen ein Mittelwert gewonnen. Dieses Verfahren ist primär
vom Lichteinfall auf das Motiv und von dessen Lichtabstrahlung abhängig.
Letztere muss zusätzlich analysiert und bewertet werden.
Die gemessene Einheit bei der Belichtungsmessung ist die
Belichtungsstufe, die auf verschiedenen Normungen beruht; sie wird nicht
absolut, sondern als Referenzwert zum sog. Mittleren Neutralgrau
(Graukarte, s. u.) angegeben. Belichtungsstufen sind verschieden
auszudrücken: eine Blendenstufe (Durchlassöffnung des Lichts durch das
Objektiv) entspricht einer Zeitstufe des Kameraverschlusses oder einer
Empfindlichkeitsstufe des Films.
Ein Belichtungsmesser sagt nicht, wie ein Bild richtig zu belichten ist,
angegeben wird nur, wie ein Motiv bzw. ein Teil des Motivs zu belichten
ist, um es auf dem Film in Mittlerem Neutralgrau erscheinen zu lassen.
Und da der Wert auch nicht absolut benannt wird, sondern in Relation zum
Referenzwert des Mittleren Neutralgraus (und zum eingestellten Filmtyp
und zur Zeiteinstellung des Verschlusses), wird beispielsweise
angegeben, welche Blende dafür einzustellen ist (oder welche
Verschlusszeit).
Mittleres Neutralgrau zeigt eine Fläche dann, wenn sie eine
Lichtabstrahlung von 18% ausweist; das ist der Mittelwert der Remission
von ganz Weiß bis ganz Schwarz. Diese Remission von 18% ist als
Durchschnitt einer normalen Landschaftsaufnahme zur allgemeinen Normung
geworden. Auch alle Farben haben Grauwerte, was bei der Übersetzung
eines Farbbildes in eines mit Grauwerten (Schwarz-Weiß-Fotografie)
wirksam wird.
Als Hilfsmittel bei der Objektmessung gibt es die Graukarte von Kodak
oder anderen, die im Objekt/ Motiv ersatzweise angemessen werden kann,
wenn das Motiv selbst aus zu vielen unterschiedlichen Grauflächen
besteht. Sie ist neutral-grau ohne Farbstich und gibt die Remission mit
18% wieder, strahlt also 18% des einfallenden Lichts zurück. Das gleiche
macht sinngemäß die Kalotte oder der Diffusor für Lichtmessung bei
Handbelichtungsmessern, die als weiße Halbkugel (oder Jalousie) über die
Messzellen der Geräte geschoben werden; sie lassen nur 18% des Lichtes
durch. Die Remission wird dabei also vom Belichtungsmesser intern
berücksichtigt.
Für die Praxis: misst der Belichtungsmesser bei der Objektmessung von
der Kamera zum Objekt/ Motiv - zum Beispiel über einen Spotmesser mit
nur 1 - 5° Seh-Winkel - den Belichtungswert einer weißen Fläche im Bild,
dann gibt der erhaltene Wert jene Einstellungen der Kamera an, die nötig
sind, um dieses Weiß des Objekts in Neutralgrau auf den Film zu bannen,
und eben nicht als Weiß (Problem: Schneelandschaft).
Und genauso ist es bei Schwarz (Problem: Kohlenhalde). Erst beim
durchschnittlichen Motiv, wie einer normalen Landschaft, kann der
Mittelwert aller hellen und dunklen Bereiche wahrscheinlich als gültig
und optimal angesehen werden; sonst muss der gemessene Wert, auch der
Mittelwert, korrigiert werden.
Bei der Lichtmessung dagegen ist der ermittelte Wert geeignet, Weiß als
Weiß und Schwarz als Schwarz abzulichten. Aber auch das gilt nur, wenn
der Belichtungsumfang des Motivs nicht größer ist als der des Films und
der Mittelwert auch die Mitte bezeichnet. Sonst muß auch in diesem Fall
korrigiert werden, in welchen der beiden Grenzbereiche des Motivs der
Films verschoben werden soll (sog. highkey- bzw. lowkey-Bilder).
Die Belichtungskorrektur (besonders bei der Spotmessung von kleinen
Teilen des Motivs) hängt vom benutzten Film und der Lichtsituation ab.
Die normal belichtete Welt kann - in Anlehnung (!) an das Zonensystem
von Ansel Adams - als in neun Belichtungsstufen einteilbar angesehen
werden, die eine schwach sichtbare Zeichnung (!) noch im Film aufweisen,
und dazu kommen die Stufen ganz Schwarz und ganz Weiß ohne Zeichnung.
Moderne Filme können in einer Aufnahme jedoch nur maximal (!) einen
Belichtungsumfang von fünf Stufen bei Diafilmen und sieben Stufen bei
Negativfilmen wiedergeben (im Buchdruck sind es drei). Mit dem
gemessenen Referenzwert wird also nur ein Ausschnitt von vier bis fünf
Stufen aus dem Motiv mit vielleicht neun Stufen abbildbar.
Ohne Korrektur werden die mittleren Belichtungsstufen mit Zeichnung im
Bild wiedergegeben, die ganz hellen und die ganz dunklen Stellen werden
zeichnungslos Weiß oder Schwarz. Soll aber der eher hellere oder
dunklere Bereich des Motivs mit Zeichnung dargestellt werden, so ist der
vom Belichtungsmesser erhaltene Wert zu korrigieren (low key/ high key).
Um ein helles Weiß oder ein dunkles Schwarz noch mit Zeichnung auf dem
Film zu zeigen, sind jeweils Korrekturwerte von bis zu zwei
Belichtungsstufen nötig: für Weiß wird gegenüber dem Messwert die Blende
weiter geöffnet, für Schwarz weiter geschlossen, damit aus dem sonst
stattdessen abgebildetem Neutralgrau für Weiß oder Schwarz auf dem Film
der richtige Tonwert entsteht.

Abbildung: Neun Grauzonen - Lars Hennings, lizenziert unter der GNU FDL.
Die Skizze zeigt neun Grau-Zonen. Der Belichtungsmesser zeigt immer
an, wie auf dem Film Mittleres Neutralgrau, das ist Zone V (fünf),
erreicht wird. Mal ist es heller, mal dunkler, so dass ganz
unterschiedliche Angaben beispielsweise für die nötige Blende gemacht
werden, wie das unter der Skizze in zwei Beispielen gezeigt ist. Sind
Belichtungsumfang vom Motiv und vom Film gleich (hier fünf Zonen), kann
dennoch eine Korrektur nötig sein, wenn der Mittelwert für das Motiv
nicht Zone V ist (hier Korrektur 1 Bl.). Wird ein helleres Hauptmotiv,
wie ein Portrait, vor diesem Hintergrund fotografiert, ergibt sich mglw.
eine andere Korrektur und der Hintergrund des Motivs wird besonders
dunkel.
Eine Belichtungskorrektur bedarf auch die Verlängerung des Balgens der
Fachkamera oder des Auszugs anderer Objektive (!) bei Nahaufnahmen, wenn
nicht durch die Linse gemessen werden kann.
Korrekturfaktor der Belichtung beim (Balgen-) Auszug = (Auszug/
Brennweite)2 (= zum Quadrat)
Beim Objektiv 180 mm und einem Auszug von 360 mm insgesamt kommt dabei
also raus: (360/ 180)2 = 4. Das bezieht sich auf die Zeit; statt mit
einer Belichtung von 1/60 s wäre also 1/15 s zu wählen (bei
Dauerlicht!). Das sind zwei Blendenstufen, die weiter zu öffnen sind,
oder es muß entsprechend mehr Licht vorhanden sein (Blitzlicht). Bei
wegen des Schärfebereichs vorgegebener Blende ist dann entsprechend mehr
Licht zu machen.