Sinar feierte im September 1998 ihr 50jähriges Bestehen; genau 50
Jahre zuvor, am 10. September 1948, verkaufte der Schweizer
Fotograf Carl Koch das erste Exemplar einer völlig neuartigen
Fachkamera. Die Geschichte der Sinar ist jedoch zugleich eine recht
spannende Familiengeschichte, die rund weitere hundert Jahre früher
begann.
Als Carl August Koch 1845 in Zürich geboren wurde, war die in
Paris erfundene Fotografie gerade seit sechs Jahren bekannt. Koch
verliess als Zwanzigjähriger die Schweiz, um in der französischen
Hauptstadt diese neue Kunst des Bildermachens zu erlernen. 1879
eröffnete er in Schaffhausen sein erstes fotografisches Atelier und
legte damit den Grundstein für die Fotografendynastie Koch. In jeder der
nachfolgenden Generationen fand sich seit damals ein Nachkomme, der das
väterliche Geschäft übernahm.
Der spätere Erfinder der Sinar, Carl Koch (geboren 1916),
störte sich daran, dass noch immer vorwiegend mit der Holzkamera und dem
schwarzen Tuch fotografiert wurde. Es fehlte seiner Meinung nach an
einem professionellen Gerät, das sich mit einem Baukastensystem
aufgabenspezifisch kombinieren und so optimal einsetzen liess. Die
neuartige professionelle Kamera nahm nach Ideen und Zeichnungen als
Prototyp immer konkretere Formen an. Erste Patente wurden erteilt. Dann,
1947, konnte Carl Koch die welterste, verstellbare Systemkamera auf
optischer Bank seinen erstaunten Fotografenkollegen vorstellen. Ein Jahr
danach wurden die ersten acht in Serie gefertigten Sinar Norma-Kameras
ausgeliefert.
Die Sinar p setzte 1970 einen weiteren Meilenstein in der
Geschichte der Firma Sinar. Sie war die erste Fachkamera mit
asymmetrischen Schwenkachsen – eine technische Raffinesse, welche sich
auf die Arbeit der Berufsfotografen vereinfachend und zeitsparend
auswirkt.
Gleichzeitig trat Hans-Carl Koch (geboren 1941) in den neuen
Fabrikationsbetrieb in Feuerthalen ein. Von seinen in den USA
gesammelten Erfahrungen profitiert bis heute ein sorgfältig ausgewähltes
Team von Kadermitarbeitern in Entwicklung, Fabrikation und Controlling.
1978 verwendete Sinar als welterster Kamerahersteller
Mikroprozessoren im damals revolutionären Digitalverschluss und dem
Belichtungsmodul, welches mit selektiver Belichtungsmessung in der
Filmebene höchsten Bedienungskomfort und Automatik nach Mass brachte.
In den frühen achtziger Jahren rüstete das Unternehmen in Feuerthalen
auch fertigungstechnisch auf, indem neue, CNC- gesteuerte Maschinen mit
einer wesentlich höheren Präzision und gesteigerter Produktivität einen
Qualitätssprung möglich machten, der sich schon bald als wichtige
Voraussetzung für künftige Produkte erweisen sollte.
Die technologische Entwicklung im Bereich der Elektronik stellte für
Hans-Carl Koch und sein Entwicklungsteam eine völlig neue
Herausforderung dar. Unter seiner Geschäftsleitung wurde 1990 die
Sinar e als welterste, voll elektronische Fachkamera präsentiert.
Wie in anderen Bereichen zeichneten die Fortschritte der Elektronik
auch für die Fotografie der Zukunft völlig neue Wege auf: Eine neue,
digitale Welt offenbarte sich den Fotografen, zwar noch umstritten und
fragwürdig, aber doch als Trend nicht zu übersehen. Sinar erkannte
diesen Trend frühzeitig und setzte 1993 mit einem ansetzbaren
Digitalrückteil ein klares Zeichen für die digitale Zukunft.
1992 trat Carl J. Koch (geboren 1966) nach einem Studium in
den USA als Marketingleiter in das Familienunternehmen ein. Als
leidenschaftlicher Fotograf war er massgeblich an der Einführung der
Digitalkamera Sinarcam beteiligt. Auch die jüngste Entwicklung,
der Digitalrückteil Sinarback, der im eigenen Betrieb gefertigt
wird, geht massgeblich auf Anregungen von Carl J. Koch zurück, und mit
dem Trend zur digitalen Fotografie dürfte ein weiterer
Generationenwechsel im Hause Sinar bevorstehen.
Quelle: FOTOintern,
www.fotoline.ch/FOTOintern/98-15/sinar.htm (modifiziert).