Auch die Palette an Belichtungsfunktionen ist relativ komplett. Über das
rechte der beiden Einstellräder kann das Belichtungsprogramm gewählt werden;
zur Verfügung stehen Zeitvorwahl (Blendenautomatik; "S" für Shutter) und
Blendenvorwahl (Zeitautomatik; "A" für Aperture), Programmautomatik ("P" für
Program) sowie manuelle Belichtungssteuerung ("M" für Manual).
Die Programmautomatik ist voll shiftbar, sobald die Individualfunktion 18
auf den Wert "2" gesetzt ist. Der so genannte "kreative Programmshift"
bedeutet, dass mit den hinteren beziehungsweise vorderen Wahlrädern die von
der Programmautomatik bestimmte Zeit-/Blendenkombination beliebig
"verschoben" werden kann; die Dynax 9 kennt dabei zwei Shift-Modi:
Verschlusszeitenpriorität (PS) und Blendenpriorität (PA). In Verbindung mit
der Belichtungskorrektur (linkes Einstellrad) würde der Fotograf auch beim
Fotografieren mit Programmautomatik die volle Kontrolle über die Belichtung
erlangen – wenn die Kamera den Programm-Shift nicht deaktivieren würde,
sobald eine Belichtungskorrektur eingestellt wird.

Motivprogramme bietet die Dynax 9 angesichts ihrer Ausrichtung auf
professionell arbeitende Fotografen nicht. Die Belichtungsprogramme sind –
verglichen mit älteren Kameragenerationen recht ausgefeilt. Sie
berücksichtigen neben Motivhelligkeit und Objektivdaten auch die Art des
Motivs; mit Fuzzy-Logik versucht die Kamera, typische Motivsituationen wie
Landschafts-, Porträt-, Nah- oder Sportaufnahmen zu erkennen.
Als Belichtungsmessarten stehen Spotmessung, Integralmessung sowie
"intelligente" 14-Zonen-Belichtungsmessung zur Auswahl, die durch einen
Dreiwegschalter an der rechten Rückseite komfortabel mit dem Daumen
umgeschaltet werden können. Die Spotmessung wird im Sucher durch einen
Spot-Meßkreis mit einem Durchmesser von 5,5 Millimeter markiert. Er erfasst
etwa 2,7 Prozent der Bildfläche und ermöglicht so eine äußerst präzise
Belichtungsmessung. Mit der AEL-Taste (engl. für Auto Exposure Lock) kann
der Spot-Meßwert gespeichert und anschließend der Bildausschnitt beliebig
gewählt werden. Die mittenbetonte Integralmessung bringt 80 Prozent der
gemessenen Belichtung aus dem Bildzentrum sowie 20 Prozent aus den
umgebenden Bereichen ein.
Die Mehrzonenbelichtungsmessung (Honeycomb- oder Wabenmessung) misst in 13
sechseckigen Wabensegmenten und einem Hintergrund-Segment; sie ist an den
Autofokus gekoppelt und gewichtet die als bildwichtig erkannten Segmente
über Fuzzy-Logik. Dieser Meßmodus kann komplizierte Aufnahmesituationen wie
Gegenlicht oder hohe Motivkontraste erkennen, sicherer ist jedoch immer eine
gezielte Spotmessung. Der Dynax 9 fehlt eine spezielle Lichter- oder
Schattenmessung, wie sie noch die Minolta 9000 besaß.
Statt dessen muss die manuelle Belichtungskorrektur bemüht werden, die über
das linke der beiden Einstellräder um +/- 2 beziehungsweise +/- 3 EV
modifiziert wird. Einen mit der Lichter- und Schattenmessung der Minolta
9000 vergleichbaren Effekt erzielt man durch Einsteuern von etwa +/- 2 1/2
Belichtungsstufen (EV). Die Schrittweite der Belichtungskorrektur kann durch
Anheben und Drehen des Belichtungskorrekturrades um 180° zwischen 0,3 und
0,5 EV umgeschaltet werden; das Einstellrad kann dabei mit einem Sperrhebel
arretiert werden.

Neben der normalen Belichtungskorrektur verfügt die Dynax 9 auch über eine
Blitzbelichtungskorrektur. Diese wird über einen Drehring unterhalb des
Einstellrades für die Belichtungskorrektur adjustiert. Im Gegensatz zu der
letzteren kann dieser Drehring jedoch nicht arretiert werden.
Eine Spezialität der Dynax 9 ist der Belichtungsindikator, der als Skala
rechts in den Sucher eingeblendet wird. Er zeigt auf einer Skala die
Differenz zwischen einem fixierten Messwert und der aktuellen Messung. Eine
derartige Funktion ist bekannt von Handbelichtungsmessern, aber bisher
einzigartig bei einer Spiegelreflexkamera.