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Einführung in Grossformatkameras

Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Fotografie.

Kameras : Grossformatkameras : Einführung : Übersicht
16-Mar-1998/08-Jan-06


Übersicht

Grossformatkameras sind eine Kategorie, die nach dem verwendeten Filmformat unterscheidet; sie nutzen Planfilm, also einzelne Blätter auf einem verhältnismässig starken Trägermaterial; das Format ist i.d.R. grösser als bei Rollfilm.

Planfilm wird in Kassetten eingelegt; in speziellen Kassetten kann auch 120er und 220er-Rollfilm genutzt werden. Üblich sind jedoch Formate wie 6x9cm bis 18x24cm und grösser. Einzelaufnahmen können einzeln entwickelt werden, schnelle Bildserien sind prinzipbedingt jedoch nicht möglich.

Abbildung: Fachkamera. Dieses Bild entstand im Juni 1995 während der Verhüllung des Berliner Reichstags durch Christo. Es zeigt einen Fotografen mit einer Fachkamera, die auf einem stabilen Stativ aufgebaut ist. Vor seinem Bauch hängt ein Hand-Belichtungsmesser, den man in solchen Situationen immer braucht, zumal eine Fachkamera keinen eingebauten Belichtungsmesser hat. Die Kamera ist so verstellt, dass stürzende Linien bei der Aufnahme des verhüllten Reichstags vermieden werden.

Bauformen

Grossformatkameras werden in in folgenden Bauformen angeboten:

  • Laufboden-Grossformatkamera mit Messucher und dreifachem Bodenauszug;
  • Einformat-Fachkamera auf optischer Bank;
  • Mehrformat-Fachkamera auf optischer Bank.

Bestandteile

Grossformatkameras haben folgende Bestandteile:

  • Den Laufboden bzw. die optische Bank (ein Rohr oder eine stabile Schiene) auf der beweglich montiert sind:
  • die Frontstandarte nimmt die auswechselbare Objektivplatte auf;
  • die Bildstandarte trägt die Mattscheibe zur Einstellung und nimmt während der Aufnahme die Kassetten oder Filmmagazine auf.
  • Beide Standarten sind durch einen lichtdichten Einstellbalgen aus Leder oder Nylon verbunden;

Die Scharfstellung erfolgt durch Veränderung des Abstandes der beiden Standarten voneinander.

Einstellmöglichkeiten

Grossformatkameras bieten umfangreiche Verstellmöglichkeiten:

  • Höhen- und Tiefenverstellung,
  • Seitenverstellung,
  • Zentralschwenkung,
  • Vertikalschwenkung,
  • Basisschwenkung.

Diese Verstellmöglichkeiten setzen Objektive mit einem besonders grossen Schärfekreis voraus und ermöglichen eine sehr weitreichende Kontrolle über die Perspektive und Schärfentiefe.

Objektive sind verfügbar im Bereich von etwa 16mm bis 600mm; sie sind in Objektivplatten montiert und werden u.a. angeboten von Schneider und Rodenstock. Ernst A. Weber (1997: 91 f.) unterscheidet drei Arten von Objektiven:

  • Lichstarke Objektive (Lichtstärke 1:2,8-1:3,5),
  • Objektive mit grossem Bildkreisdurchmesser (Lichtstärke 1:5,6-1:8) und
  • Spezialobjektive für anwendungsgebiete wie Makro- und Portraitfotografie (z.B. Makro-, Weichzeichner- und Reporobjektive).

Diese Verstellmöglichkeiten setzen Objektive mit einem besonders großen Bildkreis voraus und ermöglichen eine sehr weitreichende Kontrolle über die Perspektive und Schärfentiefe. Die kontrollierte Schärfentiefeneinstellung nach Scheimpflug ist eine Spezialität von Fachkameras.

Objektive

Objektive sind verfügbar im Bereich von etwa 36 mm (für Filmformat 6/ 12 cm; 47 mm für 4 x 5 inch) bis 1.200mm. Die Fachkameraobjektive sind auf Objektivplatten montiert und so auf das jeweilige maximale Filmformat abgestimmt, dass das Aufnahmematerial noch im Luftbild/Bildkreis (bis Durchmesser 50 cm) des Objektivs verschoben werden kann.

Wie im Kleinbildbereich, so unterscheidet man auch bei den Fachobjektiven:

  • Weitwinkelobjektive,
  • Normalobjektive,
  • langbrennweitige Objektive.

Diese Einteilung bezieht sich auf das jeweilige Aufnahmeformat. Beim Bildformat 9x12 cm sind Objektive von 135 mm oder 150 mm Brennweite als Normalobjektive anzusprechen. Objektive mit kürzerer Brennweite haben bei diesem Format einen größeren Blickwinkel, es sind Weitwinkelobjektive. Längere Brennweiten haben einen entsprechend kleinen Blickwinkel.

Außerdem gibt es Teleobjektive. Im Gegensatz zu normalen "langen Brennweiten", deren Auszug (Abstand zwischen Filmebene und Objektivhauptebene) etwa der Brennweite entspricht, erfordern Teleobjektive durch eine besondere Linsenkombination einen kürzeren Kameraauszug. Bei den Fachobjektiven wird dieses Konstruktionsmerkmal beim Objektivnamen schon durch den Zusatz "Tele" verdeutlicht, z. B. Tele-Xenar (Hersteller: Schneider-Kreuznach).

Fachobjektive wurden von so namhaften Herstellern wie Carl Zeiss, Rodenstock, Voigtländer oder Schneider-Kreuznach gebaut. Auch Nikon stellt Objektive für Großformatkameras her. Heute ist die Produktions stark eingeschränkt, da die großen Aufnahmeformate kaum noch verwendet werden. Der enorme Fortschritt bei der Entwicklung immer feinkörnigerer Filmemulsionen, die auch schon im Mittelformat (45x60, 60x60 und 60x90 mm) hervorragenden Detailreichtum zeigen, läßt das klassische Großformat aussterben.

Die Belichtungszeit bei Aufnahmen mit Großformatobjektiven werden entweder über eingebaute Zentralverschlüsse oder über einen Hinterlinsenverschluss gesteuert. Der Zentralverschluss ist im Objektiv - zwischen dem Vorderglied und dem Hinterglied - eingebaut, das bedeutet, dass jedes Objektiv grundsätzlich einen eigenen Verschluss benötigt. Der Hinterlinsenverschluss befindet sich hinter dem Aufnahmeobjektiv an der Kamera. Die entsprechenden Objektive besitzen keinen eigenen Verschluss, sondern in der Regel nur eine Blendenmechanik. Die Verschlüsse für Großformatobjektive werden heute überwiegend vom japanischen Hersteller Copal gebaut.

Ernst A. Weber (1997: 91 f.) unterscheidet drei Arten von Objektiven:

  • Lichstarke Objektive (Lichtstärke 1:2,8-1:3,5),
  • Objektive mit großem Bildkreisdurchmesser (Lichtstärke 1:5,6-1:8) und
  • Spezialobjektive für Anwendungsgebiete wie Makro- und Portraitfotografie (z.B. Makro-, Weichzeichner- und Reporobjektive).

Anbieter

Zu den bekanntesten Anbietern von Großformatkameras gehören u.a. Horseman, Sinar und Linhof. Siehe hierzu Anbieter von Grossformatkameras.

Bedeutung

Schärfe, Farbenreichtum, Tonabstufungen und Detailreichtum von Grossformat-Fotografien sind allen kleineren Formaten überlegen; daher ist das Hauptanwendungsgebiet von Grossformatkameras wohl auch die von Fachfotografen durchgeführte anspruchsvolle Architektur und Industrie-/ Produktfotografie.

Andreas Feininger weist darauf hin, dass die Arbeit mit Grossformatkameras im Vergleich mit Kleinbildkameras schwerer und zeitraubender in der Bedienung sei; dennoch erweise sich "als beste Kamera die größte [...], die unter den betreffenden Aufnahmeumständen gerade noch zufriedenstellend zuhandhaben ist" (2001: 51).

Einer der bekanntesten Fotografen, der Grossformatkameras nutzte, war der amerikanische Landschaftsfotograf Ansel Adams.

Literatur

  Hermann Brix: Großformat-Fotografie. Lindemanns, Oktober 2003, 128 Seiten. Preis bei Amazon.de: EUR 39,80
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Andreas Feininger: Andreas Feiningers große Fotolehre (2. Aufl. [Neuausgabe]). Heyne, München: 2001 (Taschenbuch). Preis: ca. EUR 13,-
Besonders lesenswert: "Der Film", S. 92 ff.; "Die Kamera", S. 30 ff.
Amazon.deBestellen (zusammen mit Feiningers Die hohe Schule der Fotografie versandkostenfreie Lieferung).
Andreas Feininger: Die hohe Schule der Fotografie. Heyne, München: 1996 (Taschenbuch). Preis: ca. EUR 9,-
Amazon.deBestellen (zusammen mit Andreas Feiningers große Fotolehre versandkostenfreie Lieferung).
  Richard Grittner: Handbuch der Kamerakunde - Objektive, Kameras, Zubehör, Vergrößerungsgeräte, Bildwerfer. Verlag Luitpold Land, München, 1958, 650 Seiten.
  Richard Grittner: Handbuch der Kamerakunde. Erg.-Bd. 1. Verlag Luitpold Lang, 1961, 94 Seiten.
  Sidney Ray: Fotografieren mit Mittel- und Großformat. Stuttgart: Strache Vlg., 1981. 201 Seiten. Preis beim Bezug über Amazon.de: ca. EUR 9,-
Amazon.deBestellen (ggf. fallen Versandkosten an).
  Kurt Dieter Solf: Fotografie - Grundlagen - Technik - Praxis. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1986 (Neuauflagen 1988 u.a.), 445 Seiten.
Bild Ernst A. Weber: Fotopraktikum (3. überarb. u. erw. Aufl.). Birkhäuser Verlag, 1997 (gebundene Ausgabe). Preis: ca. EUR 51,-
Besonders lesenswert: "Kamerasysteme: Grossformat", S. 90 ff.; "Scharfeinstellhilfen: Mattscheiben-Kamera", S. 26.
Amazon.deBestellen (versandkostenfreie Lieferung).

Netmarks

Wikipedia: Funktionsweise eines Fotoapparats,
de.wikipedia.org/wiki/Großformatkamera.

Foto-Net: Grossformat, von Franz-Manfred Schüngel,
www.foto-net.de/net/kameras/gross.html.

Quelle und Lizenz

Einen Teil dieses Textes habe ich in der Version vom 03:25, 2. Dez 2003 der Wikipedia als Textspende zur Verfügung gestellt. Der Wikipedia-Artikel und seine Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.

Bildquellennachweise:

  • Fachkamera - de.wikipedia.org; Lizenz: GNU FDL; Fotograf: Arne List; Aufnahmedaten: Nikon F, AF Nikkor 80-200 mm f2,8, Kodak Ektapress Multispeed.
  • Weiteres Bildmaterial: Promotionmaterial © Amazon.de

Anmerkungen

Forum: Fotografie : Grossformatkameras allgemein (Anmerkungen in diesem Forum: 2)

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field camera view camera(anonymous)Okt 6, 21:06
AW: field camera view camerafield kameras sind bei uns als Laufbodenkameras bekannt, die view camera nennt sich Monorail.Okt 31, 21:27
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