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Geschichte der Negativ-Verfahren
Geschichte :
Technologie : Verfahren
: Negativ-Verfahren : Übersicht
28-Jun-2004/07-Feb-06
Übersicht
Bei Negativ-Verfahren verändert sich das Material umgekehrt dem
Helligkeitsgrad und der Farbe des Lichtes: Dunkles wird hell, Helles
wird dunkel. Um ein für den Menschen originalgetreues Bild zu erhalten,
muss der Prozess dann noch einmal umgekehrt werden
(Negativ-Positiv-Verfahren).
Frühgeschichte der Negativ-Verfahren
Den frühen Positiv-Verfahren wie
der Daguerreotypie fehlte noch ein entscheidendes Merkmal der
modernen Fotografie: die Vervielfältigungsmöglichkeit der
fotografischen Aufnahmen. Daguerreotypien blieben stets Unikate.
Dieses Defizit behoben die
Negativ-Verfahren.
Kalotypie (Calotypie, Talbotypie)
1835
entwickelte William Henry Fox Talbot (* Melbury House
[Dorset] 1800, † Lacock Abbey bei Chippenham [Wiltshire] 1877), ein englischer
Privatgelehrter, die Grundlagen des
Negativ-Positiv-Verfahrens, das er als Kalotypie oder
auch »Pencil of Nature« bezeichnet. Dabei handelt es sich
um eine positive Salzpapierkopie vom Papiernegativ, mit der man beliebig
viele Kopien herstellen kann.
Siehe Kalotypie.
Steinheil-Verfahren
Carl August von Steinheil (* Rappoltsweiler [Elsaß] 1801,
† München 1870), Professor der Mathematik und Physik an der Universität München,
konstruierte 1839 eine tubusförmige Kamera aus verschiebbaren
Pappröhren, mit der er zusammen mit seinem Kollegen Franz Ritter von
Kobell (* München 1803, † ebd. 1882), Professor für Mineralogie, Gebäude
in München (u.a. die Glyptothek, die Türme der Frauenkirche)
fotografierte.
Diese ersten in Deutschland aufgenommenen Photographien
waren keine Daguerreotypien, sondern auf Chlorsilberpapier festgehaltene
Negative. Um ein Positiv zu erhalten, nahm Steinheil sie mit seiner
Kamera nochmals auf. Die runden Fotos hatten einen Durchmesser von vier
Zentimetern.
Siehe
Steinheil-Verfahren.
Albumin-Verfahren
Niepce de Saint-Victor, ein Neffe Niépces, verwendete 1848
erstmals eine Glasplatte, die mit Hühnereiweiß (Albumin), Pottasche
(Jodkalium [?]) und einer
Schicht Silbernitrat imprägniert war; diese Mischung ermöglichte ihm
Belichtungszeiten von 20 Minuten und begründete den neuen
Wirtschaftszweig der Visitenkartenfotografie.
Blanquard-Evrard verbesserte um 1850 das Albumin-Verfahren und
ersetzte die Glasplatte durch
Papier; dieses Kopiermaterial war das erste industriell gefertigte
Kopierpapier und wurde bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet.
Siehe Albumin-Verfahren.
Nasses Kollodiumverfahren (Kollodium-Nassplatte)
1847 gelang es Christian Friedrich Schönbein,
Chemieprofessor in Basel, »Baumwolle in den
explosiven Zustand zu versetzen«; diese
Schießbaumwolle bildet die Grundlage für Kollodium
(vgl. Wolfgang Baier, Leipzig 1980: 157); Kollodium wird in der
Fotografie als zähflüssige Lösung von Kollodiumwolle in einem
Alkohol-Äther-Gemisch verwendet.
1850/51 veröffentlichten Frederick Scott Archer
(1813-1857), ein britischer Bildhauer, und Gustave Le Gray eine Beschreibung des
nassen Kollodiumverfahrens, durch das die Belichtungszeit auf
wenige Sekunden verkürzt werden konnte (zwischen 0,5 und 30
Sekunden); allerdings mussten die Platten nass entwickelt werden. Auch
dieses Verfahren verwendet eine Glasplatte statt Papier als
Träger des photographischen Negativs. Noch bis etwa 1880 blieb die
Kollodium-Nassplatte das
wichtigste fotografische Verfahren, denn es vereinigte in sich
die Vorteile der Daguerreotypie mit denen der Talbotypie.
Siehe Kollodium-Nassplatte.
Direktpositiv-Verfahren
Die Direktpositiv-Verfahren der Kollodiumperiode bilden eine
Brücke zwischen Daguerreotypie und Papierbild.
Siehe
Direktpositiv-Verfahren.
Trockenes Gelatineverfahren (Gelatine-Trockenplatte)
Trockenplatten bieten den Vorteil, dass der Fotograf nicht mehr
Chemikalien und umständliche Geräte mit sich führen muß; zudem muss die
Trockenplatte unmittelbar nach der Aufnahme entwickelt werden.
Richard Learch Maddox (1816-1902)
veröffentlicht 1871 seine Erfindung der Gelatinetrockenplatte;
dabei überzog er die Platte mit einer Bromsilbergelatine, die in
trockenem Zustand belichtet werden konnte; er ersetzte also das
Kollodium durch Gelatine.
Die Trockenplatten ermöglichten
Belichtungszeiten von 1/25 Sekunde, sie waren jedoch bis etwa 1875 überempfindlich für blaues
und unterempfindlich für grünes und rotes Licht, die Fotografien waren
also noch nicht abbildgetreu. Dieses Problem wurde allmählich durch
Zugabe von Anilinfarben ausgeglichen.
Siehe
Gelatine-Trockenplatte.
Panchromatische Platten
Panchromatische Platten und Filme, also fotografische Materialien, die auf alle Farben
gleichermassen reagieren, wurden 1906 am Markt eingeführt.
Farbfotografie
Speicher:
Platte,
Film
Visitenkartenporträts (Carte de visite)

Abbildung: »Portrait einer Ballerina«, André Adolphe-Eugène
Disdéri, ca. 1860
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