1873 Hermann Wilhelm Vogel
(1834-1898), Professor für Photochemie in
Berlin, stellt die
ortochromatische Sensibilisierung des Negativmaterials vor.
Ab den sechziger Jahren des 19. Jh. wurden, zunächst in England und
Frankreich, die ersten Versuche zur Farbphotographie unternommen. Bis
zur Einführung praktikabler Farbphotoverfahren behalf man sich mit dem
Kolorieren von Schwarzweißphotos.
Grundlage der Farbphotographie (wie des Farbendruckes und des
Farbfernsehens) ist die von dem britischen Physiker Thomas Young (*
Milverton [Somerset] 1773, † London 1829) 1801 aufgestellte und von dem
deutschen Physiker und Physiologen Hermann Ludwig Ferdinand von (seit
1882) Helmholtz (* Potsdam 1821, † Charlottenburg 1894)
weiterentwickelte Dreifarbentheorie. Sie besagt, daß für das Farbensehen
des Menschen die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau ausreichen und die
übrigen Farbqualitäten durch additive Mischung unterschiedlicher
Grundfarben erzeugt werden.
Aufbauend auf der Young-Helmholtzschen Theorie schlug der britische
Physiker James Clerk Maxwell (* Edinburgh 1831, † Cambridge 1879) 1855
zur Herstellung farbiger Photos vor, ein Objekt nacheinander durch drei
Farbfilter (Rot-, Grün-, Blaufilter) zu photographieren und das
Ergebnis, drei Schwarzweiß-Diapositive, mit blauem, grünem und rotem
Licht übereinander zu projizieren. Dieses Prinzip (additives oder
Spreizverfahren) wurde zu einer der Grundlagen der Farbphotographie.
Eine andere Möglichkeit ist das subtraktive oder Siebverfahren, bei dem
von den drei Farbauszügen farbige Diapositive hergestellt werden, so daß
der blaue Auszug ein gelbes, der grüne ein purpurnes und der rote ein
blaugrünes Farbbild liefert. Durchstrahlt man alle drei
aufeinandergelegten Diapositive mit weißem Licht, entsteht eine farbige
Projektion, bei der die Farben nicht addiert, sondern "abgezogen" oder
ausge"siebt" werden. In der Anfangszeit der Farbphotographie wurde
ausschließlich nach den additiven Verfahren gearbeitet, die nur
Projektions- und Durchsichtsbilder liefern. Am 17. Mai 1861
photographierte Maxwell vor der Royal Institution of Great Britain in
London ein Ordensband nacheinander durch drei Farbfilter auf drei
Schwarzweiß-Negativplatten. Mit drei Projektoren durch die jeweils
gleichen Filter genau aufeinander projiziert, entstand das erste
"Farbphoto" nach dem additiven Verfahren, das allerdings nur
wissenschaftlichen Wert hatte.
Als der eigentliche Vater der Farbphotographie gilt der französische
Phototechniker Louis Ducos du Hauron (* Langon [bei Bordeaux] 1837, †
Agen 1920), der im Anschluß an die Gedanken von James Clerk Maxwell
(1855 und 1861) 1868 ein Verfahren der Dreifarbenphotographie und des
photographischen Dreifarbendrucks erfand (1869 patentiert). 1869 zeigte
er seine ersten farbigen Papierbilder (sogenannte Heliochromien). Das
älteste erhaltene Farbphoto von Ducos du Hauron, ein Blick auf die Stadt
Angoulême, stammt aus dem Jahr 1877. (Das Verfahren von Ducos du Hauron,
das seiner Zeit weit voraus war, konnte sich nicht durchsetzen.)
Der französische Physiker luxemburgischer Herkunft und spätere
Nobelpreisträger Gabriel Jonas Lippmann (* Hollerich 1845, † auf einer
Seereise 1921) entwickelte 1891 ein auf Lichtinterferenzen beruhendes
Verfahren der Farbphotographie. Das später nach ihm benannte
Lippmann-Verfahren lieferte erstmals ausgezeichnete Farbphotos, wurde
aber nur experimentell (bis zum Ersten Weltkrieg) angewandt; für die
Anwendung in der Praxis war es zu umständlich (u.a. zu lange
Belichtungszeiten).
Im Jahre 1903 entwickelten die Brüder Auguste Marie Louis Nicolas
Lumière (* Besançon 1862, † Lyon 1954) und Louis Jean Lumière (*
Besançon 1864, † Bandol [Dép. Var] 1948), die Erfinder des ersten
brauchbaren Kinematographen (1895), das erste praktisch verwertbare
Farbphotoverfahren. Ihr 1907 vorgestelltes Autochrome-Verfahren war ein
additives Rasterverfahren, das mit Glasplatten arbeitete, die unter
ihrer lichtempfindlichen Schicht mikroskopisch kleine Körner aus
Kartoffelstärke, zu gleichen Teilen rot, grün und blau gefärbt,
enthielten. Beim auftreffenden Licht ließ jedes einzelne dieser Körner
jeweils nur das ihm komplementäre Licht durch. Eine solche
Autochrome-Platte lieferte nach Belichtung ein Diapositiv. Die
Autochrome-Farbrasterplatten wurden ab 1907 in der 1882 in Lyon von
Vater Antoine Lumière gegründeten Fabrik für photographische Platten
hergestellt.
Die Firma Agfa AG, Leverkusen, brachte 1916 eine Farbphotoplatte
heraus, deren Raster aus gefärbten Harzpartikeln bestand, und die
brillantere Farbbilder als die Lumière-Autochrome-Platte lieferte.
Die heutige Farbphotographie arbeitet mit subtraktiven Farbverfahren
und mehrschichtigen Materialien, die chromogen (farbstoffbildend)
entwickelt werden.
Obwohl die Grundlagen für diese Technik bereits 1909 von dem deutschen
Agfa-Chemiker Rudolf Fischer (* 1881, † 1957) ausgearbeitet worden
waren, kamen die ersten Mehrschichtenfilme (Dreischichten-Farbfilme)
erst 1935 mit dem Film "Kodachrome" der Eastman Kodak Company, Rochester
(N. Y.), (ab 1935 als 16-mm-Schmalfilm, ab 1936 als Diafilm) und 1936
mit dem Film "Agfacolor-Neu" (Film für farbige Diapositive) der Agfa AG,
Leverkusen, in den Handel. Sowohl Agfa als auch Kodak produzierten
zunächst nur Umkehr- (Dia-) Filme im Kleinbildformat.
Nachdem die Firma Agfa AG, Leverkusen, bereits 1939 die Technik des
Negativ-Positiv-Verfahrens veröffentlicht hatte, bot sie 1942 farbige
Papierabzüge und -vergrößerungen von photographischen Aufnahmen an. Die
Eastman Kodak Company, Rochester (N. Y.), folgte 1942 mit einer eigenen
Negativ-Positiv-Technik (Kodacolor).