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Geschichte der Farbfotografie

Geschichte : Technologie : Verfahren : Farbfotografie : Übersicht
29-Jun-2004/07-Feb-06


Übersicht

1873 Hermann Wilhelm Vogel (1834-1898), Professor für Photochemie in Berlin, stellt die ortochromatische Sensibilisierung des Negativmaterials vor.

Ab den sechziger Jahren des 19. Jh. wurden, zunächst in England und Frankreich, die ersten Versuche zur Farbphotographie unternommen. Bis zur Einführung praktikabler Farbphotoverfahren behalf man sich mit dem Kolorieren von Schwarzweißphotos.

Grundlage der Farbphotographie (wie des Farbendruckes und des Farbfernsehens) ist die von dem britischen Physiker Thomas Young (* Milverton [Somerset] 1773, † London 1829) 1801 aufgestellte und von dem deutschen Physiker und Physiologen Hermann Ludwig Ferdinand von (seit 1882) Helmholtz (* Potsdam 1821, † Charlottenburg 1894) weiterentwickelte Dreifarbentheorie. Sie besagt, daß für das Farbensehen des Menschen die drei Grundfarben Rot, Grün und Blau ausreichen und die übrigen Farbqualitäten durch additive Mischung unterschiedlicher Grundfarben erzeugt werden.

Aufbauend auf der Young-Helmholtzschen Theorie schlug der britische Physiker James Clerk Maxwell (* Edinburgh 1831, † Cambridge 1879) 1855 zur Herstellung farbiger Photos vor, ein Objekt nacheinander durch drei Farbfilter (Rot-, Grün-, Blaufilter) zu photographieren und das Ergebnis, drei Schwarzweiß-Diapositive, mit blauem, grünem und rotem Licht übereinander zu projizieren. Dieses Prinzip (additives oder Spreizverfahren) wurde zu einer der Grundlagen der Farbphotographie. Eine andere Möglichkeit ist das subtraktive oder Siebverfahren, bei dem von den drei Farbauszügen farbige Diapositive hergestellt werden, so daß der blaue Auszug ein gelbes, der grüne ein purpurnes und der rote ein blaugrünes Farbbild liefert. Durchstrahlt man alle drei aufeinandergelegten Diapositive mit weißem Licht, entsteht eine farbige Projektion, bei der die Farben nicht addiert, sondern "abgezogen" oder ausge"siebt" werden. In der Anfangszeit der Farbphotographie wurde ausschließlich nach den additiven Verfahren gearbeitet, die nur Projektions- und Durchsichtsbilder liefern. Am 17. Mai 1861 photographierte Maxwell vor der Royal Institution of Great Britain in London ein Ordensband nacheinander durch drei Farbfilter auf drei Schwarzweiß-Negativplatten. Mit drei Projektoren durch die jeweils gleichen Filter genau aufeinander projiziert, entstand das erste "Farbphoto" nach dem additiven Verfahren, das allerdings nur wissenschaftlichen Wert hatte.

Als der eigentliche Vater der Farbphotographie gilt der französische Phototechniker Louis Ducos du Hauron (* Langon [bei Bordeaux] 1837, † Agen 1920), der im Anschluß an die Gedanken von James Clerk Maxwell (1855 und 1861) 1868 ein Verfahren der Dreifarbenphotographie und des photographischen Dreifarbendrucks erfand (1869 patentiert). 1869 zeigte er seine ersten farbigen Papierbilder (sogenannte Heliochromien). Das älteste erhaltene Farbphoto von Ducos du Hauron, ein Blick auf die Stadt Angoulême, stammt aus dem Jahr 1877. (Das Verfahren von Ducos du Hauron, das seiner Zeit weit voraus war, konnte sich nicht durchsetzen.)

Der französische Physiker luxemburgischer Herkunft und spätere Nobelpreisträger Gabriel Jonas Lippmann (* Hollerich 1845, † auf einer Seereise 1921) entwickelte 1891 ein auf Lichtinterferenzen beruhendes Verfahren der Farbphotographie. Das später nach ihm benannte Lippmann-Verfahren lieferte erstmals ausgezeichnete Farbphotos, wurde aber nur experimentell (bis zum Ersten Weltkrieg) angewandt; für die Anwendung in der Praxis war es zu umständlich (u.a. zu lange Belichtungszeiten).

Im Jahre 1903 entwickelten die Brüder Auguste Marie Louis Nicolas Lumière (* Besançon 1862, † Lyon 1954) und Louis Jean Lumière (* Besançon 1864, † Bandol [Dép. Var] 1948), die Erfinder des ersten brauchbaren Kinematographen (1895), das erste praktisch verwertbare Farbphotoverfahren. Ihr 1907 vorgestelltes Autochrome-Verfahren war ein additives Rasterverfahren, das mit Glasplatten arbeitete, die unter ihrer lichtempfindlichen Schicht mikroskopisch kleine Körner aus Kartoffelstärke, zu gleichen Teilen rot, grün und blau gefärbt, enthielten. Beim auftreffenden Licht ließ jedes einzelne dieser Körner jeweils nur das ihm komplementäre Licht durch. Eine solche Autochrome-Platte lieferte nach Belichtung ein Diapositiv. Die Autochrome-Farbrasterplatten wurden ab 1907 in der 1882 in Lyon von Vater Antoine Lumière gegründeten Fabrik für photographische Platten hergestellt.

Die Firma Agfa AG, Leverkusen, brachte 1916 eine Farbphotoplatte heraus, deren Raster aus gefärbten Harzpartikeln bestand, und die brillantere Farbbilder als die Lumière-Autochrome-Platte lieferte.

Die heutige Farbphotographie arbeitet mit subtraktiven Farbverfahren und mehrschichtigen Materialien, die chromogen (farbstoffbildend) entwickelt werden.
Obwohl die Grundlagen für diese Technik bereits 1909 von dem deutschen Agfa-Chemiker Rudolf Fischer (* 1881, † 1957) ausgearbeitet worden waren, kamen die ersten Mehrschichtenfilme (Dreischichten-Farbfilme) erst 1935 mit dem Film "Kodachrome" der Eastman Kodak Company, Rochester (N. Y.), (ab 1935 als 16-mm-Schmalfilm, ab 1936 als Diafilm) und 1936 mit dem Film "Agfacolor-Neu" (Film für farbige Diapositive) der Agfa AG, Leverkusen, in den Handel. Sowohl Agfa als auch Kodak produzierten zunächst nur Umkehr- (Dia-) Filme im Kleinbildformat.

Nachdem die Firma Agfa AG, Leverkusen, bereits 1939 die Technik des Negativ-Positiv-Verfahrens veröffentlicht hatte, bot sie 1942 farbige Papierabzüge und -vergrößerungen von photographischen Aufnahmen an. Die Eastman Kodak Company, Rochester (N. Y.), folgte 1942 mit einer eigenen Negativ-Positiv-Technik (Kodacolor).

 


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