Diese Subsite wird derzeit nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Inhalte können daher veraltet sein oder nicht den aktuellen Wissens- und Forschungsstand widerspiegeln.
Aktualisierte Informationen zu den Themengebieten dieser Subsite finden sie im Nexus Fotografie (kurz: Fotonexus). Neben der umfangreichen Wissensdatenbank und der Bildergalerie gibt es im Fotonexus auch Diskussionsforen, aktuelle Meldungen sowie thematisch relevante Buchrezensionen.
  Kefk Network : home.gif (15x16 -- 888 bytes) Fotografie :  Geschichte | news.gif (13x11 -- 102 bytes) About |  Wiki. Suchen | Index | Inhalt | Site Map | Whats new?
 歷史    Geschichte : Chronologie | Ressourcen | Rückblick(e) | Technologie.

 

 

Geschichte der fotografischen Bildspeicher

Geschichte : Technologie : Speicher : Übersicht
15-Jun-2004/07-Feb-06


Übersicht

Nach der Entwicklung des Prinzips der Lochkamera, der Spezialisierung in Form der Camera obscura, der Einführung der Sammellinse und des Ablenkspiegels sowie der beginnenden Mobilisierung nutzten vor allem Maler die Vorläufer der Fotografie als Zeichenhilfe: Sie waren Zeichenmaschinen.

Natürlich wollte man im Zeitalter der Rationalität und der beginnenden Industrialisierung den Menschen rationalisieren, man suchte also im 18. Jahrhundert intensiv nach einer Möglichkeit, die Bilder der Camera obscura dauerhaft zu fixieren, d.h. zu speichern. Dazu waren drei Voraussetzungen erforderlich (Baatz 1997, S. 10):

  1. ein optisches System zum Abbilden des Motivs;
  2. eine chemische Substanz, die ihr Aussehen unter dem Einfluss von Licht verändert sowie
  3. ein Mittel, das diese Veränderung dauerhaft fixieren konnte.

Die erste Anforderung war bereits seit der (Spät-) Antike prinzipiell sowie seit etwa 1550 (Sammellinse) auch technisch zufriedenstellend gelöst, die zweite Anforderung war bis Anfang des 19. Jahrhunderts gelöst, nur die dritte Anforderung erwies sich als schwierig.

Suche nach einer lichtempfindlichen Substanz

1614 stellte A. Sala, der italienische Leibarzt des Herzogs von Mecklenburg, fest: »Wenn man das Silbersalz der Sonne aussettzt, schwärzt es sich wie Tinte«.

Christoph Adolph Balduin stellte 1674 aus Kreide und Salpetersäure Kalziumnitrat her und stellt fest, dass die getrockneten Rückstände bei Dunkelheit leuchten; er nennt seine Entdeckung »phosphorus« (»Lichtträger«).

Johann Heinrich Schulze (1687-1744), ein Arzt und Anatomieprofessor aus Altdorf, versuchte um 1727, Balduins Experiment zu wiederholen, seine Salpetersäure war jedoch verunreinigt mit Silberrückständen; das Kalziumnitrat verband sich mit Silbernitrat zu einer lichtempfindlichen Substanz, die er als »scotophorus« (»Dunkelheitsträger«) bezeichnete; Schulze wies damit als erster die Lichtempfindlichkeit des Silbernitrates experimentell nach.

Carl Wilhelm Scheele (1742-1786), ein schwedischer Chemiker, machte 1770 erste Versuche mit Silberchlorid und endeckte dessen Lichtempfindlichkeit. Scheele fand auch heraus, dass geschwärztes Silberchlorid durch Ammoniak unlöslich wird. Somit entdeckte er ein Fixiermitel für den Schwärzungsprozess ohne es allerdings in den – für die Fotografie – richtigen Kontext stellen zu können. Auch andere Forscher setzten die Versuche Schulzes fort, so beispielsweise J. Senebier und G. B. Beccaria.

1814 entdeckte Humpfry Davy (1778-1829) das zweite lichtempfindliche Silbersalz, das Silberjodid, nur wenig später entdeckte Antoine Jerome Balard (1802-1876) die Lichtempfindlichkeit des Silberbromids.

Gilles-Louis Chrétien erfand 1786 den Physionotrace, eine Apparatur, die das Verfahren des Gravierens und insbesondere des Silhouettenzeichnens mechanisierte (Freund 1974: 16 f.).

Ein weiteres Zeichenhilfsmittel war die Camera lucida von W. H. Wollaston (1807); dabei handelt es sich um ein Gerät zum Abzeichnen von Gegenständen nach der Natur, das mit einem Prisma ein verkleinertes Bild erzeugt, das mit der Hand nachgezeichnet werden kann.

Anfang des 19. Jahrhunderts waren also lichtempfindliche Substanzen bekannt, sie konnten jedoch noch nicht dauerhaft fixiert werden. Physionotrace, Camera lucida, Silhouettenschnitt (Scherenschnitt) und Miniaturmalerei zeigen den »beispiellosen Bilderbedarf« (Baatz 1997: 12) des sich emanzipierenden Bürgertums, die Vorläufer der Photo-graphie können diesen Bedarf jedoch noch nicht adäquat decken.

Suche nach einem Fixiermittel

Die Brüder Claude Niepce (1763-1828) und Joseph Nicephore Niepce (1765-1833) führten 1798 erste Experimente zur chemischen Fixierung der in der Camera obscura erzeugten Bildern durch.

Der Chemiestudent Thomas Wedgwood (1771-1805) versuchte 1799 mit Hilfe von Silbernitrat die Bilder der Camera obscura zu fixieren, die Versuche scheiterten jedoch. Wedgwood fand allerdings eine Methode, Kontaktkopien von Blättern, Insektenflügeln u.ä. kameralos herzustellen; dieses Verfahren des Naturselbstdrucks (vgl. Kittler 2002: 79 f.) war jedoch bereits im 15. Jahrhundert bekannt gewesen; auch eine Fixierung gelang ihm nicht.

1813 versucht Joseph Nicéphore Niépce, die flüchtigen Bilder seiner Camera obscura festzuhalten; er entwickelt ein Verfahren, bei dem eine Mischung aus Lavendelöl und Asphalt auf Silberplatten aufgebracht wird; die Platten werden dann (sehr lange) belichtet und die unbelichteten Partien schließlich mit einem  Lösungsmittel abgewaschen. Er bezeichnete das Verfahren als Heliographie.

1816 fertigt er die ersten Papierfotografien mit selbstgebauten Kameras aus dem Fenster seines Arbeitszimmers an, 1822 produziert er die erste lichtbeständige heliografische Kopie eines grafischen Blattes mit Hilfe von Asphalt auf Glas an.

1824 gelingt es ihm schließlich mit einer Camera obscura die erste haltbare Abbildung auf einer asphaltbeschichteten Zinkplatte; 1826/27 belichtet er acht Stunden lang den Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers auf einer mit Asphalt lichtempfindlichen gemachten Zinnplatte. Das Ergebnis ist ein Direktpositiv und gleichzeitig die erste erhalten gebliebene lichtbeständige Fotografie.

Abbildung: Joseph Nicéphore Niépce: Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers im Maison du Gras, ca. 1826/27 - im Original 16,5x21 cm - das älteste erhaltene Foto der Welt.

1826 lernt Niépce den Besitzer des spektakulären Dioramas in Paris, Louis Jaques Mande Daguerre (1787-1851) kennen; drei Jahre später (1829) schließen Niépce und Daguerre einen Vertrag über die Vervollkommnung und Nutzung der auf lichtchemischem Weg gewonnenen Bilder. Niepce stirbt weitere vier Jahre später.

William Henry Fox Talbot (1800-1877), ein englischer Privatgelehrter, entwickelte 1835 die Grundlagen des Negativ-Positiv-Verfahrens, das er als Kalotypie oder auch »Pencil of Nature« bezeichnet. Er fotografierte das Fenster seiner Bibliothek von innen und ließ verbreiten: »Und dies ist, wie ich glaube, der erste überlieferte Fall eines Hauses, das sein eingenes Portrait gemalt hat«. Dabei nutzte er eine acht Zentimeter kleine, mit einer Linse ausgestattete Kamera, von seiner Frau liebevoll »Mausefalle« genannt. Sein Papier tränkt er mit Silbernitrat und einer Salzlösung. Mit einer Kochsalzlösung wird das Blatt fixiert. Erst als 1839 das Verfahren von Daguerre bekannt wurde, setzte Talbot seine Versuche fort.

1837 entdeckte Louis Jacques Mandé Daguerre die Kochsalzlösung als Fixiermittel; dies geschah ohne Kenntnisse der Talbotschen Forschungsergebnisse – Talbot hatte seine Arbeiten nicht publiziert.

In den ersten Jahrzenten des 19. Jahrhunderts wurde also von mehreren Forschern unabhängig voneinander auch die letzt Anforderung an die Photo-graphie gelöst: die dauerhafte Fixierung des Bildes.

Geburtsstunde der Fotografie

Am 6. Januar 1839 erscheint in der Gazette de France ein Bericht der Académie des Sciences, in der die Fotografie als »wichtige Entdeckung unseres berühmten Diorama-Malers M. Daguerre« angekündigt wird. Am 19. Januar 1839 erscheint ein englische Übersetzung, und bereits am 31. Januar reklamiert Talbot in einer Rede vor der Royal Society in London die Entdeckung der »Kunst der photographischen Zeichnung« für sich.

Im Februar 1839 beansprucht die Malerin Friederike Wilhelmine von Wunsch die Erfindung eines Verfahrens, das selbst Menschen in Bewegung und in Farbe abbilden könne.

Ebenfalls im Februar 1839 behauptet der Berner Professor Friedrich Gerber im Schweizer Beobachter, bereits längst ein Verfahren entwickelt zu haben zum Fixieren von Fotogrammen und den Bildern der Camera obscura.

Am 15. Juni 1839 beantragt eine Fraktion im Parlament, die Erfindung der Fotografie durch den Staat ankaufen zu lassen und das Verfahren der Öffentlichkeit zu übergeben.

Am 24. Juni 1839 präsentiert der Finanzbeamte Hippolyte Bayard eigene Aufnahmen in einer ersten Fotoausstellung.

Am 19. August 1839 präsentiert die französische Akademie der Wissenschaften offiziell die Erfindung der Fotografie; sie verkündet, daß es Niépce und Daguerre gelungen sei, dauerhafte Bilder mit Hilfe der Camera obscura aufzuzeichnen und gibt die Erfindung frei zur Nutzung in aller Welt. Daguerre wird als Erfinder der Fotografie gefeiert. Die Ergebnisse seiner Arbeit bezeichnet man als Daguerreotypien.

Das offizielle Geburtsdatum der Fotografie – der 19. August 1839 – ist also eine Fälschung durch Konvention; zu diesem Zeitpunkt hatten bereits mehrere Erfinder unabhäng voneinander das Anforderungsprofil der Photo-graphie erfüllt. Die tatsächliche Urheberschaft ist vielleicht auch eher ein akademisches Problem; bekanntlich hat ja auch Gutenberg nicht den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden. Viel wichtiger ist, dass Gutenberg und Daguerre den Buchdruck resp. die Daguerreotypie wirtschaftlich und gesellschaftlich etablieren konnten.

Um 1840 gab es also eine speicherbare Fotografie, die sich in zwei grundlegende Verfahren unterteilen lässt: das Positiv- und das Negativ-Verfahren. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde ausschließlich auf Papier oder Platten gespeichert, erst um 1884 entstanden erste Filme.

Literatur

Michel Frizot (Hrsg.): Neue Geschichte der Fotografie

Beaumont Newhall: Geschichte der Fotografie

Willfried Baatz: Geschichte der Fotografie (Schnellkurs)

Boris von Brauchitsch: Kleine Geschichte der Fotografie

Friedrich Kittler: Optische Medien


Speicher

Nach oben
Elektronisch
Film
Papier
Platte
Wer ist online?
Ihr Name: Besucher
Online: 2 aktive User.
Login | Logoff
Monitoring:
Benachrichtigen bei Änderungen:



Amazon.de:
Geschichte der Photographie
von Beaumont Newhall

EUR 24,80
(versandkostenfrei!)
Geschichte der Fotografie
von Willfried Baatz

EUR 14,90
Kleine Geschichte der Fotografie
von Boris von Brauchitsch

EUR 24,90
(versandkostenfrei!)
Shopping:
Produktsuche:

Über Fotopoint.de.
Fotopoint.de:
Produkte der Woche:
Über Fotopoint.de.

Kefk Network:
Subsites zur Fotografie:
Ausbildung, Blitz, Dia, Digital Imaging, Dunkelkammer, Erfahrung, Events, Film, Filter, Fotografen, Galerie, Glossar, Händler, Kameras, Kleinanzeigen, Licht, Literatur, Meinung, Modelle, Objektive, Organisationen, Praxis, Recht, Stative, Systeme, Taschen, Technik, Wirtschaft, Wiki, Zubehör.
Thematisch verwandte Subsites:
Webtravel, Fauna, Hardware Medium, Outdoor.
Kefk Network Home

 

 Zurück ] Geschichte ] Nach oben ] Weiter ]

 URL: http://www.kefk.net/Fotografie/Geschichte/Technologie/Speicher/index.asp.
Translate this page with Google to 
 Website | About | Suchen | Index | Inhalt | Site Map | What's new? | Statistik | Who's online?.
Thematisch verwandte Websites: Fotografie | Galerie | Webtravel |  Film.
 Ergänzungen, Fragen und Kommentare: sendmail.gif (17x8 -- 85 bytes) Kontakt |  Foren | leavesite.gif (19x8 -- 131 bytes) Online-Status.
Impressum | Copyright | Danksagung | Unterstützung.