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Camera obscura
Geschichte :
Technologie : Kamera
: Camera obscura : Übersicht
28-Jun-2004/07-Feb-06
Übersicht
Die Camera obscura (lat. camera, "Kammer" und obscurus,
"dunkel"; also "dunkle Kammer") ist ein von innen geschwärzter Kasten,
der mit einem kleinen Loch versehen ist. Das durch das kleine Loch
einfallende Licht projiziert auf die Rückwand der Kamera das
seitenverkehrte Bild der Außenwelt in Farbe und mit Bewegung (s.a.
Lochkamera).

Abbildung: Camera obscura, um 1825.
Geschichte und Entwicklung
(Pseudo-) Aristoteles beschrieb in der apokryphen Schrift
Problemata physica zum ersten Mal die Umkehr des Bildes, wenn Licht
durch ein Loch fällt und empfahl die Vorrichtung zur Beobachtung einer
Sonnenfinsternis. Er beobachtete auch schon, dass, je kleiner das Loch
ist, das Bild umso schärfer, aber auch lichtschwächer abgebildet wird.
Das Prinzip der Lochkamera war auch im arabischen Kulturraum bekannt;
hier beschrieb es als erster der arabische
Physiker und Mathematiker Ibn al-Haitham (oder Abu Ali Alhazen; * Basra 965, † Kairo um
1040). Um 900 verwendeten arabische Gelehrte den Kamera-Vorläufer als
astronomisches Gerät beispielsweise zur Beobachtung von Sonnen- und
Mondfinsternissen; auch Albertus Magnus soll das Prinzip der
Camera obscura gekannt haben.
Vom Ende des 13. Jahrhundert an wurde die Camera obscura auch von
Astronomen im Europäischen Raum zur Beobachtung von Sonnenflecken und Sonnenfinsternissen
benutzt, um nicht mit bloßem Auge in das helle Licht der Sonne blicken
zu müssen. Roger Bacon baute für Sonnenbeobachtungen die ersten Apparate
in Form einer Camera obscura.
Leonardo da Vinci untersuchte den Strahlengang und stellte
fest, dass dieses Prinzip in der Natur der Funktionsweise des Auges
entspreche; daraus leitete er ab, dass sich durch Linse und Iris die
Schärfe und Lichtmenge regulieren ließe; Leonardos Entdeckungen aus den
Jahren 1490 bis 1492 wurden jedoch erst 1797 bekannt, als seine
Spiegelschrift erstmals entziffert wurde:
»Wenn die Fassade eines Gebäudes, oder ein Platz, oder eine
Landschaft von der Sonne beleuchtet wird und man bringt auf der
gegenüberliegenden Seite in der Wand einer nicht von der Sonne
getroffenen Wohnung ein kleines Löchlein an, so werden alle
erleuchteten Gegenstände ihr Bild durch diese Öffnung senden und
werden umgekehrt erscheinen«.
Weitere Nutzungen in der frühen Neuzeit:
- Der italienische Mathematiker und Astronom Toscanelli brachte
1475 einen bronzenen Ring mit einer kleinen Öffnung in einem Fenster
der Kathedrale in Florenz an. An sonnigen Tagen wird ein Bild der
Sonne auf den Boden der Kathedrale geworfen. Eine Mittagsmarke am
Boden gibt die Möglichkeit zur Zeitbestimmung. Dieser Ring kann
heute noch besichtigt werden (
Quelle).
- Eine ähnliche Vorrichtung wurde 1580 von päpstlichen Astronomen
genutzt, um Papst Gregor XIII. zu beweisen, daß die
Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche auf den 11. statt wie eigentlich
korrekt auf den 21. März fiel. Dies führte zur berühmten
gregorianischen Kalenderreform (
Quelle).
- Reiner Gemma-Frisius beobachtete 1568 mit einer Camera obscura
eine Sonnenfinsternis.

Abbildung: Reiner Gemma-Frisius: Camera obscura, 1544.
Die Sammellinse als Möglichkeit zur Verbesserung der Abbildung
wurde 1568 durch den
Venezianer Daniele Barbaro in seinem Werkt La pratica della
perspettiva (158) beschrieben:
»Auch muß das Linsenglas so weit abgedeckt werden, dass nur
eine kleine Öffnung in der Mitte freibleibt, dann wird man eine
lebhaftere Wirkung erhalten«.
1589 setzt der italienische Physiker
Giovanni Battista Della Porta (* Neapel 1535, † ebd. 1615)
diesen Konstruktionsvorschlag praktisch um (Magia naturalis,
1558); andere Quellen nennen allerdings Girolamo Cardano als Erfinder der Linse für die
Camera obscura (De subtilitate, 1550). Della Porta
empfahl die Camera obscura auch als Zeichenhilfe für Menschen,
die schlecht malen könnten.

Abbildung: Moderne Camera obscura mit integrierter mattierter
Glasscheibe (Mattscheibe) auf der Kastenoberseite, die als Zeichenfläche diente; gezeichnet wurde auf
transparentem Papier.
Prinzip: Das Bild wird durch die Linse (B) eingefangen, über den
Umlenkspiegel (M) auf die Zeichenfläche (N) projiziert und dort abgenommen.
Die bisher konstruierten Modelle der Camera obsura waren
ortsgebunden, erst Athanasius Kircher beschrieb 1646 eine zwar noch
zimmergroße, aber immerhin schon transportable Variante. Weitere
Fortschritte in der Mobilität erzielte Johannes
Zahn, der 1686 eine transportable Camera obscura
konstruierte: Ein Spiegel, der im Winkel von
45 Grad zur Linse im Inneren der Kamera angebracht war, projizierte das
Bild nach oben auf eine Mattscheibe und konnte so bequem abgezeichnet
werden (Spiegelreflex-Konstruktion mit Ablenkspiegel).
Bis ins 19. Jahrhundert nutzten Künstler die Camera obscura von Malern vor der Fotografie
gern als Zeichenhilfe genutzt. Man konnte in ihr die Landschaft auf
Papier abmalen und dabei alle Proportionen richtig wiedergeben.
Bekannteste Beispiele sind Canaletto mit seinen berühmten
Gemälden von Dresden und Warschau sowie Caspar David Friedrich
und Jan Vermeer. Auch der Astronom Johannes Kepler nutzte
eine Camera obscura.
Francesco Algarotti (1764):
»Die besten Maler Italiens haben sich zum großen Teil mit
diesem Apparat versehen; anders wäre es auch gar nicht möglich
gewesen, daß sie die Dinge so lebensecht darstellen«.
Was für die Photo-graphie allerdings noch fehlte, war
- vor allem eine Möglichkeit, das Lichtbild
automatisch – also ohne Intervention eines Ab-Malers – zu
speichern;
- verbesserte Linsen, d.h.
Objektiv;
- mehr Mobilität, also kompaktere Kameras.

Abbildung: Camera obscura ("Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des
sciences, des arts et des métiers", 1772)
Bekannte Einrichtungen
- Camera Obscura auf dem Berg Oybin bei Zittau, Erbauung 1852,
Erneuerung 1980-83, 360° Rundumblick, Besonderheit:
Projektionsleinwand ist das Dach eines Trabants.
- Camera Obscura in Hainichen bei Freiberg - Erbauung 1883,
Einweihung am 23. Juni 1883, Erhöhung 1906,
Erneuerung 1985.
- Camera Obscura in Mülheim an der Ruhr 1992
- Camera Obscura in Edinburgh und Dumfries in Großbritannien
- Camera Obscura in San Francisco in den USA
- Camera Obscura in Grahamstown in Südafrika
- Camera Obscura in Eger in Ungarn - Damit wurden bereits 1552 die
anstürmenden Türken beobachtet.
- Camera Obscura in der Budapester Universität
- Camera Obscura in der Moskauer Lomonossow-Universität
Literatur
Michel Frizot (Hrsg.): Neue Geschichte der Fotografie
Beaumont Newhall: Geschichte der Fotografie
Willfried Baatz: Geschichte der Fotografie (Schnellkurs)
Boris von Brauchitsch: Kleine Geschichte der Fotografie
Haberkorn Heinz: "Anfänge der Fotografie. Entstehung eines neuen
Mediums", Hamburg 1981
Jürgen Königs (Hrsg.): "Aspekte '89. Katalog zur Ausstellung.
Lochkamera-Fotografie", Siegen 1989
Harald Mante: "Bildaufbau. Gestalten in der Fotografie", München 1981
Brill, Falk, Stork: "Ein Blick ins Licht. Einblicke in die Natur des
Lichts und des Sehens in Farbe und Fotografie", New York 1986
Man Ray: "Photographien Paris 1920-1934", München 1980
Siehe auch
Netmarks
Quelle
Wikipedia:
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Version: 23:21, 28. Jun 2004
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