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Literatur zur Geschichte der Fotografie

Geschichte : Ressourcen : Literatur : Übersicht
17-Jun-2004/07-Feb-06


Übersicht

Geschichte der Photographie.

von Beaumont Newhall
Amazon-Preis: EUR 24,80
Broschiert - 327 Seiten - Schirmer/Mosel
Erscheinungsdatum: April 1998
ISBN: 3888143195

Das große Standardwerk von Beaumont Newhall zur Geschichte der Photographie - bis heute unentbehrlich für alle, die sich dem Studium der Photographie widmen wollen -, war seinerzeit, 1937, ein Meilenstein in der Fachliteratur. Denn Newhall präsentierte nicht nur die Geschichte des Fortschritts photographisch-technischer Verfahren, sondern stellte vor allem auch die ästhetische Entwicklung und die kulturelle Bedeutung des Mediums Photographie in den Mittelpunkt seines Interesses.

Die Geschichte ihres Beitrages zur bildenden Kunst ist Gegenstand dieses Buches-, schrieb er in das Vorwort der fünften, erweiterten Ausgabe von 1982, in der er die Geschichte der Photographie von 1839 bis zur Gegenwart Anfang der achtziger Jahre fortführte. Anschaulich geschrieben, zeigte er die Emanzipation der Photographie vom Hilfsmittel der Kunst zu einer eigenständigen Kunstform.

Bei mir steht dieses Buch schon seit zehn Jahren im Regal; und ich entdecke immer noch etwas Neues oder wieder-lesenswertes. Aber Achtung: Newhall gehoerte in den Dreissigern zum engeren "Dunstkreis" der Group f/64. Trotzdem ist dieses Buch sehr objektiv und umfassend. Oder was denken Sie woher ich weiss, dass Heinrich Zille nicht nur ein Maler war... (Amazon.de-Kundenrezension).

Geschichte der Fotografie.

von Willfried Baatz
Amazon-Preis: EUR 14,90
Broschiert - 192 Seiten - Dumont Literatur und Kunst Verlag
Erscheinungsdatum: Mai 2002
ISBN: 3832136169

Baatz' Büchlein Geschichte der Fotografie schließt die Lücke in der Fotografieliteratur, die zwischen wissenschaftlichen Spezialuntersuchungen, Ausstellungskatalogen, Bildbänden und vielbändigen Lexika klafft. Es ist so umfassend, daß man sich fragt, wie der Autor so viele Informationen auf so wenige Seiten bannen konnte.

Von den frühen Anfängen der Lochkamera (Camera obscura) bis zur digitalen Fotografie beschreibt Baatz die Veränderungen der technischen und der künstlerischen Seiten der Fotografie. Das Wechselspiel und der gegenseitige Einfluß von Fotografie und Malerei ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.

Die Veränderung des Stellenwertes der Fotografie wird deutlich. War in den frühen Jahren die Technik noch der limitierende Faktor und somit das Medium Fotografie nur wenigen zugänglich (und mit großem Aufwand verbunden), entwickelte sich bald ein breites Interesse und die Entwicklung zur Massenware und Unkompliziertheit vollzog sich schnell. Damit wurde ein anderer Anspruch an das Medium möglich: künstlerischer Ausdruck. Der erste verbreitete künstlerische Stil (Neuer Realismus) setzte sich um 1910 durch.

Jedes der acht Kapitel beginnt mit einer Geschichtsleiste, die die fotografischen Strömungen und Veränderungen mit den wichtigsten Ereignissen in Politik, Wissenschaft und Gesellschaftsgeschichte in Zusammenhang bringt:

  • Vorgeschichte
  • Die frühen Verfahren
  • Neue Verfahren -- andere Wege
  • Vorläufer der modernen Fotografie
  • Die neue Sicht
  • Entdeckung des Alltags
  • Fotografie der Nachkriegszeit
  • Ungeschönte Welt

Viele Abbildungen, Zitate bekannter Fotograf/-innen, Zusammenfassungen und Blöcke mit Erläuterungen zu den wichtigsten Begriffen im Kapitel machen das Lesen zu einem Vergnügen. Ein sehr umfangreicher Anhang mit Glossar, einer Chronologie der Fotografie, nationalen und internationalen Galerien, Museen und Sammlungen, Zeitschriften, Sachregister und Personenregister machen es darüber hinaus zu einem idealen Nachschlagewerk.

Wilfried Baatz hat mit diesem anschaulichen, genau recherchierten, gut lesbaren, leicht verständlichen Überblick der Geschichte der Fotografie ein Werk geschaffen, das in keinem Regal fehlen sollte. Ob Amateur, Kunststudent/-in oder Profi –- dieses Büchlein, das ebensogut "Großes Lexikon der Fotografiegeschichte" heißen könnte, wird für jeden Fotointeressierten eine Bereicherung der Hausbibliothek sein.

Wer unter den Studierenden der Medien- oder Kommunikationswissenschaft, den Publizistik- und Kunst-Studierenden, den frisch für die Fotografie und ihre Hintergründe und Geschichte Begeisterten hat nicht geflucht, als er/sie merkte, an die Fotogeschichte war nur auf Umwegen und häppchenweise ranzukommen? Blättern in dicken, oft sogar mehrbändigen "Wälzern", Suchen in Fachzeitschriften und für Anfänger viel zu präzisen und detailbezogenen Fachaufsätzen. Außerdem: Wer kann es sich schon leisten, sich sowas anzuschaffen?!

Willfried Baatz liefert eine Alternative: den Schnellkurs zur Geschichte der Fotografie. Darin findet sich keine systematische, wissenschaftliche oder enzyklopädische Auseinandersetzung, sondern ein wunderbar griffiger Zugang zu Phasen in der stilgeschichtlichen und technischen Entwicklung dieses Mediums. Hilfreich sind die Hintergrundinformationen wie zum Beispiel "Präraffaeliten" zum Kapitel über Wechselwirkungen zwischen Kunst und Fotografie um 1850-1880. Berühmte Bilder, herausragende Fotografeinnen und Fotografen werden so vorgestellt, daß diejenigen, die's genau wissen wollen, nun wissen, wo sie anfangen und weitersuchen können. Das Fundament haben sie nach der Lektüre dieses Taschenbuchs. Nachteil: Die Abbildungen sind für viele Zwecke einfach viel zu klein! (Amazon.de-Kundenrezension).

Kleine Geschichte der Fotografie.

von Boris von Brauchitsch
Amazon-Preis: EUR 24,90
Gebundene Ausgabe - 320 Seiten - Reclam, Ditzingen
Erscheinungsdatum: Oktober 2002
ISBN: 3150105021

Im Sommer 1839 präsentierte Louise Jacques Mandé Daguerre den Mitgliedern der französischen Akademie der Wissenschaften Lichtbilder bekannter Bauwerke aus Paris. Die detailgenauen Abbildungen des Louvres, der Brücke Pont Neuf oder der Kathedrale Notre Dame beeindruckten die Forscher und Politiker so sehr, dass der französische Staat das Patent erwarb, um das erste fotografische Aufnahmeverfahren der kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Verwertung zur Verfügung zu stellen. Die folgende Weiterentwicklung der Fototechnik sowie die Erfindung eines von jedermann zu bedienenden Fotoapparates im Jahre 1888 machte die Fotografie zum Massenmedium.

Die Kleine Geschichte der Fotografie schildert die Bedeutung und Funktion des ersten technischen Bildmediums für die Gesellschaft und deren Wahrnehmung von den Anfängen der Daguerreotypie bis zur digitalen Fotografie. In 29 chronologisch geordneten Kapiteln setzt sich der Kunsthistoriker Boris von Brauchitsch mit wesentlichen Themen der Fotografiegeschichte auseinander. So beschreibt er den Streit um die Urheberschaft des fotografischen Abbildungsprozesses, die visuelle Besitzergreifung ferner Länder und Kulturen durch die Reisefotografie Mitte des 19. Jahrhunderts oder die immerwährende Diskussion über das künstlerische Wesen der Fotografie. Seine kenntnisreichen Ausführungen werden durch Auszüge aus Essays unter anderem von Walter Benjamin, Ernst Kallai oder Henri Cartier-Bresson ergänzt. Die rund 130 aussagekräftigen Bildbeispiele bekannter Fotografen zeigen neben den Stadtansichten und Porträtaufnahmen früher Dokumentaristen wie Charles Nègre oder Nadar auch Bildexperimente von Man Ray oder Alexander Rodtschenko, sowie die seriell konzipierten Arbeiten zeitgenössischer Fotokünstler wie Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky oder Axel Hütte.

Der ansprechend gestaltete Band überzeugt durch die anschauliche und verständliche Darstellung von 163 Jahren Fotografiegeschichte und ist sowohl als Einstieg in das Thema als auch als Nachschlagewerk gleichermaßen geeignet.

Optische Medien.

von Friedrich Kittler
Amazon-Preis: EUR 16,70
Broschiert - 336 Seiten - Merve
Erscheinungsdatum: September 2002
ISBN: 3883961833

Friedrich Kittler, Professor für Ästhetik und Mediengeschichte an der Humboldt-Universität Berlin, widmet der Geschichte der optischen Medien eine Vorlesung. Es geht um Künste und Techniken als zwei sehr unterschiedliche Weisen, die Grenzen der Sichtbarkeit zu verschieben; aber auch um die Effekte, die vor allem die Entwicklung des Films auf das uralte Schriftmonopol gehabt hat, also um den neuen Status von Büchern unter audiovisuellen Bedingungen.

Kittler behandelt die Camera obscura, Albertis Linearperspektive, McLuhans Medien- und Shannons Informationstheorie, den jesuitischen Bilderkrieg gegen das Schriftprinzip der Reformation, absolutistische Blendeffekte, E.T.A. Hoffmanns teuflische Elixiere, Schillers Geisterseher, Herschels Infrarot und Ritters Ultraviolett, Nièpce und Daguerre, Jodsilberplatten und Quecksilberdämpfe, Talbots öpencil of natureö, Eastmanns Zelluloid, Erich von Sternheims Monokel, Bertillons Verbrecherphotos, serienproduzierte Colts, Plateaus Lebensrad, Mareys chronophotographische Flinte, Muybridges kalifornische Pferde, die Brüder Skladanowsky und Lumière, Mélièsü Filmtricks, Bayreuths Finsternisse, Münsterbergs psychotechnische Filmästhetik, die Doppelgänger des Autorenfilms, das Pin up Henny Porten, die Experimentalfilme der Luftaufklärung, Virilios Krieg und Kino, den Ton- und Farbfilm, die Braunsche Röhre und die Nipkowscheibe, SECAM, PAL und die V2, Apocalypse Now und HDTV.

Kittlers Vorlesung hat einen durchweg programmatischen Charakter für die Geschichte und Neuorientierung einer ganzen Disziplin. Sie ist in Gegenstand wie theoretischer Programmatik der Koexistenz der Fachbereiche Medien- und Kunstgeschichte, Musik- und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin verpflichtet und leistet dies in exemplarischer Weise. Kittlers Geschichte der optischen Medien brilliert weniger durch eine Neuerschließung von bisher unbekannten Quellen und Materialien als vielmehr durch eine konzise und in ihrer Zuspitzung zwar durchaus angreifbare, aber immer pointierte Rekombination und zugleich durch eine mitunter polemische Neubewertung von Forschungsergebnissen unterschiedlicher Disziplinen (Bernd Stiegler in: Frankfurter Rundschau, 9.10.2002).

Allez-hop. Ein Parcours quer durch die Geschichte, von den Techniken bildender Künste in der Renaissance hoch zu den optischen Medien und dem digitalen Fernsehen. Im Kittlerschen Sound. Heißt, Kittler steckt seine Nase unterhaltsam, eloquent und extrem gut informiert in die üblichen Dinge, die ihn was angehen. … Die überblickende Einleitung der Vorlesung ist im übrigen eine gute Einführung für Kittlereinsteiger. Sie macht klar mit welcher Perspektive, nach welchen Kriterien er seinen historischen Zugriff strukturiert, der einen mit einer immensen Fülle an Anekdoten und Diskursen versorgt. Und das soll ihm erstmal jemand nachmachen (MERCEDES BUNZ in DE:BUG, Dezember 2002).

Schön edierte und in Buchform publizierte Vorlesungsmanuskripte haben einiges für sich, wie in diesem Fall die Vorlesung des Kulturwissenschaftlers Friedrich Kittler über Geschichte und Theorie optischer Medien. [Kittlers Buch bietet] eine erzählende und ausgesprochen unterhaltsame Darstellung eines unvermindert anspruchsvollen Themas. Das Ergebnis ist einerseits Lichtjahre von fernsehkompatibler Populärwissenschaft entfernt und liest sich andererseits, die Phrase sei verziehen, spannend wie ein Krimi (AXEL WERNER in: die tageszeitung, 9. November 2002).

Kittler tut alles, um sich im Scheinwerferlicht zu bewähren. … Die Vorlesung selbst, die, wie er sagt, "altmodisch offene Ohren" braucht, wird als Buch zu einem optischen Medium, zu einem Ereignis, bei dem das Schriftbild nachinszeniert, was Kittler im Hörsaal erzählt hat - potenzierte Präsentation (ANDREAS PLATTHAUS in: FAZ, 3. Dezember 2002).

Über den Autor

FRIEDRICH KITTLER, Prof. Dr. phil., Studium der Germanistik, Romanistik und Philosophie an der Universität Freiburg/Breisgau, seit 1993 Inhaber des Lehrstuhls für Ästhetik und Geschichte der Medien am Seminar für Ästhetik, Humboldt Universität zu Berlin. Mitglied des Hermann von Helmholtz Zentrums für Kulturtechnik und der Forschergruppe "Bild Schrift Zahl" (DFG) Veröffentlichungen u. a.: Aufschreibesysteme 1800/1900, München 1985, 3. Aufl. 1995; Grammophon Film Typewriter, Berlin 1986; Dichter Mutter Kind, München 1991; Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig 1993; Eine Kulturgeschichte der Kulturwissenschaft, München 2000.

Theorie der Fotografie

Für eine Philosophie der Fotografie.

von Vilem Flusser
Amazon-Preis: EUR 14,00
Broschiert - 77 Seiten - Vice Versa
Erscheinungsdatum: Dezember 1999
ISBN: 3923283482

Vilem Flusser, geboren 1920 in Prag, gestorben 1991, emigrierte 1939 über London nach Sao Paulo. 1959 wurde er Dozent für Wissenschaftsphilosphie, 1963 Professor für Kommunikationsphilosophie an der Universität Sao Paulo.

Theorie der Fotografie (vier Bände).

von Wolfgang Kemp (Herausgeber), Hubertus von Amelunxen (Herausgeber)
Amazon-Preis: EUR 78,00
Gebundene Ausgabe - Schirmer/Mosel
Erscheinungsdatum: 2000
ISBN: 3888142024

Seit der Erfindung der Fotografie setzte eine bis heute anhaltende Debatte ein, die sich in den Fotografien selbst niedergeschlagen hat. Um nur wenige Fragen dieser Debatte zu skizzieren: Ist Fotografie Kunst? Oder ist die Fotografie eine eigene Gattung, die ihre eigenen Begriffe braucht? Wie ist diese Gestaltung zu bewerten, wo doch die Objektivität der Maschinerie das Endergebnis determiniert? Während es unzählbar viele Anthologien und Zusammenfassungen von Theorien der Ästhetik und kusnthistorischen Methodologien gibt, ist in dieser Hinsicht über das Themengebiet der Fotografie nicht viel zu finden.

In den vier Bänden von Wolfgang sind alle wichtigen Aufsätze oder Ausschnitte zu finden. Die Aufsätze sind zum einen von einschlägig bekannten Theoretikern wie Roland Barthes, Walter Benjamin, André Bazin oder malreux, zum anderen von Fotografen selbst, z.B. von Otto Steinert, Minor White oder Amsel Adams.

Jeder der Bände beginnt mit einer summarischen Zusammenfassung und Einordnung von dem Herausgeber selbst. Vor jedem Text der Anthologie ist eine kleine Einführung zu finden zu dem jeweiligen theoretiker und dem Text selbst. Es handelt sich um ein Standardwerk für alle, die sich theoretische mit der Gattung Fotografie auseinandersetzen wollen.

Walter Benjamin und der neue Blick auf die Photographie.

von Rolf H. Krauss
Amazon-Preis: EUR 14,80
Broschiert - 127 Seiten - Hatje Cantz Verlag
Erscheinungsdatum: Juli 1998
ISBN: 3893224297

Noch 125 Jahre nach ihrer Erfindung war die Photographie im allgemeinen Bewußtsein lediglich als technisches Medium mit einiger wirtschaftlicher Bedeutung, als kulturelles und künstlerisches Phänomen hingegen wurde sie erst seit Mitte der sechziger Jahre erfaßt. Warum setzte der Erkenntnisprozeß eben zu dem bezeichneten Zeitpunkt ein? Welche Rolle kam hierbei Benjamins Schriften zur Photographie der dreißiger Jahre zu?

In fünf seiner Texte setzte sich der Essayist, Literatur- und Zeitkritiker Walter Benjamin mit der Fotografie auseinander. Die Aufsätze "Kleine Geschichte der Photographie" und "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" beschäftigten sich ausdrücklich mit dem ersten technischen Bildmedium. Im Exposé zum Passagen-Werk, im zweiten "Pariser Brief" und in der Rezension zu Gisèle Freunds Schrift Photographie und Gesellschaft findet das Thema bemerkenswerte Erwähnungen.

Der Kunsthistoriker Rolf H. Krauss stellt in seiner Untersuchung zunächst die Inhalte dieser Texte in chronologischer Reihenfolge vor. Er beschreibt das zunehmende Interesse der Kunstgeschichte an der Fotografie ab Mitte der 60er-Jahre und sieht in dieser Entwicklung einen Paradigmenwechsel im Denken über das Medium. Abschließend erörtert er die Rezeption der Texte Walter Benjamins zwischen 1970 und 1990 sowie deren Einfluss auf die zu dieser Zeit geführte Fototheoriediskussion.

Die Veröffentlichung ist als kenntnisreiche Schrift für all diejenigen interessant, die sich mit der Fotografie oder dem Denken Walter Benjamins zu diesem Medium auseinandersetzten.

Rolf H. Krauss, der sich seit mehr als drei Jahrzehnten wissenschaftlich mit der Geschichte und Theorie der Photographie auseinandersetzt, erörtert diese brisanten Fragestellungen.

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (Edition Suhrkamp, Nr.28)

von Walter Benjamin
Amazon-Preis: EUR 7,50
Broschiert - 107 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 1963
ISBN: 3518100289

In seinem Kunstwerk- Aufsatz beschreibt Walter Benjamin die geschichtlichen, sozialen und ästhetischen Prozesse, die mit der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks einhergehen. Dabei entwickelt er eine Begrifflichkeit, die, so sein Programm, "für die Zwecke des Faschismus völlig unbrauchbar", dagegen "zur Formulierung revolutionärer Forderungen in der Kunstpolitik brauchbar" ist. Benjamins Einsicht in das "auratische" Wesen der Kunst etwa ist gerade deshalb ein Meilenstein der philosophischen Ästhetik, weil sie der Betrachtung der Kunst in ihrem jeweiligen Kontext erwächst. Dies ist im Einzelfall anhand der beiden weiteren Studien dieses Bandes nachzuvollziehen.

Schon der Titel sagt einiges über den Inhalt. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Was verändert sich, wenn ein Kunstwerk plötzlich technisch reproduzierbar wird? Was bedeutet es, wenn durch die technische Reproduktion die Frage nach dem "echten" und "einzigartigen" Original hinfällig wird, wie es beispielsweise bei der Fotografie oder dem Film der Fall ist. Was bedeutet die technische Reproduktion für die Kunstwerke, die im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit dennoch den Anspruch auf Originalität erheben?

Auf Fragen wie diese geht Walter Benjamin in seinem Buch ein. Denn durch die technische Reproduzierbarkeit würde die "Aura" des orginalen Kunstwerkes fallen. Dazu ist vielleicht kritisch anzumerken, daß sich in der Kunst des 20. Jahrhunderts die "Aura" in der Reproduktion konstituieren kann, so wie es beispielsweise in den fabrizierten Kunstwerken von Andy Warhol der Fall ist. Trotzdem handelt es sich um ein Standardwerk, unverzichtbar für das Verständnis der Kunst im 20. Jahrhundert.

Wer sich mit Kunsttheorie beschäftigt, kommt an Benjamin nicht vorbei. Doch dieses "nicht vorbei kommen" ist alles andere als eine Qual. Aufgrund der vielen Aphorismen liest sich Benjamin gut und wird auch entsprechend oft zitiert. Benjamin selbst ist beim zitieren ungenau: als Student an einer heutigen Uni würde er wohl an Formfehlern scheitern. Mit seinem eingängigen Zitat aus einem nicht existenten Leipziger Anzeiger (kl. G. der Photographie) hat er noch vielen Kunsttheoretikern nach ihm ein Kuckucksei ins Nest gelegt. Dafür ist seine Schreibweise anschaulich und bildhaft. Nur gelegentlich ist es schwer seinen Gedankengängen zu folgen. Für eine kritische Würdigung Benajmins (nur Foto- und Kunsttheorie, nicht Filmtheorie) empfiehlt sich: Kraus, Rolf (1998): Walter Benjamin und der neue Blick auf die Photographie. Ostfildern: Cantz

Enthält ebenfalls die „Kleine Geschichte der Photographie", die es vor dem „Kunstwerk" zu lesen sich empfiehlt. Zum einen, weil sie fünf Jahre vorher veröffentlicht wurde (1931), zum anderen, weil der Film technisch im Grunde auf die Photographie aufbaut. Er spricht auch dort bereits von der „Aura" des Kunstwerkes, worauf er im „Kunstwerk" genauer eingeht. Inhalt: Seine Überlegung ist, daß die Reproduktion von Kunstwerken eine eigene Kunstform ist, die sich mit der Entstehung von Photographie und Film ausprägen und eine Wirkung auf die herkömmliche Kunst ausstrahlen. Nicht reproduzierbare Kunstwerke seien einmalig und dauerhaft, damit auratisch, und dienen der Kontemplation. Reproduzierbare Kunstwerke seien hingegen wiederholbar und flüchtig, somit nicht auratisch, und dienen der Zerstreuung. In dieser filmwissenschaftlichen Schrift versucht Benjamin die Veränderung der Kunst durch die neue Kunstform Film einzukreisen und deren eigenen Status zu beschreiben. Er greift dabei auf andere Autoren wie Brecht zurück und schlägt schließlich gar den Bogen zwischen Bedeutung des Films und dessen Verwendung im Nationalsozialismus und im Kommunismus. Geltung: Die Frage nach dem Status der Kunst war nicht nur 1936 aktuell - und auch schon zuvor, als Expressionismus (als künstlerische Gestaltung), Realismus (als naturgetreue Wiedergabe) und Hollywood (als reiner Kommerz) sich gegenüber standen -, sondern war es in den Jahren danach und ist es auch heute noch. Noch immer stehen sich Kunst und Kommerz gegenüber oder fließen untrennbar ineinander. Benjamins Überlegungen zur Kunst sind sehr abstrakt, aber heute so zutreffend wie zur Zeit ihrer Entstehung, obwohl über 60 Jahre Entwicklung dazwischen liegen, was die Lektüre mitunter vergessen läßt, weil bei dem weitsichtigen und sehr sorgfältig arbeitenden Benjamin bereits Begriffe wie „Virtualität" auftauchen.

Walter Benjamin, geboren am 15. Juli 1892 in Berlin, nahm sich am 27. September 1940 auf der Flucht vor der Gestapo an der französisch- spanischen Grenze das Leben.

Paradigma Fotografie.

von Herta Wolf
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 466 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Oktober 2002
ISBN: 351829198X

In ihrer Sammelbesprechung von Anthologien zur Mediengeschichte bemerkt Rezensentin Julia Encke, dass die inzwischen kanonisierten Texte zur Mediengeschichte -Baudelaire, Benjamin, Barthes - in vielen Aufsätzen zwar als Beleg verwendet, aber selten kritisch gelesen werden.

Diese Lücke nun schließe dankenswerterweise Herta Wolf, die in ihrem Band "Paradigma Fotografie" Beiträge versammelt, die die "Leittexte" der Mediengeschichte verhandeln. Dass die Herausgeberin dabei diese Aufsätze selbst in die Höhe von Leittexten erhebe, geht für die Rezensentin durchaus in Ordnung. Besonders positiv hebt sie dabei Sarah Kofmans Aufsatz "Freud - Der Fotoapparat" sowie John Taggs und Allan Sekulas kritische Schriften zur Instrumentalisierung des Bildes hervor.

Unverständlich bleibt Encke allein, warum Herausgeberin Wolf bereits das Ende der Fotografie annonciert (Buchnotiz zu: Süddeutsche Zeitung, 06.03.2003 bei Perlentaucher.de).

»Die Fotografie und der Film sind reine Produkte der industriellen Revolution. Sie sind nicht ein einem Erbe, einer Tradition befangen. Deshalb ist die Analyse außerstg schwierig: Man müsste eine neue Ästhetik erfinden, die sich zugleich mit dem Film und der Fotografie befasst und sie voneinander differenziert, während es in Wirklichkeit eine Filmästhetik gibt, die mit stilistischen Werten literarischen Typs arbeitet. Die Fotografie hingegen hat nicht von diesem Transfer profitiert. Sie ist gleichsam das Stiefkind der Kultur. Niemand kümmert sich um sie« (Roland Barthes).

Ordnungen der Sichtbarkeit.

von Peter Geimer
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 443 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: August 2001
ISBN: 3518291386

In den letzten Jahren zeigt sich in den Geistes- und Kulturwissenschaften ein zunehmendes Interesse an Fragen der Bildlichkeit, der Repräsentation und der Visualisierung. Die einzelnen Beiträge des Bandes diskutieren die Debatten um die fotografische Eroberung der Sichtbarkeit an Beispielen aus Medizin, Physik, Anthropologie, Spiritismus, Rechtsprechung, Literatur und bildender Kunst. Indem die künstlerischen, wissenschaftlichen und sozialen Aspekte der Fotografie hier erstmals in einer vergleichenden Zusammenschau diskutiert werden, eröffnet der Band Perspektiven auf eine neue Wissenschaft vom Bild.

Die Frage nach Praktiken der Visualisierung ist in den letzten Jahren ein wichtiges gemeinsames Arbeitsfeld von Wissenschaftsgeschichte, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft geworden. Im technischen Zeitalter ist die Sichtbarkeit von Dingen durchaus nicht selbstverständlich und «evident», sondern muss in vielen Bereichen jeweils erst ermittelt und hergestellt werden.

Der von Peter Geimer herausgegebene Sammelband führt das anhand der Photographie beispielhaft vor. Am Ende des 19. Jahrhundert war die junge Technik utopisches Versprechen darauf, dass die Dinge sich selbst unverstellt abbilden könnten: Der Romanautor Emile Zola träumte sich ebenso als photographischer Erfasser sozialer Wirklichkeiten wie der Berliner Physiologe Fritsch, der anhand der mikrophotographischen Abbildung menschlicher Haare endlich eine exakte Wissenschaft von den menschlichen Rassenunterschieden begründen wollte. Je mehr den forschenden Männern hinter dem Objektiv mit Bildern aus dem Körperinnern und Fotos extrem schnell bewegter Objekte die Visualisierung vorher unsichtbarer Phänomene gelang, desto stärker gerieten ihnen allerdings auch die Grenzen zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Darstellung ins Schwimmen. Die Suche nach der exakten und objektiven Selbstabbildung der Natur produzierte bildmächtige Pannen, Manipulation und das opake Rauschen der Bilder.

Fazit: Es ist der Wunsch nach Exaktheit, der den Patzer erzeugt. Evidenz ist, wenn es schief geht. «Der Staub zeigt uns, dass es das Licht gibt», resümiert Georges Didi-Hubermann schliesslich elegant und etwas melancholisch (»Photographische Genauigkeit als Falle« in: Neue Zürcher Zeitung).

Die helle Kammer.

von Roland Barthes
Amazon-Preis: EUR 9,00
Broschiert - 137 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 1989
ISBN: 3518381423

Das Buch versucht Licht zu bringen in die Geheimnisse der Dunkelkammer, in das Geheimnis der Betrachtung fotografischer Bilder. Dabei ist signifikant, daß von der wichtigsten Fotografie in diesem Buch nur die Rede ist, daß diese Fotografie in diesem Buch nicht abgebildet ist: das Wintergartenfoto mit der verstorbenen Mutter von Barthes als kleines Mädchen. Warum ist dieses Foto nicht abgebildet, warum wird trotzdem so viel über dieses Foto geredet? Weil es dem Leser nichts brächte, würde er das Foto vor Augen haben. Vor Augen hat er jedoch die Erläuterungen von Barthes, seinen subjektiven Eindruck. Damit statuiert Barthes ein Exemplum: Jeder muß in Fotos seine eigene Lektüre lesen, sich zu seiner Subjektivität bekennen in der Betrachtung fotografischer Bilder.

Roland Barthes (1915-1980), einer der bedeutendsten Kritiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist als einer der Initiatoren und Vorkämpfer der semiologischen Revolution bekannt geworden - und für ein Werk, in dem sich biographisches Material und wissenschaftlicher Ansatz miteinander verflechten. Einen heute relativ unbekannten Teil seines Werkes verfaßte er in den fünfziger Jahren. Zu dieser Zeit war Roland Barthes aktiv beteiligt an der Gründung und dem Erscheinen der Zeitschrift "Teatre populaire", eines ebenso ästhetischen wie politischen Phänomens. Anfang der sechziger Jahre gibt Barthes das Theater auf, er besucht es nicht mehr, er schreibt so gut wie keinen Artikel mehr über Aufführungen. Aber er ist langfristig von seiner Erfahrung geprägt: "Im Herzen meines Werks, das Theater".

Über Fotografie.

von Susan Sontag
Amazon-Preis: EUR 9,90
Broschiert - 201 Seiten - Fischer (Tb.), Frankfurt
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3596230225

Susan Sontag ist eine herausragende Autorin mit viel Gespür für Fotografie, was schon aus ihrem Beitrag zu Leibovitz' "Women" bekannt ist. Susan Sontag hat in diesem Band scharfsinnige und kritische Analysen zum sozio-kulturellen Hintergrund der Fotografie vorgelegt. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, warum wir fotografieren, warum Fotografie ein Massenphänomen geworden ist, und was Fotografie eigentlich ist. Ich habe die Essays gerne gelesen, weil ich diese Hinterfragung meiner eigenen Arbeiten als inspiriend verstanden habe. Es ist eine Herausforderung, Sontag's Fragen in meinen Fotografien zu beantworten.

Was ist ein Bild?

von Gottfried Boehm
Amazon-Preis: EUR 29,00
Broschiert - 458 Seiten - Fink (Wilhelm)
Erscheinungsdatum: August 2001
ISBN: 3770529200

Wer nach dem Bild fragt, fragt nach Bildern, einer unübersehbaren Vielzahl. Sie läßt es fast aussichtslos erscheinen, einen gangbaren Weg der Debatte zu finden. Welche Bilder sind gemeint? Gemalte, gedachte, geträumte? Gemälde, Metaphern, Gesten? Spiegel, Mimikry, Echo? Verbinden diese Bilder Gemeinsamkeiten? Worin könnten sie bestehen? Welche wissenschaftlichen Disziplinen scheinen geeignet, an diesem Diskurs teilzunehmen? Dieser Band will einen Überblick geben, der die Klärung von Grundlagen mit Gesichtspunkten der Nutzanwendung verbindet.

Trotz einer weit zurückreichenden kunsthistorischen Tradition steht die "Wissenschaft vom Bild" noch am Anfang. Sie ist befindet sich quasi noch in den Startlöchern. Um über Bilder und deren Bidlichkeit zu reden, sind Gesichtspunkte, Fragen und Begriffe notwendig. In diesem Buch sind Aufsätze verschiedener Autoren wie Lacan, Boehm oder Merlau-Ponty versammelt, die sich zur Frage des Bildes und der Bildlichkeit äußern. Viele der Aufsätze wurden nicht in dem Bewußtsein geschrieben, das für diese Publikation konstitutiv ist: Das Bewußtsein der "Bildwissenschaft". Diese steht noch am Anfang. Vielleicht dient ihr diese Publikation als Katalysator.


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