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Literatur zur Geschichte der Fotografie
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17-Jun-2004/07-Feb-06
Übersicht
Geschichte der Photographie.
von
Beaumont Newhall
Amazon-Preis: EUR 24,80
Broschiert - 327 Seiten - Schirmer/Mosel
Erscheinungsdatum: April 1998
ISBN: 3888143195
Das große Standardwerk von Beaumont Newhall zur Geschichte der
Photographie - bis heute unentbehrlich für alle, die sich dem
Studium der Photographie widmen wollen -, war seinerzeit, 1937, ein
Meilenstein in der Fachliteratur. Denn Newhall präsentierte nicht
nur die Geschichte des Fortschritts photographisch-technischer
Verfahren, sondern stellte vor allem auch die ästhetische
Entwicklung und die kulturelle Bedeutung des Mediums Photographie in
den Mittelpunkt seines Interesses.
Die Geschichte ihres Beitrages zur bildenden Kunst ist Gegenstand
dieses Buches-, schrieb er in das Vorwort der fünften, erweiterten
Ausgabe von 1982, in der er die Geschichte der Photographie von 1839
bis zur Gegenwart Anfang der achtziger Jahre fortführte. Anschaulich
geschrieben, zeigte er die Emanzipation der Photographie vom
Hilfsmittel der Kunst zu einer eigenständigen Kunstform.
Bei mir steht dieses Buch schon seit zehn Jahren im Regal; und
ich entdecke immer noch etwas Neues oder wieder-lesenswertes. Aber
Achtung: Newhall gehoerte in den Dreissigern zum engeren
"Dunstkreis" der Group f/64. Trotzdem ist dieses Buch sehr objektiv
und umfassend. Oder was denken Sie woher ich weiss, dass Heinrich
Zille nicht nur ein Maler war... (Amazon.de-Kundenrezension).
Geschichte der Fotografie.
von
Willfried Baatz
Amazon-Preis: EUR 14,90
Broschiert - 192 Seiten - Dumont Literatur und Kunst Verlag
Erscheinungsdatum: Mai 2002
ISBN: 3832136169
Baatz' Büchlein Geschichte der Fotografie schließt die Lücke in
der Fotografieliteratur, die zwischen wissenschaftlichen
Spezialuntersuchungen, Ausstellungskatalogen, Bildbänden und
vielbändigen Lexika klafft. Es ist so umfassend, daß man sich fragt,
wie der Autor so viele Informationen auf so wenige Seiten bannen
konnte.
Von den frühen Anfängen der Lochkamera (Camera obscura) bis zur
digitalen Fotografie beschreibt Baatz die Veränderungen der
technischen und der künstlerischen Seiten der Fotografie. Das
Wechselspiel und der gegenseitige Einfluß von Fotografie und Malerei
ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.
Die Veränderung des Stellenwertes der Fotografie wird deutlich.
War in den frühen Jahren die Technik noch der limitierende Faktor
und somit das Medium Fotografie nur wenigen zugänglich (und mit
großem Aufwand verbunden), entwickelte sich bald ein breites
Interesse und die Entwicklung zur Massenware und Unkompliziertheit
vollzog sich schnell. Damit wurde ein anderer Anspruch an das Medium
möglich: künstlerischer Ausdruck. Der erste verbreitete
künstlerische Stil (Neuer Realismus) setzte sich um 1910 durch.
Jedes der acht Kapitel beginnt mit einer Geschichtsleiste, die
die fotografischen Strömungen und Veränderungen mit den wichtigsten
Ereignissen in Politik, Wissenschaft und Gesellschaftsgeschichte in
Zusammenhang bringt:
- Vorgeschichte
- Die frühen Verfahren
- Neue Verfahren -- andere Wege
- Vorläufer der modernen Fotografie
- Die neue Sicht
- Entdeckung des Alltags
- Fotografie der Nachkriegszeit
- Ungeschönte Welt
Viele Abbildungen, Zitate bekannter Fotograf/-innen,
Zusammenfassungen und Blöcke mit Erläuterungen zu den wichtigsten
Begriffen im Kapitel machen das Lesen zu einem Vergnügen. Ein sehr
umfangreicher Anhang mit Glossar, einer Chronologie der Fotografie,
nationalen und internationalen Galerien, Museen und Sammlungen,
Zeitschriften, Sachregister und Personenregister machen es darüber
hinaus zu einem idealen Nachschlagewerk.
Wilfried Baatz hat mit diesem anschaulichen, genau
recherchierten, gut lesbaren, leicht verständlichen Überblick der
Geschichte der Fotografie ein Werk geschaffen, das in keinem Regal
fehlen sollte. Ob Amateur, Kunststudent/-in oder Profi –- dieses
Büchlein, das ebensogut "Großes Lexikon der Fotografiegeschichte"
heißen könnte, wird für jeden Fotointeressierten eine Bereicherung
der Hausbibliothek sein.
Wer unter den Studierenden der Medien- oder
Kommunikationswissenschaft, den Publizistik- und Kunst-Studierenden,
den frisch für die Fotografie und ihre Hintergründe und Geschichte
Begeisterten hat nicht geflucht, als er/sie merkte, an die
Fotogeschichte war nur auf Umwegen und häppchenweise ranzukommen?
Blättern in dicken, oft sogar mehrbändigen "Wälzern", Suchen in
Fachzeitschriften und für Anfänger viel zu präzisen und
detailbezogenen Fachaufsätzen. Außerdem: Wer kann es sich schon
leisten, sich sowas anzuschaffen?!
Willfried Baatz liefert eine Alternative: den Schnellkurs zur
Geschichte der Fotografie. Darin findet sich keine systematische,
wissenschaftliche oder enzyklopädische Auseinandersetzung, sondern
ein wunderbar griffiger Zugang zu Phasen in der stilgeschichtlichen
und technischen Entwicklung dieses Mediums. Hilfreich sind die
Hintergrundinformationen wie zum Beispiel "Präraffaeliten" zum
Kapitel über Wechselwirkungen zwischen Kunst und Fotografie um
1850-1880. Berühmte Bilder, herausragende Fotografeinnen und
Fotografen werden so vorgestellt, daß diejenigen, die's genau wissen
wollen, nun wissen, wo sie anfangen und weitersuchen können. Das
Fundament haben sie nach der Lektüre dieses Taschenbuchs. Nachteil:
Die Abbildungen sind für viele Zwecke einfach viel zu klein!
(Amazon.de-Kundenrezension).
Kleine Geschichte der Fotografie.
von
Boris von Brauchitsch
Amazon-Preis: EUR 24,90
Gebundene Ausgabe - 320 Seiten - Reclam, Ditzingen
Erscheinungsdatum: Oktober 2002
ISBN: 3150105021
Im Sommer 1839 präsentierte Louise Jacques Mandé Daguerre den
Mitgliedern der französischen Akademie der Wissenschaften
Lichtbilder bekannter Bauwerke aus Paris. Die detailgenauen
Abbildungen des Louvres, der Brücke Pont Neuf oder der Kathedrale
Notre Dame beeindruckten die Forscher und Politiker so sehr, dass
der französische Staat das Patent erwarb, um das erste fotografische
Aufnahmeverfahren der kulturellen, wissenschaftlichen und
wirtschaftlichen Verwertung zur Verfügung zu stellen. Die folgende
Weiterentwicklung der Fototechnik sowie die Erfindung eines von
jedermann zu bedienenden Fotoapparates im Jahre 1888 machte die
Fotografie zum Massenmedium.
Die Kleine Geschichte der Fotografie schildert die Bedeutung und
Funktion des ersten technischen Bildmediums für die Gesellschaft und
deren Wahrnehmung von den Anfängen der Daguerreotypie bis zur
digitalen Fotografie. In 29 chronologisch geordneten Kapiteln setzt
sich der Kunsthistoriker Boris von Brauchitsch mit wesentlichen
Themen der Fotografiegeschichte auseinander. So beschreibt er den
Streit um die Urheberschaft des fotografischen Abbildungsprozesses,
die visuelle Besitzergreifung ferner Länder und Kulturen durch die
Reisefotografie Mitte des 19. Jahrhunderts oder die immerwährende
Diskussion über das künstlerische Wesen der Fotografie. Seine
kenntnisreichen Ausführungen werden durch Auszüge aus Essays unter
anderem von Walter Benjamin, Ernst Kallai oder Henri Cartier-Bresson
ergänzt. Die rund 130 aussagekräftigen Bildbeispiele bekannter
Fotografen zeigen neben den Stadtansichten und Porträtaufnahmen
früher Dokumentaristen wie Charles Nègre oder Nadar auch
Bildexperimente von Man Ray oder Alexander Rodtschenko, sowie die
seriell konzipierten Arbeiten zeitgenössischer Fotokünstler wie
Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky oder Axel Hütte.
Der ansprechend gestaltete Band überzeugt durch die anschauliche
und verständliche Darstellung von 163 Jahren Fotografiegeschichte
und ist sowohl als Einstieg in das Thema als auch als
Nachschlagewerk gleichermaßen geeignet.
Optische Medien.
von
Friedrich Kittler
Amazon-Preis: EUR 16,70
Broschiert - 336 Seiten - Merve
Erscheinungsdatum: September 2002
ISBN: 3883961833
Friedrich Kittler, Professor für Ästhetik und Mediengeschichte an
der Humboldt-Universität Berlin, widmet der Geschichte der optischen
Medien eine Vorlesung. Es geht um Künste und Techniken als zwei sehr
unterschiedliche Weisen, die Grenzen der Sichtbarkeit zu
verschieben; aber auch um die Effekte, die vor allem die Entwicklung
des Films auf das uralte Schriftmonopol gehabt hat, also um den
neuen Status von Büchern unter audiovisuellen Bedingungen.
Kittler behandelt die Camera obscura, Albertis Linearperspektive,
McLuhans Medien- und Shannons Informationstheorie, den jesuitischen
Bilderkrieg gegen das Schriftprinzip der Reformation,
absolutistische Blendeffekte, E.T.A. Hoffmanns teuflische Elixiere,
Schillers Geisterseher, Herschels Infrarot und Ritters Ultraviolett,
Nièpce und Daguerre, Jodsilberplatten und Quecksilberdämpfe, Talbots
öpencil of natureö, Eastmanns Zelluloid, Erich von Sternheims
Monokel, Bertillons Verbrecherphotos, serienproduzierte Colts,
Plateaus Lebensrad, Mareys chronophotographische Flinte, Muybridges
kalifornische Pferde, die Brüder Skladanowsky und Lumière, Mélièsü
Filmtricks, Bayreuths Finsternisse, Münsterbergs psychotechnische
Filmästhetik, die Doppelgänger des Autorenfilms, das Pin up Henny
Porten, die Experimentalfilme der Luftaufklärung, Virilios Krieg und
Kino, den Ton- und Farbfilm, die Braunsche Röhre und die
Nipkowscheibe, SECAM, PAL und die V2, Apocalypse Now und HDTV.
Kittlers Vorlesung hat einen durchweg programmatischen Charakter
für die Geschichte und Neuorientierung einer ganzen Disziplin. Sie
ist in Gegenstand wie theoretischer Programmatik der Koexistenz der
Fachbereiche Medien- und Kunstgeschichte, Musik- und
Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin
verpflichtet und leistet dies in exemplarischer Weise. Kittlers
Geschichte der optischen Medien brilliert weniger durch eine
Neuerschließung von bisher unbekannten Quellen und Materialien als
vielmehr durch eine konzise und in ihrer Zuspitzung zwar durchaus
angreifbare, aber immer pointierte Rekombination und zugleich durch
eine mitunter polemische Neubewertung von Forschungsergebnissen
unterschiedlicher Disziplinen (Bernd Stiegler in: Frankfurter
Rundschau, 9.10.2002).
Allez-hop. Ein Parcours quer durch die Geschichte, von den
Techniken bildender Künste in der Renaissance hoch zu den optischen
Medien und dem digitalen Fernsehen. Im Kittlerschen Sound. Heißt,
Kittler steckt seine Nase unterhaltsam, eloquent und extrem gut
informiert in die üblichen Dinge, die ihn was angehen. … Die
überblickende Einleitung der Vorlesung ist im übrigen eine gute
Einführung für Kittlereinsteiger. Sie macht klar mit welcher
Perspektive, nach welchen Kriterien er seinen historischen Zugriff
strukturiert, der einen mit einer immensen Fülle an Anekdoten und
Diskursen versorgt. Und das soll ihm erstmal jemand nachmachen
(MERCEDES BUNZ in DE:BUG, Dezember 2002).
Schön edierte und in Buchform publizierte Vorlesungsmanuskripte
haben einiges für sich, wie in diesem Fall die Vorlesung des
Kulturwissenschaftlers Friedrich Kittler über Geschichte und Theorie
optischer Medien. [Kittlers Buch bietet] eine erzählende und
ausgesprochen unterhaltsame Darstellung eines unvermindert
anspruchsvollen Themas. Das Ergebnis ist einerseits Lichtjahre von
fernsehkompatibler Populärwissenschaft entfernt und liest sich
andererseits, die Phrase sei verziehen, spannend wie ein Krimi (AXEL
WERNER in: die tageszeitung, 9. November 2002).
Kittler tut alles, um sich im Scheinwerferlicht zu bewähren. …
Die Vorlesung selbst, die, wie er sagt, "altmodisch offene Ohren"
braucht, wird als Buch zu einem optischen Medium, zu einem Ereignis,
bei dem das Schriftbild nachinszeniert, was Kittler im Hörsaal
erzählt hat - potenzierte Präsentation (ANDREAS PLATTHAUS in: FAZ,
3. Dezember 2002).
Über den Autor
FRIEDRICH KITTLER, Prof. Dr. phil., Studium der Germanistik,
Romanistik und Philosophie an der Universität Freiburg/Breisgau,
seit 1993 Inhaber des Lehrstuhls für Ästhetik und Geschichte der
Medien am Seminar für Ästhetik, Humboldt Universität zu Berlin.
Mitglied des Hermann von Helmholtz Zentrums für Kulturtechnik und
der Forschergruppe "Bild Schrift Zahl" (DFG) Veröffentlichungen u.
a.: Aufschreibesysteme 1800/1900, München 1985, 3. Aufl. 1995;
Grammophon Film Typewriter, Berlin 1986; Dichter Mutter Kind,
München 1991; Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig
1993; Eine Kulturgeschichte der Kulturwissenschaft, München 2000.
Theorie der Fotografie
Für eine Philosophie der Fotografie.
von
Vilem Flusser
Amazon-Preis: EUR 14,00
Broschiert - 77 Seiten - Vice Versa
Erscheinungsdatum: Dezember 1999
ISBN: 3923283482
Vilem Flusser, geboren 1920 in Prag, gestorben 1991, emigrierte
1939 über London nach Sao Paulo. 1959 wurde er Dozent für
Wissenschaftsphilosphie, 1963 Professor für
Kommunikationsphilosophie an der Universität Sao Paulo.
Theorie der Fotografie
(vier Bände).
von
Wolfgang Kemp (Herausgeber), Hubertus von Amelunxen (Herausgeber)
Amazon-Preis: EUR 78,00
Gebundene Ausgabe - Schirmer/Mosel
Erscheinungsdatum: 2000
ISBN: 3888142024
Seit der Erfindung der Fotografie setzte eine bis heute
anhaltende Debatte ein, die sich in den Fotografien selbst
niedergeschlagen hat. Um nur wenige Fragen dieser Debatte zu
skizzieren: Ist Fotografie Kunst? Oder ist die Fotografie eine
eigene Gattung, die ihre eigenen Begriffe braucht? Wie ist diese
Gestaltung zu bewerten, wo doch die Objektivität der Maschinerie das
Endergebnis determiniert? Während es unzählbar viele Anthologien und
Zusammenfassungen von Theorien der Ästhetik und kusnthistorischen
Methodologien gibt, ist in dieser Hinsicht über das Themengebiet der
Fotografie nicht viel zu finden.
In den vier Bänden von Wolfgang sind alle wichtigen Aufsätze oder
Ausschnitte zu finden. Die Aufsätze sind zum einen von einschlägig
bekannten Theoretikern wie Roland Barthes, Walter Benjamin, André
Bazin oder malreux, zum anderen von Fotografen selbst, z.B. von Otto
Steinert, Minor White oder Amsel Adams.
Jeder der Bände beginnt mit einer summarischen Zusammenfassung
und Einordnung von dem Herausgeber selbst. Vor jedem Text der
Anthologie ist eine kleine Einführung zu finden zu dem jeweiligen
theoretiker und dem Text selbst. Es handelt sich um ein Standardwerk
für alle, die sich theoretische mit der Gattung Fotografie
auseinandersetzen wollen.
Walter Benjamin und der neue Blick auf die Photographie.
von
Rolf H. Krauss
Amazon-Preis: EUR 14,80
Broschiert - 127 Seiten - Hatje Cantz Verlag
Erscheinungsdatum: Juli 1998
ISBN: 3893224297
Noch 125 Jahre nach ihrer Erfindung war die Photographie im
allgemeinen Bewußtsein lediglich als technisches Medium mit einiger
wirtschaftlicher Bedeutung, als kulturelles und künstlerisches
Phänomen hingegen wurde sie erst seit Mitte der sechziger Jahre
erfaßt. Warum setzte der Erkenntnisprozeß eben zu dem bezeichneten
Zeitpunkt ein? Welche Rolle kam hierbei Benjamins Schriften zur
Photographie der dreißiger Jahre zu?
In fünf seiner Texte setzte sich der Essayist, Literatur- und
Zeitkritiker Walter Benjamin mit der Fotografie auseinander. Die
Aufsätze "Kleine Geschichte der Photographie" und "Das Kunstwerk im
Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" beschäftigten sich
ausdrücklich mit dem ersten technischen Bildmedium. Im Exposé zum
Passagen-Werk, im zweiten "Pariser Brief" und in der Rezension zu
Gisèle Freunds Schrift Photographie und Gesellschaft findet das
Thema bemerkenswerte Erwähnungen.
Der Kunsthistoriker Rolf H. Krauss stellt in seiner Untersuchung
zunächst die Inhalte dieser Texte in chronologischer Reihenfolge
vor. Er beschreibt das zunehmende Interesse der Kunstgeschichte an
der Fotografie ab Mitte der 60er-Jahre und sieht in dieser
Entwicklung einen Paradigmenwechsel im Denken über das Medium.
Abschließend erörtert er die Rezeption der Texte Walter Benjamins
zwischen 1970 und 1990 sowie deren Einfluss auf die zu dieser Zeit
geführte Fototheoriediskussion.
Die Veröffentlichung ist als kenntnisreiche Schrift für all
diejenigen interessant, die sich mit der Fotografie oder dem Denken
Walter Benjamins zu diesem Medium auseinandersetzten.
Rolf H. Krauss, der sich seit mehr als drei Jahrzehnten
wissenschaftlich mit der Geschichte und Theorie der Photographie
auseinandersetzt, erörtert diese brisanten Fragestellungen.
Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
(Edition Suhrkamp, Nr.28)
von
Walter Benjamin
Amazon-Preis: EUR 7,50
Broschiert - 107 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 1963
ISBN: 3518100289
In seinem Kunstwerk- Aufsatz beschreibt Walter Benjamin die
geschichtlichen, sozialen und ästhetischen Prozesse, die mit der
technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks einhergehen. Dabei
entwickelt er eine Begrifflichkeit, die, so sein Programm, "für die
Zwecke des Faschismus völlig unbrauchbar", dagegen "zur Formulierung
revolutionärer Forderungen in der Kunstpolitik brauchbar" ist.
Benjamins Einsicht in das "auratische" Wesen der Kunst etwa ist
gerade deshalb ein Meilenstein der philosophischen Ästhetik, weil
sie der Betrachtung der Kunst in ihrem jeweiligen Kontext erwächst.
Dies ist im Einzelfall anhand der beiden weiteren Studien dieses
Bandes nachzuvollziehen.
Schon der Titel sagt einiges über den Inhalt. Das Kunstwerk im
Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Was verändert sich,
wenn ein Kunstwerk plötzlich technisch reproduzierbar wird? Was
bedeutet es, wenn durch die technische Reproduktion die Frage nach
dem "echten" und "einzigartigen" Original hinfällig wird, wie es
beispielsweise bei der Fotografie oder dem Film der Fall ist. Was
bedeutet die technische Reproduktion für die Kunstwerke, die im
Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit dennoch den Anspruch
auf Originalität erheben?
Auf Fragen wie diese geht Walter Benjamin in seinem Buch ein.
Denn durch die technische Reproduzierbarkeit würde die "Aura" des
orginalen Kunstwerkes fallen. Dazu ist vielleicht kritisch
anzumerken, daß sich in der Kunst des 20. Jahrhunderts die "Aura" in
der Reproduktion konstituieren kann, so wie es beispielsweise in den
fabrizierten Kunstwerken von Andy Warhol der Fall ist. Trotzdem
handelt es sich um ein Standardwerk, unverzichtbar für das
Verständnis der Kunst im 20. Jahrhundert.
Wer sich mit Kunsttheorie beschäftigt, kommt an Benjamin nicht
vorbei. Doch dieses "nicht vorbei kommen" ist alles andere als eine
Qual. Aufgrund der vielen Aphorismen liest sich Benjamin gut und
wird auch entsprechend oft zitiert. Benjamin selbst ist beim
zitieren ungenau: als Student an einer heutigen Uni würde er wohl an
Formfehlern scheitern. Mit seinem eingängigen Zitat aus einem nicht
existenten Leipziger Anzeiger (kl. G. der Photographie) hat er noch
vielen Kunsttheoretikern nach ihm ein Kuckucksei ins Nest gelegt.
Dafür ist seine Schreibweise anschaulich und bildhaft. Nur
gelegentlich ist es schwer seinen Gedankengängen zu folgen. Für eine
kritische Würdigung Benajmins (nur Foto- und Kunsttheorie, nicht
Filmtheorie) empfiehlt sich: Kraus, Rolf (1998): Walter Benjamin und
der neue Blick auf die Photographie. Ostfildern: Cantz
Enthält ebenfalls die „Kleine Geschichte der Photographie", die
es vor dem „Kunstwerk" zu lesen sich empfiehlt. Zum einen, weil sie
fünf Jahre vorher veröffentlicht wurde (1931), zum anderen, weil der
Film technisch im Grunde auf die Photographie aufbaut. Er spricht
auch dort bereits von der „Aura" des Kunstwerkes, worauf er im
„Kunstwerk" genauer eingeht. Inhalt: Seine Überlegung ist, daß die
Reproduktion von Kunstwerken eine eigene Kunstform ist, die sich mit
der Entstehung von Photographie und Film ausprägen und eine Wirkung
auf die herkömmliche Kunst ausstrahlen. Nicht reproduzierbare
Kunstwerke seien einmalig und dauerhaft, damit auratisch, und dienen
der Kontemplation. Reproduzierbare Kunstwerke seien hingegen
wiederholbar und flüchtig, somit nicht auratisch, und dienen der
Zerstreuung. In dieser filmwissenschaftlichen Schrift versucht
Benjamin die Veränderung der Kunst durch die neue Kunstform Film
einzukreisen und deren eigenen Status zu beschreiben. Er greift
dabei auf andere Autoren wie Brecht zurück und schlägt schließlich
gar den Bogen zwischen Bedeutung des Films und dessen Verwendung im
Nationalsozialismus und im Kommunismus. Geltung: Die Frage nach dem
Status der Kunst war nicht nur 1936 aktuell - und auch schon zuvor,
als Expressionismus (als künstlerische Gestaltung), Realismus (als
naturgetreue Wiedergabe) und Hollywood (als reiner Kommerz) sich
gegenüber standen -, sondern war es in den Jahren danach und ist es
auch heute noch. Noch immer stehen sich Kunst und Kommerz gegenüber
oder fließen untrennbar ineinander. Benjamins Überlegungen zur Kunst
sind sehr abstrakt, aber heute so zutreffend wie zur Zeit ihrer
Entstehung, obwohl über 60 Jahre Entwicklung dazwischen liegen, was
die Lektüre mitunter vergessen läßt, weil bei dem weitsichtigen und
sehr sorgfältig arbeitenden Benjamin bereits Begriffe wie
„Virtualität" auftauchen.
Walter Benjamin, geboren am 15. Juli 1892 in Berlin, nahm sich am
27. September 1940 auf der Flucht vor der Gestapo an der
französisch- spanischen Grenze das Leben.
Paradigma Fotografie.
von
Herta Wolf
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 466 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: Oktober 2002
ISBN: 351829198X
In ihrer Sammelbesprechung von Anthologien zur Mediengeschichte
bemerkt Rezensentin Julia Encke, dass die inzwischen kanonisierten
Texte zur Mediengeschichte -Baudelaire, Benjamin, Barthes - in
vielen Aufsätzen zwar als Beleg verwendet, aber selten kritisch
gelesen werden.
Diese Lücke nun schließe dankenswerterweise Herta Wolf, die in
ihrem Band "Paradigma Fotografie" Beiträge versammelt, die die
"Leittexte" der Mediengeschichte verhandeln. Dass die Herausgeberin
dabei diese Aufsätze selbst in die Höhe von Leittexten erhebe, geht
für die Rezensentin durchaus in Ordnung. Besonders positiv hebt sie
dabei Sarah Kofmans Aufsatz "Freud - Der Fotoapparat" sowie John
Taggs und Allan Sekulas kritische Schriften zur Instrumentalisierung
des Bildes hervor.
Unverständlich bleibt Encke allein, warum Herausgeberin Wolf
bereits das Ende der Fotografie annonciert (Buchnotiz zu:
Süddeutsche Zeitung, 06.03.2003 bei Perlentaucher.de).
»Die Fotografie und der Film sind reine Produkte der
industriellen Revolution. Sie sind nicht ein einem Erbe, einer
Tradition befangen. Deshalb ist die Analyse außerstg schwierig: Man
müsste eine neue Ästhetik erfinden, die sich zugleich mit dem Film
und der Fotografie befasst und sie voneinander differenziert,
während es in Wirklichkeit eine Filmästhetik gibt, die mit
stilistischen Werten literarischen Typs arbeitet. Die Fotografie
hingegen hat nicht von diesem Transfer profitiert. Sie ist gleichsam
das Stiefkind der Kultur. Niemand kümmert sich um sie« (Roland
Barthes).
Ordnungen der Sichtbarkeit.
von
Peter Geimer
Amazon-Preis: EUR 15,00
Broschiert - 443 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: August 2001
ISBN: 3518291386
In den letzten Jahren zeigt sich in den Geistes- und
Kulturwissenschaften ein zunehmendes Interesse an Fragen der
Bildlichkeit, der Repräsentation und der Visualisierung. Die
einzelnen Beiträge des Bandes diskutieren die Debatten um die
fotografische Eroberung der Sichtbarkeit an Beispielen aus Medizin,
Physik, Anthropologie, Spiritismus, Rechtsprechung, Literatur und
bildender Kunst. Indem die künstlerischen, wissenschaftlichen und
sozialen Aspekte der Fotografie hier erstmals in einer
vergleichenden Zusammenschau diskutiert werden, eröffnet der Band
Perspektiven auf eine neue Wissenschaft vom Bild.
Die Frage nach Praktiken der Visualisierung ist in den letzten
Jahren ein wichtiges gemeinsames Arbeitsfeld von
Wissenschaftsgeschichte, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft
geworden. Im technischen Zeitalter ist die Sichtbarkeit von Dingen
durchaus nicht selbstverständlich und «evident», sondern muss in
vielen Bereichen jeweils erst ermittelt und hergestellt werden.
Der von Peter Geimer herausgegebene Sammelband führt das anhand
der Photographie beispielhaft vor. Am Ende des 19. Jahrhundert war
die junge Technik utopisches Versprechen darauf, dass die Dinge sich
selbst unverstellt abbilden könnten: Der Romanautor Emile Zola
träumte sich ebenso als photographischer Erfasser sozialer
Wirklichkeiten wie der Berliner Physiologe Fritsch, der anhand der
mikrophotographischen Abbildung menschlicher Haare endlich eine
exakte Wissenschaft von den menschlichen Rassenunterschieden
begründen wollte. Je mehr den forschenden Männern hinter dem
Objektiv mit Bildern aus dem Körperinnern und Fotos extrem schnell
bewegter Objekte die Visualisierung vorher unsichtbarer Phänomene
gelang, desto stärker gerieten ihnen allerdings auch die Grenzen
zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Darstellung ins
Schwimmen. Die Suche nach der exakten und objektiven Selbstabbildung
der Natur produzierte bildmächtige Pannen, Manipulation und das
opake Rauschen der Bilder.
Fazit: Es ist der Wunsch nach Exaktheit, der den Patzer erzeugt.
Evidenz ist, wenn es schief geht. «Der Staub zeigt uns, dass es das
Licht gibt», resümiert Georges Didi-Hubermann schliesslich elegant
und etwas melancholisch (»Photographische Genauigkeit als Falle« in:
Neue Zürcher Zeitung).
Die helle Kammer.
von
Roland Barthes
Amazon-Preis: EUR 9,00
Broschiert - 137 Seiten - Suhrkamp
Erscheinungsdatum: 1989
ISBN: 3518381423
Das Buch versucht Licht zu bringen in die Geheimnisse der
Dunkelkammer, in das Geheimnis der Betrachtung fotografischer
Bilder. Dabei ist signifikant, daß von der wichtigsten Fotografie in
diesem Buch nur die Rede ist, daß diese Fotografie in diesem Buch
nicht abgebildet ist: das Wintergartenfoto mit der verstorbenen
Mutter von Barthes als kleines Mädchen. Warum ist dieses Foto nicht
abgebildet, warum wird trotzdem so viel über dieses Foto geredet?
Weil es dem Leser nichts brächte, würde er das Foto vor Augen haben.
Vor Augen hat er jedoch die Erläuterungen von Barthes, seinen
subjektiven Eindruck. Damit statuiert Barthes ein Exemplum: Jeder
muß in Fotos seine eigene Lektüre lesen, sich zu seiner
Subjektivität bekennen in der Betrachtung fotografischer Bilder.
Roland Barthes (1915-1980), einer der bedeutendsten Kritiker der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist als einer der Initiatoren
und Vorkämpfer der semiologischen Revolution bekannt geworden - und
für ein Werk, in dem sich biographisches Material und
wissenschaftlicher Ansatz miteinander verflechten. Einen heute
relativ unbekannten Teil seines Werkes verfaßte er in den fünfziger
Jahren. Zu dieser Zeit war Roland Barthes aktiv beteiligt an der
Gründung und dem Erscheinen der Zeitschrift "Teatre populaire",
eines ebenso ästhetischen wie politischen Phänomens. Anfang der
sechziger Jahre gibt Barthes das Theater auf, er besucht es nicht
mehr, er schreibt so gut wie keinen Artikel mehr über Aufführungen.
Aber er ist langfristig von seiner Erfahrung geprägt: "Im Herzen
meines Werks, das Theater".
Über Fotografie.
von
Susan Sontag
Amazon-Preis: EUR 9,90
Broschiert - 201 Seiten - Fischer (Tb.), Frankfurt
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3596230225
Susan Sontag ist eine herausragende Autorin mit viel Gespür für
Fotografie, was schon aus ihrem Beitrag zu Leibovitz' "Women"
bekannt ist. Susan Sontag hat in diesem Band scharfsinnige und
kritische Analysen zum sozio-kulturellen Hintergrund der Fotografie
vorgelegt. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, warum wir
fotografieren, warum Fotografie ein Massenphänomen geworden ist, und
was Fotografie eigentlich ist. Ich habe die Essays gerne gelesen,
weil ich diese Hinterfragung meiner eigenen Arbeiten als inspiriend
verstanden habe. Es ist eine Herausforderung, Sontag's Fragen in
meinen Fotografien zu beantworten.
Was ist ein Bild?
von
Gottfried Boehm
Amazon-Preis: EUR 29,00
Broschiert - 458 Seiten - Fink (Wilhelm)
Erscheinungsdatum: August 2001
ISBN: 3770529200
Wer nach dem Bild fragt, fragt nach Bildern, einer unübersehbaren
Vielzahl. Sie läßt es fast aussichtslos erscheinen, einen gangbaren
Weg der Debatte zu finden. Welche Bilder sind gemeint? Gemalte,
gedachte, geträumte? Gemälde, Metaphern, Gesten? Spiegel, Mimikry,
Echo? Verbinden diese Bilder Gemeinsamkeiten? Worin könnten sie
bestehen? Welche wissenschaftlichen Disziplinen scheinen geeignet,
an diesem Diskurs teilzunehmen? Dieser Band will einen Überblick
geben, der die Klärung von Grundlagen mit Gesichtspunkten der
Nutzanwendung verbindet.
Trotz einer weit zurückreichenden kunsthistorischen Tradition
steht die "Wissenschaft vom Bild" noch am Anfang. Sie ist befindet
sich quasi noch in den Startlöchern. Um über Bilder und deren
Bidlichkeit zu reden, sind Gesichtspunkte, Fragen und Begriffe
notwendig. In diesem Buch sind Aufsätze verschiedener Autoren wie
Lacan, Boehm oder Merlau-Ponty versammelt, die sich zur Frage des
Bildes und der Bildlichkeit äußern. Viele der Aufsätze wurden nicht
in dem Bewußtsein geschrieben, das für diese Publikation konstitutiv
ist: Das Bewußtsein der "Bildwissenschaft". Diese steht noch am
Anfang. Vielleicht dient ihr diese Publikation als Katalysator.
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Kefk
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