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Chronologie zur Geschichte der Fotografie: 19. Jahrhundert

Geschichte : Chronologie : 19. Jahrhundert : 1840-1859
13-Mar-1998/07-Feb-06


1840 bis 1859

Chronologische Darstellung von Meilensteinen aus der Geschichte der Fotografie im 19. Jahrhundert.

< 18. Jh. | 1800-19 | 1820-39 | 1840-59 | 1860-79 | 1880-99 | 20. Jh. >

1840 William Henry Fox Talbot entwickelt die Grundlagen des Negativ-Positiv-Verfahrens, das er als Kalotypie bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine positive Salzpapierkopie vom Papiernegativ, mit der beliebig viele Kopien hergestellt werden können.
  Hippolyte Bayard erläutert am 24. Februar 1840 das von ihm bereits ein Jahr zuvor entwickelte Verfahren vor der Akademie der Wissenschaften; Bayards Direktpositiv-Verfahren auf Papier erforderte Belichtungszeiten von etwa 20 Minuten.
  Zur Herstellung von Daguerrotypen werden Schiebekastenkameras und Balgenkameras mit Stativ verwendet.
  Voigtländer: Vorstellung der Metall-Portraitkamera, der ersten Ganzmetallkamera der Welt; die Kamera verfügt über ein vierlinsiges
Petzval-Objektiv mit einer Lichtstärke von 1:3,7; im Vergleich zu Daguerres Objektiv von 1839 war Petzvals Konstruktion 22-mal lichtstärker, was unter günstigen Bedingungen erstmals Porträts mit Belichtungszeiten von weniger als einer Minute ermöglichte.
  Joseph Max Petzval errechnet analytisch das erste lichtstarke Objektiv mit einer Anfangsblende von 1:3,7 und einer Brennweite von 100 mm für Porträtaufnahmen; das Objektiv ist 22-mal lichtstärker als das von Daguerre verwandte; das Petzvalobjektiv ermöglicht erstmals Portraitaufnahmen mit einer Belichtungszeit von weniger als einer Minute. Es wird von Peter Friedrich Voigtländer weltweit vertrieben.
  John Frederick Goddard erhöht die Lichtempfindlichkeit der fotografischen Platten durch Überziehen der jodierten Fläche mit Brom- oder Bromchlordampf.
  Hippolyte Louis Fizeau verbessert die Tonwertwiedergabe und das Kontastverhalten der Daguerreotypien durch ein Bad in einer Goldchlorlösung.
  Robert Hunt entdeckt Eisenvitriol als Entwicklersubstanz.
  Alexander S. Walcott konstruiert eine Hohlspiegelkamera und eröffnet in den USA das erste Porträt-Atelier. Ebenfalls in New York eröffnet John Johnson ein Daguerreotypisches Atelier sowie in Philadelphia Robert Cornelius.
  Galvanoplastik.
  Charles Wheatstone (1802-1875) und William Fothergill Cooke (1806-1879): Elektrisch-magnetischer Zeigertelegraf.
  Samuel Morse: Elektrisch-magnetischer Telegraf – Morse-Taste, Morse-Alphabet.
nach 1840 Internationale Normierung der Plattengrößen:
Ganzplatte 165x216 mm 6 1/2x8 1/2 Inch
Halbplatte 114x140 mm 4 1/2x5 1/2 Inch
Viertelplatte 83x108 mm 3 1/4x4 1/4 Inch
Sechstelplatte 70x83 mm 2 3/4x3 1/4 Inch
Neuntelplatte 51x64 mm 2x 2 1/2 Inch
1841 Richard Beard eröffnet das erste europäische Porträt-Atelier in London.
  Noel-Marie Paymal Lerebours stellt im ersten kommerziellen Porträt-Atelier Frankreichs bereits 1.500 Porträts aus. Die Belichtungszeit liegt bei durchschnittlich acht Minuten.
  William Henry Fox Talbot läßt sich das erste Negativ-Positiv-Verfahren patentrechtlich unter der Bezeichnung »Calotype Photographic Process« (Kylotypie) schützen (08.02.1841). Zur Aufnahme verwendet er Jodsilberpapier, das in Gallussäure und Silbernitrat entwickelt und in Natriumthiosulfat fixiert wird. Durch Baden in Wachs wird es transparent gemacht und wiederum auf ein Jodsilberpapier zu einem Positiv umkopiert.
  F. Kratochwila und J. F. Goddard entdecken die höhere Lichtempfindlichkeit der Daguerrootypie durch Einwirkung von Brom-Jod auf die Silberplatte.
  Isidore Niepce, der Sohn Nicéphores, veröffentlicht eine erste Geschichte über die Entdeckung der Daguerrotypie.
  Peter Friedrich Voigtländer stellt in Wien eine Tubuskamera vor; dabei handelt es sich um die erste Ganzmetallkamera vor. Die Metall-Portraitkamera verfügt über ein vierlinsiges Petzvalobjektiv mit einer Lichtstärke von 1:3,7.
1842 Hermann Biow (1810-1850) und Ferdinand Stelzner (1805-1894) fotografieren den großen Brand in Hamburg; die Bildserie gilt als erste fotografische Reportage.
  Carl Dauthendey gelingen die ersten Daguerreotypien; sein Sohn Max Dauthendey berichtet später darüber in dem Buch »Der Geist meines Vaters« (1912).
  Claude Felix Seytre: Lochkarten bei mechanischen Musikinstrumenten – runde Kartonplatten als Toninformationsträge.
1842-1880 Vollendung des Kölner Doms.
1843 David Octavius Hill und Robert Adamson schaffen in Edinburgh ca. 1.800 Kalotypien.
  Alexander Bain erfindet den automatischen Kopiertelegraphen – Erster Bildtelegraf mit punkt- und zeilenweiser Abtastung und Umwandlung in elektrische Ströme.
  William Henry Fox Talbot lässt ein Vergrösserungsgerät patentieren und richtet in Reading ein Atelier und Entwicklungslabor ein, in dem Kalotypien hergestellt werden.
1844 William Henry Fox Talbot veröffentlicht das erste mit seinen fotogenischen Zeichnungen illustrierte Buch: »Pencil of Nature« (Brown, Green & Longman's). Talbot klebte 24 seiner Kalotypien als Originalabzüge auf die Buchseiten.
1845 Friedrich Mertens konstruiert die erste Panoramakamera mit einen Bildwinkel von rund 150°, die zylindrisch gebogene Daguerreplatten verwendet.
  Léon Foucault und Alfred Donné: »Atlas du cours de microscopie« – naturwissenschaftliche Fotografien auf Silberplatten.
  N. P. Lerebours benutzt erstmals Drehblenden mit drei unterschiedlichen Öffnungen, die vor das Objektiv gesetzt werden.
1846 Robert Hoe: Rotationspresse (Patent).
1847 David Brewster (1781-1868) erfindet die zweiäugige Stereokamera, also eine Stereokamera mit zwei Objektiven.
  Christian Friedrich Schönbein, Chemieprofessor in Basel, gelingt es, »Baumwolle in den explosiven Zustand zu versetzen«; diese Schießbaumwolle bildet die Grundlage für Kollodium (vgl. Wolfgang Baier, Leipzig 1980: 157)
  Abel Niépce de St. Victor stellt Negative auf albumisierten Glasplatten her; er verwendet dazu silberjodiertes Eiweiss als Kolloid und erzeugt so Albuminplatten (Nièpcetypie). Der Nachteil des Verfahrens liegt in der geringen Lichtempfindlichkeit, die Belichtungszeiten von ein bis zwei Stunden erfordert.
  Collodion: Erste Berichte über »Collodion, eine neue Kleb- und Haftflüssigkeit«; dabei handelt es sich um Schiessbaumwolle, die in Alkohol-Äther gelöst ist.
1848 Gaudin entdeckt »Collodion« (= Kollodium) als weniger stark nitrierte Variante der Schießbaumwolle, die er als Kleb- und Heftflüssigkeit verwendet.
  Frederick C. Bakewell konstruiert einen »elektrischen Telegraphen« – ein Bildtelegraf zur Übertragung von Schriftstücken, Zeichnungen und Bildern aller Art; Verbesserung von Bains Kopiertelegraph von 1843.
1849 Voigtländer: Gründung der Zweigstelle in Braunschweig, damals der zentrale Knotenpunkt im neuen europäischen Eisenbahnnetz.
  Edmond Becquerel führt mit galvanisierten Platten Experimente zur Farbfotografie durch; er erhält photochromatische Spektren, die er jedoch nicht fixieren kann.
1850 Daguerrian Journal: In New York erscheint die erste fotografische Zeitschrift der Welt.
  Gründung der Sociéte Héliographique, u.a. durch den Maler Eugène Delacroix.
  Louis Désiré Blanquard-Evrard beschichtet Papier mit Albumin und erfindet so das Albuminpapier, das auf Grund seiner glatten Oberfläche bald zum gebräuchlichsten Kopierpapier für Fotografien wird.
  Wachspapier: Der Franzose Gustave Le Gray beschreibt ein fotografisches Verfahren, bei dem eine Kombination aus Bienenwachs und Silbersalzen auf Papier aufgetragen wird.
  Marcus Sparling konstruiert eine Reise-Magazin-Kamera für zehn Aufnahmen; es handelt sich dabei um die erste Kamera mit einer Wechselvorrichtung für das Aufnahmematerial (Verbesserung 1854 durch Wechselkassettenvorrichtung von T. Otterwill).
  Levi L. Hill gelingen durch Zufall farbige Daguerreotypien, er kann den Prozess jedoch nicht reproduzieren.
  Die ersten Balgenkameras werden konstruiert (die erste Balgenkamera überhaupt hatte Baron Séguir bereits 1839 vorgestellt); es tauchen die ersten »flexible bellows cameras« (»folding bellows cameras«) auf.
  Durchsetzung reproduktiver fotografischer Verfahren.
  Kaleidotrop.
  Weltausstellung in London.
1851 Frederick Scott Archer (1813-1857) veröffentlicht eine Beschreibung des nassen Kollodiumverfahrens (wet plate process). Dabei wird jodiertes Kollodium in Aether gelöst und auf eine Glasplatte gegossen, die nach Verdunsten des Aethers mit einer Silbernitratlösung sensibilisiert wird. Die Platte wird im nassen Zustand belichtet. Anschliessend entwickelt man in Eisensulfat (FeSO4) und fixiert in Zyankali (KCN). Die Empfindlichkeit des Verfahrens liegt um den Faktor hundert höher als jene der Daguerreotypie. Wie die Daguerreotypie ist die Kollodiumplatte ein Unikat. Normalerweise wurden von Kollodiumaufnahmen Kontaktkopien hergestellt. Um aber die Negativ-Platte selbst als ein Positiv sehen zu können, wird ein schwarzer Hintergrund (schwarzer Lack) auf die Schichtseite aufgetragen; die Betrachtung erfolgt von der Glasseite. Ähnliche Verfahren stellen Gustave Le Gray und Robert J. Bingham vor. Bis 1880 bleibt die Kollodium-Nassplatte das wichtigste fotografisches Verfahren.
  Blitzlichtfotografie: William Henry Fox Talbot nimmt das erste Foto mit Blitzlicht auf; dazu verwendet er »Leydener Flaschen«.
  Jules Dubosq stellt die erste Stereokamera vor.
  Gründung der »New York Times«.
  Ignazio Porro konstruiert ein Teleobjektiv (andere Quellen datieren die erste Verwendung eines Teleobjektivs auf das Jahr 1891) und ein Objektiv mit veränderlicher Brennweite.
  Abel Nièpce de Saint Victor gelingt erstmals die Anfertigung farbiger Daguerreotypien, indem er die Silberplatten mit Chloriden behandelt; auch diese Aufnahmen lassen sich jedoch nicht fixieren.
  Blanquart-Evrard entwickelt in Lille ein hochempfindliches Kopierpapier mit Albumin, das Belichtungszeiten von 6 Sekunden in der Sonne und 40 Sekunden im Schatten ermöglicht.
  Berkowsky fotografiert in Königsberg erstmals eine Sonnenfinsternis auf Daguerrotypien.
1852 Der Engländer Roger Fenton bereist Kiew, St. Petersburg und Moskau; er fertigt dabei die ersten Reisefotografien an.
  Elektrolytische Herstellung von reinem Magnesium durch Robert Bunsen und Sir Henry Roscoe.
  Blanquart-Evrard kann in Lille mit dem Schnellkopierverfahren 200 bis 300 Kopien pro Tag anfertigen.
  William Henry Fox Talbot entwickelt das Bichromatgelatine-Verfahren (Patent).
  Charles Wheatstone veröffentlicht einen Aufsatz über die Stereoskopie, in dem er auch »stereoskopische Photogramme« erörtert.
1852-1870 Charles Louis Napoléon Bonaparte proklamiert sich als Napoleon III. zum Kaiser – Zweites Kaiserreich in Frankreich.
1853 Andre Adolphe Eugene Disdéri (1819-1890) beantragt ein Patent für ein Verfahren, bei dem mehrere Negative auf einer Kollodiumplatte aufgenommen werden konnten (Carte de visite, Visitenkartenporträt).
  Abel Nièpce de Saint Victor präsentiert in Paris erstmals fotografisch mit Stahlplatten hergestellte Drucke – Grundlage für die Heliogravüre.
  Franz Freiherr von Uchatius (1811-1890) kombiniert Laterna magica und Stampfers bzw. Plateaus Phenakistiskop von 1832 zur Projektion von Laufbildern für militärische Schulungen.
  In New York gibt es bereits 86 Daguerreotypie-Ateliers; die Anfertigung und Verarbeitung einer Porträtaufnahme dauert rund 15 Minuten.
  Samuel Morse: Telegrafie mit Duplexbetrieb.
  J. M. Levy konstruiert einen Momentverschluss.
  Thomas Ottewil konstruiert eine Klappkamera.
1854 Visitenkartenporträts: Andre Adolphe Eugene Disdéri (1819-1890) beantragt ein Patent auf sein Verfahren des Porträtbildes im Format der carte-de-visite.
  T. Otterwill erfindet die Wechselkassette (Verbesserung von Sparlings Kamera mit Wechselvorrichtung von 1850).
  August Moll gründet in Wien eins der ersten Fotogeschäfte.
1855 Roger Fenton macht im Krim-Krieg die erste Kriegs-Bildreportage und fertigt dafür 360 Aufnahmen an.
  James Clerk Maxwell  (1831-1879) beschreibt das Prinzip der additiven Farbfotografie durch Kombination von drei Aufnahmen mit Rot-, Grün- und Blaufilter in einem Schwarzweiß-Diapositiv, die mit entsprechenden Filtern übereinander projiziert werden sollen – Theorie der Dreifarbenfotografie (Weiterentwicklung 1861).
  Relandin konstruiert eine Rollkassette für Film, die aus zwei drehbaren Zylindern besteht.
  Romain Talbot beginnt in Berlin mit »photographischen Bedarfsartikeln« zu handeln.
  Ersetzung der Gleitkameras durch Faltbalgenkameras.
  J. M. Taupenot stellt sein trockenes Kollodiumverfahren vor.
  Edouard Léon Scott de Martinville (1817-1879): Phonautograph – indirekte Aufzeichnung von Schwingungen eines Körpers.
1856 Entwicklung verschiedener Trockenplatten (dry plates), die mit Tannin, Albumin oder Gelatine beschichtet waren.
  Lanet de Limenci stellt einen optischen Belichtungsmesser in Form einer Kamera vor.
  J. B. Dancer konstruiert eine zweiäugige Stereokamera, deren Bilder durch ein Stereoskop betrachtet werden.
  C. G. Kinnear konstruiert eine flach zusammenlegbare Kamera mit konischem Balgen.
1857 Fotografien unterliegen in Großbritannien, u.a. auf Initiative von Roger Fenton, dem Copyright.
1858 Nadar (eigtl. Gaspard Félix Tournachon) fertigt aus einem Ballon die ersten Luftaufnahmen an; in den Ballonkorb ist eine Dunkelkammer eingebaut.
  Georg Böttger fertigt aus elf Einzelaufnahmen eine sechs Meter lange Panoramaaufnahme vom Münchner Petersturm.
  Transatlantiktelegrafie.
1859 Aimé Lausedat konstruiert eine topografische Kamera.
  Erfindung des Weitwinkelobjektivs mit 120° Bildwinkel (Quellendiverganz; vgl. 1860).
  Charles Darwin: »Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl« – Begründung der Evolutionstheorie.
  George W. Wilson (Edinburgh) und Edward Anthony (New York) fertigen die ersten Fotografien an, auf denen bewegte Objekte wie spazierende Fußgänger deutlich erkennbar sind; diese neuen Aufnahmemotive werden durch verbesserte Kameraverschlüsse und empfindlichere Platten ermöglicht.

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1840-1859

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