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James Nachtwey
Fotografen : N : James
Nachtwey : Übersicht
27-Jan-2003/10-Feb-07
Übersicht
James Nachtwey ist ein amerikanischer Dokumentarfotograf,
Kriegsberichterstatter und Fotojournalist; geb. 1948 in Syracuse, N. Y.
(andere Quellen: im US-Bundesstaat Massachusetts.
Nachtwey zählt zu den
bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Dokumentarfotografie.
Biographie
Nachtwey wuchs auch in Leominster, Massachusetts, USA und studierte
Kunstgeschichte (Art History) und Politische Wissenschaft (Political
Science) in Dartmouth von 1966-1970. Nach dieser Zeit arbeitete er auf
Handelsschiffen und als Lastwagenfahrer; etwa 1972 entschloss er sich –
unter Einfluss der Studentenbewegung und des Vietnamkriegs – Fotograf zu
werden. Dieses Ziel verfolgte er über nahezu zehn Jahre, jedoch vorerst
ohne Bilder zu publizieren; während dieser "Vorbereitungszeit" brachte
sich Nachtwey die Fotografie autodidaktisch bei durch das Studium von
Fotobüchern und Dunkelkammerarbeit; zu den Fotografen, deren Arbeiten er
studierte, gehören u.a.
Henri Cartier-Bresson, Gene Smith, Josef
Koudelka und Don McCullin. Nachtwey besitzt bis heute keine formale
Qualifikation als Fotograf.
Zunächst lernte er denn Alltag eines Reporters kennen als Assistent
eines Nachrichten-Redakteurs bei der US-Fernseh-Gesellschaft NBC in New
York. Ab 1976 fotografierte er selbst erstmals regionale Ereignisse in
New Mexiko; ab 1980 arbeitete er dann als freier Fotograf in New York.
Seine erste Fotoreportage entstand 1981 in Nordirland, wo er die
Unruhen in Belfast dokumentierte. Nachtwey arbeitet seit dieser Zeit
fast ausschliesslich in den jeweiligen Krisengebieten der Welt unter dem
Motto des "Witness" ("I have been a witness, and these pictures
are my testimony. The events I have recorded should not be forgotten and
must not be repeated").
In den achtziger Jahren bereiste er dann als Dokumentarfotograf die
lateinamerikanischen Länder (El Salvador, Nicaragua, Guatemala,
Brasilien u.a.), Nahost (Libanon, Israel und die besetzten Gebiete,
Kurdistan u.a.) sowie Afrika (Ruanda, Somalia, Südafrika u.a.).
Anschliessend folgten zahlreiche Reisen in das Gebiet der ehemaligen
Sowjetunion und der Länder des Ostblocks wie Bosnien, Rumänien und
Tschetschenien. Auch in Afghanistan entstand 1996 eine Fotodokumentation
des Krieges. In Asien entstanden zunehmend Reportagen, die sich mit der
Armut und den Lebensumständen der dortigen Bevölkerung beschäftigten
(Indonesien, Thailand, Indien, Sri Lanka, Philippinen, Südkorea u.a.)
Nachtwei wurde am 11. Dezember 2003 in Bagdad bei einer Explosion
schwer verletzt, als er amerikanische Sldaten bei einer nächtlichen
Patrouille begleitete (vgl. [1]).
Seit 1984 steht Nachtwei unter Vertrag beim Time Magazine; zwischen
1980 und 1985 kooperierte er mit Black Star. Zwischen 1986 und 2001 war
James Nachtwey Mitglied der Fotoagentur Magnum; seit 2001 arbeitet er
für die Agentur VII, zu deren Gründungsmitgliedern er gehört. Er wohnt
am Rand von Manhattan.
Methodik und Technik
James Nachtwey fotografiert nach der Maxime, möglichst dicht am Motiv
zu sein; er ist "within a rifle butt's reach, sitting upright, his
finger poised above the shutter" (Chris Wright). Nachtwey
vermeidet Teleobjektive und spektakuläre Aufnahmestandpunkte;
stattdessen bevorzugt er Weitwinkelobjektive und begibt sich auf
Augenhöhe der von ihm fotografierten Subjekte. Nachtwey arbeitet
überwiegend in Serien und nur selten in alleinstehenden Einzelbildern.
Er fotografiert sowohl digital (Canon EOS-1Ds) als auch mit analogem
Film (Canon EOS-1Vs und 1Ns, Fujifilm für Farbfotos und Kodak Tri-X für
Schwarzweissbilder), bevorzugt jedoch Negativfilm. Digitale Fotos werden
jedoch häufig notwendig, um knappe Deadline für Auftragsarbeiten
erfüllen zu können. Unterwegs führt er dann ein Apple PowerBook G4 mit
sich, während er im Studio einen Apple Power Mac G4 nutzt. Natwey betont
jedoch die überragende Bedeutung des geschulten Auges gegenüber der
Technik: "documentary photography and photojournalism are based on
perception, not on technology" (vgl. [2]).
Wirkung, Bedeutung und Kritik
Nachtwey ist derzeit einer der erfolgreichsten
Kriegsberichterstatter; seine Bilder werden in zahlreichen Zeitungen,
Magazinen und Illustrierten veröffentlicht. Nachtwey fühlt sich der
concerned photography verpflichtet und seine Bilder zeigen Mitgefühl für
die Opfer von Kriegen und sozialer Ungerechtigkeit. Er behauptet, "ein
Journalist, der sich in eine Kriegszone begibt, übt die höchste Form von
Journalismus aus". Nach seiner Auffassung hat die Presse die
Möglichkeit, Ereignisse wirkungsvoll zu beeinflussen; Kriegsreportagen
sollten daher nicht unterhalten oder nur informieren, sondern "Instinkte
berühren und Politiker zum handeln antreiben" (vgl. [3]).
Seine Arbeit ist jedoch auch umstrittenen. So kritisiert Richard B.
Woodward in The Village Voice, Nachtwey bilde den Schrecken von Krieg
und Tod als "ästhetisches Wunder" ab; Nachtwey sei eben so anti-war wie
Herb Ritts anti-fashion sei und – im Gegensatz zu
Robert Capa – Nachtwey
"doesn't have causes". Er wirft dem Fotografen vor, bei dem
sensationslüsternen Publikum den "Appetit" auf immer grauenvollere
Bilder zu befriedigen und sich dabei in der Rolle des "Heiligen" zu
gefallen. Deshalb sprechen einige Kritiker im Zusammenhang mit Nachtweys
Kriegsfotos auch von war pornography.
Jenseits von aller theoretisierenden Kritik empfiehlt es sich, das
Werk von Nachtwey in einer der zahlreichen Ausstellungen,
Buchpublikationen oder in dem Dokumentarfilm War Photographer selbst
kennen zu lernen.
Werk
Nachtweys Werk ist vielfach publiziert, ausgestellt und ausgezeichnet
worden.
Ausstellungen
Auswahl einiger Ausstellungen:
- International Center of Photography, New York
- Museum of Photographic Arts, San Diego
- Culturgest, Lissabon
- Bibliotheque nationale de France, Paris
- Palazzo Esposizione, Rom
- El Circulo de Bellas Artes, Madrid
- Galerie Fahey/Klein, Prag
- Carolinum, Prag
- Hasselblad Center Schweden
- Canon Gallery, Amsterdam
- Nieuwe Kerk, Amsterdam
- Massachusetts College of Art, Boston
- Hood Museum of Art, Dartmouth College.
Buchpublikationen
Auswahl einiger Buchpublikationen:
- 2001: L'Occhio Testimone
- 2000: Inferno (Phaidon Press; ISBN: 0714838152) - das "am
schönsten fotografiertes Buch über den Tod" (Bosten Globe); 480
grossformatigen Schwarzweissbilder
- 1999: Civil Wars
- 1997: Ground Level
- 1989: Deeds of War (Thames and Hudson; ISBN: 0500541523) -
Fotografien aus Nicaragua, El Salvador, Libanon, der West Bank,
Afghanistan und Nordirland.
Film
Der Autor und Regisseur Christian Frei drehte einen Dokumentarfilm,
War Photographer, über die Arbeit von James Nachtwey (Schweiz 2001, 96
Minuten, 35 mm, Dolby Stereo), der 2001 nominiert wurde für den Academy
Award als bester Dokumentarfilm (Best Documentary Feature).
Auszeichnungen, Preise und Ehrungen
- Dan David Prize - für sein Gesamtwerk (2003)
- World Press Photo Award (2x),
- Robert Capa Gold Medal des Overseas Press Clubs (5x),
- International Center of Photography Infinity Award, New York
(3x),
- Leica Award (2x),
- Bayeaux Award für Kriegsberichterstatter (2x),
- Magazine Photographer of the Year in den USA (6x),
- Alfred Eisenstaedt Award
- Canon Photo Essayist Award
- W. Eugene Smith Memorial-Stipendium für humanistische Fotografie
- Fellowship der Royal Photographic Society
- Ehrendoktor der Fine Arts vom Massachusetts College of Arts.
Anmerkungen
Netmarks
Enhält zahlreiche Bildbeispiele zu den Themen Afghanistan,
AIDS, Deeds of War, Romania, Bosnia, South Africa, Famines,
Kosovo, Industrial Pollution, Crime and Punishment, Pakistan,
Heroin, Rwanda, India, Chechnya, Israel, Indonesia und 9-11-01.
Quelle
Diesen Artikel habe ich am 27-Jan-2004 für die
Wikipedia geschrieben.
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Stand: 27. Jan 2004 19:35.
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