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Polarisationsfilter (Polfilter)

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Home : Fotografie : Filter : Typen : Polarisationsfilter
Erstellt/bearbeitet: 20-Apr-1998/08-Jan-06
Systemzeit: 12.10.2008 00:12:11;


Übersicht

Das Polarisationsfilter (kurz auch Polfilter) ist ein optisch transparentes Medium, das nur elektromagnetische Wellen – i.a. Licht – einer bestimmten Polarisation durchlässt.

Das Polarisationsfilter ist vielleicht das wichtigste Filter in der professionellen und semiprofessionellen Fotografie, wird aber auch von ambitionierten Fotoamateuren häufig verwendet.

Wirkungsweise

Es ist allgemein bekannt, daß Polarisationsfilter Reflexe von nichtmetallischen Oberflächen, wie beispielsweise Wasser, Glas, glänzende Kunststomeile, poliertes Holz, lackierte Flächen, nassem Straßenbelag oder reflektierendes Blattgrün in der Sonne, beseitigen können. Weniger bekannt sind die physikalischen Grundlagen der Polarisation, deren Kenntnis jedoch unerläßlich ist für den richtigen Einsatz von Polarisationsfiltern.

Polarisationstheorie

Licht besteht, wenn man einmal von der Teilchennatur absieht, aus elektromagnetischen Wellen, die sich ausbreiten, indem sie senkrecht zur Fortpflanzunsrichtung innerhalb eines Scheitelwertes (Amplitude) in allen Richtungen schwingen.

Das kann man sich modellhaft im Querschnitt so vorstellen, wie die Speichen eines Rades (= Lichtwellen), die von der Nabe strahlenförmig auseinandergehen (= Schwingungsebenen), sich senkrecht zur Achse (= Fortpflanzungsrichtung) befinden, und deren Länge von den Felgen bestimmt wird (= Amplitude).

Wenn ein Lichtstrahl nur noch in einer Ebene schwingt, spricht man von linear polarisiertem Licht. Wenn ein Lichtstrahl nur in zwei senkrecht zueinander liegenden Ebenen schwingt, spricht man von elliptisch oder zirkular polarisiertem Licht: Bei der elliptischen Polarisation sind die Amplituden beider Wellen unterschiedlich groß und weisen außerdem eine Phasendifferenz von 1/4 der Wellenlänge auf.

Bei der zirkularen Polarisation sind die Amplituden beider Wellen gleich groß. Die Ausbreitung des zirkular polarisierten Lichtes kann man sich bildlich etwa so vorstellen, wie die gleichzeitige Längs- und Drehbewegung eines Korkenziehers.

Der Vollständigkeitshalber sei noch erwähnt, daß es links und rechts elliptisch beziehungsweise zirkular polarisiertes Licht gibt. Lichtbrechung, Teilreflexion und Streuung können die Schwingungsebenen reduzieren. Wenn natürliches Licht auf ein teildurchlässiges Medium, wie Glas oder Wasser (gilt nicht für fließende oder bewegte Gewässer) trifft, wird ein Teil des Lichtes beim Eintritt in das Medium (durch Verringerung der Fortpflanzungsgeschwindigkeit) gebrochen, während der andere Teil reflektiert wird.

Der reflektierte Lichtstrahl ist in einem Winkel von 90° zum gebrochenen Strahl vollständig linear polarisiert. Daraus folgt, daß der Polarisationswinkel vom Brechungsindex des Mediums abhängig ist. Eine vollständige Ausschaltung der Reflexe durch das Polarisationsfilter ist nur unter diesem Winkel möglich. Je größer die Abweichung des Aufnahmewinkele zum Polarisationswinkel ist, desto geringer fällt die Reflexminderung aus. Der Aufnahmewinkel, unter dem die Polarisation weitgehend ausgeschaltet werden kann, liegt normalerweise, je nach Medium und Lichtrichtung, zwischen 30° und 40°.

Man unterscheidet zwischen linearen und zirkulären Polarisationsfiltern, je nach Art der Polarisation der ausfallenden Lichts:

  • Bei linearen Polarisationsfiltern ist das ausfallende Licht immer Licht einer bestimmten Polarisation, es schwingt also in genau einer Richtung und wird linear polarisiertes Licht genannt.
  • Bei zirkulären Polarisationsfiltern wird das linear polarisierte Licht wieder so "durcheinandergewirbelt", dass es dann zwar noch in einer Polarisationsrichtung schwingt, diese sich jedoch um die Ausbreitungsachse dreht. Dies wird erreicht, indem das Licht nach der Polarisation durch ein so genanntes λ/4-Plättchen gesendet wird, welches für verschieden polarisiertes Licht verschiedene Ausbreitungsgeschwindigkeiten hat.

Ein Polarisationsfilter blockiert nun Licht einer bestimmten Polarisation, also Licht, das in genau einer bestimmten Richtung schwingt. Ein Polarisationsfilter lässt nur Licht hindurch, welches in der Polarisationsebene des Filters liegt. Dem zufolge ist das Licht, welches den Polarisationsfilter verlässt, immer polarisiert.

Reflexionen, die beispielsweise an der Oberfläche von verchromtem Metall entstehen, können nicht unmittelbar mit einem Polarisationsfilter beseitigt werden, weil das auftreffende Licht aufgrund der Totalreflexion und der fehlenden Brechung nicht polarisiert wird. Bei Studioaufnahmen von hochglänzenden Metallobjekten oder auch in der Reprofotografie wird das Studiolicht durch Polarisationsfolien, die vor den Reflektoren befestigt werden, polarisiert. Mit einem Polarisationsfilter vor dem Objoktiv lassen sich dann auch diese Reflexe beseitigen.

Licht kann nicht nur durch Brechung und Reflexion, sondern auch durch Streuung polarisiert werden, wobei der Streueffekt senkrecht zur Fortpflanzungsrichtung am größten ist. Das kann man vor allem bei Landschaftsaufnahmen feststellen. Wenn die Aufnahmerichtung etwa im rechten Winkel zur Sonne steht, genügt bereits ein kleiner Dreh am Polarisationsfilter um das Streulicht zu unterdrücken und den Himmel dunkler wiederzugeben. Das ist übrigens die einzige Methode in der Farbfotografie, das Blau des Himmels dunkler wiederzugeben, ohne die anderen Farben zu verändern (Grauverlauffilter gleichen lediglich die Kontraste zwischen Himmel und Landschaft aus). Bei Landschaftsaufnahmen mit Weitwinkelobjektiven und Polarisationsfiltern ist aber zu beachten, daß durch den großen Bildwinkel oft große Himmelpartien erfaßt werden, die normalerweise unterschiedlich starke Polarisation aufweisen. In diesen Fällen wird der Himmel auf den Fotos nicht gleichmäßig »abgedunkelt«.

Das Polarisationsfilter verringert aber nicht nur das Streulicht, sondern auch die Reflexe, die in der Vegetation und an den Oberflächen verschiedener Objekte in der Landschaft entstehen. Als Folge davon werden auch die übrigen Farben reiner, brillanter und gesättigter wiedergegeben (gute Polarisationsfilter erzeugen keinen Farbstich). Aus diesen Gründen sind die Polarisationsfilter aus der professionellen Landschafts- und Reisefotografie nicht mehrwegzudenken.

Bei Autofokus-Spiegelreflexkameras sollten nur zirkulare Polarisationsfilter verwendet werden, um Fehlmessungen weitgehend zu vermeiden. Die Wirkung des Polarisationsfilters läßt sich unmittelbar im Sucher betrachten. Das Filter wird so lange gedreht, bis die gewünschte Wirkung sichtbar wird. Einige Zoomobjektive sind aber ohne Geradführung konstruiert, so daß sich der Tubus mit dem Filtergewinde beim Fokussieren mitdreht. Dadurch verändert sich beim Fokussieren die Position und somit die Wirkung des Polfilters. Folglich sollte bei diesen Objektiven die Position des Polfilters erst nach erfolgter Fokussierung bestimmte werden, wobei manuelle Scharfeinstellung bei Verwendung eines Polfilters angebracht ist.

Besondere Beachtung muß man aber trotz TTL-Messung der Belichtung schenken. Immer wieder wird man belehrt, daß der mit Zirkular-Polarisationsfiltern gemessene Belichtungswert übernommen werden kann. Weitverbreitet ist auch die Ansicht, daß der Verlängerungsfaktor bei Polarisationsfiltern sich nicht mit der Stellung des Filters verändert, sondern stets gleich bleibt. Das wird von der Dichte des Filters abgeleitet, die immer konstant bleibt. In der Praxis der TTL-Messung begegnet man aber folgendem Aspekt: Mit der TTL-Messung kann man nämlich einwandfrei feststellen, daß sich der Belichtungswert mit der Position des Polfilters ändert.

Das Ausmaß der Veränderung hängt vom Anteil des polarisierten Lichtes und vom Winkel dieses Lichtes zum Filter ab. Je mehr polarisiertes Licht vom Filter gesperrt wird, desto dunkler werden die reflektierenden nichtmetallischen Flächen im Bild wiedergegeben. Die TTL-Messung steuert bei dem dunkler erscheinenden Motiv eine reichlichere Belichtung, so daß die Aufnahme mehr oder weniger überbelichtet wird, was die Filterwirkung im Bild wiederum abschwächt. Im Fotoalltag kann man sich folglich auf den durch TTL-Messung ermittelten Belichtungswert nicht immer verlassen.

Bei der Verwendung eines Zirkular-Polarisationsfilters sollte man daher folgendermaßen vorgehen: Das Filter sollte man zunächst in die Position drehen, in der die schwächste Wirkung sichtbar und der Meßwert für die knappere Belichtung angezeigt wird. Dieser Meßwert ist maßgeblich für die anschließende Belichtung und muß gespeichert oder fest eingestellt werden. Danach kann das Polarisationsfilter in die gewünschte Position gedreht werden, ohne den nun angezeigten Wert für eine reichlichere Belichtung zu berücksichtigen. Für eine bequeme und korrekte Arbeitsweise mit Polarisationsfiitern sind die manuelle Belichtungseinstellung und Fokussierung die geeigneten Arbeitsmethoden.

Anwendungen

  • Polarisationsfilter werden in wissenschaftlichen Instrumenten, z. B. Mikroskopen, benutzt, um Strukturen deutlicher hervortreten zu lassen.
  • In Polarimetern werden zwei Polarisationsfilter zur Messung der optischen Aktivität organischer Stoffe verwendet.
  • Für die Projektion von 3D-Filmen werden zwei Projektoren mit vorgesetzten Polarisationsfiltern verwendet. Die Polarisationsebenen sind dabei um 90° gegeneinander gedeht. Bei den projezierten Bildern handelt es sich um Aufnahmen, von zwei verschiedenen Punkten aufgenommen wurden. Der Zuschauer betrachtet diese mit einer Brille, die ebenfalls aus zwei, gegen einander geneigeen, Polfiltern besteht. Dadurch sieht jedes Auge ein unterschiedliches Bild und ein räumlicher Eindruck entsteht.
  • In der Fotografie kann ein Polarisationsfilter unerwünschte Reflexionen von glatten, nichtmetallischen Oberflächen (z.B. Wasser, Glas) unterdrücken.

Licht, welches an solchen Flächen reflektiert wird, wird nämlich bei der Reflexion polarisiert, wenn der Ausfallswinkel etwa 30° bis 40° beträgt, also nahe dem Brewsterwinkel liegt. Wenn der Polarisationsfilter geeignet ausgerichtet ist, werden die reflektierten Lichtwellen unterdrückt, so dass der unpolarisierte Hintergrund nicht von den Reflexionen überstrahlt wird. So ist es z.B. möglich, störende Reflexionen auf Fensterscheiben oder Wasseroberflächen auszublenden.

Das Blau eines wolkenlosen Himmels ist ebenfalls polarisiert. Durch einen Polarisationsfilter kann ein Großteil des hellen Himmels zurückgehalten werden, so dass der Himmel auf dem Foto dunkler und somit kräftiger in seiner Farbe erscheint. Weiße Wolken treten deutlicher vor dem blauen Himmel hervor.

Konstruktionsbedingt erfordern Kameras mit TTL-Belichtungsmessung und Autofokus häufig den Einsatz eines zirkulären Polarisationsfilters.

  • Alle modernen Displays wären ohne Polarisationsfilter undenkbar, da nur durch ihren Einsatz der notwendige Kontrast geschaffen werden kann.

Beispiel

Im folgenden Beispiel wurde das Motiv zuerst ohne Polfilter und unmittelbar danach mit Polfilter fotografiert. Wie deutlich zu erkennen wirken Himmel und Meeresoberfläche durch den Polfilter wesentlich gesättigter und der Kontrast nimmt deutlich zu.

Bezugsmöglichkeit

Polarisationsfilter bei Amazon.de.

Quelle und Lizenz

Ein Teil dieses Textes basiert auf einem Artikel aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie.
Artikel | Bearbeiten | Diskutieren | Drucken | Versionen | Autoren | Backlinks.
Stand: 00:14, 19. Apr 2005.
Lizenz: GNU Free Documentation License.
Bildquellennachweise: • Promotionmaterial © Amazon.de. • Polarisationsfilter für Kamera-Objektiv - Quelle: commons.wikimedia.org via de.wikipedia.org; Lizenz: GNU FDL. • Foto der kroatischen Adria - ohne Polfilter - Quelle: de.wikipedia.org; Fotograf: Christian "VisualBeo" Horvat; Lizenz: GNU FDL. • Foto der kroatischen Adria - mit Polfilter - Quelle: de.wikipedia.org; Fotograf: Christian Horvat (VisualBeo); Lizenz: GNU FDL. • Motiv ohne Polfilter - Quelle: de.wikipedia.org; Fotograf: Thomas Heil (thomas250181); Aufnahmedatum und -ort: 23.05.2004 im Landkreis Böblingen; Lizenz: GNU FDL. • Motiv mit Polfilter - Quelle: de.wikipedia.org; Fotograf: Thomas Heil (thomas250181); Aufnahmedatum und -ort: 23.05.2004 im Landkreis Böblingen; Lizenz: GNU FDL.

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