Wer vor der Wahl steht, sich eine neue Kompaktkamera zu kaufen, kann
zwischen zwei verschiedenen Fotosystemen wählen. Einmal Kameras, die auf
das herkömmliche 35-mm-Kleinbildformat (KB-Format) zurückgreifen, oder
Geräte, die das 1996 eingeführten Advanced Photo System, kurz APS,
unterstützen.
Der Unterschied zwischen den beiden Systemen tritt spätestens beim
Einlegen der Filmpatrone zu Tage. Beim KB-Format muss erst manuell ein
Stückchen Film aus der Patrone gezogen und in die Führung des
Filmtransports eingefädelt werden. Ist der KB-Film in der Kamera
verknippst, spult er sich, sofern die Kamera dies unterstützt,
automatisch in die Patrone zurück. Will man den Film im Labor entwickeln
lassen, bevor alle Bilder auf dem Film verschossen sind, kann man den
Rückspulmechanismus auch manuell auslösen -- die nicht gemachten Bilder
gehen dabei aber verloren.
Das Bildseitenverhältnis der Abzüge beim KB-Film beträgt 2:3, also
z.B. die bekannten Bildgrößen 9 x 13 oder 10 x 15 cm.
Ganz anders sieht es beim APS aus. So fällt zum Beispiel sofort auf,
dass die Patrone 25 Prozent kleiner ist, was auch kompaktere
Kamerakonstruktionen zulässt. Auch muss man die Patrone nur noch in die
Kamera einglegen, den Rest erledigt die APS-Kamera von selber.
Umständliche Einfädelei entfällt damit. Ist der Film ausbelichtet, wird
er vollständig in die Patrone zurückgespult.
Nachteile hat das kleine Format lediglich für Fotografen, die gerne
große Bilder machen. Dadurch, dass das Bildnegativ kleiner ist als bei
herkömmlichen 35-mm-Aufnahmen, muss man bei vergrößerten Abzügen mit
Einbußen in der Bildqualität rechnen.
Auch nach der Entwicklung erhält der Fotograf den APS-Film wieder in
der kleinen Patrone, zusammen mit einem Indexprint, also einem
Fotoabzug, der sämtliche Bilder in Miniatur zeigt. Indexprint, Film und
Patrone erhalten eine identische Nummer, weshalb man schnell die
richtige Filmpatrone für Fotonachbestellungen zur Hand hat.
Eine Anzeige auf der Oberseite der Filmpatrone gibt Auskunft, ob der
Film unbelichtet, belichtet, nur teilweise belichtet oder bereits
entwickelt ist. Eine Verwechslung wie beim Kleinbildfilm ist damit so
gut wie ausgeschlossen. Eine APS-Kamera erkennt automatisch, ob ein Film
bereits entwickelt ist und verhindert somit die von Fotografen
gefürchtete Doppelbelichtung.
Unterstützt die APS-Kamera das Wechseln teilweise belichteter Filme
(MRC-Funktion), kann man diesen zu einem späteren Zeitpunkt wieder in
die Kamera einlegen und fertig knippsen.
Auch beim Fotografieren selbst bietet das APS Vorteile. So kann der
Fotograf vor jeder Aufnahme zwischen drei verschiedenen Bildformaten
wählen. Zur Auswahl stehen das Classic-Format (C), das dem des KB-Films
entspricht, ein Panorama-Format (P), mit dem Seitenverhältnis 1:3 sowie
das High-Definition-Format (H), mit einem Seitenverhältnis von 9:16. Die
gewünschte Option wird in einer speziellen Datenspur auf dem APS-Film
gespeichert. Die Aufnahmen selbst speichert die APS-Kamera grundsätzlich
im H-Format ab. Damit können die Bilder auch nachträglich, z.B. für
Nachbestellungen, im Format geändert werden. Vor einem Format allerdings
kapituliert der APS-Film bislang: Diafreunde bleiben auf das
traditionelle Kleinbild angewiesen.
Übrigens finden sich auf der Rückseite der Bilder auch wieder die
Identifikationsnummer des Filmes sowie Datum und Uhrzeit der
Schnappschüsse. Je nach Kameratyp kann man den Bildern auch Titel oder
andere Daten zuordnen.
Ob man sich nun letztendlich für das traditionelle
35-mm-Kleinbildformat oder das Advanced Photo System entschließt,
entscheidet der eigene Anspruch: Für Aufnahmen in klassischer
Schnappschussgröße kann man mit APS nichts falsch machen. Wer es größer
mag, sollte vorerst der Tradition verhaftet bleiben. Nach wie vor gilt
auf jeden Fall: Das Finden einer guten Bild-Idee bleibt Aufgabe des
Fotografen!