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Erfahrungsbericht zur Minolta 9000
Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Fotografie, März 2002 ff.
Erfahrungsberichte :
Equipment :
Kameras : Kleinbild :
Minolta : 9000 :
Übersicht
10-Apr-1998/07-Feb-06
Übersicht und Einführung
Die Minolta 9000 ist eine professionelle Kleinbild-
Spiegelreflexkamera mit integriertem Blitz und Autofocus. Bei der
Minolta 9000, die in den USA unter der Bezeichnung Maxxum 9000
vermarktet wurde, handelt es sich um die erste professionelle Kleinbild-
Spiegelreflexkamera mit Autofokus.
Folgende einführende Informationen zu der Kamera sind verfügbar:
Minolta
9000,
Minolta
AF-Serie.
Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen, meine Erfahrungen aus
den vergangenen Jahren zusammenzufassen. Bitte beachten Sie auch
ergänzend meine Erfahrungsberichte zu meinen beiden anderen Minolta-
Spiegelreflexkameras, der Minolta Dynax
9xi und der Minolta Dynax 9, da
diese wertvolle ergänzende Hinweise u.a. zur Minolta- »Philosophie«
enthalten.

Ausstattung
- Aufnahmeformat 24x36 mm
- Neuer Objektivanschluss für Minolta A-Bajonett
- Minolta TTL Phasendetektor AF-System
- Belichtungswerte von 2 bis 19 bei ISO 100
- LED Anzeige im Sucher (Zeit, Blende und Scharfstellung)
- Verschlusszeiten 1/4.000 bis 30 Sekunden sowie »Bulb«- Funktion
für Langzeitbelichtungen
- Automatische Filmtyperkennung (DX)
- TTL Belichtungsmessung, entweder integral mittenbetont oder Spot
- Belichtungswerte 1 bis 20 bei ISO 100 (Objektiv 1,4/50 mm)
- Belichtungsfunktionen: Programmautomatik mit automatischer
Multiprogrammwahl (Weitwinkel, Standard oder Teleprogramm).
Programmshift, Zeitautomatik mit Blendenvorwahl und Blendenautomatik
mit Zeitvorwahl sowie komplett manuell)
- Manuelle Belichtungskorrektur, halbstufig von -4 EV bis +4 EV
- Selbstauslöser (10 Sekunden)
- Abblendtaste für Schärfentiefekontrolle
- Filmtransport manuell mit Schnellspannhebel und Rückspulkurbel
(ohne MD-90)
- Mehrfachbelichtungen möglich
- Anschluss für Blitzsynchronkabel und Fernauslöser
- Okularverschluss
- Energieversorgung: 2 x Mignon- Batterien oder Akkus
- Abmessungen: 53x92x139mm
- Gewicht (Body ohne Batterien): 645 Gramm
Handling und Feeling
Die Minolta 9000 ist eine Kamera zum Arbeiten; man muss sie selbst in
die Hand nehmen, um das nachvollziehen zu können. Die Kamera ist relativ
gross und schwer, sie liegt jedoch perfekt in der Hand; sowohl im
Querformat als auch im Hochformat hat man guten Zugriff auf die
wichtigsten Tasten. An das Gewicht gewöhnt man sich sehr schnell da es
einfach Spass macht mit der Kamera zu arbeiten.
Bedienkonzept
Nach einer Gewöhnungsphase kann man die wichtigsten Funktionen ohne
Hinsehen »blind« vornehmen, zumindest wenn man ein halbwegs trainiertes
taktiles Gedächtnis hat -- dies übrigens im Gegensatz zum
Nachfolgemodell, der Minolta Dynax 9xi.
Die meisten Funktionen werden über zwei an der Oberseite angebrachten
Räder sowie zwei Drucktastenpaare für Blende und Zeit eingestellt; das
ist sehr rasch zu momorieren und natürlich werden die Veränderungen der
Werte im Sucher angezeigt.

Autofokus
Der Autofokus ist -- vergleichen mit aktuelleren Modellen --
natürlich langsam, aber immer ausreichend präzise. Obwohl die Minolta
9000 nur über ein einziges horizontal messendes Autofokusfeld
verfügt gibt es extrem selten Probleme beim Fokussieren. Der
Autofokus der Minolta Dimage 7Hi ist zwar schneller, m.E.
jedoch erheblich unsicherer als der der 9000.
Da die 9000 noch keinen Kreuzsensor kennt, kann bei bestimmten
Motiven technisch bedingt nicht fokussiert werden; dann dreht man die
Kamera halt um etwa 5 Grad, der Autofokus kann wieder fokussieren und da
die Aufnahmedistanz ja gleich bleibt, kann man die Schärfe auch ohne
weiteres speichern.
Belichtungsmessung
Die Belichtungsmessung der Minolta 9000 ist relativ simpel; es
gibt keine Mehrfeld- oder gar Matrixmessung à la Nikon F5; von der
mittenbetonten Integralmessung halte ich auch wenig, aber mit der
Spotbelichtungsmessung gelingen auch problemlos hervorragend belichtete
Dias.
MD-90 und AW-90
Die Minolta 9000 ist m.W. die einzige jemals am Markt verkaufte
Autofokus- Spiegelreflexkamera mit manuellem Filmtransport. Obwohl das
einige Vorteile hat (geringer Energieverbrauch, Mehrfachbelichtungen,
mehr als 36 Bilder pro Film, unkompliziertes Wechseln des Films usw.)
ist ein Winder -- der AW-90 -- oder ein Motor -- der MD-90 -- natürlich
bequemer.
Der MD-90 ist ein vollwertiger Motorantrieb der an der Unterseite der
Minolta 9000 angeschraubt wird; er ermöglicht automatischen Bildvorlauf,
in Verbindung mit dem Batteriepack BP-90 automatisches Rückspulen sowie
Bildfolgen von bis zu fünf Bildern pro Sekunde. Zusätzlich verfügt er
über einen Hochformatauslöser.
Der AW-90 ist ein kompakter Winder, der geringere
Filmtransportgeschwindigkeit und weniger Funktionen bietet, dafür auch
preiswerter und deutlich leichter ist.

Verschleisserscheinungen
Die Minolta 9000 ist eine ausserordenlich robuste und
unempfindliche Kamera, gerade im Vergleich zu aktuellen
hochtechnisierten Geräten oder gar Digitalkameras; sie verträgt Rütteln
oder Stösse i.d.R. problemlos.
Dennoch ergeben sich natürlich rund 15 Jahre nach Einstellung der
Produktion möglicherweise einige Abnutzungserscheinungen. Beim
Gebrauchtkauf sollte auf folgende Details geachtet werden:
- Der erste Blick sollte dem Gehäuse gelten: Schrauben ansehen.
Wenn diese zerkratzt oder abgenutzt sind, war ein Laie am Werk, dann
seollte man lieber die Finger von der Kamera lassen.
- Funktionalität des Autofokus und anderer elektronischer
Komponenten testen, z.B. von der Kamera gemessene Belichtungszeiten
mit den Messwerten eines
Belichtungsmessgeräts vergleichen.
- Der Schalter für die Abblendtaste neigt zum »Ausleiern«, ebenso
die Rückspulkurbel bzw. das Einstellrad für den Modus der
Belichtungsmessung.
- Das Display neigt leider bei den frühen Modellen zum Anlaufen,
was zwar die Lesbarkeit verringern kann, aber die Funktionalität
nicht zwangsläufig einschränken muss.
- Der Objektivanschluss ist oft, zumindest bei professionell
genutzten Geräten, sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, hier
sollte man unbedingt auf den guten Sitz der Objektive achten.
- Bei einigen Modellen lockert sich das Sucherfenster nach
intensiver Nutzung der Kamera.
- Das Filmfach auf Beschädigungen und Verschmutzung untersuchen.
- Der Spiegel darf keine Fehler aufweisen. Leichte Kratzer auf der
Mattscheibe beeinträchtigen nicht das fotografierte Bild, können
aber bei der Bildgestaltung stören. Die Mattscheiben kann man
übrigens problemlos selbst austauschen.
Am besten fährt man beim Gebrauchtkauf natürlich wenn man die
Möglichkeit eingeräumt bekommt, die Kamera ausgiebig zu testen, so dass
man alle Belichtungszeiten und Blendenöffnungen mit einem Testfilm und
ggf. einem eigenen Objektiv ausprobieren kann. Mindestens eine Woche
sollte der Verkäufer dafür einräumen, viele Händler geben auch drei bis
sechs Monate Garantie.
Zusammenfassung
Die Minolta 9000 ist eine hochwertige und absolut zuverlässige
Kamera, mit der es Spass macht zu arbeiten. Ich empfehle, die Kamera mit
Autofokus, Zeit- oder Blendenautomatik und Spotmessung zu verwenden;
dies ermöglicht ein hohes Mass an Kontrolle über das Bildergebniss und
ist jederzeit leicht zu überschauen.
Die Benutzung der Kamera ist einfach und weitgehend selbsterklärend,
das Bedienkonzept klassisch und sehr funktional; es gibt keinen
technischen Ballast, der vom Fotografieren ablenken könnte.
Die Kamera ist nicht besonders elegant, liegt aber ausgezeichnet in
der Hand und macht beliebige Strapazen ohne Fehlfunktionen mit -- von
niedrigen Temperaturen über Spritzwasser bin hin zu Stössen hat meine
9000 alles überlebt.
Und das wichtigste: Die Minolta 9000 macht ausgezeichnete
Bilder.
Laut foMAG-Liste 2005/06 ist die Minolta 9000 AF
derzeit zu einem Gebrauchtpreis von etwa 90 Euro zu bekommen, man sollte
also unbedingt zugreifen, wann man ein funktionstüchtiges Exemplar zu
diesem Preis auftreiben kann.
Weiterführende Informationen
Netmarks
9000.org,
www.9000.org (alternative Textversion:
www.9000.org/text).
Liebevoll und aufwändig gestaltete Website zur Minolta 9000 von
Magnus Wedberg (www.magnuswedberg.com),
enthält u.a. ein vollständiges Manual zur Kamera und diverse
Beschreibungen und Anmerkungen zu Systemzubehör. Gliederung: »Basic
Operaions«, »Taking Photos with the 9000«, »Advanced
Concepts«, »Accessories« und »Miscellaneous
Information«.
Weitere Erfahrungsberichte
Weitere Erfahrungsberichte zu Kleinbildkameras von Minolta:
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