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Erfahrungsbericht zur Minolta Dynax 9
Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Fotografie, März 2002 ff.
Equipment :
Kameras :
Kleinbild : Minolta :
Dynax 9 : Übersicht
25-Mar-2002/07-Feb-06
Übersicht und Einführung
Die Minolta Dynax 9 ist eine professionelle Kleinbild-
Spiegelreflexkamera mit integriertem Blitz und Autofocus. Die Dynax 9,
die in den USA unter der Bezeichnung Maxxum 9 vermarktet wird,
löste Ende 1998 die Minolta Dynax 9xi
(bzw. Maxxum 9xi) als professionelles Spitzenmodell ab.
Folgende einführende Informationen zu der Kamera sind verfügbar:
Minolta
Dynax 9,
Minolta
Dynax-("alpha")-Serie.
Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen, meine Erfahrungen aus
den vergangenen Jahren zusammenzufassen. Bitte beachten Sie auch
ergänzend meine Erfahrungsberichte zu meinen beiden ersten Minolta-
Spiegelreflexkameras, der Minolta Dynax
9xi und der Minolta 9000, da
diese wertvolle ergänzende Hinweise u.a. zur Minolta- »Philosophie«
enthalten.

Bedienkonzept und User Interface
Das Bedienkonzept gefällt, insbesondere im Vergleich zum
Vorgängermodell; es gibt keine Konfigurationsmenüs, relativ wenige
Tasten und fast alles wird über gut beschriftete Schalter eingestellt.

Sucher
Die Dynax 9 ist die erste AF-SLR- Kamera, mit 100- Prozent- Sucher
(Vollformat- oder Realbildsucher); insbesondere Diafotografen werden das
zu schätzen wissen.
Die Minolta- Mattscheiben sind ebenfalls ausgezeichnet; es stehen
verschiedene Alternativen zum Auswechseln bereit, darunter Mattscheiben
mit Gitternetzlinien, einem Fadenkreuz mit Skala sowie besonders
lichtdurchlässige Mattscheiben; alle Varianten -- zumindest die, die ich
bisher kennengelernt habe -- zeichnen sich durch ihre Helligkeit aus.
Der 100%- Sucher kann bei Billigabzügen aus dem Supermarkt zu
Irritationen führen, da diese normalerweise immer beschnitten werden
(»Nanu? Da waren doch Füsse auf dem Bild?«). Für die Hybridverarbeitung
(Scannen des Negativs und digitale Weiterverarbeitung) oder Heimwerker
mit eigenem Fotolabor bietet der exzellente Sucher nur Vorteile.
Als Brillenträger habe ich einen recht komfortablen Einblick in den
Sucher; einen vollwertigen High Eypoint- Sucher, wie ihn Nikon bietet,
ersetzt das aber leider nicht.
So weit ich weiss, hat Minolta bisher nie eine SLR mit Wechselsucher
gebaut; die Dynax ist auch hier keine Ausnahme; Vorteile: Gehäuseinneres
ist besser geschützt gegen Staub und Feuchtigkeit; Nachteile: Die
Flexibilität, die ein Wechselsucher bietet, existiert nicht und kann
auch nicht nachgerüstet werden.
Der aufsteckbare Winkelsucher VN mag für exotische Anwengungsbereiche
oder Makrofotografen nützlich sein, einen Aufsichtsucher, andere
Wechselsucher oder gar die dreh- und schwenkbaren Displays einiger
Digitalkameras ersetzt er leider nicht.
Belichtungssteuerung und -messung
Für die Belichtungssteuerung setzt Minolta auf eine 14-
Segment-Matrix. Die Mehrfeldmessung ist mit der AF- Funktion zur
Erfassung des Hauptobjektes verknüpft (Integral 80%; Spot 2,7%). Die
TTL- Blitzbelichtungsmessung ist mit den AF-Sensoren gekoppelt und
erfolgt über einen 4-Zonen-Sensor. Mit dem Programmblitzgerät 5400HS
sind Synchronzeiten bis 1/2.000 s erreichbar.
Minolta brilliert mit einem Verschluss, der dank ultraleichten
Lamellen aus kohlefaserverstärktem Epoxidharz mit mit 1/12.000 Sekunde
die kürzeste Zeit aller AF-SLR-Kameras erreicht -- neben der Dynax 9xi,
die konnte das auch schon. Damit gelingt das Einfrieren von Bewegungen
auch ohne Blitz perfekt, ausreichend Licht oder einen schnellen Film
vorausgesetzt. Ein »Nebeneffekt« dieses Weltrekords ist die kürzeste
Blitzsynchronzeit von 1/300 Sekunde, ebenfalls einzigartig bei Kameras
dieser Klasse.
Die integrierte 11-Segment-Messung arbeitet meist zufriedenstellend.
Obwohl ich bisher fast ausschliesslich mit Spotmessung gearbeitet habe,
verwende ich mittlerweile häufiger Minoltas Variante der Matrix-
Belichtungsmessung.
Programmautomatik und Motivprogramme
Die Dynax 9 verfügt über die klassichen Aufnahme- Modi:
- Blendenautomatik mit Zeitvorwahl [S];
- Zeitautomatik mit Blendenvorwahl [A];
- Programmautomatik (Vollautomatik; der berühmte »Panik«- Modus)
[P];
- Manuelle Belichtungssteuerung.
Motivprogramme à la »Portrait«, »Sonnenuntergang«, »Sport« usw.
bietet die Dynax 9 nicht -- die Zielgruppe der professionellen
Fotografen würde sich da wohl auch etwas wundern.
Gehäuse
Die äusseren Gehäuseteile sowie der Spiegelkasten der Dynax 9
bestehen aus Edelstahl; die äussere Beschichtung bildet ein
UV-gehärtetes Polymer, das unempfindlich und griffig sein soll.
Die Verarbeitung des Gehäuses ist für meine Verhältnisse mehr als
anständig, man spürt überall das kalte Metall unter dem
Kunststoffüberzug; die Kamera fühlt sich stabil und wertig an.
Der Handgriff ist brauchbar, aber weniger griffig als bei der Minolta
9000 da etwas zu schmal geraten. Die Gesamt- Griffigkeit wird mit
angesetztem Hochformatgriff sehr gut, auch für grössere Hände. Ich halte
die Kamera aber lieber hauptsächlich am Objektiv als am Handgriff, was
die Verwendung kleiner bzw. kurzer Objektive etwas einschränkt.
Funktionshandgriff VC-9
Wer gerne Hochformataufnahmen fotografiert, sollte sich den Handgriff
VC-9 anschauen; er ermöglicht eine Stromversorgung der Kamera mit
normalen Mignon- Akkus und bietet duplizierte Bedienelemente (Auslöser,
Einstellräder, AEL- und AF- Tasten) für Hochformatfotos.
Natürlich besitzt der Handgriff ein eingebautes Stativgewinde, daher
muss man ihn nicht von der Kamera entfernen, um diese auf ein Stativ zu
montieren.
Auch der Handgriff ist übrigens -- im Gegensatz zu manchem lieblos-
überteuerten Stück der Konkurrenz -- aus Metall.
Auch mit angesetztem Handgriff steht die Kamera stabil auf einem
ebenen Untergrund.
Dynax 9 mit Funktionshandgriff VC-9 (Hochformatauslöser &
Batteriefach):

Blitzgerät
Die Dynax 9 verfügt als erste Profikamera über ein eingebautes
Blitzgerät mit Leitzahl 12 (ISO 100) und einer Ausleuchtung bis 24 mm
Brennweite.
Der Blitz ist mit LZ 12 nicht gerade kräftig, aber man kann ihn gut
einsetzen, um ein Minolta- Blitzgerät via TTL fernzusteuern oder eine
Blitzanlage auszulösen.
Ausserdem gibt es erstaunlich viele Situationen, in denen man sich
über einen Aufhellblitz freut, der angenehmerweise auch wirklich immer
zur Hand ist.
Energieversorgung
Mit dem Hochformatgriff wird übrigens nicht nur der Einsatz von
Mignon- Zellen möglich, sondern von insgesamt drei Batterietypen.
Neun AF-Sensoren
Ich habe den Wettbewerb um die Kamera mit den meisten AF-Sensoren nie
verstanden; ein zentraler Kreuzsensor ist sicherlich manchmal nützlich,
gebraucht habe ich sowas aber auch zu Zeiten der Minolta 9000 nie. Ich
weiss, worauf ich scharf stellen möchte, peile das mit dem markierten
Sensor in der Mitte des Suchers an, speichere die Schärfe und korrigiere
den Bildausschnitt; das ist eine fliessende Bewegung, die nach einer
gewissen Gewöhnungszeit in Fleisch und Blut übergeht.
Bei der Dynax 9xi hat mich der springende Fokussensor manchmal fast
in den Irrsinn getrieben; ich kann auch keinen Grund erkennen, aus
welchem Grund meine Spiegelreflexkamera für mich entscheiden sollte,
worauf ich gerade scharfstellen soll. Das geht in mindestens 50 Prozent
aller Fälle schief.
Lässt man die Dynax 9 mittels "Flächen AF" automatisch einen
AF-Sensor auswählen, ist man manchmal überrascht, welche Interpretation
die Kamera liefert. Das Ergebnis ist meist eher verwirrend, zumal schon
eine minimale Bewegung der Kamera dazu führen kann, dass ein anderer
Sensor genutzt wird. Sowohl bei der Dynax 9xi als auch bei der Dynax 9
kann man diesen Irrsinn anzeigen lassen -- im Sucher führen dann die
Sensormarkierungen einen wilden Veitstanz auf.
Für die meisten Situationen reicht es aus, den zentralen Sensor zu
benutzen. Meiner Meinung nach wird die Kamera dadurch sogar schneller,
vielleicht weil sie sich die interne Verarbeitung der multiplen
Sensorinformationen sparen kann.
Autofokus
Für den Normalfotografen soll heutzutage nach relativ
übereinstimmenden Aussagen der Fotoindustrie jeder aktuelle Autofokus
schnell genug sein. Diese Ansicht kann ich nicht teilen; der Autofokus
der Dynax 9 ist schnell, erheblich schneller als der der Dynax 9xi oder
gar der Minolta 9000. Ob er aber schnell genug ist, hängt von einer
Vielzahl von Faktoren ab:
- Verwendetes Objektiv; bei Verwendung langer Telebrennweiten oder
des alten (schwarzen) Minolta AF 2,8/80-200 ist er fast immer zu
langsam, für Aufnahmen mit Normal- oder Weitwinkelobjektive reicht
er fast immer aus. Grundsätzlich besser funktionieren m.E. die
original Minolta- Objektive; selbst mit AF- Objektiven der ersten
Generation (Mitte der 80er Jahre) kann man zuverlässig arbeiten, mit
einigen Sigma- Objektiven nicht immer; ähnliches soll auch für die
Produkte anderer Fremdhersteller gelten.
- Motiv und Aufnahmesituation; kein Autofokus der Welt hat
Probleme mit statischen und kontrastreichen Motiven in guter
Beleuchtung; der AF der Dynax 9 arbeitet dank AF- Hilfslicht auch in
der Dämmerung noch recht gut, ist aber nicht mehr so sicher; bewegte
Motive (rennende Kinder, spielende Hunde) bei geringer
Aufnahmedistanz sind fast unmöglich zu fokussieren.
Die Dynax 9 schiesst AF- nachgeführte Serien mit 4,5 Bildern/s, ohne
AF sind es 5.
Eye Start AF
Über das Eye Start AF- Feature kann man sich streiten; ich habe nie
so ganz verstanden, wozu das eigentlich nutzen soll: Wer ein Bild machen
will, wird nicht umhin zu kommen, den Auslöser zu berühren, warum soll
das nicht ausreichen, um die Kamera zu aktivieren? Wenn ich die Kamera
bei der Hand habe, kann ich den Auslöser bereits während der Bewegung
zum Auge antippen, und die Kamera ist voll einsatzbereit, sobald sie
gebraucht wird -- und fängt nicht erst am Auge an, sich einzuschalten.
Ein praktischer Nachteil dieser Funktion betrifft Leute, die die
Kamera in der Hand halten und sich damit bewegen; der »Eye Start« wird
nämlich keinesfalls nur von einem Auge aktiviert, sondern wohl von
Kontrastunterschieden; das bedeutet, dass die Kamera ständig nutzlos
herumfokussiert und den kostbaren Batteristrom verheizt.
Zubehör
Wie auch zu jeder anderen Spiegelreflexkamera habe ich für die Dynax
9 sofort zwei Zubehörteile angeschafft:
- Hochformatauslöser -- für Hochformataufnahmen, zur Erhöhung der
Griffigkeit der Kamera und für die Energieversorgung mit Mignon-
Akkus.
- Mattscheibe mit Gitterlinien (ca. DM 100,-; kann -- im Gegensatz
zu den Vorgängermodellen -- nicht mehr selbst ausgewechselt werden)
-- die Aufteilung des Suchers hilft mir bei der Bildgestaltung und
der Ausrichtung der Bildkanten an Linien oder Strukturen.
Unverzichtbar ist die Gitterlinien- Mattscheibe auch für klassische
Architekturfotografie, und Liebhaber der Goldenen Schnitts schätzen
sie auch. Wer viel Makro fotografiert, wird sich vielleicht für die
Mattscheibe mit Fadenkreuz interessieren.
Anderes Zubehör ist entweder vorhanden (Akkus, Ladegerät, Objektive,
Blitzgerät etc.), oder unnütz; für eine robuste Kamera wie die Dynax 9
braucht man keine gepolsterte Weichledertasche.
Diebstahlschutz
Wer mit nagelneuen Fototaschen durch Sizilien promeniert oder in den
Tropen herumstiefelt, ist selber Schuld. Bunte Werbeaufdrucke mit
bekannten Markennamen ziehen nicht nur die Bewunderung finanziell
minderbemittelter, sondern ganz besonders die gieriger und neidischer
Zeitgenossen auf sich.
Für den Transport in langfingrige Gefilde empfehle ich daher, die
Kamera gegen Stöße durch ein flusenfreies und sauberes (!) Handtuch zu
schützen; die beste Verpackung ist eine stabile Plastiktüte in einem gut
gepolsterten Allerwelts- Rucksack; die Tüte schützt zudem auch besser
gegen plötzliche Regengüsse, Sandstürme oder Spritzwasser als jedes
kostspielige Zubehör des Herstellers, Unterwassergehäuse einmal
ausgenommen.
Vom Trageriemen entferne ich bunt leuchtende Werbeaufdrucke;
Firmenlogo und Modellbezeichnung auf dem Kamerabody klebt man am besten
mit Textil- oder Isolierbad ab. Je abgeranzter die Kamera aussieht,
desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sie Beine bekommt.
Da Minolta- Kameras, verglichen mit den Profi- Modellen von Canon
oder Minolta, sowieso einen geringeren Wiederverkaufswert haben, stören
mich auch Kratzer oder Lackschäden wenig. Ich weiss nicht, ob die
Metall- Legierung rostfrei ist, aber bei mir zeigen sich noch keinerlei
Spuren von Rostansatz. Wen Kratzer stören, kann sich im KFZ- oder
Fahrradhandel passende Lackstifte besorgen und zumindest kleinere
Schäden selbst ausbessern.
Objektivsystem
Minolta gehört zu den wenigen verbleibenden Fotofirmen, die noch in
der Lage sind, Gläser selbst zu entwickeln und zu produzieren. Auch für
die Dynax 9 gilt: Ein Motor in der Kamera treibt den AF im Objektiv an;
bis Mai 2003 gab es keine Ultraschall- Objektive für das Minolta AF-
System, auch nicht von Fremdherstellern.
Die AF- Objektivpalette von Minolta ist über anderthalb Jahrzente
gewachsen; sie reicht von einem ordentlichen Fish-Eye Objektiv mit 16 mm
bis zu einem Supertele von 600mm/f4,0 und umfasst zahlreiche
Spezialitäten wie Spiegeltele, Softfocus u.a.
Empfehlenswerte Objektive sind:
- 1,4/85 mm G,
- 2,0/100 mm,
- 2,8/100 mm Macro,
- 2,8/28-70 mm G,
- 2,8/80-200 mm G,
- 4,5/100-300 mm APO,
- 2,8/300 mm APO,
- 2,8/400 mm,
- 8,0/500 mm Spiegelobjektiv.
Sonstiges
Laut foMAG-Liste 2005/06 ist die Dynax 9 derzeit zu
einem Gebrauchtpreis von etwa 750 Euro zu bekommen.
Weitere Erfahrungsberichte
Weitere Erfahrungsberichte zu Kleinbildkameras von Minolta:
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