Erfahrungsbericht zur Nikon Coolpix 995
Von Agon
S. Buchholz für Kefk
Network Fotografie, Dezember 2001 ff.
Erfahrungsberichte :
Kameras : Digital
: Nikon : Coolpix 995 :
Übersicht
19-Dec-2001/07-Feb-06
Übersicht
Die Nikon Coolpix E-995 ist eine digitale Kompaktkamera der oberen
Leistungsklasse mit einer ganzen Reihe von Alleinstellungsmerkmalen,
z.B. einer leistungsfähigen Makrofunktion. Folgende einführende
Informationen sind verfügbar:
Im Web sind zahlreiche ergänzende Reviews
zur Coolpix 995 verfügbar.
Die Coolpix 995 bildet das Ende einer längeren Produktlinie,
die eine kontinuierliche Modellpflege durch den Hersteller zeigt. Sie
löst die
Coolpix 990 ab, die ihrerseits Nachfolger der
Coolpix 950 war.
Gleichzeitig bildet die Coolpix 995 den vorläufigen Endpunkt
der Nikon-Produktlinie von Digitalkameras mit drehbarem Objektivtubus.
Ihr Nachfolgemodell, die
Coolpix 5000 sowie die gleichzeitig zur IFA 2001 in Berlin
vorgestellten Consumer-Modelle
Coolpix 775 und
Coolpix 885 weisen diese nützliche Besonderheit nicht mehr auf.
Ich erwarb die Coolpix 995 Ende 2001 als Ergänzung zu einer
ultrakompakten Canon
Digital IXUS; vgl. hierzu auch den Artikel zu meiner
Fotobiografie. Erstmals kam sie zum Einsatz auf einer Tour zum
Darss
unter -- für eine Digitalekamera -- problematischen Bedingungen: Es
herrschten Temperaturen knapp unter 0° Celsius und der Akku der IXUS
machte nach etwa fünf bis zehn Aufnahmen schlapp...
Kameracharakteristik
Die Coolpix 995 zählt zur
3-Megapixel-Leistungsklasse (3,34 Megapixel) und verfügt über ein
optisches 4-fach-Zoom mit einem Brennweitenbereich von 38-152 mm
(entspr. Kleinbild).
Zu den weiteren Besonderheiten zählen neben dem schwenkbaren
Objektivtubus eine ab 2 cm Aufnahmeabstand nutzbare Makrofunktion und
ein auf ISO 800 erweiterter Empfindlichkeitsbereich sowie die praktische
"Quick"-Funktion, mit der die fotografierten Bilder unmittelbar nach der
Aufnahme ohne Moduswechsel angezeigt werden können.
Grösse und Gewicht bilden einen sinnvollen Kompromiss mit den
Fähigkeiten der Kamera, die noch handlich und bequem transportierbar
ist, gleichzeitig aber auch ausreichend Platz für Spezialitäten wie das
4-fach-Zoom bietet.
Autofokus, Objektiv und Optik
Die Scharfeinstellung erfolgt entweder über Autofokus in 7.123
Einstellschritten oder über manuelle Fokussierung in 50 Schritten.
"Manuell" bedeutet, das die Fokussierung über Tasten eingestellt wird;
das bringt keine Geschwindigkeitsvorteile gegenüber dem Autofokus und
ist daher m.E. überflüssig.
Die Nikon Coolpix 995 besitzt im Vergleich zu ihrem
Vorgängermodell nun ein 4-fach-Zoomobjektiv, das mit einer
Brennweite von 8 bis 32 mm (entsprechend 38 bis 152 mm im KB-Format)
aufwartet und damit vom leichten Weitwinkel bis zum leichten Tele
reicht. Dieser Brennweitenbereich deckt annähernd die in meinen
Objektiv-Dreamteams für den alltäglichen Gebrauch emfohlenen
Brennweiten ab. Optional sind Weitwinkel- und Telekonverter erhältlich,
ein Fisheye-Adapter steht ebenfalls zur Verfügung. Angenehm ist, dass
sich die Frontlinse nicht dreht und das Objektiv beim Zoomen nicht
ausfährt.
Die Lichstärke ist variabel und reicht von 1:2,6 (Weitwinkel) bis
1:5,1 (Tele); das ist leider wenig spektakulär aber muss wohl als
Zugeständnis an den grossen Brennweitenbereich angesehen werden.
Spektakulär
ist dagegen der Makrobereich ab 2 cm, der jedes (!) Standardobjektiv für
Kleinbildkameras schlägt und fast schon ein separates Makroobjektiv
ersetzen kann.
Drei gravierende Nachteile weist der Makromodus jedoch auf:
- Makrofokussierung ist nur in einem mittleren Brennweitenbereich
möglich; eine gültige Einstellung wird im Display signalisiert.
- Die Fokussierung dauert im Makromodus erheblich zu lange.
- Bei Abständen zum Motiv von weniger als ca. 7 cm führt der
integrierte Blitz häufig zu Abschattungen.
Der um 180° drehbare Objektivtubus ermöglicht jederzeit
Aufnahmeperspektiven, für die ich bisher den
Minolta
Winkelsucher VN bemühen musste.
Belichtung
Für die Belichtungssteuerung stehen die drei üblichen Programme
Programmautomatik, Blendenautomatik und Zeitautomatik sowie die manuelle
Einstellung zur Verfügung.
Als Messcharakteristiken stehen Spot- und Matrixmessung sowie eine
mittenbetonte (Integral-) Messung zur Verfügung. Die
Spotbelichtungsmessung kann an den jeweils aktiven AF-Sensor gekopplet
werden.
Display, Bedienung und User Interface
Das Design der Kamera und der Bedienelemente ist gut gelungen,
katastrophal ist jedoch das User Interface der Kamera. Die Menüs
sind teilweise schwer zu erreichen und unklar beschriftet. Teilweise
werden Abkürzungen, teilweise auch Pictogramme verwendet; ein
Hilfesystem in der Kamera existiert nicht.
Bildqualität
Der Verbesserung der Bildqualität dienen neu entwickelte
Bildoptimierungsalgorithmen; daneben verfügt die Kamera über eine neue
Weißabgleich-Belichtungsreihenfunktion sowie eine
Farbsättigungsregelung. Das verlustfreie Abspeichern der Bilddaten im
TIFF-Format wird unterstützt.
Der automatische Weissabgleich funktioniert nicht zufriedenstellend;
für farbneutrale Bilder kann manuell eine Korrektur für Kunstlicht wie
Glühlampen und Leuchtstoffröhren eingestellt werden.
Die Aufnahmekapazität der mitgelieferten 16 MB Speicherkarte hängt
stark von der eingestellten Bildgröße und Auflösung ab:
|
Bildqualität
|
Bildgröße
|
|
|
Volle Größe
|
XGA
|
VGA
|
3:2
|
|
|
16 MB
|
128 MB
|
16 MB
|
128 MB
|
16 MB
|
128 MB
|
16 MB
|
128 MB
|
|
Hi
|
1
|
13
|
-
|
-
|
-
|
-
|
1
|
14
|
|
Fine
|
10
|
81
|
40
|
319
|
100
|
784
|
11
|
92
|
|
Normal
|
20
|
162
|
79
|
622
|
187
|
1469
|
23
|
182
|
|
Basic
|
40
|
319
|
151
|
1181
|
333
|
2605
|
46
|
360
|
Volle Größe = 2048*1635,
XGA = 1024*768,
VGA = 640*480,
3:2 = 2048*1360
Blitzsystem
Der interne Blitz ist auf der Gehäuseoberseite platziert und kann mit
einem Hebel herausgeklappt werden; er ragt dann etwa drei cm über das
Objektiv hinaus. Damit gewinnt der Blitz Abstand von der optischen Achse
des Objektivs, womit das Risiko der "roten Augen" reduziert, jedoch
nicht beseitigt werden kann. Als Alternative zum Blitz verfügt die
Coolpix 995 auch über eine Empfindlichkeitsstufe von ISO 800.
Das Blitzzubehör der
Coolpix 990 kann über den 3-poligen Systemblitzstecker Anschluss an
der Coolpix 995 weiter verwendet werden. Ein Blitzschuh sowie
eine vollwertige TTL- Blitzmessung gibt es, wie schon beim
Vorgängermodell, nicht.
Blitzschiene:
Der Blitzsynchronanschluss ist ausschliesslich für externe
Nikon-Blitzgeräte konzipiert und setzt die als Zubehör erhältliche
Multiblitzhalterung SK-E900 voraus; ein Anschluss an eine Blitzanlage
ist m.W. auch damit nicht möglich.
Besonderheiten
Fast schon selbstverständlich erscheint bei heutigen Digitalkameras
die Möglichkeit, kurze Videosequenzen aufzuzeichnen. Die Nikon
Coolpix 995 ist allerdings nicht in der Lage, neben den
Bewegtbildern auch den dazugehörenden Ton aufzuzeichnen.
Ausstattung und Lieferumfang
Im Funktionsumfang ist die Coolpix 995 in ihrer Klasse
ungeschlagen. Der Automatikmodus (Modus "A") ermöglicht einen einfachen
Einstieg; der manuelle Modus ("Modus "M") eröffnet dem ambitionierteren
Fotografen eine Vielfalt an Möglichkeiten, um das Bildresultat an die
eigenen Wünsche anzupassen. Blende, Verschlusszeit,
Belichtungsmessungen, Weißabgleich, Fokussierung – nahezu alle
Einstellungen lassen sich modifizieren.
Die Stromversorgung erfolgt neuerdings über den Lithium-Ionen-Akku
EN-EL1 (derselbe Akku, der auch in der
Coolpix 880 Verwendung findet). Alternativ kann im Notfall eine
2CR5-Lithium-Einwegbatterie eingesetzt werden. Handelsübliche Akkus
werden nicht mehr unterstützt. Im Lieferumfang ist lediglich ein
Ladegerät, jedoch kein Netzteil enthalten.
Software und Treiber
Die Treibersoftware stellt das interne Compact Flash-Drive als
LAufwerk unter Windows zur Verfügung. Alternative Betriebssysteme wie
Linux werden nicht unterstützt.
Nach dem Kauf: Support
Nikon betreibt eine recht kompetente telefonische Hotline; im
Gegensatz zur Handhabung des
Supports bei Canon
ist diese Hotline auch tatsächlich erreichbar.
Reparaturen und Fertigungsqualität
Bereits rund ein Monat nach dem Kauf trat der erste Defekt an unserer
Coolpix 995 auf, ausgerechnet während einer
Japan-Reise; die
Multifunktionswippe verweigerte ihren Dienst. Diese Tasten werden u.a.
zum Navigieren in den aufgezeichneten Bildern sowie zum Erreichen des
Setup-Menüs benötigt. Für den Rest der Reise war es dann nicht mehr
möglich, Einstellungen wie beispielsweise den Weissabgleich der Kamera
zu modifizieren, das Knipsen im Automatikmodus war jedoch nicht
beeinträchtigt.
Nach der Rückkehr nach Deutschland wurde die Kamera über den
Fotohändler eingeschickt (Abgabe: 18-Feb-2002); die Reparatur dauere "mindestens
einen Monat", das bestätigte telefonisch auch der Support. Eine
Möglichkeit, diesen Vorgang zu beschleunigen, gibt es nach Auskunft von
Nikon nicht. Ein Profi-Service mit Reparaturgarantie innerhalb
von maximal zwei Werktagen, wie das bei
hochwertigen analogen
KB-SLR-Kameras üblich ist, existiert für die Nikon Coolpix-Serie
nicht.
Dieser Einzelfall lässt sicher keinen Rückschluss auf die
Fertigungsqualität der Coolpix 995-Kameras zu, allerdings lässt
die Qualitätskontrolle bei Nikon, zumindest was "billige"
2.000-Mark-Digitalkameras angeht, zu wünschen übrig; anders ist der
Ausfall eines essentiellen Bedienelements fast unmittelbar nach dem Kauf
wohl nicht zu erklären.
Rein subjektiv wirkt die Coolpix 995, verglichen mit einer
Canon Digital IXUS
(Digitalkamera, ca. DM 1.200), einer
Canon IXUS (APS-Kamera,
ca. DM 600) oder einer KB-AF-SLR-Kamera wie der
Minolta Dynax 9,
Minolta Dynax
9xi oder
Minolta 9000 eher minderwertig; sie fühlt sich eher wie eine billige
Kompaktkamera an. Die Coolpix 995 bietet optisch und haptisch
auch wenig, was einen wertigen Eindruck vermitteln könnte; nahezu alle
Bedienelemente sind in Plastik oder Gummi gefertigt. Dies ist jedoch ein
rein äusserlicher Eindruck, der keinen zwingenden Rückschluss auf die
tatsächliche Verarbeitungs- oder Fertigungsqualität zulässt.
Zubehör
An das 28 mm-Gewinde des Objektivs lassen sich zwei
Weitwinkelvorsätze, ein Fisheye- und zwei Telekonverter anschrauben.
Alle Vorsatzobjektive:
Weiteres Zubehör:
Fazit
Einige Nachteile gibt es, beispielsweise liegt die maximale
Lichtstärke zwischen F2,6 (Weitwinkel) und F5,1 (Tele), und das leidige
Stromversorgungsproblem aller bisherigen Digitalkameras konnte Nikon
auch nicht wesentlich besser lösen als Canon.
Für die Nikon spricht ein ausgefeiltes Bedienkonzept, eine fast
unüberschaubare Menge an Einstellmöglichkeiten und ein umfangreiches
Systemzubehör.
Leider ist der Unterschied zur konventionellen Fotografie
(Auslöseverzögerung, Bildfolgezeit, etc.) immer noch störend vorhanden.
Im Lieferumfang ist lediglich ein Ladegerät, jedoch kein Netzteil
enthalten.
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Siehe auch
Ulrike Häßler: "Nikon Coolpix 995. Kleiner Sprung"
(Praxistest). In:
Photographie 10/2001, S. 56 f.
Anmerkungen
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