Die beiden hier vorgestellten Coolpix- und Dimage- Modelle
orientieren sich in der Fülle der Funktionen und der
Gehäuseform an einer klassischen Kleinbild- Spiegelreflexkamera
(KB-SLR); bei den Minolta- Kameras wird allerdings weitaus konsequenter
ein eher manuelles Bedienkonzept umgesetzt, während Nikon aus dem Vollen
schöpft und nahezu alle Möglichkeiten einer Digitalkamera in die Coolpix
E-5700 integriert -- mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen.
Die Minolta- Kameras verfügen über ein zentrales Einstellrad (Mode
Dial) oberhalb des Griffes, mit dem die Kamera ein- und
ausgeschaltet wird; ausserdem werden hier Funktionsmodi wie
Videoaufnahme, Setup und Playback gewählt; im Gegensatz zu der Coolpix
kann das Einstellrad hier nicht versehentlich verstellt werden; dieses
Problem tritt übrigens auch bei anderen Coolpix- Kameras wie der
Coolpix 995 auf,
daher ist es unverständlich, warum Nikon bisher keine Sperre
imprmentiert hat. Abgesehen davon ist meinen Fingern das Wählrad (Command
Dial) der Coolpix oberhalb der Zoom- Tasten im Weg; beim Halten der
Kamera verstellt der Daumen ständig das Rädchen. Auch hier hat Minolta
die bessere Lösung gefunden: Das Wählrad ist auf der Vorderseite hinter
dem Auslöser angebracht und wird mit dem Zeigefinger bedient.
Tendenziell kann die Dimage eher mit analogen Bedienelementen
wie Einstellrädern oder Knöpfen genutzt werden, die Coolpix setzt
dagegen stärker auf doppelt belegt Tasten und verschachtelte
Menüfunktionen.

Abbildung:
Minolta Dimage 7Hi: Oberes Einstellrad für Speicher, Messmethoden,
Belichtungsfunktionen, Bildfolgefunktionen (automatische Aufnahme einer
Belichtungsreihe aus drei Aufnahmen), Einstellen des Weißabgleichs und
der Empfindlichkeit in ISO sowie unteres Digital-Effekt- Einstellrad;
rechts davon: AF/MF-Taste und Blitzsynchronanschluss.
Langjährige Minolta- Fotografen kennen vielleicht den Unterschied,
den ein »digitalisiertes« Bedienkonzept ausmachen kann, wenn sie bereits
mit den analogen KB-SLR- Modellen Dynax 9, Dynax 9xi und
Minolta 9000 gearbeitet haben:
- Die aktuelle
Dynax 9
verfolgt ebenfalls ein hochgradig analoges Bedienkonzept und ist
taktil leicht zu »begreifen«;
- die ältere (!)
Dynax
9xi wird dagegen fast ausschliesslich mit Tasten und
Tastenwippen bedient;
- der Urvater aller Autofokus- Kameras -- die
Minolta 9000 -- war noch konsequenter analog, sie verfügte sogar
noch über einen manuellen Filmtransporthebel.
Ich hasse Kameras mit doppelt belegten Tasten oder Funktionen,
die das gleichzeitge Drücken von zwei Tasten erfordern, daher konnte ich
mich nie an das Bedienkonzept der Dynax 9xi gewöhnten, ich liebe aber
die Minolta 9000 und die Dynax 9; daher erschliesst sich mir die
Bedienung der erweiterten Funktionen der Dimage 7i und 7Hi viel
schneller als die der Coolpix- Kameras (andere Coolpix- Modelle wie die
Nikon Coolpix 995
eingeschlossen). Das Problem dabei ist: Ich nutze die Coolpix- Kameras
fast ausschliesslich im Automatikmodus mit einmal eingestellten Presets;
Modifikationen sind mir viel zu umständlich. Die Dimage reizt durch ihre
taktilen Bedienelemente dagegen geradezu zum Ausprobieren und »Spielen«.
Allerdings: Bei der Coolpix erreicht man fast alle wichtigen
Funktionen über ein Menüsystem; der den Dimage- Kameras gibt es
drei Steuerräder mit jeweils vier bis sechs Einstellungen, die
jeweils in eigene (separate) Menüsysteme führen. Man muss sich also auch
hier für jede Einstellung merken, wo man das entsprechende Menü findet:
Im Setup-Modus, über die »Menu«- Taste (und in welchem Modus) oder bei
welchem der beiden weiteren Einstellräder (und wieder: in welchem
Modus).
Ich persönlich kann mir die Bedienung der Diage besser merken, da die
Funktionsgruppen relativ logisch gruppiert sind, ich kann aber durchaus
nachvollziehen, dass mancher Fotograf ein relativ zentrales Menü
bevorzugt, wie es die Coolpix- Kameras bieten.
| Abbildung:
Vergleich der Gehäuserückseiten. |
 |
 |
| Rückseite der
Nikon Coolpix E-5700 mit eingeklapptem Display; die
Bedienelemente sind übersichtlich angeordnet, der Daumen muss
jedoch ständig auf der Zoomwippe ruhen, weil sonst nirgends
Platz ist. |
Rückseite der
Minolta Dimage 7Hi; auf der rechten Seite ist der
zusätzliche Platz für den Daumen gut zu erkennen, der durch den
manuellen Zoomring gewonnen wird. |
Die Dimage- Modelle 7Hi und 7i gehören zu den wenigen derzeit
verfügbaren Digitalkameras, bei denen das Zoom mechanisch bedient
werden kann; das hat eine Reihe von Vorteilen:
- die manuelle Zoom- Bedienung spart Strom,
- sie ist wesentlich schneller und
- ganz erheblich exakter als die entsprechenden Tasten bei der
Coolpix.
Der griffige Zoomring vermittelt ein SLR- artiges Gefühl und hilft,
die Kamera mit der linken Hand zu stabilisieren; der Nachteil dieser
Lösung ist, dass man die Dimage mit zwei Händen bedienen muss.
Die Coolpix ist dagegen leicht genug, um einhändig bedient werden zu
können, auch wenn man die Kamera besser mit der linken Hand stabiliseren
sollte; die Zoom- Tasten werden dabei mit dem Daumen der rechten Hand
bedient, die die Kamera auch hält. Ausserdem bietet Nikon als Zubehör
den
Hochformat- Griff MB-E5700 an, bei dem dem die zentralen
Bedienelemente wie Auslöser und Zoom- Tasten dupliziert sind.
Ebenfalls mechanisch aktiviert werden muss der Macro- Modus
bei der Dimage; auch das spart Zeit beim Fokussieren, da das Objektiv
nicht bei jedem Scharfstell- Vorgang den gesamten Bereich von Macro bis
unendlich durchlaufen muss; zumindest subjektiv gewinnt die Dimage
dadurch erheblich an Bediengeschwindigkeit. Allerdings muss man bei den
Dimage- Kameras darauf achten, ob man möglicherweise bei der gerade
gewählten Brennweite bereits den Macro- Modus einschalten muss; bei der
Coolpix muss man zwar warten, dafür findet die Kamera den passenden
Modus automatisch.
Bei der Coolpix wird der Blitz in der Standardeinstellung
automatisch zugeschaltet, sobald die Kamera der Meinung ist, mehr Licht
zu benötigen (das kann peinliche Situationen verursachen); bei der
Dimage muss der Blitz manuell hochgeklappt werden; das Verhalten des
eingebauten Blitzes lässt sich allerdings bei beiden Kameras weitgehend
frei konfigurieren.