Das
Jahr 2001 brachte schliesslich meine persönliche Wende; aus einer Laune
heraus kaufte ich mir im Sommer eine
Canon Digital IXUS. Ich hatte zuvor ein wenig mit einer
Hitachi MP-EG1 herumgespielt und war von der Schnelligkeit der
Digitalfotografie fasziniert. Anderen Aspekten gegenüber überwog jedoch
die Skepsis, beispielsweise bei der
Archivierung; ich
kann (fast) sämtliche Negative meiner fotografischen "Laufbahn"
jederzeit verwenden, ohne mir Gedanken über irgendwelche Datenformate
oder Kompatibilitäten zu machen. Ich brauche keine Lesegeräte und
Firmwareupgrades. Das Kleinbildformat ist seit einem halben Jahrhundert
standardisiert, und Fotografien meiner Vorfahren haben sogar ein ganzes
Jahrhundert überdauert - aber wer kann noch zehn Jahre alte
5 1/4"-Disketten einlesen? Wie lange halten selbstgebrannte CD-ROMs? Wie
lange wird es geeignete Lesegeräte und Betriebssysteme geben, mit
denen die jeweiligen Dateiformate ausgelesen und weiterverarbeitet
werden können? Die Unterstützung für das interessante FlashPix-
(OpenPix-) Format wurde jedenfalls 1999 eingestellt...
Dennoch überwog wohl meine Lust auf das Neue. Die kompakte IXUS
begleitet mich seitdem als Ersatz für die
Yashica T5 auf allen Wegen, ebenfalls begleitet mich allerdings
seitdem die Sorge um Akkulaufzeiten und die "nächste Steckdose", so
beispielsweise auf meinem Urlaubsreisen nach
Belgien
und
Griechenland. Die erhöhte Geschwindigkeit (der Bildbetrachtung und
-verarbeitung) wird erkauft mit einer geringeren Geschwindigkeit (der
Aufnahme- und Reaktionsbereitschaft).
Das entscheidende Programm zum Auslesen und Verwalten der digitalen
Daten aus der IXUS, der Canon ZoomBrowser EX, stellte dann auch nach ein
paar Monaten den Dienst ein. Das machte mich misstrauisch, wie ich denn
sicher an den Inhalt des "digitalen Films" herankommen könnte - und
resultierte in der Anschaffung eines mehrformatfähigen Kartenlesegerätes
von
Microtech. Meine
Erfahrungen mit der Digital IXUS habe ich an anderer Stelle
zusammengefasst.
Bei aller Kritik und Skeptizismus, der drastisch erhöhte Spassfaktor
wiegt die meisten Unanehmlichkeiten und Kinderkrankheiten der
Digitalfotografie auf. Die
Yashica T5 harrt dem nächsten Stromausfall und selbst die
Dynax 9 findet nur noch selten Verwendung.
Eine
reine Schnappschusskamera ist jedoch auf Dauer unbefriedigend, deshalb
ergänzte ich unsere Fotoausrüstung nach
einigen Überlegungen um eine
Nikon Coolpix 995. Es handelt sich dabei zwar nur um eine
aufgebohrte Kompaktkamera, aber um was für eine!
Die Grösse bildet einen sinnvollen Kompromiss mit den Fähigkeiten:
Ein optisches 4-fach-Zoom mit einer Brennweite von 8-32 mm (entspricht
38-152 mm bei Kleinbild) deckt annähernd den Brennweitenbereich meines
Objektiv-Dreamteams
für den alltäglichen Gebrauch ab. Der Makrobereich ab 2 cm schlägt jedes
(!) Standardobjektiv für Kleinbildkameras und ersetzt fast schon ein
separates Makroobjektiv. Der um 180° drehbare Objektivtubus ermöglicht
jederzeit Aufnahmeperspektiven, für die ich bisher den
Minolta
Winkelsucher VN bemühen musste.


Einige Nachteile gibt es jedoch, beispielsweise liegt die maximale
Lichtstärke zwischen F2,6 (Weitwinkel) und F5,1 (Tele), und das leidige
Stromversorgungsproblem aller bisherigen Digitalkameras konnte Nikon
auch nicht wesentlich besser lösen als Canon. Meine
Erfahrungen mit der Coolpix 995 habe ich an anderer Stelle
zusammengefasst.
Generell habe ich die Digitalfotografie als brauchbar und
unproblematisch kennengelernt; die Bildqualität meiner beiden
Digitalkameras ist ansprechend und reicht für Ausdrucke bis etwa 13x18
oder 18x24 aus, mit den 3 Megapixeln der Coolpix kann man auch
Ausbelichtungen auf 20x30 wagen. Allerdings bieten beide Kameras keinen
Ersatz -- nur eine willkommene Ergänzung -- zu einer Kleinbild-
Spiegelreflexkamera. Ab Ende 2002 machte ich mich auf die Suche nach
etwas, was eher als Ersatz dienen könnte...
Weiter: Going Digital. Oder:
Totyl digital?