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Archivierung von digitalen Daten

Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Digital Imaging, September 2005.

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Erstellt/bearbeitet: 18-Sep-2005/07-Feb-06
Systemzeit: Donnerstag, 16.10.2008, 01:00:45.

Home : Fotografie : Digital : Archivierung


Übersicht

Die Archivierung von digitalen Daten, insbesondere deren Langzeitarchivierung ist ein bisher noch ungelöstes Problem; zum so genannten digitalen Vergessen gibt es bisher nur wenige Erfahrungswerte, und die bisherigen Erkenntnisse sind ernüchternd und durchweg beunruhigend.

So enttarnen wissenschaftliche Forschungsergebnisse das Versprechen der unbegrenzten und verlustfreien Kopierbarkeit digitaler Daten als Mythos, und proprietäre Rohdatenformate erweisen sich bereits jetzt als Zeitbomben, die nicht weniger zerstörungsanfällig sind als die hochentflammbaren Trägermaterialien aus der Frühzeit der Fotografie und des Films.

Die Problematik bei der Archivierung digitaler Daten ergibt sich aus dem charakteristischen Merkmal der Digitalisierung: Digitale Daten sind für den Menschen weder wahrnehm- noch lesbar. Es werden immer mehrere technische Zwischenstufen benötigt, um digitale Daten lesbar aufzubereiten: Speichermedien, Lesegeräte, Sichtgeräte wie Monitore oder Displays etc. Den Inhalt eines Datenträgers kann man nicht so einfach sichten wie ein Diapositiv, das man mal gegen das Fenster halten kann.

Grundsätzliche Problemfelder bei der Archivierung digitaler Daten sind

Dateiformate.

Das Format, in dem die Film- oder Bilddateien auf dem jeweiligen Archiv-Datenträger gespeichert werden, muss dauerhaft lesbar sein. Offene Standards sind hier grundsätzlich proprietären Formaten vorzuziehen; das schließt derzeit leider auch die meisten Rohdatenformate aus.

Datenträger und Datenträger-Formate.

Sowohl die Datenträger (wie CD-R/-RW, DAT, DLT etc.) als auch die Formate der Datenträger (wie ISO9660, Joliet, UDF, Tar etc.) müssen dauerhaft lesbar sein; auch hier sind grundsätzlich offene Standards jeglichen proprietären Formaten vorzuziehen. Können proprietäre Formate (wie Backup von Windows NT) nicht vermieden werden, ist zumindest auf die größtmögliche Verbreitung zu achten: Hersteller von kommerziellen Backup-Programmen verschwinden regelmäßig vom Markt und die Aufzeichungsformate werden häufig nicht von anderen Produkten unterstützt.

Lesegeräte.

Auch Lesegeräte müssen dauerhaft verfügbar sein; werden ältere Technologien von aktuellen Versionen der Backup-Programme nicht mehr unterstützt, sind die Daten verloren; dasselbe gilt für die Lesegeräte selbst, die irgendwann nicht mehr produziert und nicht mehr repariert werden können.

Administrative und desktiptive Metadaten.

Sowohl das Archiv selbst als auch die Archivinhalte müssen durch Metadaten erschlossen und dokumentiert werden. Fehlen Odnungs- oder Objektdaten, wird die Archivbenutzung erschwert oder sogar unmöglich.

Störungen in jedem dieser Bereiche können digitale Daten unbenutzbar machen:

  • Kann ein proprietäres Dateiformat nicht mehr gelesen werden, sind alle Dateien verloren, die in diesem Format gespeichert wurden;
  • kann ein Datenträger oder Datenträger-Format nicht mehr gelesen werden, sind alle auf diesem Datenträger oder in diesem Datenträger-Format gespeicherten Daten verloren;
  • gibt es keine funktionsfähigen Lesegeräte mehr oder können Altgeräte mangels Ersatzteilen nicht mehr repariert werden, sind auch alle entsprechenden Datenträger und mit ihnen alle darauf gespeicherten Daten verloren;
  • sind Datenträger nicht eindeutig beschriftet oder sinnvoll sortiert, und wurden die Bilddateien nicht mit sinnvollen Metadaten erschlossen, sind die digitalen Daten – zumindest in größeren Archiven – unauffindbar und damit faktisch verloren, zumindest aber nicht mehr benutzbar.

Diese Problemfelder gelten übrigens prinzipiell für alle digitalen Daten, nicht nur für Digitalfotos, sondern ebenso für den digitalen Film oder digital archivierte Musik.

Der intrinsische Zerfall analog gespeicherter Bilder – also des Filmträgers oder des Fotopapiers – erfolgt im Verlauf von Jahrzehnten; Kodachrome-Dias beispielsweise verändern sich innerhalb eines Jahrzehnts nahezu überhaupt nicht. Selbst nach einem halben Jahrhundert sind solche Kodachrome-Bilder bei vernünftiger Lagerung noch gut benutzbar.

Digitale Produktgenerationen »altern« dagegen in Jahren oder sogar Monaten; nicht nur die Hardwarepreise verfallen, sondern auch die De-facto-Standards von gestern: Jaz-Drives von Iomega sind ebenso aus der Mode gekommen wie QIC-Streamerbänder. Disketten lassen sich zuverlässig allenfalls einige Jahre lesen, und viele selbstgebrannte CD-R-Medien sind deutlich weniger als zehn Jahr lesbar. Die einzige Abhilfe besteht also im permanenten Umkopieren digitaler Daten; das ist zeit- und kostenintensiv, fehleranfällig und kann ebenso zu Generationsverlusten führen wie bei analogen Daten, zumindest bei bestimmten Technologien wie der HDCAM.

Verlustfrei möglich ist dagegen das Umkopieren digitaler Daten zwischen offenen oder zumindest gut dokumentierten Standards, also beispielsweise von einem FAT32- oder NTFS-Datenträger auf ISO9660/Joliet und umgekehrt. Verluste treten allerdings auch wieder auf bei der Konvertierung von komprimierten Dateiformaten und im Falle so genannter »kippender Bits«; nach aktuellen Forschungsergebnissen sind alle komprimierenden Dateiformate hochgradig anfällig für solche Speicher- und Kopierfehler, die sich systematisch allenfalls durch Checksummen aufspüren lassen.

Besonders unsicher sind auch hier wieder Dateien, die in einem Rohdatenformat gespeichert werden: Diese bisher fast ausschließlich proprietären Formate sind weder offen dokumentiert noch überhaupt legal dekodierbar, da beispielsweise Nikon sogar Teile der Daten verschlüsselt; ein Entschlüsseln dieser Daten ist – auch wenn es sich um Selbsthilfe zur Rettung eigener Bilddaten handelt – illegal, da es sich um einen Verstoß gegen geltende Copyright-Gesetzgebung handelt. Nicht zuletzt aus diesem Grund gibt es derzeit auch keine Reparaturprogramme für beschädigte RAW-Dateien.

Folgende Richtlinien sind also insbesondere bei der Langzeitarchivierung digitaler Daten zu beachten:

  1. Proprietäre Standards sind zu meiden, offene Standards sind zu bevorzugen. Müssen proprietäre Dateiformate oder Datenträgerformate genutzt werden, ist auf möglichst weite Verbreitung zu achten.
  2. Datensicherheit wird durch möglichst hohe Redundanz gewährleistet, die Daten sollten also an möglichst vielen geografisch möglichst weit verteilten Standorten archiviert werden.
  3. Die Datendateien müssen regelmäßig auf moderne Datenträger umkopiert werden und somit zumindest in zwei Generationen separat gepflegt werden.
  4. Die archivierten Medien müssen entsprechend den technischen Empfehlungen aufbewahr werden, also beispielsweise bei konstanter Temperatur, geringer Luftfeuchtigkeit, ohne direkte Sonneneinstrahlung (insbesondere bei optischen Datenträgern) und ohne Beeinflussung durch Magnetfelder (insbesondere bei elektromagentischen Datenträgern).

Interessanterweise scheinen sich ausgerechnet Online-Datenspeicher wie massive RAID-Arrays tendenziell besser zur Langzeitarchivierung zu eignen als viele Offline-Datenspeicher: Das fehlerträchtige und kostenintensive manuelle Umkopieren entfällt hier, da fehlerhafte Datenträger von der Steuerlogik des Arrays erkannt und im laufenden Betrieb ausgetauscht werden können. Ein Indiz für dieses Phänomen ist die zuverlässige Verfügbarkeit von fünfzehn Jahre alten Daten auf Web- und Netzwerk-Servern, deren vermeintliche »Sicherheitskopien« auf Diskette und CD-R mittlerweile schon nicht mehr lesbar sind.

Literatur

Lukas Rosenthaler: »Digitale Archivierung und Filmrestauration«. In: Marille Hahne (Hrsg.): Das digitale Kino. Filmemachen in High Definition mit Fallstudie. Marburg: Schüren 2005, S. 110-127.

Anmerkungen

Forum: Minolta AF-SLR-Kameras (Dynax-Serie) (Anmerkungen in diesem Forum: 1429)

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